Der Havaneser ist eine der faszinierendsten und vielseitigsten Hunderassen, die eine einzigartige Verbindung zwischen europäischer Tradition und kubanischer Geschichte darstellt. In der modernen Zuchtpraxis, wie sie beispielsweise von der Zuchtstätte Queensberry vertreten wird, steht nicht nur die Erhaltung der rasse typischen Merkmale im Vordergrund, sondern auch die sorgfältige Prägung der Welpen im häuslichen Alltag. Diese Kombination aus historischem Hintergrund, spezifischen Rassemerkmalen und einer ethischen Zuchtmethode macht den Havaneser zu einem besonders begehrten Familienhund. Die Zuchtstätte Queensberry, geleitet von Familie Thölken, hat sich auf diese Rasse spezialisiert und verbindet langjährige Erfahrung mit Bearded Collies mit der neuen Leidenschaft für den Havaneser.
Die Geschichte des Havanesers ist eng mit der Entwicklung der Bichon-Rassen verbunden. Der Name „Bichon“ stammt aus dem Französischen und bedeutet so viel wie „Schoßhund“. Diese Hunde lebten traditionell als treue Gefährten bei wohlhabenden Damen. Die Wurzeln der Rasse liegen jedoch nicht ausschließlich in Europa. Obwohl die Vorfahren in der Mittelmeerregion beheimatet waren, gelangten sie mit europäischen Schiffen nach Südamerika, wo sie sich mit lokalen Hunden kreuzten. Dies führte zur Entstehung der Rasse, die heute als „Bichon havanaise" bekannt ist. Ein häufiges Missverständnis betrifft die Etymologie des Namens: Er leitet sich nicht von der kubanischen Hauptstadt Havanna ab, sondern von der charakteristischen „Havanna-Farbe", einem tabakfarbenen Fellton, der bei dieser Rasse häufig vorkommt. Während die Beliebtheit der Rasse in Kuba im 20. Jahrhundert rapide abnahm und die Population in den 1960er Jahren fast ausstarb, retteten Züchter in den USA die Rasse vor dem vollständigen Aussterben. Heute ist der Havaneser nicht nur in Amerika, sondern auch wieder in Europa ein sehr beliebter Gefährte.
Die Zuchtstätte Queensberry: Tradition und neue Leidenschaft
Die Zuchtstätte Queensberry, geleitet von Familie Thölken, repräsentiert einen Ansatz, der Tradition und neue Entdeckungen verbindet. Ursprünglich seit 1996 mit Bearded Collies befasst, erfolgte der erste Wurf dieser Rasse im Jahr 2011. Es folgten neun weitere Würfe, die als wunderschöne Beschreibungen in der Zuchtgeschichte verzeichnet sind. Im Dezember 2022 zog eine kleine Havaneser-Dame in das Haus der Familie Thölken in Grasberg bei Bremen ein. Dies markierte den Beginn einer neuen Zuchtlinie für die Familie, die sofort ihr Herz an diese Rasse verloren hatten.
Ein besonderes Merkmal der Zuchtpraxis bei Queensberry ist die Integration der Welpen in den täglichen Familienalltag. Die Welpen wachsen mitten im häuslichen Geschehen auf, was eine fundierte Prägung und Sozialisation garantiert. Diese Methode stellt sicher, dass die Tiere nicht isoliert in Hundenäpfen aufwachsen, sondern den menschlichen Rhythmus und die verschiedenen Geräusche des Alltags kennenlernen. Die alteingesessenen Bearded Collies der Familie vertragen sich bestens mit den Havanesern, was eine harmonische Aufzucht in einem gemischten Rudel ermöglicht.
Für die Zukunft plant die Zuchtstätte einen weiteren Wurf Havaneser für Mitte 2025. Ein konkreter Meilenstein in der jüngeren Geschichte der Zucht war der Wurf vom 26. Oktober, bei dem ein Welpen-Kleeblatt aus der Verpaarung von Leopold und Mila das Licht der Welt erblickte. Die Zuchtstätte betont die hohe Qualität der Vorbereitung der Welpen vor der Abgabe. Jeder Welpe ist mehrfach entwurmt, geimpft und mit einem Mikrochip versehen. Alle Welpen verfügen über offizielle VDH/FCI-Papiere und einen EU-Heimtierausweis, was die rechtliche Sicherheit und die Rückverfolgbarkeit der Abstammung garantiert.
Rasseportrait: Anatomie und Erscheinungsbild
Der Havaneser ist ein kleiner, kräftiger Hund mit einer niederläufigen Statur. Sein Erscheinungsbild wird durch ein langes, üppiges und weiches Fell geprägt, das bevorzugt gewellt sein kann. Das Fell erreicht bei ausgewachsenen Hunden eine Länge von 12 bis 18 cm. Ein charakteristisches Merkmal ist die mangelnde Entwicklung des Unterhaars; oft ist es gar nicht vorhanden. Dies hat direkte Auswirkungen auf die Empfindlichkeit des Hundes gegenüber Kälte, da ihm die schützende Unterwolle fehlt.
