Der Schwarz-Loh Pudel: Genetik, Zucht und der Weg zur offiziellen Anerkennung

Der Schwarz-Loh-Pudel, international bekannt als „Black and Tan" oder „Phantom", repräsentiert eine der faszinierendsten und historisch umstrittenen Farbvarianten innerhalb der Rasse. Während der klassische FCI-Standard den Pudel traditionell als einfarbiges Tier beschreibt, steht der zweifarbige Pudel für eine tiefgreifende Debatte zwischen historischen Ursprüngen, genetischer Vielfalt und modernen Zuchtzielen. Diese Hunde zeichnen sich durch eine sehr spezifische Zeichnung aus, bei der das Schwarz als dominierende Grundfarbe dient und von symmetrischen, fließenden Tan-Abzeichen unterbrochen wird. Das Verständnis dieser Farbe erfordert mehr als nur oberflächliche Betrachtung; es bedarf einer fundierten Analyse der Farbverteilung, der genetischen Hintergründe und der aktuellen Situation im Zuchtbuchwesen.

Historischer Kontext und die Debatte um die „Neufarbe"

Die Bezeichnung „Neufarbenpudel" ist historisch irreführend. Es handelt sich nicht um eine neu entstandene Farbvariante, sondern um eine Zeichnung, die in der Geschichte der Rasse seit jeher existiert. Alte Stiche und Zeichnungen belegen, dass Pudel in früheren Epochen häufig bunt waren. Die heutige Verweigerung der vollen Anerkennung im internationalen Standard resultiert aus einer Festsetzung des FCI-Standard-Entwurfs von 1880, in dem explizit festgelegt wurde, dass der Pudel einfarbig sein muss. Diese Vorgabe führte dazu, dass zweifarbige Pudel über einen langen Zeitraum in Vergessenheit gerieten und nur in einem kleinen Kreis von Liebhabern außerhalb des offiziellen Vereinswesens weitergezüchtet wurden.

Interessanterweise werden diese Hunde in englischsprachigen Ländern oft als „Phantoms" bezeichnet. Die Zeichnung wird dort als „Phantom-Marks" oder allgemein als „Markenfarben" beschrieben, eine Terminologie, die auch bei anderen Rassen wie dem Dobermann, Rottweiler, Gordon Setter oder Raaschhaardackel verwendet wird. Die Bezeichnung „Black and Tan" ist in Deutschland als Synonym für Schwarz-Loh etabliert, wobei „loh" für die rehbraune Farbe der Abzeichen steht. Es ist wichtig zu betonen, dass diese Hunde keine genetische Neuschöpfung sind, sondern eine Rückkehr zu einem ursprünglichen Erscheinungsbild, das durch die strengen FCI-Regeln lange Zeit marginalisiert wurde.

Die anatomische Definition der Black and Tan-Zeichnung

Die offizielle Beschreibung der Zeichnung ist präzise und detailliert definiert. Das Schwarz ist die vorherrschende Farbe, die durch das Tan in einer symmetrischen, leicht fließenden Zeichnung unterbrochen wird. Die korrekte Platzierung der braunen Abzeichen (Tan) erfolgt vorzugsweise an folgenden Körperstellen:

  • In den Augenbrauen
  • Im Saum des Behangs
  • Im Bartbereich
  • An den Wangen
  • Als beidseitige Brustspiegel
  • An allen vier Läufen
  • Am After

Ein schwarzer Streifen an den Rückseiten oder schwarze Außenseiten der Läufe sind technisch zulässig, werden jedoch in der Zucht nicht aktiv gefördert. Das ideale Farbverhältnis liegt vorzugsweise bei 80 Prozent Schwarz und 20 Prozent Tan. Es ist entscheidend, dass die Übergänge zwischen den Farben fließend sind und keine scharfen, unästhetischen Grenzen bilden. Bei Welpen ist die Tan-Zeichnung oft farbig sehr kräftig ausgeprägt, hellt aber mit zunehmendem Alter bei fast allen Hunden auf. Die Farbe der braunen Abzeichen variiert von dunkelbraun über rot bis hin zu hellem Aprikot. Auch silbrig-gräuliche Abzeichen kommen vor, was die genetische Komplexität dieser Farbe unterstreicht.

Genetische Grundlagen und Farbvariationen

Die Genetik des Black and Tan Pudels ist komplex und umfasst mehrere Nuancen. Die Amerikaner haben für jede Farbvariante eigene Namen entwickelt, darunter „Black and Brown", „Black and Red" und „Black and Silver". Diese Differenzierung ist wichtig für die Zuchtplanung. Ein zentrales Merkmal ist die Veränderung der Farbe mit dem Alter. Die Tan-Zeichnung, die bei Welpen noch sehr kräftig ist, verblasst und hellt im Laufe der ersten Lebensjahre auf. Mit etwa zwei Jahren hat die Farbe ihre endgültige Endfärbung erreicht.

