Der Havaneser, oft liebevoll als „kleiner Kubaner“ bezeichnet, besticht nicht nur durch sein langhaariges Äußeres, sondern auch durch seinen ausgeprägten Charakter. Doch gerade das üppige Fell, das die Rasse auszeichnet, stellt hohe Anforderungen an die Pflege, insbesondere im empfindlichen Gesichtsbereich. Hier konzentrieren sich die kritischsten Punkte der Gesundheitsvorsorge: die Vermeidung von Bindehautentzündungen durch Haarwachstum in den Augen, die Hygiene der Ohren und die Pflege der Pfoten, die im Winter eine Rolle spielen. Eine fachgerechte Pflege des Gesichtsfells ist nicht nur eine Frage der Ästhetik, sondern eine medizinische Notwendigkeit, um schmerzhaften Zuständen vorzubeugen.
Die Anatomie und das Fellwachstum des Havanesers erfordern eine differenzierte Betrachtung. Das Fell ist von Natur aus lang und neigt dazu, in die Augen zu hängen, besonders wenn es nicht im Wachstum begriffen ist oder nach einer Schur nachwächst. Bei Welpen ist das Haar noch nicht lang genug, um nach unten zu hängen, was eine ständige Gefahr für die Augen darstellt. Auch bei ausgewachsenen Havanesern kann es vorkommen, dass nachwachsendes Fell nach einer Schur in die Augen pikst und zu Reizungen führt. Die Augen des Havanesers sind besonders empfindlich und neigen zu einem vermehrten Tränenfluss. Dieses Tränenwasser kann im Fell an der Augenpartie Verklebungen und Verfärbungen verursachen.
Die Gefahren des nachwachsenden Fells für die Augen
Ein zentrales Problem bei der Pflege des Gesichtsfells ist die Gefahr, dass Haare in die Augen fallen. Dies führt zu mechanischen Reizungen, die schnell in Entzündungen der Bindehaut münden können. Bei erwachsenen Havanesern hängen die Haare normalerweise nach unten, was ein Selbsthineinfallen verhindert. Jedoch ist dies kein statischer Zustand. Nach einer Schur oder beim Wechsel vom Welpen- zum Erwachsenenfell kann es passieren, dass das nachwachsende Fell in die Augen sticht.
Um diesem Problem vorzubeugen, existieren verschiedene Strategien. Eine Methode besteht darin, die Haare um die Augenpartie mit einer Haarklammer zur Seite zu klipsen. Viele Havaneser-Besitzer wählen diesen Ansatz nicht nur aus gesundheitlichen Gründen, sondern auch, weil es bei Hundedamen besonders hübsch wirkt. Eine weitere, präventive Maßnahme ist der Kurzhaarschnitt. Dieser Schnitt lässt den Havaneser eher einem Terrier ähneln und verhindert effektiv, dass das Fell in die Augen fällt. Es gibt jedoch auch die Möglichkeit, das Fell zu trimmen, wobei zu kurze Schnitte die Haut empfindlicher machen können. Ein Mittelweg, eine moderate Schur, wird oft als optimaler Kompromiss im Alltag betrachtet.
Besonders kritisch ist die Phase des Fellwechsels. Wenn der Havaneser vom Welpenfell ins Erwachsenenfell übergeht, tritt die sogenannte „Filzphase" ein. In dieser Zeit ist die Pflegeaufmerksamkeit verdoppelt notwendig. Das nachwachsende Fell ist in dieser Zeit besonders störend für die Augen. Eine regelmäßige Kontrolle ist unerlässlich, um Reizungen zu vermeiden.
Strategien der Augenpflege und Reinigung
Die tägliche Pflege der Augen ist eine Pflichtübung für jeden Havaneser-Eigentümer, um unschöne Verfärbungen durch Tränenfluss zu verhindern. Die Reinigung sollte einmal täglich erfolgen. Hierfür eignet sich ein fusselfreies Tuch oder ein Waschlappen, der eventuell mit etwas Wasser angefeuchtet sein kann. Die Bewegungsrichtung beim Wischen ist entscheidend: Es wird immer von außen nach innen gewischt.
Bei Verklebungen im Fell rund um die Augen hilft eine spezielle Augenpflege-Methode. Ein Augensenkreiniger wird aufgetragen und lässt kurz einwirken, bevor der gelöste Schmutz mit einem weichen, saugfähigen Küchenkrepp entfernt wird. Alternativ können kleinere morgendliche Verklebungen mit einem sehr feinzinkigen Flohkamm vorsichtig aus den Haaren herausgekämmt werden.
