Vom Extrem zum Ideal: Die Renaissance des gesunden Mops durch den Altdeutschen Mops und den Retromops

Die Geschichte des Mops ist eine Faszination, die sich über Jahrtausende erstreckt und dabei tiefgreifende Veränderungen in Physiologie, Zuchtethik und gesellschaftlicher Wahrnehmung durchlaufen hat. Ursprünglich als höfischer Begleiter und später als Synonym für eine bestimmte Ästhetik gefeiert, hat die Rasse im Laufe des zwanzigsten Jahrhunderts einen dramatischen Wandel durchgemacht, der die Gesundheit der Tiere auf das Spiel setzte. Was einst als charmantes, rundliches Erscheinungsbild gepriesen wurde, entpuppte sich im Licht moderner tierärztlicher Erkenntnisse oft als das Ergebnis einer exzessiven Selektion, die den Hund von seiner ursprünglichen, gesünderen Form entfernte. Heutzutage erleben wir eine deutliche Trendwende hin zu einer artgerechteren Zucht, die unter den Begriffen „Altdeutscher Mops“ und „Retromops“ bekannt ist. Diese Bewegungen verfolgen nicht das Ziel, einen neuen Hund zu erschaffen, sondern vielmehr, den ursprünglichen Charakter und die körperliche Gesundheit des Mops wiederherzustellen, ohne dabei seine geschätzten Wesensmerkmale zu opfern. Es geht um eine Rückbesinnung auf den Mops der 1950er und 1960er Jahre, der sportlicher, agiler und weniger extrem in seiner Kopfform war. Dieser Artikel geht tiefer als je zuvor in die Anatomie, die züchterischen Hintergründe, die gesundheitlichen Implikationen und die Unterschiede zwischen den verschiedenen Varianten des heutigen Mops, um dem potenziellen Hundehalter ein umfassendes, fundiertes und kritisches Bild zu vermitteln.

Die historische Entwicklung und die Gefahr der Überzüchtung

Die Wurzeln des Mops reichen weit zurück, bis etwa 400 v. Chr., wo die Rasse bereits einen festen Platz in diversen Königshäusern einnahm. Diese historische Verankerung erklärt nicht nur die hohe Wertschätzung, der sich die Rasse bis heute erfreut, sondern auch die tiefe soziale Bindung, die Möpse zu Menschen entwickeln. Der klassische Mops ist bekannt dafür, seinen Platz bevorzugt auf dem Schoß seines Herrchens oder Frauchens zu suchen, ja er fordert diesen Platz fast schon beanspruchend ein. Selbst Besuchende werden nicht verschont; die kleinen Fellnasen nutzen ihren herzerweichenden Blick und die charakteristisch nach hinten geklappten Ohren, um ihre Ziele zu erreichen. Diese Fähigkeit, einen leidenden oder anmutig bittenden Ausdruck zu zaubern, ist kein Zufall, sondern das Ergebnis jahrhunderterter Selektion auf Gefälligkeit und Menschenbezogenheit. Wer diesen Blick nicht kennt, hat oft große Schwierigkeiten, konsequent zu bleiben, was die Erziehung zu einerChallenge macht, die viel Geduld und Einfühlungsvermögen erfordert. Hinzu kommt die absolute Sturheit der Rasse, ein Merkmal, das sowohl im Alltag als auch im Training berücksichtigt werden muss.

Doch während der Charakter des Mops über die Jahrhunderte relativ stabil blieb, änderte sich sein Aussehen drastisch. Besonders im zwanzigsten Jahrhundert schlug die Zucht eine ungesunde Richtung ein, die das Wort „mopsig“ heute oft mit „plump“ und „unbeweglich“ gleichsetzt. Bewusste Zuchtergebnisse, die auf extreme Merkmale wie vorstehende Augen, eine kaum erkennbare Nase, ein flaches Seitenprofil und dicke Nasenfalten abzielten, wurden lange Zeit als Ideal betrachtet. Diese Ästhetik, die im Standard der FCI (Fédération Cynologique Internationale) bis ins Jahr 2010 fest verankert war, wird heute zurecht als Qualzucht bezeichnet. Der Grund dafür liegt in den massiven gesundheitlichen Problemen, die diese extreme Brachycephalie – also die kurze Schädelknochenform – nach sich zieht. Die FCI reagierte schließlich auf die Tierschutzbefürchtungen und änderte den Standard, doch die Wunden der vergangenen Jahrzehnte heilen nicht von einem Tag auf den anderen. Die heutige Zuchtlandschaft ist geprägt von dem Versuch, diese Schäden zu reparieren und den Mops wieder in eine gesunde, artgerechte Form zurückzuführen.

