Der Havaneser, oft liebevoll „Havi" genannt, ist mehr als nur ein kleiner, langhaariger Begleithund. Er ist ein wahres Wunder der Anpassungsfähigkeit und eine Rasse, die trotz ihrer geringen Größe eine bemerkenswerte Robustheit und Intelligenz ausstrahlt. Als Mitglied der Bichon-Familie hat der Havaneser eine faszinierende Geschichte, die von den Küsten Europas bis zu den kubanischen Plantagen reicht und ihn zu einem der begehrtesten Familienhunde macht. Für potenzielle Halter und Züchter ist es entscheidend, nicht nur das ästhetische Erscheinungsbild zu betrachten, sondern die tieferliegenden Merkmale wie Gesundheitsvorsorge, die Bedeutung einer ethischen Zucht und die spezifischen Bedürfnisse dieser Rasse zu verstehen. Die folgenden Ausführungen basieren auf fundierten Erkenntnissen aus der Praxis verantwortungsvoller Züchter und der Rassegeschichte.
Historischer Ursprung und die Legende von Havanna
Die Herkunft des Havanesers ist eng mit dem Mittelmeerraum und der Insel Kuba verknüpft, wobei ein weit verbreitetes Missverständnis über den Namen der Rasse besteht. Viele Menschen glauben fälschlicherweise, dass die Rasse ihren Namen von der kubanischen Hauptstadt Havanna ableitet. Tatsächlich liegt der Ursprung der Rasse in Europa. Die Vorfahren des Havanesers stammen aus dem westlichen Mittelmeergebiet und gelangten über See- und Landwege in verschiedene Weltregionen. Es ist höchstwahrscheinlich, dass Seefahrer diese Hunde nach Kuba brachten, wo sie mit einheimischen Rassen gekreuzt wurden.
Aus diesen Verpaarungen entstand der reinweiße „Blanquito de la Habana". Später wurden diese Hunde mit Pudeln vermischt, die von europäischen Einwanderern nach Kuba gebracht wurden. Somit verdankt der Havaneser seinen Namen zwar der kubanischen Hauptstadt, sein genetischer Ursprung ist jedoch europäisch verankert. Die vorherrschende Fellfarbe, die sogenannte „Havanna-Farbe" (Tabakfarbe), führte zu der Verwechslung des Namens mit dem Ort.
Der Havaneser wurde schnell zum beliebten Haustier der reichen Kolonialfamilien und gut situierten Kubaner. Doch nach der kubanischen Revolution galt die Rasse zunehmend als Symbol des Kapitalismus. Dies führte dazu, dass die Rasse auf Kuba nach und nach ausstarb. Nur vereinzelte Exemplare konnten gerettet werden, indem sie gemeinsam mit ihren Besitzern in die Vereinigten Staaten flüchteten. Von dort aus begann eine gezielte Reinzucht der hübschen Hunde. Die offizielle Anerkennung der Rasse durch die FCI (Fédération Cynologique Internationale) fand erst im Jahr 1963 statt. Nach Deutschland gelangte die Rasse erst in den 1980er Jahren des letzten Jahrhunderts.
Trotz dieser historischen Widrigkeiten hat der Havaneser eine treue Fangemeinde aufgebaut. Der kleine langhaarige Wirbelwind verzaubert Menschen sofort, die ihm begegnen. Sein verspieltes und freundliches Wesen gepaart mit einer phänomenalen Anpassungsfähigkeit macht ihn zu einem idealen Begleiter. Wer dem Vierbeiner genug Aufmerksamkeit und Erziehung schenkt, erhält einen treuen Freund fürs Leben. Es ist wichtig, den Havaneser nicht zu unterschätzen: Obwohl er zu den Zwerghunderassen zählt, ist er äußerst widerstandsfähig und robust. Er mag zwar Streicheleinheiten auf dem Schoß, will aber dennoch gefordert werden.