Besonders kritisch ist das Verhalten des schwarzen Anteils. Während das Tan variabel ist und fast immer aufhellt, sollte das Schwarz auch schwarz bleiben. Ein Pudel, der bereits mit zwei Jahren silber oder grau erscheint, sollte züchterisch nicht mehr eingesetzt werden, da dies auf eine genetische Instabilität der Grundfarbe hindeutet. Die Zeichnung wird im Gesicht erst mit zunehmendem Alter und durch regelmäßiges Schuren deutlicher.

Bei Verpaarungen von Black and Tan untereinander fallen immer wieder Welpen der Farbe Apricot. Dies zeigt die enge genetische Verknüpfung zwischen den Farbgenen. Um die Qualität der Farbe zu verbessern und Fehlfarben zu vermeiden, ist es ratsam, diese apricotfarbenen Nachkommen mit reinerbigen Black and Tan-Eltern zu verpaaren. Heute ermöglichen Farbgentests aus verschiedenen Laboren, die Genetik der Farben präziser zu bestimmen. Dies erlaubt es Züchtern, Verpaarungen so zu planen, dass die gewünschten Zeichnungen kontrolliert geboren werden können.

Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Merkmale der verschiedenen Farbvarianten und ihre Entwicklung zusammen:

Farbvariante (US-Benennung) Deutsche Bezeichnung Entwicklung der Farbe (Tan) Bemerkung zum Schwarz
Black and Brown Schwarz-Dunkelbraun Heller mit dem Alter Muss stabil bleiben
Black and Red Schwarz-Rot Heller mit dem Alter Sollte schwarz bleiben
Black and Silver Schwarz-Silbergrau Heller mit dem Alter Risiko der Aufhellung
Black and Apricot Schwarz-Apricot Heller mit dem Alter Kann als Neufarbe auftreten

Charakter und Verhalten des Schwarz-Loh Pudels

Jenseits der reinen Optik weist der Black and Tan Pudel eine besondere Persönlichkeitsstruktur auf. Diese Hunde zeichnen sich durch einen ganz besonderen Charme aus. Sie gelten als sehr sensibel, blitzgescheit und für jeden Spaß und Sport leicht zu motivieren. Sie sind absolute „Gute-Laune-Hunde", die das Herz der Menschen gewinnen. Ein markantes Verhalten ist die Fähigkeit, wunderbar mit sich selbst zu spielen; es ist selten, einen Hund zu sehen, der so lange und intensiv mit Spielzeug interagiert, ohne dass ein Mensch beteiligt ist. Gleichzeitig können sie zur Ruhe kommen und stundenlang unter einem Schreibtisch liegen, während der Besitzer arbeitet.

Der Black and Tan Pudel ist eine große „Schmusebacke", äußerst intelligent und lernbegierig. Diese Kombination aus hoher Intelligenz und Spielfreude macht ihn zu einem idealen Begleiter für aktive Familien. Im Vergleich zu anderen Farbvarianten, wie etwa dem rein schwarzen oder weißen Pudel, zeigt der Schwarz-Loh oft eine besonders ausgeprägte Sozialität und eine hohe Bindung zum Menschen.

Größendimensionen und Rassestandards

Der Pudel wird in vier offizielle Größenklassen unterteilt, wobei alle Größenklassen gemäß dem Standard (FCI) die grundsätzlichen Proportionen des Kleinpudels aufweisen und als vergrößerte oder verkleinerte Abbilder desselben gelten. Die folgende Tabelle zeigt die genauen Maßangaben für jede Größe:

Größe Bezeichnung Mindesthöhe (cm) Maximalhöhe (cm) Gewicht (kg)
Toypudel Toypudel 24 28 2,0 - 3,0
Zwergpudel Zwergpudel 28 35 3,0 - 6,0
Kleinpudel Kleinpudel 35 45 7,0 - 17,0
Großpudel Großpudel (Königspudel) 45 60 18,0 - 28,0

Beachten Sie, dass der Standard für den Großpudel eine Toleranz von 2 cm einräumt, während der Toypudel eine Toleranz von 1 cm erhält. Der Begriff „Mittelpudel" findet sich zwar im Sprachgebrauch, besitzt aber keine offizielle Definition in den vom VDH anerkannten Vereinen. Der „Königspudel" entspricht exakt der Größe des Großpudels. Unabhängig von der Größe, gilt für den Black and Tan Pudel: Die Zeichnung muss proportional zum Körper sein, unabhängig davon, ob es sich um einen Toy- oder einen Königspudel handelt.

Aktueller Status der Anerkennung und Zuchtsituation

Die rechtliche und züchterische Situation des Black and Tan Pudels befindet sich in einem Übergangsstadium. Während das FCI und der VDH den Pudelstandard strikt auf einfarbige Tiere beschränken, haben sich in der Praxis neue Wege der Anerkennung entwickelt.