Der Altdeutsche Mops: Rückkehr zur Ursprungsform

Ein zentraler Begriff in dieser Erneuerungsbewegung ist der „Altdeutsche Mops“. Es ist von entscheidender Bedeutung zu verstehen, dass der Altdeutsche Mops keine separate Rasse ist, sondern ein bestimmter Typ innerhalb der reinrassigen Mops-Zucht. Er entstand nicht durch Einkreuzung anderer Rassen, sondern durch eine sorgfältige Selektion innerhalb der eigenen Rassepopulation. Das Ziel dieser Selektion war es, die Merkmale des Mops aus den 1950er und 1960er Jahren wiederzubeleben, eine Zeit, in der die Hunde noch wesentlich gesünder und sportlicher waren. Auf alten Stichen und historischen Bildern ist dieser ursprüngliche Mops oft mit einer längeren Nase, einem längeren Hals und weniger Hautfalten im Gesicht dargestellt.

Der Altdeutsche Mops zeichnet sich durch eine längere Schnauze, längere Beine und eine insgesamt sportlichere Figur aus. Er ist hochbeiniger und weniger korpulent als sein stark brachyzephaler Verwandter. Trotz dieser körperlichen Unterschiede behält er alle geschätzten Eigenschaften des klassischen Mops bei: den engen Bindungscharakter, den humorvollen und feinfühligen Wesenszug sowie die Fähigkeit, ein fantastischer Spielgefährte für Kinder zu sein. Die Zucht dieser Variante ist reinrassig und zielt darauf ab, einen gesunden, agilen Begleithund zu schaffen, der seine Atmung nicht durch extreme anatomische Einschränkungen behindert. Es handelt sich hier um eine Korrektur innerhalb des bestehenden Rassestandards, die durch verantwortungsbewusste Züchter vorangetrieben wird. Diese Züchter, wie beispielsweise der MPRV (Mops und andere Rassen Vereinigung) und seine angeschlossenen Züchter, haben die Gesundheit dieser Rassen explizit als primäres Zuchtziel definiert.

Es ist wichtig, hier eine klare Abgrenzung zu ziehen, da Verwirrung in der Öffentlichkeit herrscht. Der Altdeutsche Mops ist reinrassig. Er trägt das volle genetische Erbe des Mops, jedoch in einer Form, die es ihm erlaubt, nach Lust und Laune zu spielen, zu rennen und sich zu bewegen, ohne sofort in Atemnot zu verfallen. Ein Vergleich zwischen zwei Möpsen aus unterschiedlichen Zuchthäusern verdeutlicht dies drastisch: Ein Mops mit einer längeren Nase und weniger extremen Merkmalen kann völlig problemfrei atmen und zeigt nur bei extremer Anstrengung oder großer Hitze ein leises Hecheln. Ein Mops mit dem klassischen, extremen Typ hingegen benötigt möglicherweise operative Eingriffe am Gaumensegel und leidet unter den typischen, schweren Atemproblemen. Dies zeigt, dass die Länge der Nase nicht nur ein optisches, sondern ein existenzielles Merkmal für die Lebensqualität des Tieres ist.

Der Retromops und das Frops-Konzept: Grenzen der Kreuzung

Neben dem Altdeutschen Mops ist der Begriff „Retromops“ in aller Munde, doch hier herrscht eine semantische und genetische Verwirrung, die aufgeklärt werden muss. In der breiten öffentlichen Diskussion wird „Retromops“ oft als Synonym für einen gesünderen Mops verwendet. In der züchterischen Realität jedoch bezieht sich der Begriff „Retromops“ häufig auf eine Kreuzung des Mops mit anderen Rassen wie dem Jack Russell-Terrier, Pinscher oder Beagle. Diese Hunde sind keine reinrassigen Möpse, sondern „gewollte“ Mischlinge, die als Frops (Mops-Französische Bulldogge-Kreuzung) oder andere Mixes bezeichnet werden können.

