Die Haltung eines Havanesers, auch bekannt als Bichon Havanais, erfordert ein tiefes Verständnis für das spezifische Temperament dieser Rasse. Viele neue Besitzer erleben schnell, dass ihr kleiner Begleiter in bestimmten Situationen „überdreht" – ein Phänomen, das sich in einer Art unkontrollierbaren Aktivitätsausbruchs, übermäßiger Aufregung und Unfähigkeit zur Selbstberuhigung äußert. Dieses Verhalten ist besonders bei Welpen und jungen Hunden zu beobachten, die in einer Umgebung mit vielen Reizen, wie etwa in Haushalten mit Kindern, leben. Die Fähigkeit des Hundes, zur Ruhe zu kommen, ist oft gestört, was zu einem Kreislauf führt, in dem jeder kleine Geräusch oder ein kurzfristiger visueller Kontakt ausreicht, um den Hund wieder in eine hohe Alarmbereitschaft zu versetzen. Um dieses Verhalten zu verstehen und zu lösen, ist es notwendig, die Rassemerkmale, die physiologischen Bedürfnisse und die richtigen Erziehungsstrategien tiefgehend zu durchleuchten.
Der Havaneser gehört zur Familie der Bichon-Hunde, einer Gruppe kleiner Gesellschaftstiere, die ursprünglich aus Kuba stammen. Diese Hunde wurden im 16. und 17. Jahrhundert von europäischen Gesellschaftshunden eingeführt, die sich an das kubanische Klima und die dortige Lebensweise anpassten. Besonders in Städten wie Havanna gewannen sie schnell an Beliebtheit. Nach der kubanischen Revolution stand die Rasse kurz vor dem Aussterben, konnte aber durch Linien in den USA und Europa erhalten werden. Heute gilt der Havaneser weltweit als geschätzter Familienhund. Dieses historische Erbe prägt sein heutiges Wesen: Er ist ein typischer Begleithund, der stark menschenorientiert ist.
Das Phänomen des Überdrehens: Analyse und Ursachen
Das zentrale Problem, das von vielen Besitzern geschildert wird, ist die Unfähigkeit des Welpen, in einer lauten oder unruhigen Umgebung zur Ruhe zu kommen. Ein häufiges Szenario beschreibt einen dreimonatigen Welpe, der seit wenigen Wochen in einem Haushalt mit drei Kindern lebt. Der Welpe kommt von allein nicht zur Ruhe und „dreht immer weiter auf". Selbst wenn er im Laufstall untergebracht wird, benötigt er lange Zeit, um herunterzukommen, begleitet von Jaulen, Bellen und Fiepen. Das eigentliche Problem liegt oft nicht im Laufstall selbst, sondern in der Reaktion des Hundes auf äußere Reize. Sobald der Welpe einen kurzen Blick aufbewegt erhält oder ein Geräusch vernimmt, springt das System sofort wieder in eine Art Alarmzustand. Dies erzeugt den Eindruck, dass sich das gesamte Haushaltsleben nur noch um die Bedürfnisse des Hundes dreht.
Dieses Verhalten ist ein klassisches Zeichen für fehlende Selbstregulierung. Der Havaneser ist von Natur aus sensibel und gesellig. Er sucht aktiv Kontakt und ist gerne im Mittelpunkt. Diese Eigenschaft, die im positiven Sinne als „freundlich" und „neugierig" beschrieben wird, kann in einer unstrukturierten Umgebung zu einer Übererregung führen. Wenn ein Welpe nicht lernen kann, sich selbst zu beruhigen, entsteht ein Teufelskreis. Die Forderung von 18 Stunden Schlaf pro Tag für Welpen wird in solchen Fällen oft nicht erreicht, da der Hund nicht in der Lage ist, in der lauten Umgebung zur Ruhe zu kommen.
Ein wichtiger Aspekt ist die Umgebungsgestaltung. Ein offener Laufstall von einem Quadratmeter Größe kann für einen so sensiblen Hund oft zu viel Raum bieten, der mit visuellen und auditiven Reizen gefüllt ist. Es wurde vorgeschlagen, eine kleinere, geschlossene Box mit nur einem kleinen Fenster in Betracht zu ziehen. Dies könnte dem Hund ein Gefühl von Sicherheit und Schutz bieten, wodurch das „Überdrehen" reduziert werden könnte. Allerdings muss bedacht werden, dass auch ein separater Raum (z. B. ein Büro, in dem ein Familienmitglied arbeitet oder telefoniert) keine ideale Lösung ist, wenn dort Bewegung und Geräusche vorkommen, die den Hund sofort wieder aufhorchen lassen.
