Die Zuchtgeschichte des Mopses ist ein Paradebeispiel dafür, wie ästhetische Modeerscheinungen in der Hunderassezucht zu gravierenden gesundheitlichen Defiziten führen können. Jahrzehntelang wurde der Mops auf extreme Brachycephalie, also eine stark verkürzte Schnauze, vorstehende Augen und eine flache Nase gezüchtet, was in der Fachsprache und in der öffentlichen Wahrnehmung oft als „Qualzucht“ kritisiert wird. Diese extremen physischen Merkmale haben dazu geführt, dass viele Möpse heutzutage an schwerwiegenden Atemproblemen, Hitzeschlagrisiken und orthopädischen Erkrankungen leiden. Doch es gibt einen klaren Gegenwind, eine Bewegung, die darauf abzielt, den Mops zurück in seine ursprüngliche, gesunde Form zu führen. Diese Bewegung resultiert in dem sogenannten Retro-Mops oder auch als altdeutscher Mops bekannt. Dieser Artikel analysiert tiefgründig die anatomischen, physiologischen und züchterischen Aspekte dieser Entwicklung, indem er die Referenzdaten aus wissenschaftlichen Studien, Zuchtstandards und Expertenmeinungen detailliert auseinandersetzt. Es geht nicht nur um ein äußeres Erscheinungsbild, sondern um eine fundamental andere Konzeption der Rasse, die Gesundheit, Agilität und Lebensqualität in den Vordergrund stellt, ohne dabei die charakteristischen Wesensmerkmale der Rasse zu verlieren. Die Diskussion umfasst die spezifischen Maße des Retro-Mopses, die Unterschiede zum modernen Show-Mops, die medizinischen Hintergründe des Brachycephalic Obstructive Airway Syndrome (BOAS) und die züchterischen Strategien, die notwendig sind, um diese Rückentwicklung zu bewirken.
Die historische Entwicklung und die Kritik an der modernen Mopszucht
Um den Retro-Mops vollständig zu verstehen, ist es essenziell, zunächst den Zustand zu analysieren, aus dem diese Rückzüchtungsinitiative hervorgeht. Die moderne Mopszucht hat über die letzten Jahrzehnte einen Weg eingeschlagen, der von vielen Experten und Tierschutzorganisationen als ungesund und ethisch fragwürdig eingestuft wird. Der Begriff „Mopsig“ hat sich im allgemeinen Sprachgebrauch oft zu einem Synonym für „plump“ und „unbeweglich“ entwickelt. Diese Charakterisierung ist nicht nur eine subjektive Beobachtung, sondern hat tiefe anatomische und physiologische Ursachen. Die Zuchtstandards der Vergangenheit, insbesondere solche, die von der Fédération Cynologique Internationale (FCI) in früheren Jahren vertreten wurden, förderten Merkmale wie „vorstehende Augen“, eine „kaum erkennbare Nase“, ein „flaches Seitenprofil“ und eine „dicke Nasenfalte“. Diese Kriterien haben dazu beigetragen, dass die Schnauze der Möpse immer kürzer wurde, bis sie nahezu nicht mehr vorhanden war.
Die Konsequenzen dieser extremen Zucht sind dramatisch. Viele heutige Möpse leiden unter einer konstant reduzierten Sauerstoffzufuhr. Die Symptome dieser Atemnot sind allgegenwärtig und für jeden Hundehalter erkennbar: lautes Schnarchen, rasselndes Röcheln, Hustenanfälle, Würgen und sogar Atemaussetzer. Diese Geräusche sind nicht nur lästig, sondern sie sind Indikatoren für eine lebensbedrohliche Situation. Die anatomischen Gründe dafür sind vielfältig. Zum einen sind die Nasenlöcher der modernen Möpse extrem klein und eng, was den Luftstrom in die Lunge massiv einschränkt. Zum anderen ist der Nasenraum selbst minimal ausgeprägt. Ein weiteres kritisches Element ist das Gaumensegel. Beim klassischen, überzüchteten Mops ist das Gaumensegel zu lang und nach hinten verschoben, was den Rachenraum weiter verengt und die Atmung zusätzlich blockiert. Diese Kombination aus engen Nasenlöchern, einem kleinen Nasenraum und einem verlängerten Gaumensegel führt dazu, dass der Hund bereits in Ruhephasen mit Atembeschwerden kämpft. Bei körperlicher Anstrengung oder bei erhöhten Außentemperaturen eskaliert diese Situation schnell zu einem medizinischen Notfall, da der Körper nicht genügend Sauerstoff aufnehmen kann, um den erhöhten Bedarf zu decken.