Bei der Anwendung von Mitteln wie Seifenwasser oder Lotionen ist äußerste Vorsicht geboten. Beim Waschen sollte Seifenwasser auf keinen Fall in den Gehörgang oder die Augen geraten. Dort richtet es fast so große Schäden an wie im Gehörgang. Eine praktische Methode zur Entfernung von Schaum im Gesicht besteht darin, diesen vorsichtig mit der Hand zu entfernen oder mit einer leeren Plastikflasche einen kontrollierten Wasserstrahl über das Gesicht laufen zu lassen. Dies verhindert, dass Flüssigkeit in die Augen oder Ohren gelangt.
Ohrenpflege und der Kampf gegen Entzündungen
Die Ohren des Havanesers bedürfen einer ebenso sorgfältigen Pflege wie die Augen. Die Ohren müssen vom Fell im Gehörgang befreit werden, damit das Ohr gut belüftet wird und das feuchtwarme Klima keine Entzündungen oder Reizungen verursacht. Dies ist ein kritischer Punkt, da der Havaneser oft einen starken Haarwuchs im Gehörgang besitzt.
Die Entfernung dieser Haare kann auf zwei Arten geschehen: - Mit einer abgerundeten Pinzette werden die Haare im Gehörgang entfernt. - Wer mag, kann auch mit den Fingern zupfen. Damit die Haare dabei besser gegriffen werden können, hilft Babypuder, der auf den Fingern verteilt wird.
Nachdem der Gehörgang von den Haaren befreit wurde, sollte die Ohrmuschel noch mit einem feuchten Tuch ausgewischt werden, falls Dreck oder Ohrenschmalz entfernt werden muss. Wichtig ist dabei, ein frisches Tuch für jedes Ohr zu verwenden. Auf keinen Fall sollten Wattestäbchen zum Einsatz kommen, da hier das Verletzungsrisiko einfach zu groß ist.
Bei viel Schmalz hilft manchmal eine spezielle Ohrlotion. Diese wird zunächst ins Ohr eingeträufelt und anschließend gut einmassiert. Danach wird sich der Havaneser ausgiebig schütteln, wodurch die Lotion inklusive Dreck herausbefördert wird. Nun können noch Reste abgewischt werden. Ein wichtiger Indikator für die Gesundheit der Ohren ist der Geruch. Das gesunde Ohr eines Havanesers riecht recht neutral. Stinkende oder sonstwie unangenehm riechende Ohren deuten immer auf ein Problem hin. Sollte der Geruch nach der Ohrenpflege nicht verschwinden, sollte ein Tierarzt aufgesucht werden.
Fellpflege: Schneiden, Scheren und Filzprävention
Die Frage nach der richtigen Felllänge kommt früher oder später bei jedem Havaneser auf. Der Havaneser ist ein Langhaarhund mit einem extrem langen Fell. Dies führt jedoch zu praktischen Problemen: Das Fell neigt im Sommer zur Überhitzung und im Winter zur Aufnahme von Feuchtigkeit und Kälte. Zudem kann das Fell zwischen den Pfoten, im Achselbereich und im Intimbereich zu Filzen neigen.
Eine moderate Schur kann die Pflege erleichtern. Zu kurze Schnitte machen die Haut jedoch empfindlicher. Ein Mittelweg funktioniert im Alltag oft am besten. Viele Besitzer lassen ihren Havaneser alle 8 bis 12 Wochen zum Friseur gehen, um den Kurzhaarschnitt aufrechtzuerhalten. Dieser Schnitt minimiert auch den Fellwuchs zwischen den Pfoten, der sich besonders im Winter entzünden kann und zu Schmerzen beim Hund führt.
Das Bürsten ist eine tägliche Aufgabe. Es sollte mindestens alle 2 Tage für etwa 5 Minuten erfolgen. Dies verhindert, dass das Fell filzt, vor allem im Bauchbereich, den Schenkeln und den Achseln. Wenn man nicht aufpasst, filzt das Fell leicht.
