Das Dilemma der Zucht: Französische Bulldoggen-Welpen im Tierheim zwischen Qualzucht, hohen Kosten und der Hoffnung auf Heilung

Die Aufstellung von Welpen im Tierheim ist ein Szenario, das für viele Hunderassen als Zeichen für eine gescheiterte Aufzucht oder einen unüberlegten Kauf gilt. Bei der Französischen Bulldogge jedoch trifft diese Situation auf ein spezifisches und komplexes Dilemma, das weit über den bloßen Verlust eines geliebten Haustieres hinausgeht. Es handelt sich hier um eine Rasse, die weltweit als Statussymbol und Modehundefavorit gefeiert wird, deren äußere Merkmale aber häufig mit tiefgreifenden gesundheitlichen Defiziten verknüpft sind. Wenn junge Französische Bulldoggen, wie jüngst im Tierheim Nürnberg oder in Fällen der Beschlagnahmung im Landkreis Wittenberg, in Obhut von Tierschutzorganisationen geraten, stehen sie am Schnittpunkt von ethischer Zuchtkritik, drastischen veterinärmedizinischen Anforderungen und den finanziellen Realitäten des Hundebesitzes. Die Anwesenheit dieser Welpen in Heimen ist selten ein Zufall; sie ist das Ergebnis einer Kette von Faktoren, die von der biologischen Anatomie der Rasse über den wirtschaftlichen Druck auf Züchter bis hin zu unvermeidbaren Lebensumbrüchen in der Aufgabefamilie reichen. Ein tiefgreifendes Verständnis dieser Dynamik ist unverzichtbar, um die Zukunft dieser Hunde zu sichern und potenzielle Adoptiveltern auf die immense Verantwortung vorzubereiten, die mit der Aufnahme eines solchen Tieres einhergeht.

Die visuelle Attraktivität der Französischen Bulldogge ist zweifellos der primäre Treiber für die Nachfrage. Mit ihren dunklen, großen Kulleraugen, der flachen Schnauze, dem runden Kopf und den kurzen Beinen verkörpert die Rasse ein bestimmtes ästhetisches Ideal, das in der modernen Gesellschaft hoch begehrt ist. Diese Merkmale, die oft als "clowneskes" oder verspieltes Äußeres beschrieben werden, sind jedoch keine harmlosen Zierden, sondern die direkten Auswirkungen einer selektiven Zucht, die auf extreme Brachyzephalie – also eine verkürzte Schädelknochenstruktur – abzielt. Für diese Erscheinung zahlt der Käufer einen hohen Preis, nicht nur finanziell, sondern auch im Sinne der Tiergesundheit. Veterinärexperten weisen immer wieder darauf hin, dass diese morphologischen Veränderungen den Tieren einen hohen biologischen Preis abverlangen. Die flache Schnauze führt zu einer Verengung der Atemwege, was bei einem Großteil der Rasse zu chronischer Atemnot führt. Diese respiratorische Beeinträchtigung ist kein vorübergehendes Leiden, sondern eine lebenslange Begleiterscheinung, die die Lebensqualität erheblich einschränkt und das Risiko für Hitzschlag sowie Anästhesiekomplikationen drastisch erhöht. Zudem kämpfen die Hunde oft mit Hautproblemen, die durch die zahlreichen Falten begünstigt werden, sowie mit Ohren- und Augenproblemen. Kiefer- und Zahnfehlstellungen sind weitere häufige Begleiterscheinungen, die zu Schmerzen bei der Nahrungsaufnahme und langfristigen Zahnverlust führen können.

