Der Havaneser, oft als der „kleine Kubaner“ bezeichnet, ist eine Rasse, die durch ihr langes, seidiges Fell und sein ausdrucksstarkes, freundliches Wesen besticht. Doch hinter der äusserlichen Anmut verbirgt sich eine spezifische anatomische und physiologische Veranlagung, die besondere Aufmerksamkeit erfordert. Besonders das Auge stellt beim Havaneser einen kritischen Bereich dar. Die Rasse ist zu einem vermehrten Tränenfluss geneigt, was zu einer komplexen Herausforderung in der Pflege führt. Ein gesundes Auge des Havanesers ist jedoch nicht immer ein leeres Auge; der Tränenfluss ist oft ein natürlicher Schutzmechanismus, kann aber unter bestimmten Bedingungen zu sichtbaren Veränderungen führen. Das Verständnis dieser Dynamik ist essenziell für Züchter und Besitzer, um die Gesundheit des Tieres langfristig zu sichern.
Die Empfindlichkeit der Augen beim Havaneser ist kein Zufall, sondern eine direkte Folge seiner Anatomie und Fellstruktur. Beim Welpen, aber auch kurz nach dem Scheren des Fells, durchläuft das Fell eine Wachstumsphase. In diesem Stadium sind die Haare zwischen dem Nasenrücken und den Augen noch nicht lang genug, um von selbst tief genug herabhängen zu können. Folglich können die Haarspitzen in die Augen geraten und diese reizen. Diese Reizung löst einen Schutzmechanismus des Körpers aus: den Tränenfluss. Dieser Fluss hat die Aufgabe, die Reize herauszuwaschen. Wenn die Haare jedoch in die Augen stechen, führt dies zu einer chronischen Reizung, was den Tränenfluss weiter verstärkt. Dies ist ein Teufelskreis, der vermieden werden muss. Daher ist es ratsam, dass Haare, die ins Auge reichen, beim erwachsenen Hund nicht gekürzt werden sollten, da eine Verkürzung das Risiko erhöht, dass die Spitzen die Augen weiter reizen und den Tränenfluss steigern.
Ein weiteres kritisches Detail ist die Färbung des Fells. Der Havaneser neigt zu verstärktem Tränenfluss, und wenn dieser nicht sorgfältig behandelt wird, verfärbt sich das Fell um die Augen braun-rötlich. Dies sind die bekannten Tränenflecken, die nicht nur ästhetisch störend sind, sondern auch ein Indikator für eine Überproduktion von Tränenflüssigkeit oder eine Infektion sein können. Die Vermeidung dieser Verfärbung erfordert eine konsequente Pflege, um Risiken zu minimieren, die den Tränenfluss zusätzlich verstärken.
Anatomische Ursachen und die Rolle des Fells
Die Beziehung zwischen dem Fell und den Augen beim Havaneser ist komplex. Bei erwachsenen Havanesern hängen die Haare normalerweise nach unten, so dass sie nicht von allein in den Augenbereich kommen. Dies ist ein natürlicher Schutzmechanismus, der verhindert, dass Fremdkörper ins Auge geraten. Jedoch kann es vorkommen, dass Haare in die Augen hängen oder stechen, was zu Reizungen oder sogar Entzündungen führt. Die Lösung für das Problem der in die Augen ragenden Haare bei Welpen oder frisch geschorenen Hunden kann sein, diese Haare mit Vaseline oder Melkfett herunterzustreichen, damit die Spitzen den Hund nicht in den Augen pieken. Dies ist eine temporäre Maßnahme bis das Fell wieder ausreicht.
Die Pflege der Augenpartie erfordert daher mehr als nur oberflächliches Abwischen. Es ist wichtig, die Ursache des Ausflusses zu verstehen. Ist der Ausfluss ein Zeichen für eine einfache Reizung oder eine Allergie, oder deutet er auf eine tiefgreifendere medizinische Bedingung hin? Die Art des Ausflusses liefert die ersten wichtigen Hinweise. Ein klarer, wässriger Ausfluss, ähnlich einer Träne, kann auf eine einfache Reizung oder eine Allergie hindeuten. Ist der Ausfluss hingegen schleimig, gelblich oder grünlich, so deutet dies fast förmlich auf eine bakterielle Beteiligung hin.
Es ist entscheidend, dass man den Hund nicht nur pflegt, sondern auch beobachtet. Wer wird zum Detektiv? Die Beobachtung ist der erste Schritt zur Diagnose. Notieren Sie die Farbe, die Konsistenz und die Menge des Ausflusses. Führen Sie ein kleines Tagebuch: Wann tritt der Ausfluss auf? Morgens nach dem Schlafen oder nach einem Spaziergang im Wind? Betrifft er ein Auge oder beide? Diese Details sind für den Tierarzt von unschätzbarem Wert, da sie helfen, die Liste der möglichen Ursachen einzugrenzen.