Ein weiterer, oft unterschätzter Aspekt dieser Zuchtproblematik ist die Thermoregulation. Hunde regulieren ihre Körpertemperatur primär durch Hecheln, ein Prozess, der auf der Verdunstung von Feuchtigkeit aus der Zunge und den Atemwegen beruht. Dieser Mechanismus erfordert eine große Oberfläche an feuchter Schleimhaut, über die die Wärme abgegeben werden kann. Bei einem Mops mit einer extrem kurzen Nase und gefalteten Schleimhäuten, die kaum Platz haben, ist dieser Abkühlungsprozess stark beeinträchtigt oder sogar unmöglich. Der Hund kann nicht effektiv hecheln, um sich abzukühlen. Dies bedeutet, dass der Halter die Verantwortung für die Hitzeregulierung seines Tieres vollständig übernehmen muss, da der Mops selbst nicht in der Lage ist, seinen Körperkern bei warmer Witterung auf einem sicheren Niveau zu halten. Das Risiko eines Hitzschlags ist daher extrem hoch. Zudem kann Übergewicht, welches bei vielen inaktiven Möpsen aufgrund der Atembeschwerden und des geringen Bewegungsdrangs auftritt, die Situation weiter verschlimmern und im schlimmsten Fall zu einem Kreislaufkollaps führen. Diese gesundheitlichen Einschränkungen haben dazu geführt, dass im Jahr 2010 die FCI endlich auf die Tierschutzvorwürfe reagierte und den Zuchtstandard anpasste. Dennoch sind die züchterischen Missstände von Jahrzehnten nicht von heute auf morgen zu beseitigen, da die genetische Basis der Rasse tiefgreifend verändert wurde.
Definition und Merkmale des Retro-Mopses
Als Reaktion auf diese gesundheitlichen Krisen haben verantwortungsbewusste Züchter begonnen, eine Rückzüchtung zu betreiben. Das Ziel ist nicht die Schaffung einer neuen Rasse, sondern die Wiederherstellung der Merkmale des Mopses, wie er in den 1950er und 1960er Jahren aussah. Diese früheren Möpse waren etwas größer, sportlicher, hatten einen weniger runden Kopf und eine längere Nase. Diese Form wird heute als Retro-Mops bezeichnet. Der Begriff „Retro“ impliziert hier keine Nostalgie im rein ästhetischen Sinne, sondern eine bewusste Rückkehr zu einem physiologisch funktionstüchtigen Design. Die artgerechte Zucht eines Retro-Mopses bedeutet konkret, dass die Schnauze länger wird, was eine deutlich bessere Atmung ermöglicht. Daraus folgt logisch, dass diese Hunde agiler, gesünder und bewegungsfreudiger sind. Wichtig ist dabei, dass der Charakter und die grundlegenden Eigenschaften des Mopses dabei nicht verändert werden sollen. Der Retro-Mops bleibt ein kluger, anhänglicher Begleithund, der eine enge Bindung zu seinen Menschen sucht und gerne mit ihnen zusammenarbeitet.
Die optischen und physischen Unterschiede zwischen einem klassischen, überzüchteten Mops und einem Retro-Mops sind beträchtlich und lassen sich klar definieren. Der Retro-Mops orientiert sich an einem spezifischen Standard, der deutlich von den extremen Maßen der modernen Show-Möpse abweicht. Ein zentrales Merkmal ist das Gewicht. Während der moderne Mops oft sehr leicht ist, liegt das Gewicht eines Retro-Mopses zwischen acht und zwölf Kilogramm. Dies macht ihn schwerer und substanzvoller als den typischen, kleinen Show-Mops. Auch die Widerristhöhe ist mit 32 bis 38 Zentimetern deutlich größer als bei vielen modernen Vertretern, die oft niedriger und kompakter sind. Diese größere Statur trägt zu einer besseren Proportionalität bei und unterstützt die Agilität des Hundes.