Der Fall der neun Welpen im Tierheim Nürnberg verdeutlicht diese Problematik in akuter Form. Die Welpen, darunter drei Rüden, fünf Weibchen und ein Zwitter namens Toni, suchen ein neues Zuhause. Das Tierheim hat dabei eine provokante, aber medizinisch fundierte Forderung aufgestellt: Das Sparbuch der künftigen Besitzer sollte „gut gefüllt“ sein. Diese Anforderung ist keine willkürliche Hürde, sondern eine direkte Reaktion auf die bekannten genetischen und gesundheitlichen Risiken der Elterntiere. Der Vatervater der Welpen litt bereits mit fünf Jahren an Spondylosen und Arthrosen, degenerativen Gelenkerkrankungen, die bei brachyzephalen Rassen aufgrund der Fehlstellung der Wirbelsäule und der unphysiologischen Lastverteilung überdurchschnittlich häufig auftreten. Zudem stand für den Rüden eine Gaumensegel-Operation an, ein chirurgischer Eingriff, der notwendig ist, um die Atmung zu verbessern, da das weiche Gaumen zu lang ist und die Atemwege behindert. Auch das Muttertier zeigt bereits auffällige Laufprobleme. Vor diesem Hintergrund ist die Prognose für die Welpen höchst unsicher. Während es möglich ist, dass das ein oder andere Tier großes Glück hat und ein gesundes, langes Leben führt, ist es wahrscheinlich, dass die Welpen später ähnliche oder sogar schwerwiegendere gesundheitliche Herausforderungen entwickeln. Die Tierheim-Mitarbeitenden sind sich bewusst, dass keine finanzielle Absicherung durch die Adoptiveltern die ungewissen Zukunftsaussichten dieser Tiere absichern kann. Die Forderung nach finanzieller Stärke dient somit dem Schutz der Welpen vor einer Situation, in der notwendige, teure Tierarztbehandlungen aus Kostengründen unterlassen werden müssten.

Dieser Ansatz des Tierheims Nürnberg steht im Einklang mit einer breiteren Diskussion über die Französischen Bulldoggen als „Qualzucht“. Der Begriff wird von vielen Tierschützern und Veterinären verwendet, um Rassen zu beschreiben, deren Zuchtmerkmale zu erheblichem Leid der Tiere führen. Die französische Bulldogge fällt aufgrund der zuvor genannten Atem- und Gelenkprobleme eindeutig in diese Kategorie. Dennoch sind die Hunde charakterlich oft als Traumhunde beschrieben, die einen entzückenden Sturkopf aufweisen. Sie sind verspielt, zutraulich und anhänglich, Eigenschaften, die sie zu idealen Begleithunden machen könnten, wenn nicht ihre Gesundheit sie so stark einschränken würde. Das Tierheim Nürnberg nutzt Social-Media-Plattformen wie Facebook, um diese Welpen bekannt zu machen und gleichzeitig die Öffentlichkeit für die damit verbundenen Kosten und Risiken zu sensibilisieren. Es ist eine schwierige Balance, zwischen der Hoffnung auf ein neues Zuhause und der notwendigen Warnung vor den langfristigen Belastungen.

Nicht nur in Nürnberg, sondern auch in anderen Regionen Deutschlands, finden sich Fälle, die die Tragweite der Qualzucht-Debatte verdeutlichen. Im Sommer 2025 gab es im Landkreis Wittenberg, in der Stadt Coswig, einen hochsensiblen Fall der Beschlagnahme von Hunden, der als exemplarisch für die Probleme unethischer Zuchtpraktiken gilt. Dabei wurden 28 ausgewachsene Hunde und 15 Welpen beschlagnahmt. Unter diesen Tieren befanden sich auch Französische Bulldoggen, von denen einige so schwer krank waren, dass sie unverzüglich operiert werden mussten. Fast vier Monate nach der Beschlagnahme blieben zwei dieser Hunde im Wittenberger Tierheim untergebracht. Eines dieser Tiere ist Tina, eine dreijährige Hündin. Tina ist offen und freundlich, interessiert sich für Fremde und scheint ein angenehmer Charakter zu sein. Doch auch bei ihr manifestiert sich die gesundheitliche Realität der Rasse. Wer Tina beobachtet, könnte meinen, sie knurren. Catrin Rohde, die Leiterin des Tierheims, korrigiert dies jedoch sofort: Tina knurrt nicht, sie röchelt. Dieses Röcheln ist ein direkter Ausdruck ihrer Atemnot, eines der zahlreichen gesundheitlichen Probleme, die mit der brachyzephalen Anatomie einhergehen. Tina ist ein Beispiel dafür, wie sehr die äußere Freundlichkeit der Rasse von innerem Leid überschattet sein kann. Für Tina bedeutet die Unterbringung im Tierheim eine Chance, überhaupt noch eine neue Familie zu finden, ein Luxus, dem sie sich bewusst ist, obwohl ihre Gesundheit weiterhin fragil bleibt.