Das Fell ist eines der herausragendsten Merkmale der Rasse. Es glänzt wie Seide und wirkt luftig-leicht. Obwohl es warm aussieht, dient es primär als Schutz vor der Sonne. Die Farbpalette des Havanesers ist außerordentlich vielfältig. Während verwandte Rassen wie der Malteser oder der Bologneser ausschließlich weißes Fell besitzen, weist der Havaneser eine breite Palette auf. Zulässige Farben sind reinweiß, Havannabraun, tabakfarben, rötlichbraun, schwarz sowie Kombinationen dieser Farben. Auch Flecken und Brandmarkierungen in allen Schattierungen sind erlaubt. Es ist ein bekanntes Phänomen, dass viele Havaneser ihre Fellfarbe im Laufe ihres Lebens verändern. Oft ist die endgültige Farbe erst später vollständig erkennbar, da Welpen manchmal mit einer anderen Färbung geboren werden, die sich im Wachstum wandelt.
Die Rute des Havanesers ist ein weiteres entscheidendes Erkennungsmerkmal. Sie wird hoch getragen und ist entweder über dem Rücken gerollt oder ähnelt einem Krummstab. Die seidige Befiederung der Rute sorgt für ein elegantes und anmutiges Erscheinungsbild, das den charmanten Charakter der Rasse unterstreicht. Der Kopf ist proportional zum Körper geformt, und eine leicht konvexe Stirn verleiht dem Hund einen sanften Ausdruck. Die Augen und der Kopf bilden zusammen mit dem Fell ein harmonisches Gesamtbild.
Charakter und Verhalten im Familienalltag
Der Charakter des Havanesers ist durch eine einzigartige Mischung aus Fröhlichkeit, Charme und Spielfreude geprägt. Er gilt als kinderlieb und zeigt ein lebhaftes, energiegeladenes Wesen. Sein freundliches und fröhliches Wesen macht ihn zu einem der beliebtesten Begleiter für Hundeliebhaber weltweit. Er besitzt ein riesengroßes Herz und liebt alle Lebewesen um sich herum – seine Menschen, fremde Menschen, Kinder, andere Hunde und sogar Katzen. Diese anhängliche Natur führt dazu, dass der Havaneser seinen Zweibeinern auf Schritt und Tritt folgt und an ihnen hängt wie eine Tube Klebstoff oder ein Klettverschluss.
Ein wesentlicher Aspekt des Charakters ist die soziale Bindung. Der Havaneser fühlt sich am wohlsten, wenn er im Mittelpunkt steht. Seine lustigen Aktionen bringen alle um ihn herum zum Lachen. Allerdings birgt diese tiefe Anhänglichkeit auch einen Nachteil: Wenn man den Hund allein lassen muss, kann er unter Angstzuständen leiden. Daher ist eine sorgfältige Gewöhnung an die Trennung in der Welpenzeit entscheidend.
Trotz seiner Größe ist der Havaneser überraschend vielseitig. In ihm steckt so viel Energie, dass er selbst bei anstrengenden Hundesportarten wie Agility begeistert dabei ist. Er bleibt bis ins hohe Alter verspielt. Dies macht ihn zu einem idealen Familienhund, der auch für Anfänger geeignet ist, da er überraschend unkompliziert ist. Sein sonniges Gemüt, sein sanftes Wesen und seine Neugierde machen ihn zu einem perfekten Begleiter.
Gesundheit, Pflege und Ernährung
Die Gesundheit des Havanesers ist im Allgemeinen sehr gut. Es sind robuste Hunde, die eine hohe Lebenserwartung von 12 bis 14 Jahren erreichen können. Ein besonderer Vorteil ist das fehlende Haaren. Da dem Havaneser eine schützende Unterwolle fehlt, ist er hypoallergen und haart kaum. Dies macht ihn ideal für Allergiker, die einen Hund halten möchten, ohne unter starken allergischen Reaktionen zu leiden.
Die Fellpflege erfordert jedoch eine gewisse Disziplin. Das lange Fell sollte täglich gebürstet werden, damit es nicht verfilzt wird. Da das Unterfell oft fehlt, ist das Fell empfindlich gegenüber Kälte. Im Winter benötigt der Havaneser warme Kleidung oder sollte kürzere Spaziergänge machen, um Unterkühlung zu vermeiden. Viele Besitzer lassen das Fell regelmäßig bei einem Hundefriseur kürzen, damit es sich leichter pflegen lässt. Das Fell kann sowohl glatt als auch gewellt sein, was den Hund oft besonders verspielt wirken lässt.
In Bezug auf die Ernährung ist Vorsicht geboten. Havaneser sind bekanntlich etwas verfressen. Daher muss darauf geachtet werden, dass sie kein Übergewicht entwickeln, denn dies wäre schädlich für ihre Gesundheit. Eine ausgewogene Ernährung ist entscheidend, um das Gewicht im optimalen Bereich zu halten.