Diese Kreuzungen entstehen aus dem Wunsch, die gesundheitlichen Probleme des Mops durch die Einführung von Genmaterial anderer Rassen zu umgehen. Doch damit geht ein erhebliches Risiko einher: Das Tier verliert möglicherweise die spezifischen Wesensmerkmale, die den Mops ausmachen. Der Mops ist bekannt für seine ausgeglichenen, menschenbezogenen Eigenschaften. Beim Kreuzen mit einem Jagdhund wie dem Jack Russell-Terrier kann es passieren, dass der ausgeprägte Jagdtrieb des Terriers durchbricht und das Wesen des resultierenden Hundes grundlegend verändert. Solche Hunde können unvorhersehbar in ihrem Verhalten sein und sind keine reinrassigen Möpse mehr.

Im Gegensatz dazu steht der Begriff des Retromopses in der idealen, züchterischen Vision, die von einigen Gruppen wie den Niederländischen Tierschutzinitiativen vorangetrieben wird. Dort wird unter „Retromops“ ein Mops verstanden, der durch reine Zuchtmaßnahmen eine längere Nase aufweist. In den Niederlanden gilt sogar ein Zuchtverbot für Möpse, deren Nasenlänge nicht mindestens ein Drittel der Kopflänge ausmacht. Dies ist ein starkes signal dafür, dass die wissenschaftliche und tierzuchtliebende Gemeinschaft die Notwendigkeit einer längeren Schnauze für die Gesundheit des Tieres anerkennt. Die artgerechte Zucht eines solchen Mops bedeutet, dass die Schnauze länger wird, was eine bessere Atmung ermöglicht. Daraus folgt logischerweise, dass die Hunde agiler und gesünder werden. Das Ziel ist es nicht, den Charakter zu ändern, sondern den Mops der 50er und 60er Jahre – größer, sportlicher, mit weniger rundem Kopf und längere Nase – wiederzubeleben. Es ist daher entscheidend, zwischen dem reinrassigen Altdeutschen Mops (Selektion innerhalb der Rasse) und den oft als Retromops bezeichneten Kreuzungen zu unterscheiden, da Letztere reinrassig sind und den reinen Mops-Charakter bewahren, während Erstere genetische Mischformen sind, die nicht reinrassig sind.

Anatomische Details und Gesundheitsprobleme des klassischen Mops

Um die Dringlichkeit der Zuchtänderung zu verstehen, muss man sich detailliert mit den gesundheitlichen Einschränkungen auseinandersetzen, die der klassische, extrem gezüchtete Mops leidet. Diese Probleme sind nicht nur lästig, sondern lebensbedrohlich. Die zwei wichtigsten Problembereiche sind die Atmung und die Haut-/Augengesundheit.

Atmung und respiratorische Syndrome

Die auffälligsten Symptome für Atemprobleme bei Möpsen sind Schnarchen, Röcheln, Husten, Würgen und sogar Atemaussetzer. Diese Symptome sind keine harmlosen Nebengeräusche, sondern Indikatoren für eine chronische Sauerstoffunterversorgung. Die Gründe dafür liegen in der Anatomie: kleine Nasenlöcher (Stenose der Choanae) und ein minimaler Nasenraum erschweren den Lufteintritt erheblich. Die Luft wird geräuschvoll aufgenommen, da sie durch enge Öffnungen gepresst werden muss. Ein weiteres kritisches Problem ist das Gaumensegel. Beim Mops ist es oft zu lang und nach hinten verschoben. Dies blockiert die Atemwege zusätzlich und behindert den Luftstrom in die Lunge.

Die Folgen dieser anatomischen Fehlbildungen sind gravierend. Die ständig reduzierte Sauerstoffzufuhr wird bei Belastung und Hitze zu einem großen Problem. Bei körperlicher Anstrengung kann der benötigte Sauerstoff nicht ausreichend aufgenommen werden. Da der Mops durch seine Kurzatmigkeit nicht effektiv hecheln kann – das Hecheln ist der primäre Mechanismus der Hitzeregulierung bei Hunden – fällt diese lebenswichtige Abkühlungsstrategie aus. Der Hund kann sich nicht selbst kühlen. Der Besitzer muss die Abkühlung komplett übernehmen. Kommt noch ein erhöhtes Körpergewicht hinzu, was bei Möpsen aufgrund ihres geringen Bewegungstriebes und ihrer Fressfreude häufig vorkommt, kann es schnell zu einem Kreislaufkollaps kommen. Die Überhitzung des kleinen Hundekörpers muss verhindert werden, damit der Sommer oder der Urlaub nicht zu einem ernsthaften, ja tödlichen Problem werden. Die operative Korrektur dieser Probleme, wie die Vergrößerung der Nasenlöcher oder das Kürzen des Gaumensegels, ist möglich, stellt aber einen erheblichen Eingriff dar, der auf Vertrauenssache zum Chirurgen hinausläuft und nicht jedes Tier gleichermaßen gut verheilt.