Ein weiterer entscheidender Unterschied liegt im Kopfbau. Der Retro-Mops verfügt über eine stumpfe, quadratische Schnauze, die jedoch deutlich ausgeprägter ist als die kaum vorhandenen Schnauzen der modernen Möpse. Der Kiefer ist breit und gut entwickelt, was Platz für die Zähne bietet. Der Nasenrücken ist gerade und weist nur wenig Falten auf, im Gegensatz zur stark gefalteten Nase des modernen Mopses. Die Nasenlöcher sind offen und ermöglichen ein freies, geräuschloses Atmen. Die Augen sind ein weiterer wichtiger Indikator. Beim Retro-Mops sind die Augen oval und in das Gesicht eingebettet, nicht vorstehend. Dies vermeidet die mechanischen Schäden und die ständige Reizung, die bei vorstehenden Augen auftreten. Die Ohren sind klein und fallen nach vorne, was typisch für die Rasse ist, aber die Gesamtkomposition des Kopfes wirkt weniger extrem und rundlich. Die Rute ist geringelt, ein Merkmal, das sowohl beim modernen als auch beim Retro-Mops erhalten bleibt, aber dessen Gesundheitliche Implikationen diskutiert werden. Das Fell ist kurz, glatt und kommt in allen Beige-Tönen sowie in Silber und Schwarz vor. Geschecktes und gestromtes Fell sind ebenfalls erlaubt. Insgesamt wirkt der Retro-Mops sportlicher, beweglicher und weniger „extrem“ als das, was viele heute als Mops kennen.
Anatomische Details und wissenschaftliche Begründung
Die Forderung nach einer längeren Schnauze beim Retro-Mops ist nicht nur eine ästhetische Entscheidung, sondern hat tiefe wissenschaftliche und medizinische Grundlagen. Eine der wichtigsten wissenschaftlichen Studien in diesem Bereich stammt von Packer et al. (2015), die die Beziehung zwischen Nasenlänge und dem Risiko für BOAS (Brachycephalic Obstructive Airway Syndrome) untersucht haben. Die Studie zeigt eindrucksvoll, wie kritisch die Nasenlänge für die Gesundheit des Mopses ist. Wenn die Nasenlänge nur 3% der Schädellänge beträgt, liegt das Risiko für BOAS bei 95%. Das ist ein extrem hohes Risiko, das die meisten modernen Show-Möpse aufweisen. Allerdings halbiert sich dieses Risiko bereits, wenn die Nase 20% der Schädellänge erreicht. Bei einer Nasenlänge von 50% der Schädellänge verschwindet das Risiko für BOAS im Prinzip vollständig. Diese Daten untermauern die Notwendigkeit der Zucht von Retro-Möpsen mit einer Nasenlänge, die deutlich über dem 3%-Märchen liegt.
In der Zuchtpraxis des Retro-Mopses oder des altdeutschen Mopses wird eine Nasenlänge angestrebt, die zwischen 20% und 35% der Länge des Schädels beträgt, gemessen vom Stop (der Furche zwischen den Augen) bis zum Hinterhauptsvorsprung. Eine Nasenfalte ist in diesem Standard nicht erforderlich. Wenn eine Falte vorhanden ist, sollte sie minimal und vorzugsweise geteilt sein. Es gibt eine gewisse Grenze, ab der ein Hund mit einer längeren Schnauze immer weniger wie ein Mops aussieht. Züchter wie die Mopszucht vom Ilexwald argumentieren, dass ein Hund mit einer Schnauze, die länger als etwa 35% der Schädellänge ist, optisch zu sehr von der Rasse abweicht. Dennoch haben Züchter von altdeutschen Möpsen und Retromöpsen nachgewiesen, dass es möglich ist, Hunde mit einer guten Nasenlänge zu züchten, die immer noch die charakteristischen Merkmale eines Mopses aufweisen, aber gleichzeitig frei von Atemproblemen sind. Ein Beispiel dafür ist ein Retro-Mops mit einer Nasenlänge von 31% der Schädellänge, der sowohl den rassetypischen Look bewahrt als auch eine gesunde Physiologie aufweist.
Die Länge der Schnauze hat auch direkte Auswirkungen auf die Zahngesundheit. Ein Mops mit einer sehr kurzen Nase hat normalerweise zu wenig Platz im Mundraum, was dazu führt, dass die Zähne schräg stehen und sehr dicht beieinander liegen. Diese Zahnfehlstellung erschwert die tägliche Pflege und führt zu einer erhöhten Ansammlung von Zahnbelag und Bakterien. Die Folge ist eine hohe Prävalenz von Parodontitis und anderen zahnärztlichen Problemen. Bei vielen modernen Möpsen ist der Besuch beim tierärztlichen Zahnarzt zur Reinigung oder Behandlung eher die Regel als die Ausnahme. Dies ist nicht nur für das Tier belastend, sondern auch kostspielig für den Halter. In einigen Ländern, wie Schweden, wird die Notwendigkeit von Zahnbehandlungen aufgrund von Rassemerkmalen oft nicht von Versicherungsgesellschaften erstattet, was die finanzielle Belastung weiter erhöht. Ein besser entwickelter Kiefer beim Retro-Mops bietet mehr Platz für die Zähne, ermöglicht eine aufrechtere Zahnstellung und erleichtert so die Zahnhygiene, was langfristig Leiden reduziert und Kosten spart.
