Der Havaneser hat sich in den letzten Jahrzehnten von einer seltenen Rasse zu einem geschätzten Begleithund in deutschen Haushalten entwickelt. Während die klassischen schwarzen und weißen Varianten weit verbreitet sind, erregt die "Schokolade" oder "Chocolate"-Variante aufgrund ihrer Seltenheit und besonderen Genetik besonderes Interesse bei Züchtern und Hundefreunden. Diese spezifische Farbvariation stellt nicht nur eine optische Besonderheit dar, sondern erfordert ein tiefes Verständnis der Vererbungsmuster und strenger Zuchtstandards. Die Zucht von Schoko-Havanesern ist eine anspruchsvolle Aufgabe, die ein hohes Maß an Verantwortung, genetisches Wissen und Engagement gegenüber der Gesundheit der Hunde verlangt.
Die Genetik und Besonderheiten der Schoko-Farbe
Die Bezeichnung "Schoko-Havi" bezieht sich nicht ausschließlich auf die Fellfarbe, sondern primär auf die Pigmentierung der Haut und der empfindlichen Körperteile. Beim Schoko-Havaneser sind Nase, Ballen der Pfoten und Augenlider braun pigmentiert. Diese Pigmentierung unterscheidet sich deutlich von der schwarzen Variante, bei der diese Bereiche eine tiefschwarze Farbe aufweisen. Die Fellfarbe selbst variiert in einem breiten Spektrum: von sehr hellem "Milchkaffee" bis hin zu dunkler "Zartbitterschokolade". Diese Farbnuancen sind genetisch fest verankert und bleiben über das Leben des Hundes bestehen.
Ein entscheidendes Merkmal junger Schoko-Welpen ist ihre Augenfarbe. Im Gegensatz zu Welpen mit schwarzer Pigmentierung, die oft dunkle Augen haben, werden Schoko-Welpen mit blauen Augen geboren. Im weiteren Verlauf der Entwicklung ändern sich diese Augenfarben zu typischen Schoko-Farbtönen. Die üblichen Augenfarben bei ausgewachsenen Chocolate-Havanesern sind Bernstein, Haselnuss oder ein helles Braun. Es gibt auch spezielle Variationen, wie rote Schoko-Havaneser, bei denen das Fell eine rötliche Tönung aufweist, wie es bei dem Hund namens "Peaches" aus einem bekannten Zuchtwurf der Fall war.
Die Zucht dieser Farbe ist jedoch genetisch komplex. Um Schoko-Welpen zu erhalten, müssen die elterntiere bestimmte Genkombinationen aufweisen. Das Chocolate-Gen ist rezessiv. Dies bedeutet, dass beide Elterntiere entweder selbst die Schoko-Farbe aufweisen oder Träger des Gens sein müssen, um Welpen mit dieser Farbe zu zeugen. Die genetischen Regeln lassen sich wie folgt zusammenfassen:
- Sind beide Elterntiere selbst Schoko-Havaneser, werden grundsätzlich nur Schoko-Welpen geboren.
- Ist ein Elternteil ein Schoko-Havaneser und der andere ein anderesfarbiger Hund, der kein Träger des Chocolate-Gens ist, werden keine Schoko-Welpen geboren, obwohl alle Welpen das Gen tragen (Träger).
- Ist ein Elternteil Schoko und der andere ein farbig anderer Hund, der aber Träger des Gens ist, werden etwa die Hälfte der Welpen Schoko sein.
- Sind beide Elterntiere andersfarbig, tragen sie jedoch beide das Schoko-Gen, entsteht eine Wahrscheinlichkeit von ca. 25% für Schoko-Welpen.
Die Seltenheit dieser Farbvariante in Deutschland ist ein Ergebnis dieser strengen genetischen Voraussetzungen. Vor ein paar Jahren wurde die Farbe erst offiziell zur Zucht anerkannt. Aufgrund der Seltenheit sind Schoko-Welpen teilweise sehr teuer im Handel, was die Nachfrage unter Sammlern und Liebhabern weiter treibt. Es ist wichtig zu verstehen, dass echte Schoko-Havaneser ihre intensive Farbe von Geburt an behalten. Im Gegensatz dazu gibt es keine "Wundertüten", bei denen sich die Farbe später ändert; die Farbe bleibt konstant.
