Der Markt für Rassehunde, insbesondere für kleine Trendrassen wie den Chihuahua, durchlitt in den Jahren 2020 bis 2021 eine dramatische Dynamik, die eng mit den weltweiten Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie verknüpft ist. Die Analyse der Marktentwicklung auf Plattformen wie Quoka und eBay Kleinanzeigen offenbart ein klares Muster: Während der Phase strenger Grenzschließungen brach der Handel mit Hunden zunächst ein, um nach der Wiedereröffnung der Grenzen einen massiven Anstieg zu verzeichnen, der vor allem den illegalen Welpenhandel aus Osteuropa betraf. Diese Entwicklung zeigt, dass der Bedarf an Begleittieren gestiegen ist, die Nachfrage nach Rassehunden jedoch nicht gedeckt werden konnte, was zu einem Aufschwung im grauen Markt führte.
Die Pandemie hat als Katalysator für den Wunsch nach einem Haustier gewirkt. Tierheime und Zuchtverbände meldeten eine enorme Steigerung der Nachfrage. Besonders betroffen von diesen Schwankungen waren sogenannte Trendrassen. Der Chihuahua steht dabei als ein Paradebeispiel für eine Hunderasse, die stark nachgefragt wird und daher besonders anfällig für Marktschwankungen ist. Die Daten zeigen, dass der Markt nicht linear verläuft, sondern extremen Schwankungen unterliegt, die durch politische Entscheidungen wie Grenzschließungen direkt gesteuert werden.
Der Kollaps des Angebots während der Lockdowns
Zu Beginn des Jahres 2020, als der europaweite Lockdown in Kraft trat, verzeichnete der Markt für Hunde eine drastische Änderung. Die Grenzschließungen, die den Import von Tieren aus osteuropäischen Welpenfabriken behinderten, hatten direkte Auswirkungen auf die Verfügbarkeit von Hunden auf Online-Portalen. Die Plattformen Quoka und eBay Kleinanzeigen dienten als zentraler Absatzmarkt für Welpen, wobei ein Großteil der dort inserierten Tiere aus dem illegalen Handel stammte.
Die Statistik ist hier eindeutig: Im April 2020 fiel die Anzahl der Hundeanzeigen für gefragte Trendrassen teilweise um mehr als 69 Prozent. Bei der Rasse Chihuahua und dem Französischen Bulldoggen sowie dem Labrador Retriever war dieser Rückgang besonders deutlich spürbar. Ein spezifischer Datensatz zeigt, dass allein die Anzeigen für Zwergspitze auf Quoka um 77,65 Prozent zurückgingen. Dieser massive Einbruch lässt sich direkt auf die physischen Hindernisse für den Transport von Tieren zurückführen. Während der Lockdown dauerte, sank die Zahl der Inserate für Hunde in nur vier Wochen (vom 26.03. bis 29.04.2020) im Durchschnitt um 24,18 Prozent auf beiden analysierten Plattformen.
Interessanterweise verhielten sich andere Kategorien auf den Kleinanzeigenportalen anders. Das Anzeigengeschäft in fast allen anderen Bereichen stieg infolge der lokalen Geschäftsschließungen deutlich an, während der Markt für Hunde einbrach. Dies unterstreicht die spezifische Abhängigkeit des Hundemarktes von der grenzüberschreitenden Logistik. Viele der Tiere aus dem illegalen Handel werden aus osteuropäischen Welpenfabriken nach Deutschland importiert. Wenn die Grenzen verschlossen waren, war dieser illegale Fluss gestoppt. Die Daten von VIER PFOTEN bestätigen, dass coronabedingte Grenzschließungen sowie schärfere Kontrollen den illegalen Welpenhandel massiv behindert haben.
Die Wiedereröffnung und der illegale Welpenboom
Sobald die Grenzen wieder geöffnet wurden, kehrte sich der Trend um. Ab Mitte Juni, nur zwei Wochen nach den Grenzöffnungen, stieg die Zahl der Welpenanzeigen auf eBay Kleinanzeigen bereits um 17,40 Prozent und auf Quoka um 11 Prozent. Dieser Anstieg war jedoch kein Zeichen eines gesunden Marktes, sondern signalisierte die Rückkehr des illegalen Handels. Der Handel mit Hunden wurde wieder ermöglicht, und mit ihm die Flut von Welpen aus fragwürdiger Quelle.
Besonders auffällig war der Anstieg bei bestimmten Rassen. Für Trendhunderassen wie Mops und Zwergspitz nahmen die Hundeanzeigen allein in den ersten 14 Tagen nach Ende des Lockdowns um bis zu 57,14 Prozent bzw. 41,94 Prozent deutlich zu. Auch bei der Rasse Chihuahua, die in den Statistiken als gefragte Trendrasse genannt wird, war dieser Effekt zu beobachten. Der Markt reagierte extrem schnell auf die politische Entspannung. Von Ende Juni bis Mitte August wuchs die Anzahl der Inserate für Welpen auf den beiden Plattformen innerhalb von nur sieben Wochen um insgesamt weitere 48 Prozent.