Die Gründe, warum Französische Bulldoggen überhaupt in Tierheime kommen, sind vielfältig und gehen weit über den Aspekt der Zuchtgesundheit hinaus. Oft sind es menschliche Lebensumstände, die zur Trennung führen. Ein Krankheitsfall oder der Tod eines Besitzers ist eine der häufigsten Ursachen, insbesondere bei älteren Menschen, die sich einen Hund als Gefährten gewünscht haben. Wenn die körperlichen Kräfte nachlassen oder der Tod eintritt, gibt es häufig niemanden, der das Tier aufnehmen kann. Allergien, die sich erst im Laufe des Zusammenlebens in ausgeprägter Form zeigen, zwingen Familien zur Abgabe. Auch berufliche Veränderungen, wie eine neue Arbeitsstelle, die weniger Zeit für die Pflege des Hundes lässt, oder eine Scheidung, die den Haushalt auflöst, können zur Folge haben, dass der Hund ins Heim muss. Ein Umzug, bei dem der Vermieter die Hundehaltung verbietet, ist ein weiterer häufiger Grund. Sogar ein ungewolltes Geschenk kann dazu führen, dass ein Französischer Bulldogge in Not gerät. Besonders schlimm ist diese Situation für ältere Tiere, die oft stark an ihren Menschen gebunden sind. Sie leiden extrem unter der Trennung und der Unsicherheit des Tierheims. Auch wenn die Französischen Bulldoggen charakterlich anpassungsfähig und menschlich geprägt sind, brauchen sie Zeit, Geduld und Verständnis, um wieder Vertrauen zu fassen. Mit der richtigen Unterstützung können aus ihnen jedoch fröhliche und lebendige Begleiter werden.

Die Adoption einer Französischen Bulldogge aus einem Tierheim ist eine komplexe Angelegenheit, die sorgfältige Vorbereitung erfordert. Es ist wichtig zu verstehen, dass die Abgabe von Tieren in Tierheimen oder Tierschutzorganisationen nie kostenlos erfolgt. Dies ist eine bewusste Entscheidung der Einrichtungen. Ein Abgabepreis soll sicherstellen, dass die Tiere zu verantwortungsbewussten Menschen gelangen und dass es sich nicht um eine spontane, unüberlegte Entscheidung handelt. Interessenten werden daher intensiv befragt. Die Mitarbeiter des Tierheims stellen detaillierte Fragen zu den Lebensumständen der potenziellen Adoptiveltern. Dies dient nicht der Bevormundung, sondern dem Schutz der Tiere. Es geht darum, die finanzielle und zeitliche Bereitschaft der Adoptiveltern zu prüfen, da die Kosten für Tierarztbesuche, Medikamente, Operationen und spezielles Futter bei dieser Rasse schnell sehr hoch werden können. Die Tierheime kennen meist die Gründe für die Abgabe und die Herkunft der Tiere. Diese Transparenz ist für die Adoptiveltern wertvoll, da sie hilft, ein realistisches Bild des Hundes und seiner Bedürfnisse zu zeichnen. Französischen Bulldoggen sind empfindsame Tiere, die genau fühlen, ob ihnen Menschen wohlgesonnen sind. Sie brauchen eine stabile, liebevolle Umgebung, in der sie sich sicher fühlen können.

Es gibt jedoch auch positive Entwicklungen im Bewusstsein der Hundehalter und Züchter. Das Thema Gesundheit gewinnt zunehmend an Bedeutung. In der Vergangenheit war die klassische Zucht auf extrem kurze Nasen und damit verbundene Atemnot fokussiert, was den Begriff der Qualzucht festigte. Glücklicherweise findet ein Umdenken statt. Immer mehr Interessenten suchen gezielt nach einer „freiatmenden“ Französischen Bulldogge. Diese Tiere zeichnen sich durch eine etwas längere Nase und offenere Nasenlöcher aus. Diese anatomische Veränderung ermöglicht eine deutlich bessere Atmung und somit eine erheblich höhere Lebensqualität. Solche Hunde sind oft sportlich agiler und belastbarer als ihre brachyzephaleren Artgenossen. Dieser Trend hin zur Rückzüchtung zum ursprünglichen Typ, oft als „Urtyp“ bezeichnet, legt den Fokus wieder auf funktionale Anatomie. Eine Französische Bulldogge mit einer längeren Nase, manchmal auch als „Retro“ bezeichnet, stellt eine gesündere Alternative dar. Diese Entwicklung ist ein wichtiger Schritt weg von der Qualzucht und hin zu einer ethisch vertretbaren Hundehaltung. Potenzielle Adoptiveltern sollten sich über diese Unterschiede informieren und sich bewusst entscheiden, ob sie einen Hund mit starken Atemproblemen aufnehmen wollen oder ob sie lieber nach einem Tier suchen, das gesünder gebaut ist.