Die Anatomie des Augenlids spielt ebenfalls eine zentrale Rolle. Bei manchen Rassen, und der Havaneser kann hier betroffen sein, sind die Augenlider nach innen (Entropium) oder nach außen (Ektropium) gerollt. Beim Entropium reiben die Wimpern ständig auf der Hornhaut, was zu einer chronischen Reizung und Ausfluss führt. Dies ist ein „Konstruktionsfehler“, der oft chirurgisch korrigiert werden muss. Solche anatomischen Fehlstellungen sind keine temporären Zustände, sondern erfordern oft medizinische Intervention.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Möglichkeit von systemischen Erkrankungen. Der Augenausfluss ist oft nur eines von vielen Symptomen. Bei systemischen Infektionskrankheiten wie dem Canine Distemper Virus (Staupevirus) kann der Ausfluss ein Hinweis darauf sein, dass der gesamte Körper befallen ist. Hier ist der Ausfluss ein Alarmzeichen für einen Kampf des gesamten Organismus. Das Auge zeigt an, dass der ganze Körper kämpft, oft begleitet von Fieber, Husten und neurologischen Problemen.
Zahnprobleme stellen eine weitere, oft übersehene Ursache dar. Eine Entzündung an der Wurzel eines Oberkieferzahns kann sich nach oben ausbreiten und auf die Strukturen hinter dem Auge drücken. Das Resultat ist ein einseitiger Augenausfluss, dessen Ursache nicht im Auge selbst liegt, sondern im Maul. Dies ist ein klassischer Fall für eine kaskadenartige Reaktion, bei der ein Problem an einer Körperstelle ein Symptom an einer anderen Stelle verursacht.
Auch das Glaukom (Grüner Star) kann zu Augenausfluss führen. Ein erhöhter Augeninnendruck ist nicht nur schmerzhaft, sondern führt zu einer Vergrößerung der Pupille und Rötung des Auges. Ein unbehandeltes Glaukom führt unweigerlich zur Erblindung und ist daher ein Notfall. Dies unterstreicht, dass Augenausfluss bei einem Havaneser niemals ignoriert werden sollte.
Methoden der täglichen Pflege und Reinigung
Die tägliche Pflege ist der Schlüssel, um Tränenflecken zu vermeiden und den Komfort des Hundes zu gewährleisten. Bei starken Verschmutzungen kann der Augenreiniger auch direkt auf das Fell gegeben werden, sodass es mit der Lotion durchtränkt ist. Anschließend lässt man den Augenreiniger kurz einwirken und nimmt dann den gelösten Schmutz mit einem weichen, saugfähigen Küchenkrepp aus den Haaren. Dies ist besonders wichtig, wenn sich verkrusteter Schmutz um das Auge bildet.
Dafür gibt es spezielle Tränenfleckentferner auf dem Markt. Diese milden Mittel sollen die Flecken nicht nur entfernen, sondern auch verhindern, dass neue entstehen. Verkrusteten Schmutz um das Auge entfernt man am besten mit einem speziellen Gesichts- und Augenkamm. Anschließend lässt sich der feine Schmutz mit einem Augenreiniger entfernen. Den gibt es in flüssiger Form zum Selbstdosieren oder schon als fertige Pads. Im Normalfall genügt es aber auch, die Augenpartie einfach mit Wasser zu säubern. Dazu einfach ein Wattestäbchen oder einen Wattebausch bzw. -pad befeuchten und sanft über die Stellen reiben.
Wichtig ist die Technik des Abwischens: Wischen Sie immer sanft von innen (Nasenwinkel) nach außen, um den Schmutz vom Auge wegzubewegen. Verwenden Sie für jedes Auge ein separates Tuch, um eine mögliche Übertragung von Keimen zu vermeiden. Dies ist eine Hygienemaßnahme, die besonders bei ansteckenden Augenerkrankungen entscheidend ist.
Manche Havi-Besitzer verwenden auch eine weiche Zahnbürste, die wahlweise mit Wasser oder Augenreiniger aus der Flasche benetzt werden kann. Dies ermöglicht eine gründlichere Reinigung der feinen Haarstrukturen um das Auge. Wichtig: Verwenden Sie niemals Kamillentee, da die feinen Partikel das Auge zusätzlich reizen können. Die Vermeidung von Reizstoffen ist essenziell, da das Auge des Havanesers bereits sensibel ist.