Die Daten deuten darauf hin, dass die Nachfrage nach einem Haustier infolge der Pandemie einen erheblichen Aufschwung erfahren hat. Die Tierschutzorganisation TASSO e.V., die Europas größtes kostenloses Haustierregister betreibt, verzeichnete im Jahr 2020 eine Registrierung von 433.600 Hunden und 391.000 Katzen. Ähnlich verhält es sich mit FINDEFIX, dem Haustierregister des Deutschen Tierschutzbundes, das für das Jahr 2020 einen Anstieg der Registrierungen um 15% verzeichnete. Dieser Anstieg ist ein Indiz für eine gestiegene Nachfrage, die durch den regulären Markt allein nicht bedient werden konnte, was den Boden für den illegalen Handel fruchtbar machte.
Der Kampf gegen den illegalen Handel und regulatorische Lücken
Der Anstieg der Anzeigen nach den Grenzöffnungen war eng verknüpft mit dem illegalen Welpenhandel. Viele der inserierten Tiere stammen aus osteuropäischen Welpenfabriken und werden über Online-Plattformen verkauft. Die Beobachtungen von VIER PFOTEN im Rahmen ihres Corona-Reports zeigen, dass dieser Handel während der Grenzschließungen pausiert war, aber nach der Öffnung wieder massiv zunahm. Es bleibt nun abzuwarten, inwieweit der Bund hier entsprechende Regelungen auf den Weg bringt und diese umgesetzt werden.
Die Arbeitsgruppe Welpenhandel sieht klare Notwendigkeiten, um diesem Phänomen Einhalt zu gebieten. Ein zentraler Punkt ist die Einführung einer Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für Hunde und Katzen. Erst diese Maßnahme ermöglicht es, dass Tiere eindeutig identifiziert und zu den jeweiligen Händler:innen zurückverfolgt werden können. Ohne eine solche Pflicht bleibt der Handel transparentlos und undurchschaubar.
Ein weiterer kritischer Punkt ist die Regulierung des Internethandels mit Tieren. Es werden klare, bei Verstoß zu ahnende Rechtsvorgaben gefordert. Darunter fällt die sichere Identifikation von Verkäufer:innen auf Internetplattformen sowie der Tiere selbst durch die Angabe der Mikrochipnummer und des Registers. Dies bedeutet, dass vor dem Online-Gestelltwerden eines Inserats eine Prüfung auf Plausibilität und Rückverfolgbarkeit stattfinden muss.
Die Forderung einer Heimtierschutzverordnung steht ebenfalls im Fokus. Diese Verordnung sollte klare Vorgaben zum Handel, zur Zucht und zu den Haltungsvoraussetzungen machen. Ohne diese gesetzlichen Rahmenbedingungen bleibt der Markt für Welpen, insbesondere für gefragte Rassen wie Chihuahua, anfällig für Missbrauch. Die Daten aus dem Jahr 2020 zeigen, wie schnell ein Markt kippen kann, wenn keine strikten Kontrollen bestehen.
Der Chihuahua als Trendrasse im digitalen Markt
Der Chihuahua nimmt in den statistischen Auswertungen eine zentrale Rolle ein. Er wird explizit als eine der gefragten Trendrassen genannt, neben der Französischen Bulldogge und dem Labrador Retriever. In den Analysen der Plattformen Quoka und eBay Kleinanzeigen fiel die Anzahl der Anzeigen für diese Rassen im April 2020 teilweise um mehr als 69 Prozent. Dies zeigt die hohe Abhängigkeit dieser Rassen vom internationalen Welpenimport.
Die Nachfrage nach Rassehundewelpen ist hoch und nach Aussage des Verbands für das Deutsche Hundewesen (VDH) nicht zu decken. Dies führt dazu, dass der Markt nach Alternativen sucht, die oft im Schattenmarkt zu finden sind. Die Beispiele in den Quellen zeigen, wie ein Angebot von reinrassigen Zwergpudel Welpen in Ingolstadt ausfällt: "Habe kleine reinrassige Zwergpudel Welpen... zweifach entwurmt, gechipt, geimpft...". Solche privaten Inserate sind typisch für den Markt, auf dem der Chihuahua ebenfalls stark vertreten ist.
Es ist wichtig zu verstehen, dass der Chihuahua nicht nur als Haustier gewünscht wird, sondern oft auch als Statussymbol oder Trendtier. Dies macht die Rasse besonders anfällig für Spekulationen und den illegalen Handel. Wenn die Nachfrage steigt und das legale Angebot knapp ist, greifen Käufer auf Plattformen wie Quoka zurück, wo der illegale Handel gedeiht, sobald die Grenzen offen sind.
