Der Havaneser: Ein charmantes Energiebündel mit langer Lebenserwartung und speziellen Pflegeanforderungen

Der Havaneser ist weit mehr als nur ein kleiner, hübscher Begleithund; er ist ein kluger, lebhafter und extrem sozialer Gefährte, der durch seinen unverwechselbaren Charme und seine tiefe Bindungsfähigkeit Familien weltweit fasziniert. Ursprünglich aus dem westlichen Mittelmeerraum stammend, fand diese Hunderasse auf Kuba ihren Namen und eine neue Heimat, bevor sie über die USA nach Europa zurückkehrte. Heute zählt der Havaneser zu den beliebtesten Vertretern der Bichon-Rasse in Deutschland, wobei die VDH-Welpenstatistik für das Jahr 2021 eine klare Präferenz zeigt: Mit 851 registrierten Welpen liegt die Rasse in Deutschland fast dreimal so häufig wie der Malteser, von dem es im gleichen Jahr nur 290 Welpen gab. Diese Popularität spiegelt nicht nur das Aussehen wider, sondern vor allem die charakterlichen Stärken des Havanesers wider. Er ist kinderlieb, fröhlich und ein richtiger Charmeur, der stets gut gelaunt bereitsteht, sein menschliches „Rudel" auf Unternehmungen zu begleiten.

Trotz seiner geringen Größe von 23 bis 27 Zentimetern und einem Gewicht zwischen drei und neun Kilogramm, besitzt der Havaneser einen lebhaften und elastischen Gang. Seine großen, mandelförmigen Augen und die hoch oder über den Rücken getragene Rute sind markante Merkmale des Standards. Doch das, was den Havaneser für viele Familien attraktiv macht, ist seine Fähigkeit, sich als Zweithund oder in einem Haushalt mit anderen Tieren gut einzufügen, sofern eine entsprechende Sozialisation stattgefunden hat. Diese Eigenschaft macht ihn zum idealen Begleiter für Menschen, die einen sensiblen, aber nicht aggressiven Hund suchen, der zwar wachsam ist, aber nicht zum unkontrollierten Bellen neigt – zumindest dann, wenn er ausgelastet ist.

Die Pflege dieses Rassen ist ein zentraler Aspekt für eine erfolgreiche Haltung. Obwohl der Havaneser kaum Haare verliert und daher oft als geeignet für Allergiker gilt, ist sein Fellpflegeaufwand hoch. Das weiche, bevorzugt gewellte Deckhaar ist besonders üppig und kann bis zu 18 Zentimeter lang werden. Da die Unterwolle oft ganz fehlt, ist der Havaneser empfindlich gegen Kälte, weshalb ein Regen- oder Wintermantel im Winter oder bei Nässe ratsam ist. Besonders kritisch ist die Neigung zu Verfilzungen. Verfilztes Fell bildet an der Haut anliegende Platten, die schwer zu entfernen sind und das Risiko von Hautpilzen oder Entzündungen erhöhen. Daher ist eine konsequente Pflege von der ersten Welpenzeit an unabdingbar.

Historische Wurzeln und die Reise nach Kuba

Die Geschichte des Havanesers ist eine Reise, die weit über die Grenzen Europas hinausreicht. Die ursprüngliche Heimat der Rasse wird auf Spanien oder Italien im westlichen Mittelmeerraum lokalisiert. Durch Seefahrer gelangten die Hunde nach Kuba. Dort, in Anlehnung an die kubanische Hauptstadt Havanna, erhielt die Rasse ihren Namen. Es ist wichtig zu betonen, dass der Name nicht von einer spezifischen „Havanna-Farbe" abgeleitet ist, sondern von der geografischen Herkunft. Die so genannte „Havanna-Farbe" ist ein tabakfarbenes Fell, das häufig bei der Rasse vorkommt, aber nicht der Namensgeber ist.