Hautprobleme und Augenleiden

Neben der Atmung leiden viele Möpse unter Haut- und Augenproblemen, die direkt mit ihrer extremen Kopfform zusammenhängen. Durch die schlechte Durchblutung und die Reibung in den Hautfalten kann die Haut im Gesichtsbereich trocken und schuppig werden. Teilweise sind die Nasenrücken verhornt und bröckeln ab. Die Hautfalten, die als charakteristisches Merkmal gelten, sind jedoch ein Hygiene-Risiko schlechthin. In ihnen sammeln sich Staub, Dreck, Speichel und Bakterien, was zu chronischen Entzündungen, Rötungen und unangenehmem Geruch führt. Diese Faltendermatitis erfordert eine tägliche, sorgfältige Reinigung, die viele Halter unterschätzen.

Noch empfindlicher sind die Augen des Mops. Aufgrund der flachen Schädelform sind die Augen oft vorstehend („Glupschaugen“) und nicht ausreichend durch die Augenhöhle geschützt. Sie sind extrem anfällig für Verletzungen, da schon kleinste Stöße oder Kratzer die Hornhaut beschädigen können. Zudem sammeln sich kleine Staubpartikel ungehindert im Auge und reizen die Hornhaut, was zu häufigen Augenentzündungen führt. Diese Probleme sind keine Seltenheit und erfordern oft medizinische Behandlung. Im Vergleich dazu haben Altdeutsche Möpse oder Retromöpse mit längerer Nase oft ovalere, ins Gesicht eingebettete Augen, die besser geschützt sind, und weniger problematische Hautfalten.

Der ideale Standard: Aussehen und Charakter des gesunden Mops

Was genau macht also einen gesunden, modernen Mops – sei es als Altdeutscher Mops oder als ideal gezüchteter Retromops – aus? Hier sind die konkreten Merkmale, auf die seriöse Züchter abzielen, um die Lebensqualität zu verbessern.

Physische Merkmale des gesunden Mops-Typs:

  • Gewicht: acht bis zwölf Kilogramm. Dies ist schwerer als der durchschnittliche, oft übergewichtige oder zu leichte klassische Mops, spiegelt aber einen gesünderen Muskelanteil und eine robustere Konstitution wider.
  • Widerristhöhe: 32 bis 38 Zentimeter. Dies zeigt, dass der Hund nicht nur kompakt, sondern auch von Substanz ist.
  • Stumpfe, quadratische Schnauze: Im Gegensatz zur fast nicht vorhandenen Nase des Extremtyps ist die Schnauze deutlich vorhanden, aber stumpf.
  • Breiter Kiefer: Ermöglicht eine bessere Kau- und Atemfunktion.
  • Gerader Nasenrücken mit wenig Falten: Weniger Falten bedeuten weniger Hygiene- und Entzündungsprobleme.
  • Offene Nasenlöcher für freies Atmen: Dies ist das vielleicht wichtigste Kriterium. Die Nasenlöcher müssen so groß sein, dass eine unaufgeregt, leise Atmung ohne Schnarchen möglich ist.
  • Kleine Ohren, die nach vorne fallen: Typisch für die Rasse, aber nicht extrem groß.
  • Ovale, ins Gesicht eingebettete Augen: Besserer Schutz vor Verletzungen und Fremdkörpern im Vergleich zu den hervorstehenden Glupschaugen.
  • Geringelte Rute: Ein klassisches Mops-Merkmal, das beibehalten wird.
  • Kurzes glattes Fell: In allen Beige-Tönen sowie Silber und Schwarz.
  • Erlaubt ist auch geschecktes und gestromtes Fell: Die Fellfarben variieren, haben aber keinen direkten Einfluss auf die Gesundheitsprobleme der Atmung.

