Der Mops mit Schnauze: Von der Qualzucht zum gesunden Rückzüchtungsweg

Der Mops ist eine der bekanntesten Hunderassen der Welt, doch seine Geschichte ist geprägt von einer schmerzhaften Entwicklung hin zu einer Rasse, die oft als Beispiel für Qualzucht dient. Die ursprüngliche Rasse aus China wurde im Westen nach dem Kindchenschema umgeformt: kleine Köpfe, große, vorstehende Augen und extrem kurze Nasen. Diese Zuchtvorstellungen beeinträchtigten die Gesundheit der Tiere massiv. Das Ergebnis war ein Hund, der kaum atmen kann, unter Augenerkrankungen leidet und oft in Hitzestress gerät. Um diesem Trend entgegenzuwirken, begann sich eine Bewegung für den „Mops mit Schnauze", auch bekannt als Retromops oder Sportmops, zu bilden. Dieser Ansatz zielt nicht auf das Erzeugen einer neuen Rasse im herkömmlichen Sinne, sondern auf eine Rückzüchtung zu einem gesunden, vitalen Mops, der das typische Mops-Wesen bewahrt, aber ohne die extremen, gesundheitsschädigenden Merkmale der modernen Zucht.

Die Entwicklung des Retromopses ist eine Antwort auf die zunehmende Übertypisierung. Während der „normale" Mops oft als Qualzucht gilt, stellt der Retromops einen Weg zurück zu den ursprünglichen, gesünderen Merkmalen dar. Dabei wird gezielt Fremdblut eingekreuzt, um die genetische Varianz zu erhöhen und phänotypische Merkmale wie eine längere Schnauze, größere Nasenlöcher und längere Beine zu erzeugen. Dies ermöglicht einen Mops, der auch bei 15 Grad Celsius noch spazieren gehen und toben kann, ohne grunzende Töne von sich zu geben oder in Ohnmacht zu fallen. Es handelt sich um eine bewusste Entscheidung für Gesundheit vor Ästhetik, ohne dabei das liebevolle Wesen des Schoßhundes zu verlieren.

Die Biologie der Schnauze: Vom Brachycephalen Syndrom zur freien Atmung

Das Kernproblem des modernen Mopses liegt in seiner brachycephalen Kopfform. Die extrem kurze Schnauze führt zu einem Brachycephalen Syndrom, einem komplexen Krankheitsbild, das Atmung, Verdauung und sogar die Körpertemperatur beeinträchtigt. Die Nasenlöcher sind oft so eng, dass der Luftfluss massiv behindert wird. Dies führt zu chronischem Sauerstoffmangel, was sich in Müdigkeit, Hitzestress und dem typischen „Grundrauschen" manifestiert. Bei extremen Temperaturen oder nach minimaler Anstrengung kann es zu Atemnot oder gar zum Kollaps kommen.

Der Retromops hingegen wurde gezielt so gezüchtet, dass diese Probleme minimiert werden. Eine längere, quadratische Schnauze bietet mehr Platz für die Atemwege. Die Nasenlöcher sind frei ausgebildet, der Nasenrücken ist geradlinig und ohne störende Hautfalten. Studien, wie die Dissertation der Ludwig-Maximilians-Universität München aus dem Jahr 2012, belegen dies eindrucksvoll. In Belastungstests zeigten Retromöpse signifikant weniger Atemgeräusche als normale Möpse. Das Ergebnis ist klar: Eine längere Schnauze ist der erste und wichtigste Schritt zurück zu gesünderen Hunden.

Die anatomischen Unterschiede sind messbar und sichtbar. Beim Retromops ist der Schädel so geformt, dass die Nasenöffnungen offen bleiben und der Luftstrom ungehindert fließen kann. Dies hat weitreichende Folgen für die Lebensqualität: Der Hund kann sich bewegen, rennen und spielen, ohne sofort in Atemnot zu geraten. Die Zucht zielt darauf ab, ein Tier zu erhalten, das sportlich ist, aber dennoch den Charakter eines liebevollen Schoßhundes bewahrt. Es geht nicht darum, einen Arbeitshund zu züchten, sondern einen Hund, der seine Gesundheit selbstbestimmt nutzen kann.

