Der St. Bernhardshund, kurz Bernhardiner genannt, repräsentiert mehr als nur eine Hunderasse; er ist ein lebendiges Symbol der Schweizer Bergrettungstradition und ein Zeugnis jahrhunderterter Zuchtarbeit. Insbesondere die Kurzhaar-Varietät des Bernhardiners stellt eine faszinierende Verbindung zwischen historischer Notwendigkeit und moderner Rassecharakteristik her. Während die Rasse oft mit dem Bild eines großen, langhaarigen Hundes assoziiert wird, war das kurzhaarige Fell ursprünglich die Regel und für den ursprünglichen Einsatz am Großen St. Bernhard-Pass entscheidend. Die heutige Zucht zielt darauf ab, die genetische Vielfalt zu bewahren, wobei ein ausgewogenes Verhältnis von drei Vierteln Kurzhaar und einem Viertel Langhaar angestrebt wird. Dies ist nicht nur eine Ästhetik-Frage, sondern hat tiefgreifende historische und funktionale Gründe.
Die Ursprünge der Rasse liegen tief in der Geschichte der Schweiz. Bereits im 11. Jahrhundert begann die Zucht am Großen St. Bernhard-Pass, wo die Hunde ursprünglich kurzhaarig waren. Die Geschichte des Bernhardiners ist untrennbar mit dem Hospiz verbunden, das Reisende und Pilger auf dem gefährlichen Alpenübergang schützte. Der Legende nach rettete der berühmte Hund Barry über 40 Menschen vor dem Tod in Lawinen. Obwohl der heutige Bernhardiner aufgrund seiner gewaltigen Größe und seines Gewichts nicht mehr als aktiver Lawinenhund eingesetzt wird, bleibt die Rasse ein Symbol für diese beeindruckende Tradition. Seit 1884 gilt der Bernhardiner als Schweizer Nationalhund, und der Rassestandard wurde 1887 offiziell anerkannt.
Ein häufiges Missverständnis in der Populärkultur ist die Darstellung des Bernhardiners mit einem kleinen Schnapsfass um den Hals. Diese Darstellung ist lediglich ein Marketinggag und entspricht nicht den historischen Tatsachen. In der Realität trugen die Hunde am Pass keine Fässer, da diese das Fell nass und schwer gemacht hätten und die Hunde bei der Suche behindert hätten. Die ursprünglichen Hunde waren rein funktionell auf das Klima und die Arbeit im Schnee optimiert.
Historische Entwicklung und die Entstehung der Kurzhaar-Varietät
Die Entwicklung der Bernhardiner-Rasse ist ein Paradebeispiel für den Übergang von Arbeits- zu Begleithunden. Ursprünglich wurden die Hunde am Großen St. Bernhard-Pass gezüchtet, um Reisende zu schützen und bei der Bergrettung zu helfen. In den frühen Jahrhunderten, als die Rasse noch keine einheitliche Erscheinung hatte, waren die Hunde fast ausschließlich kurzhaarig. Dies lag an den extremen Bedingungen am Pass. Die Chorherren des Hospizes bevorzugten stets Hunde mit Kurzhaar, da das langhaarige Fell im tiefen Schnee leicht mit Eiskrusten und Schnee bedeckt war. Dies beeinträchtige die Bewegungsfähigkeit und erschwerte die Arbeit in der Lawine. Das kurzhaarige Fell war dicht, glatt und anliegend mit reichlich Unterwolle, was den Hunden eine überlegene Anpassungsfähigkeit an das kalte Klima verhalf.
Erst im 19. Jahrhundert entwickelte sich ein einheitliches Aussehen der Rasse, als die ersten langhaarigen Exemplare entstanden. Diese neuen Varianten sind das Ergebnis einer Einkreuzung von Neufundländern in die Zucht. Heinrich Schumacher spielte hierbei eine zentrale Rolle in der modernen Zuchtgeschichte. Er erwarb einen Zuchtrüden zusammen mit einer passenden Hündin aus der Nachzucht des Grafen von Rougemont und trug maßgeblich zur Standardisierung bei. Durch diese Einkreuzung veränderte sich die Rasse von einem kompakten, rein funktionalen Arbeitshund zu einem stattlichen, imposanten Begleithund, wie wir ihn heute kennen.
Trotz dieser historischen Entwicklung bleibt das kurzhaarige Genpool ein wesentlicher Teil der Rasse. In der Fondation Barry, einer renommierten Zuchtstätte in der Schweiz, wird aktiv an der Erhaltung der genetischen Vielfalt gearbeitet. Um diese Vielfalt zu sichern, setzen sich die gezüchteten Tiere zu drei Vierteln aus Kurzhaar- und zu einem Viertel aus Langhaarhunden zusammen. Dies zeigt, dass die kurzhaarige Varietät nicht nur eine historische Kuriosität ist, sondern ein bewusster und notwendiger Teil der modernen Zuchtstrategie, um Inzucht vorzubeugen und die ursprünglichen Merkmale der Rasse zu bewahren.