Insgesamt wirkt der Retro- oder Altdeutsche Mops sportlicher, beweglicher und weniger „extrem“. Er ist agiler und kann sich wie ein normaler Hund verhalten: flitzen, spielen, rennen. Die optischen Unterschiede – normale Augen, pflegeleichte Hautfalten, eine funktionale Nase – zielen direkt auf eine Verbesserung der Lebensqualität ab.

Charakter und Verhalten

Ein häufiges Missverständnis ist, dass ein Mops mit längerer Nase oder sportlicherer Figur auch einen anderen Charakter hätte. Dies ist falsch. In einer seriösen Zucht unterscheidet sich das Wesen von Altdeutschen Möpsen oder gesunden Retromöpsen kaum von dem der „normalen“ Vertreter. Der Mops bleibt ein kluger Vierbeiner, der sich gerne eng an seinen Menschen bindet und mit ihm zusammenarbeitet. Er ist ein unkomplizierter Begleithund.

Der Unterschied liegt primär in der Bewegungsfreude. Während der extrem gezüchtete Mops aufgrund seiner Atemnot oft lethargisch wirkt und sich nur schwer bewegen kann, ist der Retro-Mops bewegungsfreudiger. Er kann seinen natürlichen Spieltrieb ausleben, ohne sofort zu leiden. Er bleibt dabei aber derselbe treue Freund, derselbe lustige, feinfühlige Geselle, dessen bloßer Blick an stressigen Tagen genügt, um ein Lächeln auf das Gesicht zu zaubern. Der Mops ist ein fantastischer Spielgefährte für Kinder, manchmal etwas stürmisch, aber im Kern liebevoll. Er teilt seine Lieblingsspielzeuge, sein Körbchen und sogar sein Essen brüderisch mit seinen Menschen. Die nassen Mopsküsse und die tiefe emotionale Bindung bleiben die Kernmerkmale der Rasse, unabhängig von der Länge der Nase.

Praktische Implikationen für den Halter

Für den potenziellen Mopsbesitzer ergeben sich aus diesen Unterschieden erhebliche praktische Implikationen. Die Entscheidung für einen Altdeutschen Mops oder einen gesündert gezüchteten Mops ist nicht nur eine ethische, sondern auch eine lebenspraktische Entscheidung.

Hitze- und Belastungsmanagement

Beim klassischen, extremen Mops muss der Halter ständig die Hitzeregulierung übernehmen. Das bedeutet, dass man im Sommer keine langen Spaziergänge bei Sonne unternehmen darf, keine intense Spiele im Haus erlauben darf und den Hund aktiv kühlen muss. Bei einem Altdeutschen Mops mit freieren Atemwegen ist dies deutlich weniger kritisch. Zwar sollte auch er nicht übermäßig beansprucht werden, aber er kann seine eigene Hitzeregulation durch Hecheln besser durchführen. Das reduziert den Stress für den Halter und das Risiko für akute Notfälle wie Kreislaufkollaps durch Überhitzung.

Operative Eingriffe und Kosten

Viele Halter klassischer Möpse stehen vor der Entscheidung, teure Operationen am Gaumensegel oder an den Nasenlöchern zahlen zu müssen. Diese Eingriffe sind zwar lebensrettend, aber sie sind invasive, kostenintensiv und bergen immer ein Restrisiko. Bei einem Mops, der von Anfang an mit einer längeren Nase und offenen Nasenlöchern gezüchtet wird, ist dieser chirurgische Eingriff oft überflüssig. Das spart nicht nur Geld, sondern schont das Tier vor Narkoserisiken und术后-Schmerzen.

Hygiene und Pflege

Die Pflege der Hautfalten ist beim klassischen Mops aufwendig. Tägliches Reinigen, Tupfen und Trocknen ist notwendig, um Entzündungen vorzubeugen. Ein Mops mit weniger Falten und einem geraderen Nasenrücken erfordert deutlich weniger Pflegeaufwand in diesem Bereich. Auch die Augenpflege ist bei weniger vorstehenden Augen einfacher. Dies bedeutet mehr Zeit für das Spielen und die Bindung, weniger Zeit für medizinische Pflegehandlungen.