Zuchthistorie und der Weg der Rückzüchtung

Die Geschichte des Mopses ist eine Geschichte des Wandels. Vom bewunderten Kaiserhund über das verhätschelte Accessoire älterer Jungfrauen bis hin zum Modehund der letzten Jahre hat sich das Aussehen des Mopses radikal verändert. Diese zunehmende Übertypisierung, getrieben durch Mode und das Streben nach extremen Merkmalen, führte dazu, dass viele Tiere schwer krank sind. Als Reaktion darauf entstand der Retromops.

Es gibt zwei Hauptansätze, wie man zu einem gesünderen Mops kommt. Der erste Weg ist der „Altdeutsche Mops". Dies ist ein waschechter Mops, bei dem keine Fremdrassen eingekreuzt wurden. Es handelt sich um eine reine Rückzüchtung innerhalb der Rasse, bei der gezielt Kandidaten für die Verpaarung ausgewählt werden, die Merkmale aufweisen, wie sie in den 1960er Jahren in Deutschland üblich waren. Das Ziel ist ein Mops ohne platter Nase, Atemnot, großen Gaumensegeln oder Glubschaugen.

Der zweite Weg ist der des Retromopses im engeren Sinne. Hier erfolgt die Rückzüchtung durch die gezielte Einkreuzung fremder Rassen. Typische Kreuzungspartner sind Parson Russell Terrier, Patterdale Terrier, Shiba Inu, Pinscher oder Beagle. Diese Mischung bringt frisches Blut in den Genpool, erhöht die genetische Varianz und erzeugt phänotypische Veränderungen, die die Gesundheit fördern. Wichtig ist dabei, dass der Retromops nicht den Richtlinien des FCI (Fédération Cynologique Internationale) als eigenständige Hunderasse anerkannt ist, da das Einkreuzen anderer Hunderassen den Zuchtrichtlinien widerspricht. Dennoch ist das Zuchtziel erreicht worden: Ein Hund mit mehr Schnauze, besseren Atemwegen und einer gesünderen Kopfform.

Die Geschichte dieses Ansatzes zeigt, dass Zucht immer ein Kompromiss zwischen Ästhetik und Gesundheit sein muss. Während der moderne Mops oft als Qualzucht bezeichnet wird – definiert im Tierschutzgesetz als Förderung von Merkmalen, die mit Schmerzen, Leiden oder Verhaltensstörungen verbunden sind –, stellt der Retromops eine ethisch vertretbare Alternative dar. Er bewahrt das Mops-Wesen: Anhänglichkeit, Treue und Witz, beseitigt aber die gesundheitlichen Defizite.

Phänotypische Merkmale und Körperbau

Ein gesunder Retromops zeichnet sich durch eine klare Abweichung vom modernen „Modetyp" aus. Die körperlichen Eigenschaften sind messbar und bilden die Basis für sein Wohlbeflndenzufrieden.

Merkmal Moderner Mops (Qualzucht) Retromops / Mops mit Schnauze
Schnauzenform Platt, fast nicht vorhanden Quadratisch, stumpf, nicht eingedrückt
Nasenlöcher Eng, oft verengt Deutlich offen, frei ausgebildet
Kopf Groß, rund, Kindchenschema ausgeprägt Proportionaler, längere Schnauze, weniger Glubschaugen
Rücken Oft hockerig oder gekrümmt Gerader, nicht zu kurzer Rücken
Brustkorb Breit, tief, mit loser Haut Tiefer, kräftiger Brustkorb, weniger losen Haut
Beine Kurz, oft zu kurz für das Gewicht Etwas längere, sportliche Beine
Rute Eingeringelt, trägt auf dem Rücken Eingeringelt, auf dem Rücken getragen
Gewicht Oft übergewichtig durch Bewegungsmangel 8 bis 12 Kilogramm (Optimiert)
Schulterhöhe Oft unter 30 cm 32 bis 38 cm
Augen Groß, vorstehend, anfällig für Hornhauterkrankungen Etwas zurückgesetzt, weniger exponiert

Die Schnauze des Retromopses ist das Hauptunterscheidungsmerkmal. Sie ist stumpf, quadratisch anmutend, aber keinesfalls eingedrückt. Der Nasenrücken ist relativ gerade, ohne die typischen Hautfalten, die beim modernen Mops oft zu Reizungen führen. Die Stirnfalten sind meist etwas dunkler schattiert, was dem Hund ein ernstes, aber freundliches Aussehen verleiht. Die Augen sind rundlich bis oval und können in verschiedenen Brauntönen leuchten, sind aber weniger exponiert als bei der plattgesichtigen Rasse.