Vergleich: Langhaar vs. Kurzhaarschnitt
Die Wahl der Felllänge beeinflusst massiv den Pflegeaufwand und das Wohlbefinden des Hundes.
| Merkmal | Langhaar (Showcut) | Kurzhaarschnitt (Terrier-Schnitt) |
|---|---|---|
| Felllänge | Extrem lang, hängend | Kurz, stehend |
| Augenrisiko | Hoch (Haare fallen in Augen) | Gering (vorbeugt Bindehautentzündungen) |
| Filzgefahr | Hoch (besonders Winter/Feuchtigkeit) | Gering |
| Pflegeaufwand | Hoch (tägliches Bürsten, öfteres Waschen) | Mittel (regelmäßiges Bürsten, selteneres Waschen) |
| Winter-Eignung | Gering (Quillt bei Regen auf, friert) | Gut (Kurzhaar trocknet schneller) |
| Pfotenwuchs | Hoch (Schmutz, Schnee-Ballen) | Gering (bessere Trittsicherheit) |
| Hautsensibilität | Normal | Erhöht (bei zu kurzem Schnitt) |
Der Einfluss des Fellwuchses auf die Pfoten
Langhaarige Hunde wie der Havaneser haben oft einen sehr starken Haarwuchs zwischen den Fußballen. Dies führt zu mehreren Problemen: - Schmutz setzt sich im Fell fest und reibt. - Im Winter bilden sich Schneebälle, was beim Laufen schmerzhaft sein kann. - Längere Haare nehmen den Fußballen ihre Rutschfestigkeit auf glatten Bodenbelägen (Fliesen, Parkett, Laminat). Solche Unfälle gehen oft mit schmerzhaften Zerrungen einher.
Daher sollten die Fußballen beim Havaneser immer frei geschnitten sein, damit sie ihre Trittsicherheit behalten. Um bei üppigem Haarwuchs keine Verletzungen des Fußballens zu riskieren, sollte man am besten eine vorne abgerundete Schere verwenden und sehr vorsichtig damit arbeiten.
Badegewohnheiten und Trocknungstechniken
Beim Baden des Havanesers, insbesondere im Gesichtsbereich, ist Vorsicht geboten. Entweder mit der Hand vorsichtig den Schaum im Gesicht entfernen oder mit einer leeren Plastikflasche behutsam einen Wasserstrahl darüberlaufen lassen. Dies verhindert, dass Seifenwasser in den Gehörgang fließt.
Das Trocknen ist ein weiterer kritischer Schritt. Im Sommer kann sich der Havaneser nach dem Bad einfach trockentoben lassen. Sollte es kälter sein, muss der Kleine geföhnt werden, damit er sich keine Erkältung holt. Natürlich muss auch hierbei auf die empfindlichen Augen und Ohren geachtet werden. Stellen Sie den Föhn auf die untere Hitzestufe und nur mäßige Geschwindigkeit. Das Fell trocknet schneller, wenn man es beim Föhnen leicht durchkämmt. So bilden sich kleinere Partien, die feiner zerteilt sind und deswegen leichter trocken werden. Wer gerne beide Hände frei hat, um seinen Hund ordentlich zu stylen, kann auf Standtrockner zurückgreifen, die extra für kleine Hunde entwickelt wurden.
Die Häufigkeit des Badens variiert. Regelmäßig wird so alle 8 Wochen gebadet. Extrabäder erarbeitet sich der Hund, wenn er sich in den Dreck schmeißt. Der Aufwand für die Fellpflege ist oft geringer als befürchtet. Bei regelmäßiger Pflege (alle 8-12 Wochen Friseur, alle 2 Tage 5 Minuten Bürsten) reicht der Aufwand aus, um Filze in den Griff zu kriegen.
Fazit
Die Pflege des Gesichts-, Augen- und Ohrenbereichs beim Havaneser ist eine Frage der medizinischen Vorsorge und des Tierwohls. Das langhaarige Äußere dieser Rasse erfordert eine aktive Kontrolle, um Reizungen und Entzündungen vorzubeugen. Der Übergang von Welpenfell zu Erwachsenenfell ist eine kritische Phase, in der die Gefahr von Haarwuchs in den Augen besonders hoch ist. Durch eine Kombination aus täglichem Augenreinigen, gezieltem Zupfen der Ohren und einer angepassten Fellkurzschur lässt sich das Wohlbefinden des Hundes langfristig sichern. Es gibt keinen perfekten "Showcut" als einziges Ziel; ein Mittelweg mit moderater Schur und regelmäßiger Pfotenpflege bietet oft die beste Balance zwischen Ästhetik und Gesundheit. Wer diese Aspekte beachtet, sorgt für einen gesunden, glücklichen Begleiter, der auch im hohen Alter noch vollzahnig und mobil bleibt.