Die biochemische und anatomische Analyse von Tränenflecken beim Malteser

Die rötlich-braunen Verfärbungen im Augenbereich des Maltesers sind ein Phänomen, das weit über ein rein kosmetisches Problem hinausgeht. In der Fachwelt der Hundepflege und Veterinärmedizin werden diese als Tränenflecken bezeichnet. Besonders bei Rassen mit reinweißem Fell, wie es beim Malteser fast immer der Fall ist, stechen diese Verfärbungen extrem stark hervor. Dies führt oft dazu, dass der Hund auf Betrachter ungepflegt oder im schlimmsten Fall sogar krank wirkt, obwohl die Flecken in den meisten Fällen keine direkte gesundheitliche Beeinträchtigung darstellen.

Die Entstehung dieser Flecken ist ein komplexer Prozess, bei dem biochemische Abbauprodukte auf spezifische anatomische Gegebenheiten der Rasse treffen. Es handelt sich nicht um eine einfache Verschmutzung, sondern um eine chemische Reaktion im Fell, die durch die konstante Benetzung mit Tränenflüssigkeit oder Speichel ausgelöst wird. Um dieses Problem nachhaltig in den Griff zu bekommen, ist es essenziell, die zugrunde liegenden Mechanismen zu verstehen, anstatt lediglich die Symptome oberflächlich zu behandeln.

Die biochemische Ursache: Das Porphyrin-Phänomen

Die primäre Ursache für die charakteristische rostrote Farbe der Tränenflecken sind sogenannte Porphyrine. Hierbei handelt es sich um eisenhaltige Farbstoffe, die beim Abbau von Hämoglobin entstehen. Unter normalen physiologischen Bedingungen werden diese Porphyrine im Körper des Hundes abgebaut und größtenteils über den Kot ausgeschieden.

Wenn Porphyrine jedoch in der Tränenflüssigkeit, im Speichel oder im Urin vorkommen und mit dem Fell in Kontakt kommen, lagern sie sich in der Haarstruktur ein. Durch die Oxidation an der Luft verändert sich die Farbe, was zu den typischen bräunlichen bis rötlichen Verfärbungen führt. Da der Malteser ein fast reinweißes Fell besitzt, wird jede noch so geringe Menge dieser Ablagerungen sofort sichtbar. Bei dunkelhaarigen Rassen hingegen findet derselbe biochemische Prozess ebenfalls statt, bleibt jedoch optisch unsichtbar.

Es ist wichtig zu unterscheiden, in welchen Bereichen diese Verfärbungen auftreten können. Während die Augenregion die häufigste Stelle ist, können ähnliche Ablagerungen auch an anderen Körperpartien vorkommen:

  • Rund um das Maul
  • Im Bereich des Bartes
  • An den Pfoten
  • Im Genitalbereich

Anatomische Prädisposition des Maltesers

Der Malteser ist aufgrund seiner körperlichen Konstitution besonders anfällig für die Bildung von Tränenflecken. Drei spezifische Faktoren wirken hierbei synergetisch zusammen.

Erstens spielt die Fellfarbe eine entscheidende Rolle. Die extreme Sichtbarkeit auf weißem Grund führt dazu, dass bereits minimale Mengen an Tränenflüssigkeit zu einer optischen Veränderung führen.

Zweitens ist die Schnauzenform maßgeblich. Der Malteser besitzt eine kürzere und flachere Schnauzenform im Vergleich zu Rassen mit moderat gestreckten Gesichtern. Diese anatomische Besonderheit führt häufig dazu, dass die Tränenkanäle enger gebaut sind oder ungünstig verlaufen. Die Folge ist, dass die Tränenflüssigkeit nicht optimal über die natürliche Nase abfließt, sondern über das Gesicht läuft und so das Fell benetzt.

Drittens sorgt das lange Gesichtshaar für mechanische Reize. Einzelne Haare im inneren Augenwinkel können direkt ins Auge wachsen oder die Hornhaut reizen. Dies erhöht die Tränenproduktion massiv, wodurch die Menge der Porphyrine, die das Fell erreichen, steigt.