Badepflege und Trocknung
Die Pflege umfasst auch das Waschen und Trocknen des Hundes, wobei die Augen und Ohren besondere Vorsicht erfordern. Beim Waschen muss verhindert werden, dass Seifenwasser in die Augen oder Ohren gelangt. Dort richtet es fast so große Schäden an wie in den Augen. Entweder mit der Hand vorsichtig den Schaum im Gesicht entfernen oder mit einer leeren Plastikflasche behutsam einen Wasserstrahl darüberlaufen lassen. Auf diese Weise kann man auch verhindern, dass Seifenwasser in den Gehörgang fließt.
Nach dem Bad, je nach Jahreszeit, ist die Trocknung von entscheidender Bedeutung. Im Sommer, wenn es warm ist, kann sich der Havaneser nach dem Bad einfach trockentoben. Sollte es kälter sein, muss der Kleine geföhnt werden, damit er sich keine Erkältung holt. Natürlich muss auch hierbei auf die empfindlichen Augen und Ohren geachtet werden. Stellen Sie dazu den Föhn auf die untere Hitzestufe und nur mäßige Geschwindigkeit. Das Fell trocknet schneller, wenn man es beim Föhnen leicht durchkämmt. So bilden sich kleinere Partien, die feiner zerteilt sind und deswegen leichter trocken werden. Wer gerne beide Hände frei hat, um seinen Hund ordentlich zu stylen, kann auf Trockner mit Standfuß zurückgreifen, die extra für kleine Hunde entwickelt wurden.
Die Pfotenpflege ist eng mit der allgemeinen Hygiene verknüpft. Auf ihnen stehen sie und bewegen sich fort. Deswegen benötigen sie auch eine spezielle Pflege, müssen regelmäßig gesäubert und von Haaren befreit werden, damit sich nichts entzünden kann. Es empfiehlt sich, nach jedem Spaziergang die Pfoten zu untersuchen, ob der Hund sich nichts in die empfindlichen Ballen oder in die Zwischenräume hineingetreten hat. Splitter oder auch Schmutz sollte man natürlich sofort entfernen. In der kalten Jahreszeit sind die zarten Hundepfoten besonderen Problemen ausgesetzt: Eis und Streusalz können die Pfoten rissig werden lassen und sogar zu ernsthaften Verletzungen führen. Zur Vorbeugung oder wenn der Hund bereits gereizte Pfoten hat, gibt es Pfotenschoner aus Stoff, die man dem Hund wie Schuhe anzieht und fixiert. Schutz bieten auch diverse Salben, Cremes und Tinkturen, die es in großer Auswahl gibt. Sie können sowohl vorbeugend als auch pflegend eingesetzt werden.
Wie nahezu überall am Körper des Havanesers wachsen auch zwischen den Pfotenballen lange Haare. Damit der Hund auch auf glattem Boden nicht rutschen kann, ist es wichtig, diese Haare regelmäßig zu kürzen. Dazu verwendet man am besten eine Schere mit abgerundeten Spitzen. Man kann aber auch eine kräftige (Menschen-)Nagelschere mit runden Enden nehmen. Bei manchen Havanesern muss man sich auch um die Krallen kümmern. Das ist immer dann der Fall, wenn die Hunde sich auf ihren Spaziergängen nicht genügend die Krallen abwetzen können.
Ohrenpflege: Ein vernachlässigter Bereich
Die Ohrenpflege beim Havaneser ist ebenso wichtig wie die Augumpflege, auch wenn die Ohren nicht ganz so empfindlich sind wie die Augen. Sie benötigen aber auch sorgfältige regelmäßige Pflege. Erledigen Sie dies am besten nach dem Bad oder ausführlichem Bürsten als Rundum-Pflegepaket gleich mit. Um überschüssiges Ohrenschmalz und hartnäckigen Schmutz zu entfernen, empfiehlt es sich, speziellen Ohrenreiniger vorsichtig in das Ohr zu geben und einige Zeit einwirken zu lassen. Die so gelösten Partikel lassen sich anschließend leichter entfernen. Dazu nimmt man am besten ein Wattestäbchen, mit dem man aber äußerst vorsichtig vorgehen sollte. Das sollte man jedoch nur tun, wenn die Ohren wirklich verschmutzt sind.
Hierzu tröpfelt man ein wenig der Lotion ins Ohr und massiert sie ein, bis sich der Schmutz gelöst hat, den man anschließend mit einem Wattebausch oder Wattepad aus den Ohren wischt. Diese Methode verhindert, dass hartnäckiger Schmutz oder Ohrenschmalz zu Entzündungen führen.