Charaktereigenschaften und das Wesen des Havanesers
Der Havaneser ist eine echte Frohnatur. Seine Charaktereigenschaften sind so vielfältig, dass sie schwer vollständig aufzulisten sind. Die Rasse zeichnet sich durch Verspieltheit, Neugier und eine extreme Anpassungsfähigkeit aus. Der kleine Charmeur fühlt sich sowohl in einem großen Haus als auch in einer kleineren Stadtwohnung wohl. Diese Vielseitigkeit macht ihn zum idealen Begleiter für verschiedene Lebenssituationen.
Intelligenz und Lernwilligkeit sind weitere Schlüsseleigenschaften. Der Havaneser ist intelligent und sehr lernfähig. Er war früher als Zirkushund äußerst beliebt, was auf seine hohe Lernbereitschaft und sein Talent für Tricks hindeutet. Zudem wurde der unscheinbare Havaneser früher in Kuba durchaus als Hütehund für Kleinvieh eingesetzt. Dies unterstreicht seine Arbeitsfähigkeit und Robustheit, die oft übersehen wird.
Ein weiterer wichtiger Aspekt für viele potenzielle Halter ist das Haarkleid. Das Fell des Havanesers unterliegt keinem saisonalen Fellwechsel. Dieser Umstand macht ihn durchaus für Allergiker interessant, da es weniger zu allergischen Reaktionen durch herabfallendes Fell kommt. Allerdings bedeutet dies auch, dass regelmäßige Pflege des langen, seidigen Fells unerlässlich ist, um Verfilzungen zu vermeiden.
Der Havaneser wird auch „Bichon Havanais" und „Bichón Habanero" genannt. Er ist eine von der FCI anerkannte Rasse aus dem Mittelmeerraum bzw. Kuba. Die Bezeichnung „Havi" ist der liebevolle Name, den die Fans der Rasse ihm gegeben haben.
Verantwortungsvolle Zucht und ethische Standards
Die Zucht von Havanesern erfordert nicht nur Liebe zur Rasse, sondern auch strikte Einhaltung ethischer und gesundheitlicher Standards. In Deutschland sind die Züchter, die Mitglied im VDH (Verband Deutscher Kleinhundezüchter e.V.) sind, an strengste Satzungen gebunden. Der VDH ist der einzige vom FCI anerkannte Dachverband in Deutschland. Nur von VDH-Züchtern erhält man Welpen mit VDH/FCI Papieren.
Verantwortungsvolle Zucht bedeutet, dass die Gesundheit der zukünftigen Welpen an erster Stelle steht. Dies umfasst nicht nur die physische Verfassung, sondern auch das Wesen der Hunde. Züchter, die sich an ethischen Kodizes orientieren, unterliegen strengsten Kontrollen. Ein Beispiel hierfür ist das Zuchtprogramm von „Manolos Northern Roses" in Hannover. Dieser Züchter hat einen tierärztlich geprüften Ethik-Kodex akzeptiert und ein Interview mit einem Prüfungsteam bestanden. Solche Züchter bleiben im Kontakt mit den neuen Besitzern und planen gemeinsam den Einzug des neuen Vierbeiners.
Ein weiterer Aspekt der verantwortungsvollen Zucht ist die Zusammenarbeit mit dem Veterinäramt. Einige Züchter haben die Abnahme nach § 11 Tierschutzgesetz erhalten, ohne dass Mängel festgestellt wurden. Dies ist ein wichtiges Indiz für die Einhaltung von Tierschutzstandards.
Gesundheitliche Vorsorge und genetische Untersuchungen
Die Gesundheit des Havanesers steht im Mittelpunkt einer seriösen Zucht. Obwohl die Rasse sich bester Gesundheit erfreut und erblich bedingte Krankheiten selten sind, sind Vorsorgemaßnahmen unerlässlich.
Ein zentraler Punkt in der Zuchtauswahl ist die Untersuchung auf Patellaluxation (PL). Nur Hunde mit negativen PL-Befunden dürfen in die Zucht eingesetzt werden. Dies ist eine der wichtigsten Voraussetzungen, um das Risiko für die Vererbung genetisch bedingter Krankheiten auf ein Minimum zu reduzieren.