Die Körperform ist schlanker, sportlicher und insgesamt vitaler. Die Läufe sind kräftig, oft mit schwarzen Nägeln markiert. Die Rute wird eingeringelt und auf dem Rücken getragen, was dem typischen Mops-Aussehen entspricht, aber ohne die übertriebenen Merkmale. Farben sind beige, schwarz, silber, sowie gescheckt oder gestromt möglich. Das Fell ist glatt und kurz, was die Pflege erleichtert.

Gesundheitliche Vorteile und Belastbarkeit

Die gesundheitlichen Vorteile des Retromopses sind nicht nur theoretisch, sondern in der Praxis spürbar. Eine Studie der LMU München (2012) hat in Rahmen von Belastungstests belegt, dass der Retromops im Vergleich zum normalen Mops eine gesündere Kopfform aufweist und bei dieser Rasse signifikant weniger Atemgeräusche auftreten. Dies bedeutet, dass der Hund auch bei höherer körperlicher Aktivität nicht in Atemnot gerät.

Das Tierschutzgesetz definiert Qualzucht als die Duldung oder Förderung von Merkmalen, die mit Schmerzen, Leiden, Schäden oder Verhaltensstörungen verbunden sind. Der moderne Mops ist ein Paradebeispiel hierfür: Er kann sich nicht frei bewegen, überhitzt schnell und leidet unter chronischen Atemproblemen. Der Retromops hingegen erfüllt das Ziel, ein Mops zu sein, der „ab 15 Grad Celsius noch spazieren gehen und toben kann ohne grunzende Töne von sich zu geben oder gar in Ohnmacht zu fallen". Dies ist kein theoretisches Ziel, sondern ein praktisches Kriterium für die Lebensqualität.

Die genetische Varianz durch das Einkreuzen fremden Bluts hilft auch, Erbkrankheiten zu reduzieren. Beim Retromops wurden gezielt Kandidaten ausgewählt, die keine HD (Hüftdysplasie), ED (Ellendysplasie), PL (Patellaluxation), Keilwirbel oder NME (Neuropathie der Nerven) aufweisen. Ein gesunder Deckrüde oder eine Zuchthündin wird oft als „kerngesund" beschrieben, mit negativen Testergebnissen für diese häufigen Leiden. Das Ziel ist ein Hund, der sowohl für das Stadtleben als auch für das Landleben geeignet ist, ohne dabei das typische Mops-Wesen zu verlieren.

Charakter und Eignung als Familienhund

Der Charakter des Retromopses bleibt dem Original treu. Er ist ein Hund, der einem jeden Tag ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann. Er ist anhänglich, treu, witzig und schlau. Ein treuer Begleiter, der durch dick und dünn geht. Trotz der körperlichen Veränderungen bleibt er ein liebevoller Schoßhund, aber mit Anspruch. Er muss nicht am Pferd oder Fahrrad laufen können, aber er soll in der Lage sein, bei gutem Wetter aktiv zu sein.

Allgemein gilt der gesunde Retromops als Allrounder. Er eignet sich sowohl für das Stadt- als auch das Landleben und ist darüber hinaus auch für Familien mit Kindern bestens geeignet. Sein Temperament ist durch gute Erziehung und gezieltes Training regulierbar. Der kaum ausgeprägte Jagdtrieb macht ihn zu einem ruhigen, aber verspielten Begleiter. Ein Hund wie „Ansga" oder „Leni" oder „Stella" ist in der Regel kinderlieb und kann problemlos auch mal alleine bleiben, was die Integration in das Familienleben erleichtert.

Die Zuchtziele umfassen also nicht nur die physische Gesundheit, sondern auch die psychische Balance. Der Retromops ist ein Sportmops, der das typische Mops-Wesen bewahrt, aber die gesundheitlichen Defizite vermeidet. Dies macht ihn zu einer attraktiven Alternative für Menschen, die den Charakter des Mopses lieben, aber sich Sorgen um die Gesundheit ihres Tieres machen.