Das Fell als Faktor für die Augen
Die Pflege des langen Fells stellt eine kleine Wissenschaft für sich dar. Wird es ernst, zunächst an einer Stelle des Fells einsprühen und dann mit der Bürste loslegen. Ganz wichtig ist es, immer bis zur Haut zu kämmen, da das Fell am Ansatz am meisten verfilzen kann. Dazu am besten das Fell mit der Hand teilen, bis man auf die Haut blicken kann. Nun das Fell nach oben klappen und vorsichtig vom Ansatz bis zum Ende des Fells nach unten bürsten, dabei die Haare am Ansatz festhalten, damit es nicht so ziept.
Am leichtesten funktioniert das Bürsten, wenn man das Fell vorher mit einem Anti-Filz-Spray oder eine Kämmhilfe einsprüht. Dazu gibt es verschiedene Präparate auf dem Markt, die Sie entweder im Fachhandel, bei Ihrem Tierarzt oder im Onlinehandel erhalten. Man kann aber auch einfach Wasser in einer Sprühflasche verwenden. Wichtig ist, dass das Fell vorher befeuchtet wird, sonst bricht es beim Bürsten. Ist das Fell stark verfilzt oder haben sich Knötchen gebildet, empfehlen sich jedoch die Kämmhilfen, da es nur mit Wasser schon erheblich ziepen kann und nicht unbedingt die Laune des Hundes hebt. Am besten Knötchen und besonders verfilzte Stellen stärker einsprühen.
Zur richtigen Pflege gehört auch, dass der Havaneser nur zweimal die Woche gebürstet wird. Dies hängt von der Fellbeschaffenheit ab. Die Art der Bürste ist entscheidend, die unbedingt der Beschaffenheit des Fells Ihres Havanesers entsprechen sollte. Um hier keinen Fehlgriff zu tätigen, gehen Sie zum Kauf am besten mit Ihrem Hund zum Fachhändler.
Diagnose und medizinische Einordnung
Die Beobachtung des Ausflusses ist der erste Schritt zur Diagnose. 1. Art des Ausflusses: - Klar und wässrig: Deutet auf einfache Reizung oder Allergie hin. - Schleimig, gelb oder grünlich: Zeigt eine bakterielle Infektion an. 2. Zeitpunkt und Häufigkeit: Ein Tagebuch hilft, Muster zu erkennen. Tritt der Ausfluss morgens nach dem Schlafen oder nach einem Spaziergang im Wind auf? 3. Einseitig oder beidseitig: Einseitiger Ausfluss kann auf eine lokale Ursache wie ein Entropium oder ein Zahnproblem hindeuten. Beidseitiger Ausfluss deutet eher auf eine systemische Ursache oder eine Veranlagung der Rasse hin.
| Merkmal | Hinweis auf Ursache | Maßnahme |
|---|---|---|
| Klarer, wässriger Ausfluss | Reizung, Allergie | Sanfte Reinigung, Vermeidung von Reizstoffen |
| Schleimiger, gelb/grüner Ausfluss | Bakterielle Infektion | Tierärztliche Untersuchung, evtl. Medikamente |
| Einseitiger Ausfluss | Entropium, Zahnprobleme, Fremdkörper | Sofortige tierärztliche Abklärung |
| Beidseitiger Ausfluss | Rassebedingter Tränenfluss, Staupe | Regelmäßige Pflege, Impfung, Hygiene |
Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen harmlosen physiologischen Prozessen und ernsten pathologischen Zuständen. Das Glaukom ist ein Notfall, der sofortige Behandlung erfordert. Auch Tumore am Augenlid, in der Augenhöhle oder an den Tränendrüsen, wenn auch seltener, können zu Ausfluss führen und müssen ausgeschlossen werden.
Fazit
Die Pflege der Augen beim Havaneser ist ein komplexes Feld, das tiefes Verständnis der Rassemerkmale erfordert. Der Havaneser ist von Natur aus zu verstärktem Tränenfluss geneigt, was zu braun-rötlichen Flecken führt. Die tägliche Reinigung, die richtige Bürsttechnik und die sorgfältige Ohren- und Pfotenpflege sind untrennbare Teile eines ganzheitlichen Ansatzes. Während das Fellwachstum und die Haarstruktur oft die Ursache für Reizungen sind, können auch anatomische Fehlstellungen oder systemische Krankheiten wie Staupe oder Glaukom die Ursache sein. Ein gut beobachtender Besitzer, der ein Tagebuch führt und die Art des Ausflusses analysiert, kann entscheidend dazu beitragen, die Gesundheit seines kleinen Kubaners zu sichern. Die Kombination aus präventiver Pflege durch das richtige Bürsten, die Anwendung spezialisierter Reiniger und die schnelle Identifizierung medizinischer Notfälle bildet den Kern einer erfolgreichen Betreuung.