Zusätzlich zur Patellaluxation sind Augenuntersuchungen von großer Bedeutung. Untersuchungen hinsichtlich Juveniler Katarakt (Grauer Star beim Junghund) sind für deutsche Zuchtlinien zwar nicht zwingend vorgeschrieben, lassen sich jedoch viele Züchter freiwillig vornehmen. Dies zeigt den hohen Anspruch an die Zuchthunde.
Ein geprüfter Deckrüde bietet mehrere Vorteile gegenüber einem nicht geprüften Hund. Ein solcher Rüde wurde einem Zuchtrichter vorgestellt, sein Aussehen entspricht dem Rassestandard, und eventuelle Fehler oder leichte Mängel werden schriftlich festgehalten. Zudem ist der Havaneser-Deckrüde wesensfest und verfügt über eine Ahnentafel. Auszeichnungen auf Shows und Ausstellungen sind oft ein Zeichen für die Qualität des Tieres. Manche wertvolle Deckrüden erhalten sogar das Prädikat der Körung.
Die Decktaxe für einen Havaneser-Deckrüden ist in den meisten Fällen Verhandlungssache. Sie hängt davon ab, wie erfahren der Rüde ist, welche Preise er bereits gewonnen hat und ob er gekört wurde. Einige Züchter bevorzugen anstatt einer finanziellen Decktaxe sogar einen Welpen aus dem späteren Wurf als Gegenleistung.
Praktische Aspekte der Welpenwahl und des Züchterkontakts
Der Prozess des Welpenkaufs bei einem seriösen Züchter folgt einem klaren Ablauf, der Sicherheit und Transparenz bietet. Der Kontakt beginnt oft mit einer Nachricht oder einem Telefonat, gefolgt von einem Kennenlernen und einem Besuch vor Ort.
Wichtige Schritte im Prozess sind: - Nachricht senden - Sich vorstellen - Telefonat - Kennenlernen - Besuch beim Züchter - Welpen treffen - Übergabe des Welpen - Vertrag & Abholung
Für den Besuch beim Züchter gibt es eine druckbare Checkliste mit allen wichtigen Fragen. Dies hilft künftigen Besitzern, die richtige Entscheidung zu treffen. Die Abholung des Welpen ist flexibel möglich, sei es mit dem Auto oder der Bahn. Treffpunkte wie in Hannover, Niedersachsen, sind gut erreichbar.
Ein Beispiel für eine etablierte Zuchtstätte ist „Roeses-Havaneser". Diese Zucht ist eine der wenigen in Deutschland, die seltene Chocolate-Havaneser züchten. Der Züchter ist seit 2001 Mitglied im VDH und im Rasseverband. Die Zucht unterliegt strengsten Kontrollen und Satzungen. Ein wichtiger Meilenstein war die erste Ausstellung der Chocolate-Schnute Savanna am 05. und 06.12.2015 in Kassel, wo sie vom Richter Rainer Jakobs ein V2 (Reserve CAC) erhielt.
Eine andere Zuchtstätte, „of Lillipons Rainbow", besteht seit 2004. Der Züchter hat nach einer Pause von acht Jahren im Herbst 2016 mit der Hündin Luzie erstmals wieder Welpen geboren. Das aktuelle Rudel besteht aus vier Hündinnen: Luzie (geb. 02.01.2014), Adella (geb. 17.10.2016), Beany (aus dem zweiten Wurf von Luzie im Sommer 2019) und Djulja (Tochter von Beany, seit Sommer 2022).