Anatomie, Maße und phänotypische Merkmale des Kurzhaar-Bernhardiners
Der Bernhardiner ist ein Massivbau, der durch seine imposante Erscheinung und seine stattliche Statur auffällt. Die Rasse gehört zur FCI-Gruppe 2, speziell zur Sektion 2 der Berghunde (Molossoidein). Ein kurzhaariger Bernhardiner strahlt durch und durch Erhabenheit aus und besitzt einen harmonischen, strammen Körperbau. Der Kopf ist beeindruckend, mit einem aufmerksamen Gesichtsausdruck, der die Intelligenz und Wachsamkeit des Tieres unterstreicht.
Die phänotypischen Merkmale des Kurzhaares sind spezifisch definiert. Das Fell besteht aus einem dichten, glatten und anliegenden Deckhaar mit reichlich Unterwolle. Diese Beschaffenheit sorgt für einen optimalen Schutz vor Kälte und Feuchtigkeit, ohne dass sich Schnee im Fell festsetzt, wie dies bei langhaarigen Tieren der Fall sein kann.
Die körperlichen Dimensionen sind beeindruckend und variieren je nach Geschlecht. Die Mindestgrösse am Widerrist beträgt bei Rüden 70 cm und bei Hündinnen 65 cm. Das Gewicht liegt bei Rüden zwischen 70 und 80 kg, während Hündinnen ein Gewicht von 50 bis 65 kg erreichen. Diese Maße machen den Bernhardiner zu einem sehr großen Hund, der viel Platz benötigt. Ein Haus mit Garten ist das ideale Umfeld, da der Hund einen gewissen Platz in Anspruch nimmt und sich nicht für die Wohnungshaltung eignet. Junghunde sind recht lebhaft, und die unbändige Kraft des ausgewachsenen Bernhardiners erfordert eine verantwortungsvolle Erziehung.
Vergleich der Felltypen und Gesundheitsdaten
Die Unterschiede zwischen den beiden Varietäten gehen über das Aussehen hinaus. Während das Kurzhaar-Fell dicht und anliegend ist, besitzt das Langhaar eine mittellange, gerade Struktur. Ein wesentlicher Unterschied zeigt sich in der Pflege. Langhaarige Bernhardiner müssen häufiger gebürstet werden als ihre kurzhaarigen Artgenossen. Beim Fellwechsel fallen bei beiden Varietäten große Mengen an losen Haaren an, was für beide eine intensive Pflege erfordert, wobei der Aufwand beim Langhaar jedoch höher ist.
Die Gesundheit der Bernhardiner, sowohl kurz- als auch langhaarig, wird durch strenge Gesundheitschecks sichergestellt. In der modernen Zucht sind die Daten zu Hüftgelenksdysplasie (HD) und Ellenbogendysplasie (ED) von zentraler Bedeutung. Die folgenden Daten aus aktuellen Zuchtdokumentationen zeigen den hohen Standard, der in seriösen Zuchten angelegt wird.
| Hundename | Typ | HD-Bewertung | ED-Bewertung | Elternlinie |
|---|---|---|---|---|
| Bernard | Langhaar Rüde | B/B | 0/0 | SHSB 799 872 |
| Festa | Kurzhaar Hündin | DNA geprüft | - | SHSB 799 872 |
| Dana au Moulin | Kurzhaar Rüde | A/A | 0/0 | SHSB 752352 |
| Apollon | Kurzhaar Rüde | A/A | 0/0 | SHSB 773302 |
| Kessi | Kurzhaar Hündin | - | - | WUSB Siegerin 2025 |
Die Tabelle zeigt, dass in seriösen Zuchten, wie der Fondation Barry oder der Zucht von bernhardinerzucht.eu, auf eine strenge Gesundheitsauslese geachtet wird. Die Bezeichnungen HD und ED haben folgende Bedeutung: - HD (Hüftgelenksdysplasie): 0 = frei, 1 = Grenzfall, 2 = leichte HD, 3 = mittlere HD, 4 = schwere HD. - ED (Ellenbogendysplasie): 0 = frei, 1 = leicht, 2 = mittel, 3 = schwer.