Zuchtpraxis und aktuelle Beispiele

In der Praxis der Zucht des Retromopses spielen verschiedene Züchter eine wichtige Rolle. Einige Züchter bieten gezielt Welpen an, die die Merkmale des „Mops mit Schnauze" erfüllen. So werden Welpen mit langer Schnauze und freier Atmung angeboten. Ein Beispiel ist die Zucht von „Happy Moments" in Phoenen, wo Hunde wie Ansga geboren wurden. Ansga, benannt nach dem brasilianischen Fußballer Ansgar Brinkmann (mit einem abgeänderten weiblichen Namen), lebt derzeit in Stuttgart und ist ein Beispiel für einen gesunden, freiatmenden Retromops.

Andere Züchter konzentrieren sich auf die Rückzüchtung zu dem Typus der 1960er Jahre. Hier wird kein Fremdblut eingekreuzt, sondern es werden reinrassige Tiere mit den gewünschten Merkmalen ausgewählt. Dies erfordert eine sorgfältige Auswahl der Zuchttiere, um sicherzustellen, dass die Nachkommen die gesundheitlichen Vorteile besitzen.

Die Nachfrage nach solchen Hunden ist gestiegen. Es werden Welpen angeboten, die „absolute freiatmend mit langer Schnauze" sind. Auch ältere Hunde wie Leni (3,5 Jahre) oder Stella (7 Jahre) werden aufgrund gesundheitlicher Gründe der Besitzer in neue Hände gegeben, was zeigt, dass das Thema Gesundheit auch im Erwachsenenalter eine Rolle spielt. Ein gesunder Retromops ist ein wertvoller Begleiter, der nicht nur als Modehund, sondern als langfristiger Freund dient.

Die Zuchtpraxis beinhaltet auch die Verfügbarkeit von Deckrüden. Ein gesunder, sportlicher Deckrüde, wie in der Quelle beschrieben, muss kerngesund sein (HD, ED, PL frei, Keilwirbel 0, NME frei) und ein Gewicht von ca. 12 kg aufweisen. Dies unterstreicht, dass die Zucht auf die Aufrechterhaltung der Gesundheit und nicht auf reine Ästhetik abzielt.

Fazit

Der Mops mit Schnauze, oder Retromops, stellt eine notwendige und ethisch gebotene Alternative zur modernen Qualzucht dar. Durch eine Kombination aus Rückzüchtung und gezieltem Einkreuzen fremden Blutes wurden Hunde gezüchtet, die die gesundheitlichen Mängel des modernen Mopses überwinden. Die längere Schnauze, die offenen Nasenlöcher und der sportliche Körperbau ermöglichen eine freie Atmung und eine höhere Belastbarkeit. Dies wurde wissenschaftlich bestätigt und ist im Alltag spürbar: Der Hund kann bei kühlem Wetter aktiv sein, ohne in Atemnot zu geraten.

Die Zucht dieses Typs zielt nicht auf die Schaffung einer neuen Rasse im Sinne der FCI, sondern auf die Wiederherstellung der ursprünglichen Gesundheit des Mopses. Das Ergebnis ist ein Hund, der das typische Mops-Wesen bewahrt – anhänglich, treu und witzig –, aber ohne die gesundheitlichen Defizite der plattgesichtigen Varianten. Für Familien, insbesondere solche mit Kindern, bietet der Retromops eine ideale Lösung: Ein Hund, der sowohl im Stadtleben als auch im Landleben funktioniert und als „Schoßhund mit Anspruch" dient.

Die Geschichte des Retromopses zeigt, dass verantwortungsvolle Zucht nicht nur Ästhetik, sondern vor allem das Wohlbefinden des Tieres in den Mittelpunkt stellt. Der Weg vom „Kaiserhund" zum „Modehund" und zurück zum „Sportmops" ist ein Beleg dafür, dass Zucht immer dem Wohlergehen des Tieres dienen muss.

Quellen

  1. Hunde2 Retro Mops Züchter
  2. Odenwaldmops
  3. Mops.de Retro Mops
  4. ANSZ (Ansga)
  5. Tiere.de - Mops Mit Schnauze

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