Vergleich mit verwandten Rassen
Der Havaneser gehört zur FCI-Gruppe 9 (Gesellschafts- und Begleithunde), Sektion 1 (Bichons und verwandte Rassen). Er wird oft mit anderen kleinen Rassen verwechselt. Ein genauer Vergleich hilft, den Havaneser von seinen Verwandten zu unterscheiden.
| Merkmal | Havaneser | Malteser | Bologneser | Bichon Frisé |
|---|---|---|---|---|
| Fellfarbe | Vielfältig (Weiß, Braun, Schwarz, Rot, etc.) | Ausschließlich Weiß | Weiß | Weiß |
| Fellstruktur | Lang, gewellt, wenig Unterwolle | Lang, seidig, wenig Unterwolle | Lang, gewellt, wenig Unterwolle | Lang, wellig, lockig |
| Größe | 23-27 cm | 25-30 cm | 25-30 cm | 28-30 cm |
| Gewicht | 3-7 kg | 3-4 kg | 3-4 kg | 2-4 kg |
| Herkunft | Kuba | Italien | Italien | Frankreich/Spanien |
| Haarverlust | Kaum (Hypoallergen) | Kaum (Hypoallergen) | Kaum (Hypoallergen) | Kaum (Hypoallergen) |
Wie aus der Tabelle hervorgeht, ist die Fellfarbe das Hauptunterscheidungsmerkmal. Während Malteser, Bologneser und Bichon Frisé ausschließlich weißes Fell aufweisen, ist der Havaneser durch seine Farbvielfalt (Weiß, Havannabraun, Tabakfarben, Rötlichbraun, Schwarz) einzigartig. Auch die Rute ist bei allen Rassen ähnlich geformt, doch die spezifische Färbung und die Feinheit des Fells helfen bei der Unterscheidung.
Mischlinge und Kreuzungen
Der Havaneser wird häufig mit anderen kleinen Hunderassen gekreuzt. Diese Mischlinge sehen sowohl als Welpen als auch ausgewachsen sehr niedlich aus und sind bei Hundeliebhabern sehr begehrt. Die Welpen aus solchen Verpaarungen erben oft die positiven Eigenschaften beider Rassen. Zu den bekanntesten Mischlingen zählen:
- Havamalt: Kreuzung mit dem Malteser
- Havachon: Kreuzung mit dem Bichon Frisé
- Havachin: Kreuzung mit dem Japan Chin
- Cavanese: Kreuzung mit dem Cavalier King Charles Spaniel
- Poovanese: Kreuzung mit dem Pudel (engl. Poodle)
Diese Mischlinge kombinieren oft die Intelligenz und das energiegeladene Wesen des Havanesers mit den spezifischen Merkmalen der jeweiligen Partner-Rasse. Sie sind eine beliebte Alternative für Menschen, die die Eigenschaften des Havanesers schätzen, aber eine andere Optik oder eine andere Größe bevorzugen.
Rassenstandard und Anerkennung
Der offizielle Rassenstandard des Havanesers wird von der FCI (Fédération Cynologique Internationale) geregelt. Der Standard hat die Nummer 250 und wurde am 31. Oktober 2016 endgültig veröffentlicht. Die Rasse ist als „Endgültig anerkannt" gelistet. Der Ursprungsland der Rasse ist Kuba, obwohl die Wurzeln in Europa liegen. Die offizielle Originalsprache des Standards ist Französisch. Es ist wichtig zu wissen, dass für diese Rasse keine Arbeitsprüfung erforderlich ist, da sie primär als Gesellschafts- und Begleithund gezüchtet wird.
Die Anerkennung durch die FCI sichert die Qualität und die Reinheit der Rasse. Für Züchter wie Familie Thölken ist die Einhaltung dieses Standards von höchster Bedeutung. Jeder Welpe, der aus einer seriösen Zucht stammt, sollte über offizielle VDH/FCI-Papiere verfügen, was bei der Zuchtstätte Queensberry gewährleistet ist.
Fazit
Der Havaneser ist weit mehr als nur ein kleiner Schoßhund. Er ist ein energiegeladener, intelligenter und anhänglicher Begleiter, der durch seine Farbvielfalt und sein hypoallergenes Fell glänzt. Die Zuchtstätte Queensberry unter der Leitung von Familie Thölken hat bewiesen, dass eine sorgfältige Aufzucht im häuslichen Umfeld zu stabilen und gut geprägten Welpen führt. Die Integration in den Familienalltag, die regelmäßige Gesundheitsvorsorge und die Einhaltung der FCI-Standards sind entscheidend für die Qualität der Nachkommen.
Ob als reiner Havaneser oder als Mischling, diese Rasse bietet eine einzigartige Kombination aus Charme, Energie und Zuneigung. Für Allergiker ist das fehlende Haaren ein großes Plus, während die Empfindlichkeit gegenüber Kälte eine sorgfältige Pflege erfordert. Mit einer Lebenserwartung von 12 bis 14 Jahren und einem fröhlichen Wesen, das bis ins hohe Alter anhält, ist der Havaneser ein langfristiger und treuer Freund. Die Zucht von Queensberry zeigt, wie traditionelle Zuchtwerte mit neuen Hunderassen verknüpft werden können, um gesunde und charakterstarke Welpen zu produzieren.