In vielen aktuellen Wurfberechnungen, wie denen von Klaus-Dieter und Heike Hofmann oder Sophie Prügel und Rainer Faust, werden nur Hunde mit einer Bewertung von 0/0 oder A/A für die Zucht ausgewählt. Dies sichert eine gesunde Nachzucht und verhindert die Weitergabe von Gelenkproblemen, die bei dieser schweren Rasse ein häufiges Risiko darstellen.
Charakter, Sozialisation und Haltungsempfehlungen
Der Charakter des Bernhardiners ist ein wesentlicher Faktor für die Passung als Familienhund. Die Rasse ist bekannt für ihre Ruhe, Treue und sanfte Art, wird aber oft mit dem Missverständnis verbunden, dass sie nur als Wächter oder Arbeitshund geeignet sei. Tatsächlich ist der Bernhardiner ideal für Familien geeignet, die über viel Platz und einen Garten verfügen. Die Haltung in einer Wohnung ist aufgrund der Größe und des Bedürfnisses nach Bewegung nicht geeignet.
Besonders wichtig ist die Sozialisation und Erziehung. Junghunde sind recht lebhaft und besitzen eine immense Kraft. Eine verantwortungsvolle Erziehung ist unerlässlich, damit die unbändige Kraft des ausgewachsenen Bernhardiners auch leicht zu managen ist. Der Bernhardiner benötigt ausreichend Zeit, Pflege und Erziehung. Erfahrung im Umgang mit Hunden ist eine wichtige Voraussetzung für potenzielle Halter. Ohne diese Erfahrung kann die Größe des Hundes schnell zu Problemen führen, da der Hund im Erwachsenenalter bis zu 90 Zentimeter Widerristhöhe erreichen kann.
Die Rasse passt besonders gut zu Haushalten, die den Platz und die Zeit bieten, die ein solcher Hund benötigt. Ein Haus mit Garten ist das ideale Umfeld. Der Bernhardiner ist kein schmaler, sondern ein stattlicher, gut bemuskelter Hund, der durch seine imposante Erscheinung Respekt einflößt. Dies bedeutet jedoch nicht, dass der Hund aggressiv wäre; im Gegenteil, der Charakter ist typischerweise sanftmütig, was ihn zum perfekten Begleiter für ruhige Familien macht.
Ein wichtiger Aspekt der Haltung ist die Pflege des Fells. Obwohl kurzhaarige Bernhardiner weniger pflegeintensiv sind als langhaarige, benötigen auch sie regelmäßige Aufmerksamkeit. Während des Fellwechsels fallen bei beiden Varietäten große Mengen an losen Haaren an. Für den Kurzhaar-Bernhardiner bedeutet dies, dass das Fell zwar glatt und anliegend ist, aber dennoch regelmäßig gebürstet werden muss, um lose Haare zu entfernen und die Hautgesundheit zu erhalten.
Die Zuchtpraxis zeigt, dass die Auswahl der Elternhunde eine entscheidende Rolle spielt. Aktuelle Würfe, wie die von Kessi au Moulin de Tallans und Picasso du Gr. St. Bernard, belegen, dass eine sorgfältige Kombination von Genpools notwendig ist, um die Gesundheit und das Aussehen der Welpen zu sichern. Die Welpen, die am 9. Dezember 2025 geboren wurden, umfassen sowohl Kurz- als auch Langhaar-Welpen, was die Strategie der Fondation Barry bestätigt: drei Viertel Kurzhaar und ein Viertel Langhaar.
Zuchtstandards und Genetische Vielfalt
Die Zucht des Bernhardiners folgt strengen Richtlinien, um die Gesundheit und die Rassemerkmale zu erhalten. Die Rasse gehört zur FCI-Gruppe 2, Standard Nr. 61. In der Schweiz befinden sich rund 600 Tiere, was die Rasse als wenig verbreitet einstufet. Jährlich werden etwa 100 Welpen mit Stammbaum geboren. Dies zeigt die Seltenheit und den hohen Wert einer seriösen Zucht.
Heinrich Schumacher steht im Fokus der modernen Zucht. Er erwarb einen Zuchtrüden und eine passende Hündin aus der Nachzucht des Grafen von Rougemont, was den Grundstein für die heutige Rasse legte. Die Zuchtgeschichte ist eng mit dem Hospiz verbunden, das die Hunde als Retter und Beschützer der Reisenden nutzte.
Ein zentrales Anliegen der modernen Zucht ist die Erhaltung der genetischen Vielfalt. Dies wird in der Fondation Barry durch eine spezifische Aufteilung umgesetzt. Die gezüchteten Tiere setzen sich zu drei Vierteln aus Kurzhaar- und zu einem Viertel aus Langhaarhunden zusammen. Dieses Verhältnis sichert, dass das kurzhaarige Erbe der Rasse nicht verloren geht, gleichzeitig aber die langhaarige Varietät erhalten bleibt. Dies ist entscheidend, um Inzucht zu vermeiden und die Gesundheit der Rasse zu gewährleisten.