Die Rolle der Züchter und die Zukunft der Rasse

Die Korrektur der Mops-Zucht ist ein komplexer Prozess, der nicht von heute auf morgen möglich ist. Die züchterischen Missstände von Jahrzehnten haben tief greifende genetische und phänotypische Spuren hinterlassen. Doch es gibt Erfolge. Verantwortungsbewusste Züchter arbeiten daran, diese „Qualzucht“ rückgängig zu machen. Vorreiter sind dabei Länder wie die Niederlande, die mit strengen Gesetzen (mindestens ein Drittel Nasenlänge) den Standard durchsetzen. In Deutschland und der Schweiz arbeiten Vereine wie der MPRV daran, die Gesundheit als primäres Zuchtziel zu definieren.

Es ist wichtig, Transparenz zu wahren. Nicht jeder Züchter, der den Begriff „Retro“ verwendet, züchtet reinrassig. Viele verkaufen Kreuzungen. Der künftige Hundekäufer muss genau hinsehen und Fragen stellen: Ist der Hund reinrassig? Wie lang ist die Nase im Verhältnis zum Kopf? Schnarcht der Wurf oder die Eltern? Sind operative Eingriffe bei den Elterntieren notwendig gewesen? Ein seriöser Züchter wird diese Fragen offen beantworten und Priorität auf die Gesundheit legen, nicht nur auf das „niedliche“ Aussehen.

Die Rückkehr zum Altdeutschen Mops ist keine Abkehr vom Mops, sondern eine Rettung der Rasse. Es ist der Versuch, die besten Eigenschaften des Mops – den Charakter, die Bindung, die Kompanionschaft – mit einer Anatomie zu vereinen, die es dem Hund erlaubt, ein langes, glückliches und schmerzfreies Leben zu führen. Es geht darum, den Mops nicht als statisches, extrem gezüchtetes Objekt zu sehen, sondern als lebendiges, atmendes Wesen, das Bewegung und frische Luft verdient.

Fazit: Eine notwendige Evolution für das Wohlergehen des Mops

Die Analyse der verschiedenen Mops-Varianten zeigt, dass die Unterscheidung zwischen dem klassischen, extremen Mops und dem Altdeutschen Mops oder dem gesunden Retromops von existenzieller Bedeutung ist. Es geht nicht um Ästhetik im Sinne von Mode, sondern um physiologische Überlebensfähigkeit und Lebensqualität. Der klassische Mops leidet unter schweren Atemwegserkrankungen, Hautproblemen und Augenschäden, die oft nur durch chirurgische Eingriffe oder intensive Pflege beherrscht werden können. Diese Probleme sind direkte Folge der historischen Überzüchtung, die den Standard der Rasse in eine ungesunde Richtung trieb.

Der Altdeutsche Mops bietet hier die Lösung im Rahmen der Reinrassigkeit. Durch Selektion auf längere Nasen, weniger Falten und eine sportlichere Konstitution wird ein Hund gezüchtet, der die gesundheitlichen Nachteile des Extremtyps vermeidet, ohne den charakteristischen Mops-Charakter zu verlieren. Er ist reinrassig, gesund und agil. Im Gegensatz dazu stehen die oft als Retromops bezeichneten Kreuzungen, die zwar gesünder sein können, aber die Reinrassigkeit und die vorhersagbaren Wesensmerkmale des Mops aufgeben.

Für den Interessenten ist die Entscheidung klar: Ein Mops mit längerer Schnauze, sei es durch selektive Reinrassenzucht als Altdeutscher Mops, bietet eine weitaus höhere Lebensqualität für das Tier und weniger Sorgen für den Halter. Die Forderungen des Tierschutzes und die Anpassung der Zuchtstandards durch Organisationen wie die FCI markieren den richtigen Weg. Die Zukunft des Mops liegt nicht in der weiteren Verstärkung der Extreme, sondern in der Rückkehr zu einer balancierten, gesunden Form, die es dem Hund erlaubt, seine Natur als aktiver, fröhlicher und gesunder Begleiter auszuleben. Die Zucht muss weiterhin daran arbeiten, die genetische Vielfalt zu erhalten und die Gesundheit in den Vordergrund zu stellen, um sicherzustellen, dass der Mops auch in den kommenden Generationen ein glücklicher und gesunder Gefährte des Menschen bleibt.

Quellen

  1. Pfoetchen Training
  2. Yuki Cares
  3. Zooplus
  4. Mopszucht.ch

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