Rasseportrait: Charakter und Lebensweise des Havanesers
Um das Verhalten des Welpen zu verstehen, muss man den natürlichen Charakter des Havanesers betrachten. Der Bichon Havanais ist ein kleiner, fröhlicher und anhänglicher Hund. Er bindet sich stark an seine Familie und nimmt aktiv am Alltag teil. Dieser enge Bindungsbedarf macht ihn zu einem perfekten Familienhund, der sich gut mit Kindern und anderen Haustieren vertragen kann. Allerdings verträgt er längere Zeitspannen allein schlecht. Er benötigt regelmäßigen Kontakt und Stimulation.
| Merkmal | Beschreibung |
|---|---|
| Gewicht | Ca. 4–7 kg |
| Schulterhöhe | Ca. 23–27 cm |
| Fellbeschaffenheit | Lang, seidig, leicht gewellt; viele Farbvarianten |
| Haarausfall | Sehr gering (der Fellwechsel erfolgt primär durch gezieltes Bürsten) |
| Ausdruck | Wach, freundlich und neugierig |
| Temperament | Fröhlich, sozial, anhänglich, sensibel und sanft |
| Intelligenz | Hoch; lernfreudig und gut geeignet für positive Erziehung |
Der Havaneser ist intelligent und lernfreudig. Er eignet sich hervorragend für die Alltagserziehung und das Erlernen von Tricks, solange das Training positiv und abwechslungsreich gestaltet ist. Das „Überdrehen" ist oft ein Zeichen dafür, dass der Hund seine Bedürfnisse nach Struktur, Ruhe und klaren Grenzen nicht findet. In einem Haushalt mit vielen Kindern ist es nahezu unmöglich, eine absolute Stille zu gewährleisten. Das Problem liegt also oft nicht in der Lautstärke des Haushalts, sondern in der Fähigkeit des Welpen, diese Umgebung auszuhalten und sich zu beruhigen.
Schlafbedürfnisse und Ruhephasen bei Welpen
Welpen benötigen eine hohe Menge an Schlaf, um sich physisch und mental zu entwickeln. Die allgemeine Empfehlung besagt, dass Welpen mindestens 18 Stunden pro Tag schlafen sollten. Ein Welpe, der „überdreht", schafft diese Menge oft nicht ansatzweise. Dies liegt daran, dass er nicht lernen konnte, sich aktiv zur Ruhe zu bringen. Wenn der Hund nachts durchschläft, ist das ein gutes Zeichen, doch tagsüber fehlt die Fähigkeit zur Selbstberuhigung.
Es ist wichtig zu verstehen, dass Ruhephasen für einen Welpe nicht nur das Fehlen von Aktivität sind, sondern ein aktiver Zustand der Erholung. Wenn ein Welpe in einer lauten Umgebung lebt, reagiert er empfindlich auf Geräusche. Ein kleiner Blick oder ein Geräusch reicht aus, um ihn wieder in eine hohe Wachsamkeit zu versetzen. Der Laufstall sollte so gestaltet sein, dass er Sicherheit bietet, ohne den Hund zu sehr einzuschränken. Ein geschlossenerer Raum oder eine Box mit begrenzten visuellen Reizen kann helfen, den Hund zu beruhigen. Allerdings muss beachtet werden, dass der Raum selbst ruhig sein muss. Wenn im Raum gearbeitet wird oder telefoniert wird, kann dies den Hund wieder aufregen.
Die Lösung liegt nicht darin, durch die Wohnung zu schleichen, um den Hund nicht zu stören, sondern darin, dem Hund zu beibringen, in einer normalen Umgebung ruhig zu sein. Dies erfordert Geduld und konsequente Strukturierung der Ruhephasen. Ein Welpe, der nicht zur Ruhe kommt, braucht oft klare Signale für die Ruhezeit, die er verstanden hat und einübt.
