Die Wahrheit über die 15 schwer erziehbaren Hunderassen: Ursprung, Charakter und Erziehungstrategien

Die Vorstellung eines perfekten, absolut gehorsamen Hundes, der jeden Befehl blind befolgt und sich 24 Stunden am Tag nur am Menschen orientiert, ist ein Traum, der oft fernab von der Realität liegt. Die canine Welt ist vielschichtig und geprägt von Tausenden von Jahren der Zuchtgeschichte, bei der bestimmte Eigenschaften gezielt hervorgehoben wurden. Viele Rassen, die heute als „ungehorsam" oder „schwer erziehbar" bezeichnet werden, besitzen nicht diese Eigenschaft aus Bosheit oder Unwillen zu lernen. Stattdessen ist ihr Verhalten direkt auf ihre ursprüngliche Funktion zurückzuführen. Jagdhunde wurden darauf trainiert, eigenständig unter der Erde oder im Unterholz zu jagen, ohne dass ein Mensch ihnen Kommandos geben konnte. Hütehunde mussten selbstständig Entscheidungen treffen, um Herden zu bewachen und zu lenken. Diese tief verwurzelte Selbstständigkeit macht die Erziehung anspruchsvoller, da diese Hunde oft nach ihrer Nase oder ihrem eigenen Kopf handeln, anstatt blind Befehlen zu folgen.

Der Begriff „ungehorsam" ist in der Hundehaltung oft missverständlich. Es geht nicht um böswilliges Verhalten, sondern um einen starken Willen, hohe Intelligenz und einen ausgeprägten Jagdinstinkt. Viele dieser Hunde sind hervorragende Problemlöser, die genau wissen, was sie tun möchten. Wenn ein Halter klagt, sein Hund sei schwer erziehbar, fehlt meist das notwendige Trainingswissen oder die passende Methodik. Jeder Hund kann lernen, unabhängig von seiner Rasse. Der Unterschied liegt im Trainingsaufwand. Manche Rassen benötigen deutlich mehr positive Anreize, Geduld und Fachwissen als andere. Wer diese Hunde halten möchte, muss bereit sein, nicht gegen die Natur des Tieres zu erziehen, sondern mit seinen Instinkten respektvoll umzugehen. Ein Hund, der nur aufgrund der Optik ausgewählt wird, ohne den Charakter und die rassetypischen Bedürfnisse zu kennen, führt fast immer zur Überforderung aller Beteiligten.

Die 15 herausfordernden Rassen im Detail

Basierend auf den gesammelten Erkenntnissen lassen sich 15 Rassen identifizieren, die aufgrund ihres Charakters als besonders schwer erziehbar gelten. Diese Liste umfasst Jagdhunde, Terrier und Hunderassen mit starkem Willen. Es ist wichtig zu betonen, dass diese Rassen nicht „böse" sind, sondern einen starken eigenen Willen besitzen.

  1. Dackel (Dachshund) Der Dackel besitzt einen charmanten, aber sturen Charakter. Ursprünglich als Jagdhund für die Dachs jagd gezüchtet, musste er selbstständig unter der Erde arbeiten, wo kein Mensch war, um ihm Kommandos zu geben. Diese Unabhängigkeit prägt sein Verhalten bis heute. Dackel folgen eher ihrer Nase als Befehlen. Ihr ausgeprägter Jagdinstinkt führt dazu, dass sie bei der Erziehung oft ihren eigenen Kopf haben. Trotz ihrer geringen Größe sind sie keine einfachen Anfängerhunde. Sie benötigen Geduld, Konsequenz und sinnvolle Beschäftigung wie Nasenarbeit. Der Dackel gilt als unheimlich stur, aber dahinter steckt eine positive Eigenschaft: seine Selbstständigkeit.

  2. Beagle Der Beagle ist freundlich, fröhlich und sozial, zählt aber dennoch zu den schwer erziehbaren Rassen. Er wurde ursprünglich für die Wild- und Hasenjagd in England gezüchtet und besitzt einen extrem ausgeprägten Jagdtrieb. Beagles sind ausgezeichnete Problemlöser, die gerne selbst entscheiden, was sie tun möchten. Kommandos werden häufig ignoriert. Selbst konsequentes Training stößt bei einem derart starken Jagdinstinkt oft an Grenzen. Viel Bewegung und Gesellschaft sind für diese Rasse entscheidend, um die Erziehung zu erleichtern.

  3. Shiba Inu Der Shiba Inu ist eine kleine japanische Rasse mit kühner, unabhängiger Persönlichkeit. Er gilt als einer der eigenwilligsten Hunde überhaupt. Seine Selbstständigkeit macht ihn zur Herausforderung für unerfahrene Halter.