Die folgende Tabelle fasst die statistischen Schwankungen für Chihuahuas und andere Trendrassen im Zeitraum 2020 zusammen:
| Zeitraum | Plattform | Rückgang/Anstieg | Betroffene Rassen |
|---|---|---|---|
| April 2020 | Quoka / eBay | Rückgang bis -69% | Chihuahua, Frenchie, Labrador |
| 26.03.-29.04.2020 | Beide Portale | Durchschnittlicher Rückgang -24,18% | Alle Hunde |
| April 2020 | Quoka | Rückgang -77,65% | Zwergspitz |
| Juni-August 2020 | Beide Portale | Anstieg +48% (7 Wochen) | Alle Welpen |
| 14.06.-26.06.2020 | Beide Portale | Anstieg +57,14% (Mops), +41,94% (Zwergspitz) | Trendrassen |
| Nach Grenzöffnung | eBay | Anstieg +18,9% (Französische Bulldogge), +22,2% (Mops) | Trendrassen |
Die Zahlen verdeutlichen die Volatilität des Marktes. Der Chihuahua, als eine der Haupt-Trendrassen, unterliegt denselben Schwankungen. Die Daten zeigen, dass der Markt für den Chihuahua stark von externen Faktoren wie Grenzkontrollen abhängt.
Die Rolle der Online-Portale und die Verantwortung
Die Plattformen Quoka und eBay Kleinanzeigen spielen eine entscheidende Rolle als Vertriebskanäle für Welpen. Sie sind der Hauptort, an dem der illegale Handel stattfindet. Die Beobachtungen zeigen, dass viele Tiere aus osteuropäischen Welpenfabriken über diese Portale verkauft werden. Die Verantwortung für die Plattformen liegt darin, die Inserate auf Plausibilität und Rückverfolgbarkeit zu prüfen, bevor diese online gestellt werden.
Derzeit besteht jedoch eine Lücke in der Regulierung. Es fehlt oft die sichere Identifikation der Verkäufer und der Tiere. Die Arbeitsgruppe Welpenhandel fordert, dass Internetplattformen verpflichtet werden müssen, diese Kontrollen durchzuführen. Ohne diese Maßnahmen bleibt der Markt für Rassen wie den Chihuahua anfällig für den Handel mit nicht gekennzeichneten Tieren.
Die Tierschutzorganisation VIER PFOTEN hat im Rahmen ihres Corona-Reports detailliert dokumentiert, wie die Grenzschließungen den illegalen Handel unterbrachen und wie dieser mit der Wiedereröffnung der Grenzen massiv zurückkehrte. Dies zeigt, dass die physische Grenze eine der wenigen effektiven Barrieren gegen den Welpenhandel darstellt, solange keine digitalen Kontrollen etabliert sind.
Der Bedarf nach einem Haustier und die Registrierungszahlen
Der Anstieg der Registrierungen in den Jahren 2020 und 2021 ist ein Indikator für den veränderten Lebensstil der Menschen während der Pandemie. Das Bedürfnis nach einem Haustier ist seit Beginn der Pandemie deutlich gewachsen. Die dem Deutschen Tierschutzbund angeschlossenen Tierheime berichten über eine enorm gestiegene Nachfrage für Katzen und Hunde. Auch der VDH meldet eine hohe und nicht zu deckende Nachfrage für Rassehundewelpen.
Die Zahlen des Haustierregisters TASSO e.V. zeigen, dass im Jahr 2020 insgesamt 433.600 Hunde und 391.000 Katzen neu registriert wurden. FINDEFIX verzeichnete einen Anstieg der Registrierungen um 15 Prozent. Dieser Anstieg korreliert mit der Zunahme der Welpenanzeigen nach der Wiedereröffnung der Grenzen. Die Menschen suchten nach Begleitern, was den Markt für Rassen wie den Chihuahua befeuerte.
Fazit
Die Entwicklung des Marktes für Rassehunde, insbesondere für den Chihuahua, im Jahr 2020 war von extremen Schwankungen geprägt. Der Corona-Lockdown führte zu einem massiven Rückgang der Anzeigen, während die Wiedereröffnung der Grenzen einen explosionsartigen Anstieg des Angebots auslöst, der vor allem den illegalen Handel begünstigte. Die Daten belegen, dass der Markt für gefragte Rassen wie Chihuahua, Französische Bulldogge und Labrador Retriever besonders anfällig für diese Schwankungen ist.
Es wird deutlich, dass ohne strenge Regulierungen und eine verbindliche Kennzeichnungspflicht der illegale Handel weiter gedeihen wird. Die Forderungen nach einer Heimtierschutzverordnung und einer verpflichtenden Registrierung sind entscheidend, um Transparenz herzustellen und den Handel mit Tieren aus Welpenfabriken einzudämmen. Der Wunsch nach einem Haustier ist zwar legitim und verständlich, doch die Art und Weise, wie dieser Wunsch bedient wird, zeigt dringenden Handlungsbedarf im Bereich des Tierschutzes und der Rechtssetzung. Die Zukunft des Marktes hängt davon ab, inwieweit diese regulatorischen Lücken geschlossen werden können, um den Chihuahua und andere Rassen vor dem Missbrauch durch den illegalen Handel zu schützen.