Die physiologischen und anatomischen Hintergründe des Tränenflusses beim Malteser

Die rötlich-braunen Verfärbungen im Gesichtsbereich, die bei vielen Maltesern auftreten, sind ein komplexes Zusammenspiel aus Anatomie, Genetik und Biochemie. Diese Phänomene, oft als Tränenflecken bezeichnet, sind insbesondere bei dieser Rasse aufgrund des reinweißen Fells und der spezifischen Gesichtsform extrem präsent. Während viele Besitzer diese Flecken zunächst als rein kosmetisches Problem wahrnehmen, verbirgt sich dahinter ein detaillierter Prozess, bei dem Tränenflüssigkeit, Speichel und Urin eine zentrale Rolle spielen. Es handelt sich nicht um eine Krankheit im klassischen Sinne, sondern um eine Reaktion des Körpers und eine Folge der anatomischen Beschaffenheit.

Die Sichtbarkeit dieser Verfärbungen ist bei hellen Hunden wie dem Malteser oder dem Havaneser massiv erhöht, während sie bei dunkelhaarigen Rassen optisch unsichtbar bleiben. Beim Malteser ist die Problematik statistisch gesehen stärker ausgeprägt als bei anderen ähnlichen Rassen, was sowohl an der Reinheit des Weißes als auch an der spezifischen Schnauzenform liegt.

Die biochemische Ursache: Porphyrine und ihre Wirkung

Die charakteristische rostrote bis bräunliche Farbe der Tränenflecken ist das Ergebnis der Anwesenheit von Porphyrinen. Porphyrine sind eisenhaltige Abbauprodukte, die entstehen, wenn der Körper Hämoglobin abbaut. Unter normalen Umständen werden diese Stoffe primär über den Kot ausgeschieden. Wenn jedoch das Entgiftungssystem des Körpers überlastet ist oder bestimmte physiologische Voraussetzungen vorliegen, wird ein Teil dieser Porphyrine über die Körperflüssigkeiten wie Tränen, Speichel und Urin ausgeschieden.

Sobald diese eisenhaltigen Flüssigkeiten mit dem Fell in Kontakt kommen, lagern sie sich in den Haaren ab. Durch die Oxidation an der Luft entsteht die typische Verfärbung. Dies erklärt, warum solche Flecken nicht nur unter den Augen, sondern auch an anderen Stellen auftreten können, an denen Körperflüssigkeiten mit dem Fell in Berührung kommen.

Die Verfärbungen treten häufig an folgenden Stellen auf:

  • Unmittelbar unter und rund um die Augen
  • Im Bereich des Mauls und im Bart
  • An den Pfoten
  • Im Genitalbereich

Anatomische Prädisposition des Maltesers

Der Malteser weist spezifische körperliche Merkmale auf, die ihn besonders anfällig für einen verstärkten Tränenfluss und die daraus resultierenden Flecken machen.

Ein wesentlicher Faktor sind die im Verhältnis zum restlichen Kopf sehr großen Augen. Diese anatomische Besonderheit führt dazu, dass die Augenoberfläche verhältnismäßig groß ist, wodurch mehr Partikel und Fremdkörper eingefangen werden. In Verbindung mit dem langen Gesichtshaar entsteht ein Teufelskreis: Die Haare hängen oft in die Augen, wirken dort als mechanischer Reiz und befördern gleichzeitig Schmutz sowie Krankheitskeime direkt auf die Hornhaut oder die Bindehaut.

Zudem besitzt der Malteser eine tendenziell kürzere und flachere Schnauze im Vergleich zu anderen Rassen. Dies hat zur Folge, dass die Tränenkanäle oft enger angelegt sind oder ungünstig verlaufen. Wenn die Tränenflüssigkeit nicht optimal über die Tränen-Nasen-Kanäle in die Nase abfließt, tritt sie über den Tränenpunkt nach außen aus und benetzt das Fell.

Differenzierung zwischen trockenen und feuchten Tränenflecken

Für die Beurteilung des Gesundheitszustands ist es essenziell, zwischen zwei Erscheinungsformen der Verfärbungen zu unterscheiden.

Trockene Tränenflecken stellen eine rötlich-braune Verfärbung des Fells dar, ohne dass eine akute Feuchtigkeit im Bereich der Augen feststellbar ist. In diesem Fall handelt es sich primär um ein kosmetisches Pflegethema, bei dem die Porphyrine bereits im Haar fixiert sind, aber kein aktiver Überfluss an Flüssigkeit vorliegt.

Feuchte Tränenflecken hingegen zeichnen sich durch dauerhaft nasses Fell unter dem Auge aus. Oft geht dies mit einem spezifischen Geruch einher. Feuchte Flecken sind ein Signal für ein aktives Problem, da die ständige Feuchtigkeit die Haut reizen kann. Dies kann zu Ekzemen oder Pilzinfektionen führen, die für den Hund unangenehm und langwierig in der Behandlung sind.

Ursachenanalyse für übermäßigen Tränenfluss

Die Gründe für einen verstärkten Tränenfluss sind vielfältig und oft kombinatorisch.

Genetische Veranlagungen spielen eine große Rolle. Bestimmte Zuchtlinien produzieren von Natur aus mehr Tränenflüssigkeit oder verfügen über anatomisch engere Tränenkanäle. Dies erklärt, warum selbst Hunde aus derselben Familie unterschiedlich stark betroffen sein können.

Mechanische Reize durch das Fell sind beim Malteser besonders häufig. Einzelne Haare im inneren Augenwinkel reizen das Auge kontinuierlich, was zu einer reflexartigen Steigerung der Tränenproduktion führt.