Pflege des Havanesers: Fell und Gesundheitsvorsorge
Die Pflege des Havanesers ist ein wesentlicher Bestandteil des Zusammenlebens und beeinflusst direkt das Wohlbefinden des Tieres. Das Fell des Havanesers ist lang, seidig und leicht gewellt. Da das Fell wenig ausfällt, ist die regelmäßige Pflege entscheidend, um Verfilzungen zu vermeiden. Bei der Pflege sollte das Fell mit der Hand geteilt werden, bis die Haut sichtbar ist. Anschließend wird das Fell nach oben geklappt und vom Ansatz bis zum Ende vorsichtig gebürstet. Dabei müssen die Haare am Ansatz festgehalten werden, um Schmerzen beim Hund zu vermeiden. Dies ist besonders wichtig beim Auflösen von Knoten. Spezielle Zupfbürsten aus Draht können helfen, hartnäckige Verfilzungen zu lösen. Bei Bedarf kann ein Sprühmittel nachgesprüht werden, das vorbeugend wirkt und die Bildung neuer Knoten reduziert.
Das Verfahren sollte systematisch sein: Zuerst die eine Körperseite von der Schnauze bis zum Schwanz bearbeiten, dann die andere Seite, danach Kopf, Beine und Schwanz. Viele Hunde empfinden es als angenehm, wenn sie während der Fellpflege auf der Seite liegen. So kommt man an alle Stellen und der Hund bleibt entspannt. Mit Routine wird der Vorgang schneller und kann sogar als gemeinsame Zeit genossen werden.
Das Baden erfordert besondere Vorsicht, insbesondere beim Gesichtsbad. Der Schaum sollte vorsichtig mit der Hand entfernt werden oder eine leere Plastikflasche mit Wasserstrahl genutzt werden, um Seifenwasser aus den Ohren fernzuhalten. Seifenwasser im Gehörgang kann ähnliche Schäden verursachen wie in den Augen. Im Sommer kann sich der Havaneser nach dem Bad selbst trockentoben lassen, bei kühleren Temperaturen ist jedoch ein Föhen notwendig, um Erkältungen zu vermeiden. Dabei sollte der Föhn auf die untere Hitzestufe und mäßige Geschwindigkeit eingestellt sein. Das Fell trocknet schneller, wenn es beim Föhnen leicht durchgekämmt wird. Spezielle Trockner mit Standfuß für kleine Hunde können nützlich sein, um das Fell ordentlich zu stylen.
Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Pflege der Augen. Das Fell des erwachsenen Havanesers hängt normalerweise nach unten und erreicht die Augen nicht. Wenn dies doch der Fall ist, können die Haare mit einer Haarklammer zur Seite geklipsisert werden. Bei Welpen ist das Fell oft noch zu kurz, um nach unten zu hängen. Um zu verhindern, dass das Fell ins Auge sticht und Reizungen oder Entzündungen verursacht, kann das Fell um die Augenpartie mit etwas Fettcreme (z. B. Vaseline oder Melkfett) „hinkleistert" werden. Tränende Augen sind beim Havaneser normal, daher gibt es spezielle Tränenfleckentferner auf dem Markt, die die Flecken entfernen und die Bildung neuer Flecken verhindern. Verkrusteter Schmutz wird am besten mit einem speziellen Gesichts- und Augenkamm entfernt. Wenn die Augen auch im Erwachsenenalter ständig tränen, sollte ein Tierarzt konsultiert werden.
Erziehungsstrategien für den aufgewiegelten Welpe
Das Hauptziel der Erziehung eines Havaneser-Welpen, der „überdreht", ist die Fähigkeit zur Selbstberuhigung. Da der Havaneser ein sensibler und sanfter Hund ist, reagiert er am besten auf eine liebevolle Erziehung. Das Training muss positiv und abwechslungsreich sein, da der Havaneser intelligent und lernfreudig ist.
Wenn ein Welpe in einem Haushalt mit Kindern lebt, ist es schwierig, absolute Ruhe zu erreichen. Die Lösung liegt darin, klare Grenzen und Routinen zu schaffen. Der Einsatz eines Laufstalls oder einer Box ist sinnvoll, um dem Hund einen sicheren Rückzugsort zu bieten. Ein geschlossener Raum oder eine Box mit einem kleinen Fenster kann helfen, visuelle Reize zu minimieren. Es ist jedoch wichtig, dass der Raum selbst ruhig ist; wenn dort gearbeitet oder telefoniert wird, kann dies den Hund wieder aufregen.