Der Markt für Französische Bulldoggen ist ebenfalls ein Faktor, der die Situation der Welpen im Tierheim beeinflusst. Welpen von anerkannten Züchtern kosten zwischen 2.000 und 3.000 Euro. Diese hohen Preise spiegeln nicht nur die Nachfrage, sondern auch die Kosten für die Zucht, einschließlich der oft notwendigen veterinärmedizinischen Eingriffe, wider. Wer sich einen Welpen aus einer seriösen Zucht kauft, zahlt für die Qualität der Elterntiere und die Garantie einer gewissen Gesundheit. Im Gegensatz dazu können Privatkäufe oder Käufe von schwarzen Schäfern zu erheblich schlechteren Bedingungen führen. Snautz, eine Online-Plattform, die Angebote aus ganz Deutschland zusammenführt, bietet Alternativen. Hier finden sich nicht nur Welpen von Züchtern, sondern auch ältere Hunde oder Welpen aus privaten Würfen, wobei hier große Vorsicht geboten ist. Zudem werden Französische Bulldoggen-Mischlinge angeboten, wie der „Frops“ (Mops-Mischling) oder die Französische Pitdogge. Diese Mischlinge können interessante Begleiter sein, da sich die Eigenschaften der Rassen mischen, was möglicherweise zu gesünderen Tieren führen kann. Die Suche nach einem Tier sollte immer sorgfältig erfolgen, und der Fokus sollte auf der Gesundheit und dem Wohlbefinden des Tieres liegen, nicht nur auf dem Aussehen.

Die emotionalen Aspekte der Adoption einer Französischen Bulldogge aus dem Tierheim sind nicht zu unterschätzen. Diese Hunde sind so freundliche Gesellen, die eine zweite Chance verdient haben. Die Bindung, die sie zu ihren neuen Menschen entwickeln, kann intensiver sein als bei Welpen, die direkt vom Züchter übernommen werden. Ein alterer Hund im Tierheim ist oft dankbar für die Aufmerksamkeit und die Liebe. Er weiß zu schätzen, was ihm gegeben wird. Auch wenn die verbleibende Lebenszeit eines älteren Hundes kürzer ist als die eines Welpen, kann jeder gemeinsame Tag ein Geschenk sein. Wenn die „Chemie“ zwischen Mensch und Hund stimmt, treten andere Kriterien in den Hintergrund. Herz ist Trumpf. Die Adoption eines Tieres, das bereits leiden musste, sei es durch die Zucht oder durch den Verlust seines Menschen, kann zu einer der erfüllendsten Erfahrungen im Leben eines Hundehalters werden. Es erfordert jedoch Einfühlungsvermögen, Geduld und eine gewisse Härte, um mit den gesundheitlichen und emotionalen Herausforderungen umzugehen.

Die Finanzierung der Tierarztkosten ist ein zentraler Punkt, der in der Diskussion um Französische Bulldoggen immer wieder auftaucht. Wie im Fall des Tierheims Nürnberg deutlich wird, können die Kosten für Operationen wie Gaumensegel-Korrekturen, die Behandlung von Arthrose oder die Pflege von Hautproblemen schnell in die Tausende von Euro steigen. Daher ist es ratsam, vor der Adoption einer Französischen Bulldogge, insbesondere aus dem Tierheim, eine finanzielle Planung vorzunehmen. Eine Haustierversicherung kann hier eine große Hilfe sein, um die Kosten abzusichern. Potenzielle Adoptiveltern sollten sich über die Deckungssummen und Ausschlüsse der Versicherungen informieren, da einige Policen Vorerkrankungen nicht übernehmen. Dies ist besonders wichtig bei Tieren aus dem Tierheim, deren Krankengeschichte vielleicht nicht vollständig bekannt ist oder die bereits Behandlungen benötigten haben. Die Investition in eine Versicherung ist eine Investition in die Zukunft des Hundes und ermöglicht es, notwendige Behandlungen nicht aus finanziellen Gründen abzulehnen.