Zuchtstandards und Vereinigungen in Deutschland
Die verantwortungsvolle Zucht von Havanesern, insbesondere der seltenen Chocolate-Variante, ist in Deutschland stark in offizielle Strukturen eingebunden. Züchter, die seriös arbeiten, sind in anerkannte Zuchtvereine organisiert, die strenge Richtlinien zur Gesundheit und zum Tierwohl durchsetzen.
Der wichtigste Dachverband ist der "Verein Deutsches Hundewesen" (VDH), der als einziger vom "Fédération Cynologique Internationale" (FCI) anerkannter Verband in Deutschland fungiert. Nur Züchter, die Mitglied im VDH sind, können Welpen mit offiziellen VDH/FCI-Papieren abgeben. Diese Papiere belegen die Rassezugehörigkeit und die Abstammung. Zusätzlich gibt es den "Verband Deutscher Kleinhundezüchter e.V." (VK), in dem sich viele professionelle Züchter engagieren.
Ein weiterer relevanter Verein ist der "Internationaler Havaneserverein" (IHV), der ebenfalls Zuchtsiegel vergibt. Eine Zuchtstätte kann durch den IHV geprüft werden und das Siegel "Gold" führen, was für eine vorbildliche Bewertung spricht. Diese Siegel geben Käufern Sicherheit, dass die Zucht nach den höchsten Standards durchgeführt wird. Die Gesundheit der Welpen steht bei diesen anerkannten Züchtern an erster Stelle. Viele Züchter lassen sich zusätzlich vom Veterinäramt prüfen, um Mängel nach dem Tierschutzgesetz (§ 11) auszuschließen.
Ein Beispiel für diese hohe Zuchtkultur ist die Zuchtstätte "Roeses-Havaneser". Diese Zucht ist Mitglied im VDH und im VK und züchtet speziell seltene Chocolate-Havaneser. Die Hunde leben hier als vollwertige Familienmitglieder im Haus und genießen vollen Schutz und Aufmerksamkeit. Eine der Hündinnen dieser Zucht, Savanna, hat bei einer Ausstellung in Kassel von dem Richter Rainer Jakobs die Bewertung V2 (Reserve CAC) erhalten, was die Qualität der Zucht unterstreicht.
Verbreitung und Standorte der Züchter in Deutschland
Die Zucht von Havanesern ist in ganz Deutschland verbreitet, wobei sich in bestimmten Regionen Konzentrationen bilden. Die Daten zeigen eine klare geografische Verteilung der anerkannten Züchter, die sich in verschiedenen Bundesländern befinden. Besonders die Region Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen weist eine hohe Dichte an qualifizierten Zuchtplätzen auf.
In Niedersachsen finden sich zahlreiche Züchter in der Region um Wilhelmshaven, Bremerhaven, Verden und Hannover. Bekannte Zuchtstätten sind dort "Wild X'Perience", "von den Allerwiesen", "Premier Cru", "Seewind" und "Wirbelwölkchen". Diese Züchter sind oft mit dem VDH und VK verbunden und bieten sowohl Standard- als auch Chocolate-Varianten an. Auch im Rhein-Sieg-Kreis und in der Region Hannover gibt es etablierte Zuchten wie "Roeses-Havaneser" und "vom Kleinen Lahberg".
Auch in Nordrhein-Westfalen ist die Zucht stark vertreten. Städte wie Dortmund, Herne, Oberhausen und Borken beherbergen Züchter wie "Wellington's", "Cupa Cubana's", "Del Cielo De Estrellas" und "vom Wildhang". Diese Zuchten sind oft in lokalen Bezirken wie Unna, Recklinghausen und Wesel angesiedelt.
Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Züchter nach Bundesland und Vereinigung zusammen:
| Zuchtname | Ort / Region | Vereinigung | Spezialität |
|---|---|---|---|
| Wild X'Perience | Butjadingen (Niedersachsen) | VDH, VK | Chocolate Havaneser |
| von den Allerwiesen | Verden (Niedersachsen) | VK | Standard Havaneser |
| Premier Cru | Hoya (Niedersachsen) | VDH, VK | Standard Havaneser |
| Seewind | Cuxhaven (Niedersachsen) | - | Standard Havaneser |
| Wirbelwölkchen | Beverstedt (Niedersachsen) | VDH, VK | Standard Havaneser |
| Roeses-Havaneser | Rhein-Sieg-Kreis (NRW) | VDH, VK | Chocolate Havaneser |
| Wellington's | Dortmund (NRW) | VDH, VK | Standard Havaneser |
| Cupa Cubana's | Herten (NRW) | VDH, VK | Standard Havaneser |
| vom Wildhang | Much (NRW) | VDH, VK | Standard Havaneser |
| aus Dem Himmel der Kleinen Engel | Schiffdorf (Niedersachsen) | - | Standard Havaneser |
Es ist wichtig zu betonen, dass nicht alle aufgeführten Zuchten sich ausschließlich auf die Schoko-Variante spezialisieren. Viele bieten eine Mischung an, wobei die Schoko-Farbe oft als besonderes "Highlight" oder "Versuchung" beworben wird, da sie seltener ist.
Gesundheitsvorsorge und Aufzucht als Familienmitglieder
Die Aufzucht von Havaneserwelpen, insbesondere der seltenen Schoko-Variante, erfordert mehr als nur genetische Kenntnisse. Die physische und psychische Gesundheit steht im Mittelpunkt einer verantwortungsvollen Zucht. Züchter wie "Roeses-Havaneser" betonen, dass ihre Hunde als Familienmitglieder im Haus leben und einen großen Garten als "Hundeparadies" genießen. Diese Art der Erziehung sorgt für eine gute Sozialisierung.
Die Gesundheitsvorsorge beginnt bereits bei der Zuchtplanung. Züchter, die im IHV oder VDH organisiert sind, unterliegen strengen Satzungen. Dies beinhaltet regelmäßige tierärztliche Untersuchungen, um Erbkrankheiten auszuschließen. Die Abnahme durch das Veterinäramt nach § 11 Tierschutzgesetz ist ein entscheidender Qualitätssicherungsschritt, der sicherstellt, dass keine gesundheitlichen Mängel vorliegen.
Welpen, die bei solchen Züchtern geboren werden, erhalten oft bereits im frühen Alter eine intensive Bindung zum Menschen. Die Zucht von Schoko-Havanesern ist daher nicht nur eine Frage der Optik, sondern ein Prozess, der den Hund als lebendes Wesen in den Mittelpunkt stellt. Die Aussage "Wenn du etwas liebst, lass es frei. Kommt es zu dir zurück, gehört es dir" spiegelt die Philosophie vieler Züchter wider, die den Hund nicht als Ware, sondern als Begleiter betrachten.
Ein weiterer Aspekt der Aufzucht ist die Ernährung und Pflege. Da Schoko-Havaneser eine besondere Pigmentierung haben, ist die Pflege des Fells wichtig, um die intensive Farbe zu erhalten. Die Züchter betonen oft, dass die Farbe konstant bleibt und keine Überraschungen ("Wundertüten") auftreten. Dies gibt dem künftigen Halter Sicherheit bezüglich des Erscheinungsbildes des Hundes.
Fazit
Die Zucht von Chocolate-Havanesern in Deutschland ist ein Nischengebiet, das tiefes Fachwissen erfordert. Die genetische Vererbung des Schoko-Gens ist komplex und erfordert, dass beide Elterntiere die richtigen Genotypen aufweisen, um Welpen mit dieser Farbe zu zeugen. Die Seltenheit der Farbe macht Schoko-Welpen zu begehrten Tieren, die teilweise hohen Preisvorstellungen entsprechen.
Seriöse Züchter in Deutschland sind fest in Organisationen wie dem VDH, VK oder IHV verankert. Diese Verbindungen garantieren, dass die Zucht unter strengsten Kontrollen und nach internationalen FCI-Standards erfolgt. Die geografische Verteilung der Züchter zeigt eine starke Präsenz in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen.
Für den künftigen Besitzer ist es entscheidend, einen Züchter auszuwählen, der nicht nur auf die Farbe, sondern vor allem auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Hunde achtet. Die Zucht von Schoko-Havanesern ist daher ein Zusammenspiel aus Genetik, Verantwortung und tiefer Liebe zur Rasse.