Differenzierung zwischen trockenen und feuchten Tränenflecken

Für die korrekte Behandlung ist eine präzise Diagnose der Fleckenart unerlässlich, da die therapeutischen Ansätze variieren.

Trockene Tränenflecken zeichnen sich durch eine rötlich-braune Verfärbung aus, ohne dass das Fell im Moment der Betrachtung akut feucht ist. In diesem Fall handelt es sich primär um ein kosmetisches Pflegethema, bei dem die Pigmente bereits im Haar fest sitzen.

Feuchte Tränenflecken hingegen sind durch ein dauerhaft nasses Fell unter dem Auge gekennzeichnet. Diese Form ist oft mit einem spezifischen Geruch verbunden und ist ein Signal für ein aktives Problem, wie etwa eine Überproduktion von Tränenflüssigkeit oder eine Blockade der Tränenkanäle. Während trockene Flecken durch Reinigung entfernt werden können, erfordern feuchte Flecken eine Analyse der Ursache.

Die acht Hauptursachen im Detail

Um Tränenflecken effektiv zu bekämpfen, müssen verschiedene Hebel gleichzeitig bedient werden, da meist eine Kombination aus mehreren Faktoren vorliegt.

  • Genetische Veranlagung: Die Neigung zu engen Tränenkanälen oder eine erhöhte Produktion von Tränenflüssigkeit ist oft vererbt. Dies erklärt, warum Hunde aus demselben Wurf unterschiedlich stark betroffen sein können.
  • Zahnwechsel: Besonders in der Welpenphase führen die hormonellen und physischen Veränderungen während des Zahnwechsels häufig zu verstärktem Tränenfluss. Diese Form der Flecken bessert sich oft von selbst nach dem 7. oder 8. Monat.
  • Mechanische Reizung: Haare, die in das Auge wachsen, verursachen eine permanente Irritation der Hornhaut.
  • Anatomie der Tränenkanäle: Eine Verengung der Kanäle verhindert den natürlichen Abfluss.
  • Wasserqualität: Hartes Leitungswasser mit einem hohen Gehalt an Eisen oder Fluorid kann die Porphyrinbildung begünstigen.
  • Futterbestandteile: Minderwertige Fleischqualitäten oder bestimmte Zusätze können die Symptomatik verstärken.
  • Allergien: Unverträglichkeiten gegenüber bestimmten Proteinen können sich über die Tränenproduktion äußern.
  • Bakterielle Besiedlung: Die feuchte Umgebung im Fell bietet einen idealen Nährboden für Bakterien, welche die Verfärbung zusätzlich verstärken.

Die Rolle der Ernährung und Wasserqualität

Ein zentraler Punkt in der Diskussion um Tränenflecken ist die Fütterung. Es wird häufig diskutiert, ob Huhn im Futter schuld an den roten Flecken ist. Tatsächlich können versteckte Unverträglichkeiten gegenüber Hühnchen oder Getreide bei manchen Hunden eine deutliche Reduktion der Flecken bewirken, wenn auf eine getreidefreie, hochwertige Ernährung umgestellt wird.

Besonders kritisch ist die Verwendung von Trockenfutter zu betrachten, da dieses häufig die Ursache für Futtermittelunverträglichkeiten ist. Empfehlenswert sind gefriergetrocknete Fleischstücke als Belohnung, da hier Vitamine und Mineralstoffe weitgehend erhalten bleiben und keine schädlichen Farbstoffe oder unnötige Getreidezusätze enthalten sind. Ein Test auf Futterunverträglichkeiten erfordert eine Beobachtungszeit von mindestens acht Wochen, da kürzere Zeiträume keine validen Ergebnisse liefern.

Neben dem Futter spielt das Trinkwasser eine unterschätzte Rolle. Da Porphyrine eisenhaltig sind, kann eine hohe Konzentration von Mineralien im Leitungswasser das Problem verschlimmern. Der Einsatz eines Wasserfilters oder eines Trinkbrunnens mit Kohlefilter kann hier eine spürbare Verbesserung innerhalb von drei bis vier Wochen bewirken.