Die Rolle der Züchter in Notsituationen ist ebenfalls erwähnenswert. Viele seriöse Züchter haben in ihren Verträgen ein Rückkaufsrecht festgelegt. Dies bedeutet, dass der Züchter verpflichtet oder zumindest bereit ist, den Hund in Notfällen wieder aufzunehmen. Dies entlastet die Hundehalter in schwierigen Situationen und verhindert, dass Tiere leichtfertig in Tierheime abgegeben werden. Interessenten, die einen Welpen von einem Züchter kaufen, sollten diese Klausel unbedingt überprüfen. Bei der Adoption aus dem Tierheim entfällt diese Option natürlich, da der Vertrag mit dem Züchter aufgelöst ist. Dennoch ist es gut zu wissen, dass es in der Zucht-Szene ein Bewusstsein für die Verantwortung bis zum Lebensende des Hundes gibt. Dies steht im starken Kontrast zu den Fällen von Qualzucht und missbräuchlicher Haltung, wie sie in Coswig aufgedeckt wurden. Dort fehlte diese Verantwortung gänzlich, was zu den gravierenden gesundheitlichen Schäden der Tiere führte.

Die Kommunikation über die Situation der Welpen im Tierheim ist ein heikles Thema. Das Tierheim Nürnberg nutzt provokante Formulierungen, um die Öffentlichkeit auf die Notwendigkeit finanzieller Absicherung hinzuweisen. Dies löst oft Unverständnis oder gar Wut bei uninformierten Menschen aus. Es ist jedoch ein notwendiger Schritt, um die falsche Vorstellung zu bekämpfen, dass eine Französische Bulldogge ein „billiger“ oder „pflegeleichter“ Hund ist. Die Realität ist hart: Diese Hunde benötigen intensive Pflege, regelmäßige Tierarztbesuche und oft teure Operationen. Durch die transparente Kommunikation hofft das Tierheim, dass nur diejenigen adoptieren, die bereit sind, diese Herausforderungen anzunehmen. Es geht darum, die Welpen vor einem Leben in Armut und Leid zu schützen. Der Zwitter Toni, der eine Operation benötigt, ist ein konkretes Beispiel dafür, dass die Kosten nicht abstrakt sind, sondern sofort anstehen.

Die Charaktereigenschaften der Französischen Bulldogge spielen eine große Rolle für ihre Eignung als Familienhund. Sie sind bekannt für ihren verspielten und anhänglichen Charakter. Die sogenannte „Denkerstirn“, hervorgerufen durch die Falten auf der Stirn, gibt ihnen einen nachdenklichen, fast menschlichen Ausdruck. Diese Eigenschaften machen sie zu beliebten Mitbewohnern in Wohnungen, da sie nicht so viel Platz brauchen wie größere, aktive Rassen und relativ wenig Auslauf benötigen. Dies ist jedoch ein zweischneidiges Schwert. Einerseits sind sie gut für Stadtwohnungen geeignet, andererseits neigen sie aufgrund ihres geringen Aktivitätsbedarfs und ihrer verfassungsmäßigen Probleme leicht zur Fettleibigkeit, was ihre Gelenkprobleme weiter verschlimmert. Eine sorgfältige Ernährungskontrolle ist daher unerlässlich. Die Fütterung sollte auf ihre Bedürfnisse abgestimmt sein, mit hochwertigen Futtermitteln, die ihre Verdauung unterstützen und Übergewicht verhindern.

Die emotionale Bindung der Französischen Bulldoggen an ihre Menschen ist stark. Sie leiden extrem, wenn sie aus ihrem vertrauten Umfeld gerissen werden. Im Tierheim können sie ängstlich und schüchtern sein. Es braucht Zeit, bis sie sich öffnen. Die Adoptiveltern müssen Geduld haben und dem Hund Raum geben, sich an seine neue Umgebung zu gewöhnen. Mit Zeit, Liebe und Konsequenz wird aus dem schüchternen Tier ein zutraulicher, schmusiger Begleiter. Die Freude, die ein solcher Hund bereiten kann, ist immens. Die Dankbarkeit, die er zeigt, wenn er sich sicher und geliebt fühlt, ist eine Belohnung, die mit Geld nicht aufzuwiegen ist. Es ist eine symbiotische Beziehung, die auf gegenseitigem Vertrauen basiert.