Ein zentraler Aspekt ist die Schlafhygiene. Welpen benötigen mindestens 18 Stunden Schlaf. Wenn ein Welpe dies nicht schafft, liegt es oft daran, dass er nicht lernen konnte, sich selbst zu beruhigen. Das „Überdrehen" ist oft ein Zeichen für fehlende Struktur. Der Hund braucht klare Signale für Ruhephasen. Ein Welpe, der nicht zur Ruhe kommt, benötigt Geduld und konsequente Wiederholung von Ruheübungen.
Die Erziehung sollte auch die Sozialisation beinhalten. Der Havaneser ist sozial und anhänglich, er bindet sich stark an seine Familie. Längere Zeitspannen allein verträgt er schlecht. Daher ist ein Leben mit regelmäßigem Kontakt ideal. Das Training von Ruhephasen sollte in den Alltag integriert werden, wobei der Hund lernt, auf Befehle wie „Platz" oder „Ruhig" zu reagieren.
Der Einfluss der Umgebung auf den Welpen
Die Umgebung spielt eine entscheidende Rolle beim „Überdrehen" eines Havaneser-Welpen. In einem Haushalt mit drei Kindern ist es kaum möglich, absolute Ruhe zu gewährleisten. Der Welpe reagiert empfindlich auf Geräusche und visuelle Reize. Ein kurzer Blick oder ein Geräusch reicht aus, um ihn wieder in Alarmbereitschaft zu versetzen. Das Problem liegt also nicht unbedingt im Hund selbst, sondern in der Anpassung an eine dynamische Umgebung.
Es wurde vorgeschlagen, den Hund in einen separaten Raum zu bringen, etwa das Büro, in dem ein Familienmitglied arbeitet. Allerdings ist dies nur dann erfolgreich, wenn der Raum wirklich ruhig ist. Wenn dort gearbeitet oder telefoniert wird, reicht dies aus, um den Hund wieder aufzuhalten. Ein geschlossenerer Laufstall oder eine Box mit begrenzten Öffnungen kann helfen, den Hund vor übermäßigen Reizen zu schützen.
Die Kinder im Haushalt lassen den Hund in Ruhe, wenn er im Laufstall ist, aber sobald er einen Blick erhascht, ist er sofort wieder wachsam. Dies zeigt, dass der Hund gelernt hat, dass Bewegung und Geräusche eine Bedrohung oder ein Signal zur Aktivierung darstellen. Es ist wichtig, dem Hund beizubringen, dass diese Reize nicht unbedingt eine Bedrohung darstellen.
Fazit
Das Phänomen des „Überdrehens" beim Havaneser-Welpen ist ein häufiges Problem, das oft auf eine Kombination aus fehlender Selbstberuhigung, empfindlicher Natur der Rasse und einer unstrukturierten Umgebung zurückzuführen ist. Der Havaneser ist ein sensibler, anhänglicher und intelligenter Hund, der stark an seine Familie gebunden ist. Sein Bedürfnis nach Kontakt und Sicherheit kann in einer lauten Umgebung zur Übererregung führen. Die Lösung liegt in einer konsequenten Strukturierung der Ruhephasen, der Schaffung sicherer Rückzugsräume und der liebevollen, positiven Erziehung.
Die Pflege des Fells und der Augen ist ein integraler Bestandteil des Zusammenlebens. Der langhaarige Havaneser benötigt regelmäßiges Bürsten, um Verfilzungen zu vermeiden. Besondere Vorsicht ist bei der Augenpflege geboten, da das Fell leicht in die Augen sticht. Durch gezielte Pflege und eine strukturierte Erziehung kann das Überdrehen gelöst werden und der Hund lernt, sich auch in einer lauten Umgebung zu beruhigen. Der Weg zu einem ruhigen, ausgeglichenen Havaneser führt über Geduld, Konsequenz und ein tiefes Verständnis für die Bedürfnisse dieser Rasse.