In aktuellen Zuchten, wie denen in Deutschland, werden die Gesundheitsdaten der Eltern vor der Paarung lückenlos dokumentiert. Beispielsweise weisen Züchter wie Klaus-Dieter und Heike Hofmann oder Sophie Prügel und Rainer Faust darauf hin, dass nur Hunde mit der Bewertung HD 0/0 und ED 0/0 zur Zucht zugelassen werden. Dies garantiert, dass die Welpen genetisch gesund aufwachsen. Die Daten zeigen, dass sowohl Kurz- als auch Langhaar-Eltern diese hohen Standards erfüllen.
Es ist wichtig zu betonen, dass die Zuchtpraxis nur an Privatpersonen verkauft. Anfragen von Hundehändlern sind zwecklos, und jeglicher Weiterverkauf von Adressen an Dritte ist ausdrücklich verboten. Diese Maßnahmen dienen dem Schutz der Welpen vor kommerzieller Ausbeutung und sicherstellen, dass die Tiere in geeignete Hände kommen.
Gesundheitsvorsorge und typische Erkrankungen
Bei so großen Hunderassen wie dem Bernhardiner ist die Gesundheitsvorsorge von existenzieller Bedeutung. Die Rasse ist anfällig für bestimmte Erkrankungen, die durch die Größe und das Gewicht des Tieres begünstigt werden. Die häufigsten Probleme betreffen das Skelettsystem, insbesondere Hüftgelenksdysplasie (HD) und Ellenbogendysplasie (ED).
Die Bewertungssysteme für diese Erkrankungen sind eindeutig definiert: - HD: 0 (frei), 1 (Grenzfall), 2 (leichte HD), 3 (mittlere HD), 4 (schwere HD). - ED: 0 (frei), 1 (leicht), 2 (mittel), 3 (schwer).
In der seriösen Zucht werden nur Elterntiere mit der Bewertung 0/0 oder A/A verwendet. Dies ist ein Zeichen für eine verantwortungsvolle Zucht, die auf die Vermeidung von Gelenkproblemen abzielt. Die Tabelle oben zeigt, dass Hunde wie Bernard, Festa, Dana und Apollon diese hohen Standards erfüllen.
Neben Gelenkerkrankungen ist auch die Pflege des Fells und die allgemeine Gesundheit wichtig. Während des Fellwechsels fallen große Mengen an Haaren an. Dies gilt für beide Varietäten, wobei die Pflege beim Langhaar intensiver sein muss. Das Kurzhaar-Fell mit seiner dichten Unterwolle bietet Schutz, erfordert aber dennoch regelmäßige Kontrolle.
Die Lebensdauer und typische Gesundheitsprobleme sind in einem detaillierten Steckbrief enthalten, der für die Rasse spezifisch ist. Aufgrund der heutigen Größe und des Gewichts sind Bernhardiner nicht mehr für den Einsatz als Lawinenhunde geeignet, was auch die Anforderungen an die Haltung verändert hat. Sie sind heute primär Begleithunde, die Ruhe und Platz benötigen.
Fazit
Der kurzhaarige Bernhardiner ist ein Zeugnis für eine jahrhundertealte Tradition und eine moderne Zuchtstrategie, die auf Gesundheit und genetische Vielfalt abzielt. Die ursprüngliche kurzhaarige Varietät war ein funktionales Meisterwerk der Natur, das für die Arbeit im Schnee entwickelt wurde. Obwohl die modernen Bernhardiner aufgrund ihrer Größe nicht mehr als Rettungshunde eingesetzt werden, bleibt ihr Charakter von Sanftmut und Loyalität geprägt.
Die Zucht in der Schweiz und Deutschland zeigt, dass die Erhaltung der Kurzhaar-Varietät ein bewusstes Ziel ist, das in einem Verhältnis von 3 zu 1 gegenüber dem Langhaar angestrebt wird. Streng überwachte Gesundheitschecks (HD/ED) und die Beschränkung auf den Verkauf an Privatpersonen garantieren, dass die Rasse in guten Händen ist. Für Familien, die über ein Haus mit Garten verfügen und bereit sind, Zeit und Liebe in die Erziehung eines so imposanten Hundes zu investieren, bietet der Bernhardiner ein unvergleichliches Familienmitglied. Die Kombination aus historischem Erbe, strenger Zuchtpraxis und dem sanften Charakter macht den Kurzhaar-Bernhardiner zu einer besonderen Rasse, die Wertschätzung und Pflege verdient.