Auf Kuba entwickelte sich der Havaneser zunächst als beliebter Begleithund der oberen Gesellschaftsschichten. Vereinzelt wurde er jedoch auch zur Rattenjagd eingesetzt, was auf eine gewisse Vielseitigkeit der Rasse hindeutet. Diese historische Nutzung zeigt, dass der Havaneser nicht nur ein dekorativer Hund war, sondern auch funktionale Aufgaben erfüllte. Mit der Zeit nahm die Beliebtheit der Rasse auf Kuba jedoch rapide ab. In den 1960er-Jahren gab es auf der Insel kaum noch Vertreter der Rasse. Dieses fast vollständige Verschwinden der Rasse in ihrer namentlichen Heimat wurde zum Glücksfall für ihre Erhaltung: Zu diesem Zeitpunkt hatten sich Fans in den USA bereits der gezielten Zucht angenommen. Von dort aus verbreitete sich die Rasse wieder weltweit. Heute ist der Havaneser ein beliebter Familienhund, der in Wohnungen gut zurechtkommt, aber dennoch ausreichend Auslaufmöglichkeiten in der Umgebung benötigt, um seinen Bewegungsdrang zu befriedigen.

Charakter und Sozialverhalten: Der charmante Begleiter

Der Charakter des Havanesers ist ein Schlüsselfaktor für seine Beliebtheit. Er wird als klug, lebhaft, verspielt, kinderlieb, fröhlich und als richtiger Charmeur beschrieben. Dieser Kleinhund ist stets gut gelaunt und bereit für Unternehmungen mit seinem menschlichen Rudel. Ein entscheidender Punkt ist, dass der Havaneser zwar wachsam ist, aber nicht aggressiv. Diese Wachsamkeit macht ihn zu einem guten Wächter, der auf Veränderungen achtet, ohne dabei die notwendige Freundlichkeit gegenüber Fremden zu verlieren.

Ein oft diskutierter Punkt beim Havaneser ist sein Bellen. Havaneser sind grundsätzlich keine Kläffer. Dies gilt jedoch primär für ausgelastete Havaneser. Ist einem Vierbeiner langweilig oder fühlt er sich nicht ausreichend beschäftigt, kann er durchaus mit Bellen auf sich aufmerksam machen. Dies zeigt deutlich, dass das Bellen oft eine Reaktion auf Langeweile oder Mangel an Beschäftigung ist, was die Bedeutung von Training und Spiel unterstreicht. Fremden und anderen Tieren gegenüber ist das selbstbewusste Kerlchen aufgeschlossen. So ist der Havaneser überall eine gern gesehene Begleitung. Die wichtigste Voraussetzung für das harmonische Zusammenleben von Mensch und Tier ist bereits bei den Welpen eine liebevolle Erziehung.

Der Havaneser gilt als kinderlieb und geduldig. Es ist jedoch wichtig, dass Kinder lernen, dass auch ein robuster und unkomplizierter Hund wie der Havaneser manchmal eine Pause braucht und sich zurückziehen möchte. Eine respektvolle Haltung des Menschen gegenüber dem Hund ist essenziell. Entsprechend sozialisiert und erzogen, eignet sich der Havaneser hervorragend als Zweithund und kommt auch mit anderen Tieren im Haushalt gut zurecht. Diese Sozialkompetenz macht ihn zu einem idealen Familienhund, der sich in bestehende Strukturen einfügen kann.

Zucht, Verfügbarkeit und Kosten in Deutschland

Wer einen Havaneser anschaffen möchte, trifft in Deutschland auf eine vergleichsweise gute Verfügbarkeit. Die Suche nach einem Welpen ist derzeit in der Regel nicht mit langen Wartezeiten verbunden. Dennoch ist es wichtig, den richtigen Züchter zu finden. Da der Havaneser zu den beliebtesten der Bichon-Rassen gehört, sollte man sichergehen, dass der Züchter einem seriösen Verband angehört. Derzeit kann man Züchter mit aktuellen oder geplanten Würfen beispielsweise über den Verband Deutscher Kleinhundezüchter finden. Es ist entscheidend, dass der Züchter seine Schützlinge nur mit Abstammungsnachweis abgibt. Dies garantiert die Reinrassigkeit und die gesundheitliche Veranlagung der Hunde.

Die Kosten für einen Havaneser-Welpen aus seriöser Zucht liegen bei etwa 2.000 Euro. Dies ist ein erheblicher finanzieller Aufwand, der jedoch die Qualität der Zucht und die Gesundheitsvorsorge widerspiegelt. Erwachsene Havaneser, die auf der Suche nach einem neuen Zuhause sind, wechseln meist gegen eine Schutzgebühr von mehreren Hundert Euro in ihre neue Familie. Es ist jedoch auch möglich, sich für Mischlinge zu entscheiden. In Tierheimen gibt es immer wieder bezaubernde kleine Mischlinge, die an den Havaneser erinnern und einen zweiten Chance in einem neuen Zuhause geben.

Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Daten zur Anschaffung und Verfügbarkeit zusammen:

Aspekt Detail
Verfügbarkeit Geringe Wartezeiten
Kosten Welpen Ca. 2.000 Euro (seriöse Zucht)
Kosten Erwachsene Schutzgebühr (mehrere Hundert Euro)
Alternativen Mischlinge in Tierheimen
Züchter-Verband VDH, VK (Verband Deutscher Kleinhundezüchter)
Statistik 2021 851 Welpen (fast dreimal so viele wie Malteser)

Pflegeanforderungen: Vom Fell bis zur Krallenpflege

Die Pflege des Havanesers ist ein komplexer Prozess, der über die reine Haarpflege hinausgeht. Da der Havaneser kaum Haare verliert, wird er oft als geeignet für Allergiker aufgeführt. Dies muss jedoch immer individuell getestet werden, da alle Hunderassen, unabhängig von ihrem Fellkleid, Allergene bilden können. Das weiche, bevorzugt gewellte Deckhaar des Havanesers ist bis zu 18 Zentimeter lang und kann je nach Welle eine erhebliche Länge erreichen. Da das Haarkleid kaum Unterwolle besitzt – teils fehlt sie komplett – ist der Hund empfindlich gegen Kälte.

Ein zentrales Problem ist die Neigung zu Verfilzungen. Verfilztes Fell bildet schnell an der Haut anliegende Filzplatten, die sich nur schwer entfernen lassen. Diese Filzplatten bergen das Risiko von Hautpilzen oder Entzündungen, da sie Feuchtigkeit und Schmutz in der Nähe der Haut halten. Um dies zu vermeiden, ist eine regelmäßige Pflege unabdingbar. Bäder erleichtern das Kämmen und Bürsten. Hierfür eignet sich eine Babybadewanne gut. Es ist ratsam, den Welpen früh an das Bad-Ritual mit Shampoo und Conditioner zu gewöhnen. Dies macht das Kämmen später deutlich einfacher.

Neben dem Fell muss auch auf die Augen geachtet werden. Die Augen sollten frei von Haaren gehalten werden, entweder mittels Haarspängchen oder indem man das Fell regelmäßig vorsichtig zurückschneidet. Das Ziel ist, dass der Vierbeiner freie Sicht hat, was besonders wichtig für einen Hund mit großen, mandelförmigen Augen ist. Auch die Krallenpflege ist Teil des Pflegeplans. Längere Krallen können den Gang beeinträchtigen und zu Haltungsschäden führen. Zudem macht sich ein Regen- beziehungsweise Wintermantel für den Havaneser aufgrund der fehlenden Unterwolle durchaus Sinn, damit der Vierbeiner nicht friert.

Ernährung, Gesundheit und Lebenserwartung

Die Ernährung des Havanesers muss an seinen Bewegungsdrang und sein Gewicht angepasst sein. Da der Hund zwischen drei und neun Kilogramm wiegt, ist eine portionierte, altersgerechte Ernährung entscheidend, um Übergewicht zu vermeiden, was bei kleinen Hunden oft ein Problem darstellt. Die genaue Zusammensetzung der Ernährung hängt vom Alter, der Aktivität und dem Gesundheitszustand ab.

Gesundheitlich zeigt der Havaneser eine hohe Lebenserwartung. Er erreicht nicht selten ein Alter von fünfzehn Jahren. Dies macht ihn zu einem Langzeitbegleiter für viele Familien. Die hohe Lebenserwartung ist ein wesentlicher Vorteil der Rasse. Allerdings können aufgrund der dichten Haarpracht Hautprobleme auftreten, wenn die Pflege vernachlässigt wird. Die Vermeidung von Verfilzungen ist also auch eine Maßnahme zur Vorbeugung von gesundheitlichen Problemen.

Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Gesundheits- und Pflegeaspekte zusammen:

Bereich Detail
Felltyp Weich, gewellt, 18 cm lang, kaum/keine Unterwolle
Häufiges Problem Verfilzung → Risiko: Hautpilze, Entzündungen
Augenpflege Regelmäßiges Zurückschneiden der Haare um die Augen
Wärmeschutz Winter- und Regenmantel notwendig (fehlende Unterwolle)
Badroutine Babybadewanne, Shampoo, Conditioner (früh gewöhnen)
Krallen Regelmäßiges Kürzen erforderlich
Lebenserwartung Bis zu 15 Jahre

Erziehung und Beschäftigung: Vom Spiel zum Training

Die Erziehung des Havanesers ist durch seine Klugheit und seine Lust am Lernen einfach und anfängerfreundlich. Der Havaneser ist sehr folgsam und möchte seinen Menschen gerne gefallen. Das sind beste Voraussetzungen, um diesem Hund etwas beizubringen. Die größte Schwierigkeit liegt darin, sich nicht vom Charme der kleinen Vierbeiner um die Pfote wickeln zu lassen. Dies ist ein kritischer Punkt für Erzieher. Die pfiffigen Hunde merken sich jede noch so kleine Ausnahme und werden später auf ihrem einmal erhaltenen „Recht" beharren – beispielsweise auf dem Platz im Bett. Konsistenz ist daher das wichtigste Prinzip der Erziehung.

Ein Havaneser lernt mit Leichtigkeit Kunststücke. Es lohnt sich, dem Vierbeiner ein paar Tricks beizubringen, um ihn geistig zu beschäftigen. Der kleine „Kubaner" ist gerne draußen. Doch aufgrund seiner geringen Größe ist sein Bewegungsdrang relativ leicht zu befriedigen. Natürlich begleitet er seinen Besitzer freudig auf ausgedehnten Spaziergängen. Außerdem liebt er es, ausgiebig zu spielen. Eine ausgewogene Mischung aus Spaziergängen, Spiel und geistiger Beschäftigung verhindert Langeweile, die sonst zu Bellen führen könnte.

Die Erziehung sollte liebevoll, aber konsequent sein. Der Havaneser ist kein aggressiver Hund, aber ein wachsender Welpen-Havaneser benötigt klare Grenzen. Da er kinderlieb ist, kann er gut in Familien mit Kindern aufwachsen. Kinder sollten jedoch lernen, dass auch ein robuster und unkomplizierter Hund wie der Havaneser manchmal eine Pause braucht und sich zurückziehen möchte. Dies ist eine wichtige Lektion für eine respektvolle Mensch-Tier-Beziehung.

Fazit

Der Havaneser ist ein rundum sympathischer Alltagsbegleiter, der bei sorgfältiger Pflege und konsequenter Erziehung eine wunderbare Wahl für Familien, Einzelpersonen und auch als Zweithund darstellt. Seine hohe Lebenserwartung von bis zu 15 Jahren verspricht eine langfristige Beziehung. Die Rasse zeichnet sich durch einen fröhlichen, aber wachen Charakter aus, der weder aggressiv ist noch unkontrolliert bellt, solange er ausreichend ausgelastet wird.

Entscheidend für den Erfolg der Haltung ist die Bereitschaft, Zeit und Muße in die Fellpflege zu investieren. Die Neigung zu Verfilzungen erfordert eine tägliche Routine, die von der Welpenzeit an etabliert werden muss. Auch die fehlende Unterwolle macht den Hund abhängig von Kleidung bei kaltem Wetter. Wer diese Anforderungen erfüllt, erhält einen klugen, charmanten und treuen Gefährten, der sich durch seine Vielseitigkeit auszeichnet: Von der Rattenjagd in historischen Zeiten bis hin zum modernen Familienhund. Die Verfügbarkeit in Deutschland ist gut, wobei die Suche nach einem Welpen meist ohne lange Wartezeiten abläuft.

Ob als junger Welpe aus seriöser Zucht, ein erwachsener Hund aus dem Tierheim oder ein Mischling – der Havaneser und seine Verwandten bieten ein einzigartiges Mischverhältnis aus Charme, Intelligenz und Loyalität. Die richtige Vorbereitung auf den Besuch beim Züchter, die Beachtung der Pflegebedürfnisse und eine konsequente Erziehung sind die Säulen für ein glückliches Zusammenleben.

Quellen

  1. Zooplus Magazin: Havaneser - Rasseportrait und Pflege
  2. Deine Tierwelt: Havaneser Kleinanzeigen und Informationen

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