Die Augenstellung ist ein weiterer kritischer Punkt. Beim Retro-Mops sollten die Augen in den Schädel eingebettet sein und nicht hervorstehen. Ein normales Hundeauge ist mandelförmig, und diese Form sollte auch beim Mops erhalten bleiben. Wenn die Augen eingebettet sind, werden mechanische Schäden, die durch Kontakt mit der Umgebung (wie Äste, Möbel oder Kratzer) entstehen können, effektiv vermieden. Bei vorstehenden Augen, wie sie beim modernen Mops häufig sind, kommt es häufiger zu Verletzungen und Reizungen. Als Schutzmechanismus produziert das Auge dann Pigmente, was zu Entzündungen und weiteren Komplikationen führen kann. Die Einbettung der Augen ist daher ein wesentlicher Bestandteil der gesundheitlichen Verbesserung beim Retro-Mops.
Extremitäten, Rute und Wirbelsäule
Die Gesundheit des Retro-Mopses erstreckt sich nicht nur auf den Kopf und die Atmung, sondern auch auf das Skelettsystem und die Extremitäten. Ein wichtiger Aspekt ist die Länge und Struktur der Beine. Der Retro-Mops soll ausreichend lange Beine haben, mit normalen, geraden Vorder- und Hinterbeinen. Die Hinterbeine sollten gut, aber nicht zu stark angewinkelt sein. Diese Proportionen sind entscheidend für die Bewegungsfreude und den Gang des Hundes. Ausreichend lange Beine geben dem Mops eine gute Schrittlänge und regen die Bewegungsfreiheit an. Dies steht im direkten Gegensatz zu der kompakten, oft krummbeinigen Statur der modernen Möpse. Forschungsergebnisse, wie sie von Lindholm et al. (2015) dargelegt werden, betonen die Wichtigkeit der Harmonie zwischen den Winkelverhältnissen vorne und hinten beim Trab. Eine gute Balance zwischen Vorder- und Hinterbeinen ergibt einen leichten und rhythmischen Gang, der nur minimale Anstrengung und Energie erfordert. Ein Mops mit proportionalen Beinen kann sich daher effizienter und ohne übermäßige Belastung der Gelenke bewegen.
Die Pfoten des Retro-Mopses sollen eine Form zwischen der eines Hasen und einer Katze haben. Die Zehen sollten gespreizt sein, und der Mittelfuß soll kräftig ausgeprägt sein. Diese Pfotenform unterstützt die Stabilität und die Traktionsfähigkeit des Hundes beim Laufen und Turnen. Sie ist besser geeignet für aktives Verhalten als die oft runden, knäuelartigen Pfoten der überzüchteten Möpse.
Ein umstrittenes Merkmal bei Möpsen ist die geringelte Rute. Die Rute soll beim Retro-Mops geringelt sein oder über dem Rücken liegen und gut, aber nicht zu hoch angesetzt sein. Hier gibt es in der wissenschaftlichen community unterschiedliche Meinungen zur Ursachenzusammenhang mit Wirbelanomalien. Einige Wissenschaftler argumentieren, dass die geringelte Rute des Mopses direkt mit Wirbelanomalien, wie Hemivertebrae (Keilwirbel), zusammenhängt. Hemivertebrae sind Fehlbildungen der Wirbelkörper, die zu Kompression der Nerven, Lähmungen und chronischen Schmerzen führen können. Andere Experten, wie die Mopszucht vom Minzenbach, vertreten die Ansicht, dass nicht primär die Rutenform, sondern der kompakte, kurze Rücken die Wirbelanomalien hervorruft. Sie weisen darauf hin, dass es viele andere Hunderassen gibt, die eine geringelte Rute haben, ohne Probleme mit Wirbeldefekten aufzuweisen. Ein entscheidendes Argument in dieser Debatte ist die Beobachtung, dass Wirbelanomalien bei Möpsen oft verschwinden oder deutlich seltener auftreten, wenn die Hunde eine normale Rückenlänge erreichen, wie es beim Retro-Mops der Fall ist. Durch die Rückzüchtung zu einem längeren, ausgeglicheneren Rücken wird der Druck auf die Wirbelsäule reduziert, was die Häufigkeit von Wirbelsäulenfehlern signifikant senken kann. Dies unterstreicht, dass die Rückführung des Mopses zu einem längeren Körperbau nicht nur die Atmung, sondern auch die orthopädische Gesundheit verbessert.