Vergleich der Anfälligkeit: Havaneser vs. Malteser

Obwohl beide Rassen aufgrund ihres hellen Fells betroffen sind, gibt es statistische und anatomische Unterschiede in der Ausprägung der Tränenflecken.

Kriterium Havaneser Malteser
Grundfarbe Oft mehrfarbig, auch hell Fast immer reinweiß
Sichtbarkeit Mittel bis stark Sehr stark
Schnauzenform Moderat gestreckt Kürzer, flacher
Tränenkanal-Enge Mittel häufig Häufiger
Welpen-Phase Deutlich ausgeprägt, bessert sich Deutlich ausgeprägt, bleibt oft länger
Erwachsenen-Neigung Moderat, gut kontrollierbar Tendenziell stärker

Aus diesen Daten wird ersichtlich, dass der Malteser es anatomisch und optisch schwerer hat, da die Kombination aus reinweißem Fell und flacherer Schnauze die Wahrscheinlichkeit für sichtbare Flecken massiv erhöht.

Ganzheitliche Pflegeroutine und Behandlungsstrategien

Um eine maximale Reduktion der Flecken zu erreichen, ist ein Vier-Säulen-Ansatz notwendig. Eine isolierte Behandlung eines einzelnen Faktors führt oft nicht zum gewünschten Erfolg.

Die tägliche Reinigung ist die Basis. Hierbei sollten einfache Augenpflegetücher für Hunde verwendet werden. Es ist wichtig, auf bestimmte Hausmittel wie Kamillentee zu verzichten, da dieser reizend wirken kann. Kokosöl ist aufgrund seiner antimykotischen Wirkung zwar theoretisch hilfreich, kann jedoch das Fell verkleben und die Luftzufuhr zur Haut unterbinden, weshalb es nur mit großer Vorsicht eingesetzt werden sollte.

Zusätzlich müssen die Haare am inneren Augenwinkel regelmäßig nachgeschnitten werden, um die mechanische Reizung des Auges zu minimieren.

Für hartnäckige Flecken haben sich spezialisierte Produkte wie das Set aus Eye Envy Pulver und Solution bewährt. Die konsequente tägliche Anwendung dieser Produkte in Kombination mit der Optimierung von Wasser und Futter führt in der Regel nach zwei bis drei Wochen zu ersten Verbesserungen. Eine vollständig sichtbare Reduktion wird meist nach sechs bis acht Wochen erreicht.

Medizinische Warnsignale: Wann der Tierarzt aufgesucht werden muss

In den meisten Fällen sind Tränenflecken ein rein kosmetisches Thema und nicht schädlich. Es gibt jedoch klare Indikatoren, bei denen eine tierärztliche Untersuchung zwingend erforderlich ist, da hier eine Entzündung, ein komplett blockierter Tränenkanal oder eine Verletzung vorliegen könnte.

Folgende Symptome erfordern sofortige medizinische Hilfe:

  • Das Auge ist deutlich gerötet
  • Das Auge ist geschwollen
  • Es tritt eitriger Ausfluss aus dem Tränenkanal aus
  • Der Hund juckt sich häufig am Auge oder reibt es intensiv
  • Das Auge wirkt insgesamt gereizt

Analyse der langfristigen Behandlungsfähigkeit

Die Frage, ob Tränenflecken komplett verschwinden können, muss differenziert beantwortet werden. Bei Welpen, bei denen die Flecken primär durch den Zahnwechsel verursacht wurden, verschwinden diese oft vollständig nach dem siebten oder achten Lebensmonat.

Bei erwachsenen Hunden lassen sich die Flecken zwar stark reduzieren, eine vollständige Eliminierung auf null ist jedoch selten möglich, insbesondere wenn die Genetik oder die Anatomie (enge Kanäle) die Hauptursache ist. Eine moderate Restfärbung bei hellen Maltesern ist physiologisch normal und darf nicht als Zeichen einer schlechten Pflege interpretiert werden. Der Erfolg einer Therapie definiert sich daher nicht über die absolute Abwesenheit von Farbe, sondern über die Kontrolle der Feuchtigkeit und die Minimierung der rötlichen Ausbreitung.

Quellen

  1. Hundemuddi
  2. Fibi Adventures

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