Weitere Faktoren, die den Tränenfluss und die Fleckenbildung beeinflussen können, sind:

  • Der Zahnwechsel bei Welpen, der oft mit einer erhöhten Tränenproduktion einhergeht
  • Die Qualität des Trinkwassers und dessen Mineralgehalt
  • Bestimmte Inhaltsstoffe im Futter, wie beispielsweise die Diskussion um die Fütterung von Huhn
  • Allergische Reaktionen auf Umweltfaktoren oder Futtermittel
  • Bakterielle Besiedlungen, welche die Verfärbung zusätzlich verstärken

Medizinische Risiken und Warnsignale

Obwohl Tränenflecken oft nur als optisches Problem betrachtet werden, kann ein dauerhaft hoher Tränenfluss ernsthafte gesundheitliche Folgen haben. Die ständige Feuchtigkeit im Fell schafft einen idealen Nährboden für Bakterien und Pilze.

Ein dringender Tierarztbesuch ist erforderlich, wenn folgende Symptome auftreten:

  • Das Auge ist sichtbar gerötet
  • Der Hund zeigt Juckreiz im Augenbereich
  • Es tritt eitriger Ausfluss aus den Tränensäcken aus
  • Das Auge oder die Augenlider schwellen zu

Diese Anzeichen können auf akute oder chronische Bindehautentzündungen hindeuten. Wenn diese Zustände nicht behandelt werden, können langfristig bleibende Schäden am Auge entstehen.

Vergleich: Malteser vs. Havaneser

Obwohl beide Rassen zur Gruppe der hellhaarigen Begleithunde gehören, gibt es Unterschiede in der Ausprägung der Tränenproblematik.

Kriterium Havaneser Malteser
Grundfarbe oft mehrfarbig, auch hell fast immer reinweiß
Sichtbarkeit mittel bis stark sehr stark (reinweißes Fell)
Schnauzenform moderat gestreckt kürzer, flacher
Tränenkanal-Enge mittel häufig häufiger
Welpen-Phase deutlich ausgeprägt, bessert sich deutlich ausgeprägt, bleibt oft länger
Erwachsenen-Neigung moderat, gut kontrollierbar tendenziell stärker

Der Malteser ist aufgrund der anatomischen Gegebenheiten und der extremen Kontrastwirkung des weißen Fells stärker betroffen. Die Pflegeroutine zur Bewältigung ist jedoch bei beiden Rassen weitgehend identisch.

Ansätze zur Pflege und Linderung

Die Bewältigung von Tränenflecken erfordert einen ganzheitlichen Ansatz, da ein einzelnes "Wundermittel" meist nicht ausreicht. Effektive Strategien basieren auf der Kombination mehrerer Hebel.

Die mechanische Reinigung ist grundlegend. Da Wasser allein oft nicht ausreicht, um die Porphyrine und die mitgeführten Partikel zu entfernen, sind gezielte Pflegemittel notwendig. Viele Besitzer nutzen Wasserstoffperoxid oder spezifische Augentropfen nach tierärztlicher Absprache, um Reizungen zu lindern.

Ein kritischer Punkt ist der Umgang mit dem Gesichtshaar. Es gibt widersprüchliche Ratschläge: Während einige empfehlen, die Haare im Augenbereich vorsichtig zu zupfen (ähnlich wie bei der Ohrenpflege), raten andere vom Schneiden ab, um keine neuen Reizpunkte durch kurze, stachelige Haare zu schaffen. Das Ziel muss es sein, die Haare so zu managen, dass sie nicht mehr in das Auge wachsen und somit die mechanische Reizung minimieren.

Die Ernährung spielt eine unterstützende Rolle. Die Suche nach einem passenden Hundefutter, das den Organismus nicht überlastet und so die Ausscheidung von Porphyrinen über die Körperflüssigkeiten reduziert, kann einen positiven Einfluss auf die Intensität der Flecken haben.

Schlussfolgerende Analyse der Problematik

Die Analyse der Tränenfluss-Problematik beim Malteser zeigt, dass es sich um eine multifaktorielle Herausforderung handelt. Die Kombination aus einer genetisch bedingten Disposition, einer spezifischen Anatomie (große Augen, kurze Schnauze) und der biochemischen Beschaffenheit der Tränenflüssigkeit macht den Malteser besonders anfällig.

Es ist festzustellen, dass die rein kosmetische Behandlung von Tränenflecken oft zu kurz greift, wenn die zugrundeliegenden Ursachen wie mechanische Reizungen durch Haare oder eine zu enge Tränenkanal-Anatomie nicht berücksichtigt werden. Die Gefahr liegt vor allem in der Vernachlässigung der feuchten Tränenflecken, da diese eine direkte Eintrittspforte für Infektionen und Ekzeme darstellen.

Ein nachhaltiger Erfolg bei der Reduktion der Flecken lässt sich in der Regel erst nach einer Zeitspanne von 6 bis 8 Wochen einstellen, sofern eine konsequente tägliche Pflege, die Optimierung des Trinkwassers und eine angepasste Fütterung implementiert werden. Letztlich bleibt die Erkenntnis, dass beim Malteser eine lebenslange, dedizierte Augenpflege ein integraler Bestandteil der Rassehaltung ist, um sowohl die Optik als auch die Gesundheit der Augen zu gewährleisten.

Quellen

  1. Dogforum.de
  2. Fibis Adventures
  3. Hundemuddi.de
  4. Futterblog.com

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