Züchterische Strategien und internationale Vorreiter
Die Umsetzung der Retro-Mops-Zucht erfordert gezielte und oft kontroverse züchterische Strategien. Da die genetische Basis der modernen Mops-Population stark auf extreme Brachycephalie fixiert ist, ist eine reine Inzucht oder geschlossene Linienzucht nicht mehr in der Lage, die gewünschten Merkmale der längeren Schnauze und des längeren Rückens ausreichend schnell und effektiv zurückzugewinnen. Daher ist für viele Züchter, wie beispielsweise Birgit Schröder mit ihrer „Retromopszucht vom Johannesberg“, eine Fremdeinzucht notwendig. Ein interessanter Ansatzpunkt hierfür ist der Jack Russell Terrier. Diese Rasse besitzt die richtige Größe, eine hohe Sportlichkeit und eine ausgeprägte Schnauze. Durch die Einkreuzung von Jack Russell Terrier-Genen in den Mopsstock kann die gewünschte Schnauzenlänge und Agilität zurückgezüchtet werden. Die Ergebnisse solcher Kreuzungen oder Fremdeinzüchtungen waren in einigen Fällen sehr erfolgreich. Es entstanden kleine, aber langbeinige Möpse mit einer ausgeprägteren Schnauze, die Spaß an der Bewegung haben und nicht laut röcheln. Dieser Ansatz zeigt, dass es möglich ist, die Rasse durch strategische Genetik zu reformieren.
Ein weiterer Vorreiter in der ethischen Mopszucht ist die Niederlande. Hier gelten strenge Gesetze, die als Reaktion auf die Tierschutzproblematik eingeführt wurden. In den Niederlanden besteht ein Zuchtverbot für Möpse, deren Nasenlänge nicht mindestens ein Drittel der Kopflänge ausmacht. Diese gesetzliche Regulierung zwingt Züchter dazu, sich von den extremen Zuchtstandards abzuwenden und gesündere Phänotypen zu bevorzugen. Solche rechtlichen Rahmenbedingungen können als positives Modell für andere Länder dienen, um die Gesundheit der Rasse auf populärwissenschaftlicher und legislativer Ebene zu sichern.
In Deutschland engagieren sich Vereine und Züchter ebenfalls für diese Richtung. Der MPRV (Mops Club Deutschland e.V. und seine angeschlossenen Züchter) hat die Gesundheit dieser Rassen explizit als Zuchtziel definiert. Es gibt bereits züchterische Erfolge, und ein Mops mit Nase ist nicht länger nur Zukunftsmusik, sondern in Ansätzen in der Gegenwart vorhanden. Das Buch „Ein neuer Weg - Das Buch zum Retro-Mops“ von Giesela Kleinschmidt informiert detailliert über diese neuen Ansätze in der Mops-Zucht und klärt viele Fragen zu Themen wie Zucht, Gesundheit, Haltung und Pflege, einschließlich eines Extrakapitels zum Kopfbau des Retro-Mopses. Solche Publikationen tragen zur Wissensverbreitung und zur Akzeptanz des Retro-Mopses bei.
Es ist auch wichtig, den Begriff „Frops“ zu erwähnen, der in diesem Kontext manchmal auftaucht. Der Frops ist eine Kreuzung zwischen einem Mops und einem French Bulldog, die aus Amerika stammt. Während diese Kreuzung auch auf eine Verbesserung der Atmung abzielen kann, ist sie genetisch anders gelagert als der Retro-Mops, der versucht, den ursprünglichen Mops-Phänotyp wiederherzustellen, anstatt eine Hybride zu schaffen. Der Retro-Mops bleibt ein reiner Mops in der Genetik, nur mit einem gesünderen phänotypischen Ausdruck.