In Deutschland steht die offizielle Neudefinition noch aus. Seit 2020 werden zweifarbige Pudel im FCI nicht mehr als Pudel geführt, sondern als „Mehrfarbiger Lockenhund". Dies ist eine klare Trennung der Bezeichnung. Trotzdem finden sich diese Hunde mittlerweile auf nationaler Ebene zunehmend Anerkennung. Die Zucht wird in einem Sonderregister der VDH-Pudelklubs geführt.

Auf internationaler Ebene gibt es eine klare Trennung der Anerkennungsmöglichkeiten. Der Black and Tan Pudel kann auf nationalen Ausstellungen alle Titel und Anwartschaften erhalten. Jedoch sind ihm das CACIB (Certificat d'Admissibilité au Certificat International de Sélection) und die FCI-Titel verwehrt. Dies liegt daran, dass der internationale Standard weiterhin einfarbigkeit fordert. Es besteht jedoch die Hoffnung, dass eines Tages auch die Franzosen, als die Schöpfer der Rasse, die Zweifarbigen anerkennen werden. Der Liebhaberkreis der „Bunten" wächst täglich, und eine Leugnung dieser Varianten ist nicht mehr möglich.

In nicht beim VDH gelisteten Vereinen findet man auch andere Farbvarianten, was zeigt, dass die Zuchtpraxis oft der offiziellen Regelwerk vorauseilt. Es ist wichtig, dass Züchter, die auf Black and Tan setzen, die genetischen Risiken kennen. Hunde, die früh vergrauen, sind aus der Zucht auszusondern. Die Nutzung von Gentests ist hier unverzichtbar, um Fehlfarben zu vermeiden und die Stabilität der Zeichnung zu garantieren.

Zusammenfassung der Zuchtstrategie für Black and Tan

Die erfolgreiche Zucht von Black and Tan Pudeln erfordert eine präzise Planung. Da bei Verpaarungen von Black and Tan untereinander immer wieder Apricot-Welpen fallen, müssen diese Nachkommen bevorzugt mit reinerbigen Black and Tan verpaart werden, um die Farbe zu stabilisieren. Zur Verbesserung des Typs können auch apricotfarbene oder schwarze Pudel aus sehr guten Linien eingesetzt werden, sofern diese dem Standard entsprechen.

Die Beobachtung der Entwicklung der Farbe ist kritisch. Die Tan-Zeichnung hellt sich auf, aber das Schwarz muss stabil bleiben. Ein Hund, der mit zwei Jahren bereits silber ist, ist für die Zucht untauglich. Die richtige Zeichnung zeichnet sich durch klare Abgrenzungen und symmetrische Platzierung der braunen Flecken aus, wobei ein schwarzer Streifen an den Rückseiten oder schwarze Außenseiten der Läufe als zulässig, aber nicht als wünschenswert gelten.

Die Geschichte des Pudels zeigt, dass er ursprünglich ein Jagdhund, genauer ein Entenjagdhund war. Der Name leitet sich aus dem Französischen „Caniche" ab, was den Ursprung in Frankreich bestätigt. Der Pudel stammt vom Barbet ab und behält viele Eigenschaften dieser Rasse bei. Heute gehört er in die Kategorie des Begleithundes, FCI-Gruppe 9, Sektion 2, Standard-Nr. 172. Die Rückkehr der zweifarbigen Varianten ist somit auch eine Rückbesinnung auf die historischen Wurzeln der Rasse, die über die strengen modernen Standards hinausgeht.

Fazit

Der Schwarz-Loh Pudel oder „Black and Tan" repräsentiert eine faszinierende Verbindung von historischem Erbe und modernen züchterischen Herausforderungen. Obwohl der offizielle Standard weiterhin Einfarbigkeit fordert, hat sich eine lebendige Gemeinschaft von Liebhabern und Züchtern gebildet, die diese Hunde aktiv weiterzuchten und pflegen. Die Anerkennung auf nationaler Ebene wächst, und der Einsatz von modernen Gentests ermöglicht eine gezielte Zucht, bei der die typische Zeichnung erhalten bleibt. Die charakterlichen Eigenschaften dieser Hunde – hohe Intelligenz, Spielfreude und Sensibilität – machen sie zu besonders wertvollen Begleitern. Der Weg zur vollen internationalen Anerkennung mag noch ein Stück lang sein, doch die Existenz und die Qualitäten des Black and Tan Pudels sind unübersehbar und werden die Diskussion um die Vielfalt der Pudel-Farben nachhaltig prägen.

Quellen

  1. Bunte Pudel - Black and Tan
  2. Glückspudel - Black and Tan Zucht
  3. Koelle-Zoo - Steckbrief Pudel
  4. Cochius - Der Pudel

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