Detaillierte Daten zu Zuchthündinnen und Welpen
Die Gesundheit und die physischen Merkmale der Zuchthündinnen sind entscheidend für die Qualität der Nachzucht. Nachfolgende Tabelle fasst die Daten der Hündinnen der Zucht „of Lillipons Rainbow" zusammen:
| Name | Geburtsdatum | Größe | Gewicht | Augenbefund | Patellabefund | Status |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Luzie | 02.01.2014 | 25,5 cm | 6,5 kg | o.B. | 0/0 | Zuchthündin in Rente |
| Adella Rosebud | 17.10.2016 | 27 cm | 7,6 kg | o.B. | 0/1 | Kastriert |
| Beany | (Sommer 2019) | - | - | - | - | Im Rudel |
| Djulja | (Sommer 2022) | - | - | - | - | Im Rudel |
Luzie war die erste Havaneser-Zuchthündin des Züchters. Sie hat den A-Wurf 2016 und den B-Wurf 2019 hinterlassen. Aus dem A-Wurf bleibt die Tochter Adella bei der Zucht, während aus dem zweiten Wurf die weiß-schwarze Beany behalten wurde. Seit Sommer 2022 wird das Rudel durch Beanys Tochter Djulja ergänzt. Die Hündinnen verstehen sich prima und bilden ein harmonisches Team.
Die Zucht „Roeses-Havaneser" fokussiert sich auf seltene Chocolate-Havaneser. Der Name „Chocolate" bezieht sich auf die dunkle Tabakfarbe des Fells. Diese Farbe ist die vorherrschende Fellfarbe der Rasse und führte zum Missverständnis über den Ursprungsort Havanna.
Der Weg zum neuen Begleiter: Vom Interesse bis zur Übergabe
Der Kauf eines Welpen ist ein Prozess, der auf Vertrauen und Transparenz basiert. Bei seriösen Züchtern wie „Manolos Northern Roses" oder „Roeses-Havaneser" gibt es einen strukturierten Ablauf. Dieser umfasst die initiale Kontaktaufnahme, ein Kennenlernen, einen Besuch vor Ort und schließlich die Übergabe.
Ein wichtiger Aspekt ist die Vorbereitung auf den Einzug. Züchter bleiben im Kontakt mit den neuen Besitzern und planen, wie der neue Vierbeiner bei ihnen einzieht. Dies umfasst auch die Abholung. In Städten wie Hannover ist die Anreise mit Auto oder Bahn möglich. Eine Checkliste für den Besuch hilft, alle wichtigen Fragen zu stellen und den richtigen Welpen zu finden.
Die Bedeutung eines geprüften Deckrüden wird im Zuchtprozess unterstrichen. Ein geprüfter Rüde hat eine Ahnentafel, wurde einem Zuchtrichter vorgestellt und ist wesensfest. Er hat negative Befunde für Patellaluxation und oft auch freiwillige Augenuntersuchungen. Dies reduziert das Risiko für genetische Krankheiten.
Fazit
Der Havaneser ist eine Rasse, die durch ihre Geschichte, ihren Charakter und ihre gesundheitliche Stabilität glänzt. Von seinen Wurzeln im Mittelmeerraum über die Zeit in Kuba bis hin zu seiner Wiederbelebung in den USA und Deutschland hat er sich als robust, intelligent und anpassungsfähig erwiesen. Für den Halter bedeutet dies einen treuen Freund, der sowohl in der Wohnung als auch im Haus zu Hause ist.
Die Verantwortung des Züchters liegt in der Einhaltung ethischer Standards, der Durchführung notwendiger Gesundheitsuntersuchungen und der transparenten Kommunikation mit den Welpenbesitzern. Nur durch solche Maßnahmen kann sichergestellt werden, dass die Nachzucht gesund, charakterstabil und dem Rassestandard entsprechend ist. Der Kauf eines Welpen ist ein wichtiger Schritt, der auf Vertrauen und sorgfältiger Auswahl basiert.
Die Verfügbarkeit seltener Farben wie Chocolate und die strikte Einhaltung von Zuchtrichtlinien durch VDH-Mitglieder unterstreichen den hohen Anspruch, den seriöse Züchter an sich selbst stellen. Die Gesundheit der Welpen steht an erster Stelle, was durch Patellaluxations- und Augenuntersuchungen gewährleistet wird. Der Prozess vom ersten Kontakt bis zur Abholung ist klar strukturiert und ermöglicht eine fundierte Entscheidung für den neuen Begleiter.