Gesundheitliche Vorteile und Lebensqualität des Retro-Mopses
Die Summe aller anatomischen und züchterischen Anpassungen beim Retro-Mops führt zu einer deutlich verbesserten Lebensqualität im Vergleich zu seinem überzüchteten Verwandten. Die offensichtlichste Verbesserung ist die Atmung. Dank der längeren Schnauze, der offenen Nasenlöcher und des weniger verengten Rachenraums kann der Retro-Mops frei und geräuschlos atmen. Dies eliminiert die ständige Sauerstoffunterversorgung und das damit verbundene Risiko von Hitzschlag und Kreislaufkollaps. Der Hund kann sich normal hecheln, um sich abzukühlen, was ihm eine gewisse Autonomie in der Thermoregulation zurückgibt. Dies ist besonders in wärmeren Klimazonen oder bei sommerlichen Temperaturen ein lebenswichtiger Vorteil.
Die verbesserte Atmung ermöglicht es dem Retro-Mops, sich mehr zu bewegen. Er ist bewegungsfreudiger als seine Verwandten mit kaum vorhandenen Schnauzen. Die Kombination aus längeren, proportionalen Beinen und einer effizienteren Atmung führt zu einem sportlicheren und agileren Hund. Er kann längere Spaziergänge gehen, spielen und sich aktiv engagieren, ohne sofort außer Atem zu geraten. Dies hat positive Auswirkungen auf das Körpergewicht und die Muskelmasse, was wiederum die Gelenkgesundheit unterstützt und die Lebenserwartung potenziell erhöht.
Auch die orale und visuelle Gesundheit profitiert von der Rückzüchtung. Der besser entwickelte Kiefer mit aufrechten Zähnen reduziert das Risiko von Parodontitis und die Notwendigkeit invasiver zahnärztlicher Eingriffe. Die eingebetteten, mandelförmigen Augen sind weniger anfällig für Verletzungen und Entzündungen, was das Sehvermögen des Hundes über sein ganzes Leben hinweg besser schützt.
Der Wesen des Retro-Mopses bleibt dabei charaktertypisch. Er ist ein unkomplizierter Begleithund, der klug ist und sich gerne eng an seinen Menschen bindet. Die enge Bindung ist ein Kernmerkmal der Rasse, das durch die Rückzüchtung nicht angetastet wird. Im Gegenteil, ein gesünderer Hund, der weniger unter Atemnot und Schmerzen leidet, kann diese soziale Bindung noch intensiver und positiver gestalten. Er ist ein Partner, der aktiv am Leben seiner Familie teilnehmen kann, anstatt aufgrund von Gesundheitsproblemen oft nur im Hintergrund zu existieren.
Fazit: Die Zukunft der Mopszucht
Die Entwicklung des Retro-Mopses repräsentiert einen notwendigen und ethisch gebotenen Wandel in der Haltung und Zucht der Rasse Mops. Sie zeigt, dass Ästhetik und Gesundheit nicht zwangsläufig im Widerspruch zueinander stehen müssen, solange die Zuchtstandards an biologischen Realitäten und tierärztlichen Erkenntnissen orientiert sind. Die wissenschaftlichen Daten, insbesondere die Studien von Packer et al. und Lindholm et al., bieten eine klare Grundlage für die Forderung nach längeren Schnauzen, proportionalen Beinen und einem ausgeglichenen Rücken. Die praktischen Erfahrungen von Züchtern wie der Mopszucht vom Ilexwald, der Mopszucht vom Minzenbach und der Retromopszucht vom Johannesberg belegen, dass diese Ziele erreichbar sind.
Der Retro-Mops ist keine Modeerscheinung, sondern eine Korrektur von historischen Fehlern. Er steht für einen Mops, der nicht nur gut aussieht, sondern auch gut lebt. Er atmet frei, bewegt sich gerne und ist ein gesunder Begleiter. Die internationale Anerkennung dieser Richtung, sichtbar an den Gesetzen in den Niederlanden und den Initiativen im MPRV, signalisiert, dass der Trend hin zu gesünderen Möpsen unumkehrbar ist. Für potenzielle Hundehalter bietet der Retro-Mops die Chance, die charismatischen Eigenschaften der Rasse zu erleben, ohne die moralischen und praktischen Bürden der Pflege eines schwer kranken Tieres tragen zu müssen. Es ist eine Zukunft, in der der Mops wieder der fröhliche, agile und anhängliche Hund ist, den die Züchter der 1950er und 1960er Jahre visioniert hatten, aber den die moderne Überzüchtung für eine Zeitlang aus den Augen verloren hatte. Die Bewahrung und Verbreitung dieses Standards ist daher nicht nur eine züchterische, sondern eine gesellschaftliche Verantwortung gegenüber dem Tier.