Die Plattform Snautz bietet eine Möglichkeit, über die regionalen Tierheime hinaus nach Tieren zu suchen. Dies kann die Chancen erhöhen, einen passenden Partner zu finden. Allerdings ist hier auch Vorsicht geboten, da die Plattform auch Privatanzeigen enthält. Es ist wichtig, die Quelle des Hundes genau zu prüfen. Kommt er von einem seriösen Züchter, aus einer bekannten Notzucht oder aus einem Tierheim? Die Dokumentation und die Geschichte des Hundes sollten transparent sein. Bei Mischlingen wie dem Frops oder der Französischen Pitdogge ist die Vorhersage des Charakters und der Gesundheit schwieriger, da die Gene der anderen Rasse eine Rolle spielen. Dennoch können diese Mischlinge aufgrund der vermischten Gene gesünder sein als reinrassige Französische Bulldoggen, die unter den extremen Zuchtmerkmalen leiden.

Die Debatte um die Qualzucht der Französischen Bulldogge ist nicht nur eine medizinische, sondern auch eine ethische und gesetzliche Frage. In Deutschland wird diskutiert, ob die Zucht von brachyzephalen Rassen, die an schweren Atemproblemen leiden, verboten werden sollte. Bisher gibt es kein generelles Zuchtverbot, aber die Standards der kynologischen Verbände werden zunehmend strenger. Züchter, die auf Gesundheit setzen und die Nase etwas länger züchten, werden immer beliebter. Dies ist ein Zeichen dafür, dass sich die Haltung in der Hundeszene langsam ändert. Die Adoptiveltern können durch ihre Wahl einen Beitrag zu diesem Wandel leisten, indem sie sich für gesündere Hunde entscheiden, sei es durch die Adoption eines „Retro“-Typs oder durch die Unterstützung von Züchtern, die auf funktionale Anatomie setzen.

Die Situation der Welpen im Tierheim Nürnberg ist ein Mikrokosmos dieser größeren Entwicklungen. Sie stehen am Anfang ihres Lebens, mit einer genetischen Veranlagung, die sowohl Vor- als auch Nachteile hat. Ihr Schicksal liegt in den Händen derer, die bereit sind, sie aufzunehmen. Es ist eine große Verantwortung, aber auch eine große Chance. Die Welpen haben die Möglichkeit, in einem liebevollen Zuhause aufzuwachsen, in dem ihre Bedürfnisse ernst genommen und ihre gesundheitlichen Probleme professionell behandelt werden. Das Tierheim stellt sicher, dass diese Chance nur an die geht, die sie auch wahrnehmen können. Die Forderung nach einem gut gefüllten Sparbuch ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Sie ist ein Schutzschild für die Welpen gegen das Leid, das ihre Rasse oft begleitet.

Abschließend ist festzustellen, dass die Aufnahme einer Französischen Bulldogge, sei es als Welp aus dem Tierheim oder als älterer Hund, eine tiefgreifende Entscheidung ist. Sie erfordert Wissen, Geld, Zeit und viel Liebe. Die gesundheitlichen Probleme der Rasse sind real und oft schwerwiegend. Doch der Charakter dieser Hunde, ihre Freundlichkeit und ihre Anhänglichkeit, machen sie zu einzigartigen Begleitern. Diejenigen, die bereit sind, die Herausforderungen zu meistern, werden mit einer tiefen Bindung und viel Freude belohnt. Die Tierheime spielen dabei eine entscheidende Rolle als Vermittler und Schützer. Sie stellen sicher, dass die Tiere in gute Hände kommen und dass ihre Bedürfnisse berücksichtigt werden. Die Debatte um Qualzucht und Gesundheit wird weitergehen, und es liegt an allen Beteiligten – Züchtern, Haltern, Tierärzten und der Gesetzgebung –, dafür zu sorgen, dass die Französischen Bulldoggen in einer Zukunft leben können, die gesünder und ethischer ist als die Vergangenheit.

Quellen

  1. Nordbayern.de
  2. MDR.de
  3. Franzoesischebulldogge.de
  4. Snautz.de

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