  4. Basenji Auch der Basenji zählt zu den schwierigsten Rassen. Diese Hunde sind bekannt für ihre Unabhängigkeit und ihr starkes Jagdverhalten.

  5. Afghanischer Windhund Der Afghanische Windhund ist für seine Unabhängigkeit und sein eigenwilliges Wesen bekannt. Er benötigt einen erfahrenen Halter, der seine spezifischen Bedürfnisse versteht.

  6. Siberian Husky Der Siberian Husky ist bekannt für seine hohe Energie und sein eigenwilliges Verhalten. Er folgt selten blind Befehlen, wenn sein eigener Wille im Spiel ist.

  7. Akita Der Akita ist ein großer, starker Hund mit einem unabhängigen und stolzen Charakter. Er ist loyal, aber oft starrsinnig in Bezug auf Trainingsanweisungen.

  8. Chow Chow Der Chow Chow ist bekannt für seinen eigensinnigen Charakter und seine Unabhängigkeit. Diese Rasse wurde als Wächter gezüchtet, was zu einer natürlichen Vorsicht und Eigenständigkeit führte.

  9. Jack Russell Terrier Der Jack Russell Terrier ist ein kleiner, energiegeladener Hund mit einem sehr starken Jagdinstinkt. Er ist intelligent, aber oft stur und schwer zu kontrollieren, wenn er auf die Jagd gerät.

  10. Basset Hound Der Basset Hound ist ein Jagdhund mit einem extremen Geruchssinn. Seine Unabhängigkeit in der Jagd macht ihn im Alltag oft schwer lenkbar.

  11. Bulldogge Die Bulldogge zeigt oft einen eigenwilligen Charakter. Obwohl sie als Ruhepol bekannt sind, können sie bei Erziehung versuchen, ihren eigenen Weg zu gehen.

  12. Bloodhound Ein Beispiel für einen als ungehorsam geltenden Hund ist der Bloodhound. Dieser Rasse wird oft Liebe und Freundlichkeit zugeschrieben, jedoch besitzt er einen starken Willen und Sturheit. Bloodhounds sind Jagdhunde mit einem untrüglihen Gespür für Gerüche. Wer einen Bloodhound in seine Familie aufnehmen möchte, sollte seine Hausaufgaben gründlich machen, da die Erziehung zu einer echten Herausforderung werden kann.

  13. Dalmatiner Der Dalmatiner ist bekannt für seine Energie und manchmal auch für seinen sturen Charakter. Er benötigt viel Bewegung und gezieltes Training.

  14. Weimaraner Der Weimaraner ist ein starker Jagdhund mit hohem Eigensinn. Er benötigt einen erfahrenen Halter, der seine Bedürfnisse nach Aktivität und mentaler Beschäftigung erfüllt.

  15. Deutscher Schäferhund Der Deutsche Schäferhund, obwohl oft als Diensthund gelobt, kann bei falscher Erziehung oder Überforderung Schwierigkeiten zeigen, wenn sein Eigensinn nicht kanalisiert wird. In manchen Listen wird er als schwer erziehbar geführt, oft wegen der hohen Anforderungen an das Training.

Die 6 schwer erziehbaren Rassen: Ein spezifischer Blick

Neben den umfassenden 15 Rassen gibt es Listen, die sich auf eine kurze Auswahl konzentrieren. Hier sind die 6 Rassen, die besonders hervorgehoben werden:

  1. Shar Pei: Die Fans der chinesischen Hunderasse verlieben sich in die vielen niedlichen Falten und den schläfrigen Gesichtsausdruck. Als territoriale Wachhunde gezüchtet, darf man sich über ihren Eigensinn und ihre Selbstständigkeit nicht wundern. Konsequenz mit respektablem Freiraum und Geduld in der Erziehung sind das Geheimnis.
  2. Collie: Als Hütehunde gezüchtet, liegt ihnen Freiraum und Selbstständigkeit sozusagen im Blut. Sie wurden dafür gezüchtet, eigenständig Entscheidungen zu treffen, was sie in der menschlichen Erziehung oft als schwer lenkbar erscheinen lässt.
  3. Chihuahua: Dieser kleine Frechdachs hat viele Flausen im Kopf. Er wird oft als schwer erziehbar eingestuft, weil er trotz seiner Größe einen großen Charakter hat.
  4. English Mastiff: Diese Rasse zeigt oft einen eigenwilligen Charakter und benötigt klare Führung.
  5. Irish Setter: Bekannt für seine Energie und manchmal für sein störrisches Verhalten.
  6. Pekingese: Ein weiterer kleiner Hund mit großem Charakter, der oft eigenwillig reagiert.

Zusätzlich werden in anderen Zusammenstellungen auch der Welsh Terrier, der Husky und der Bernhardiner als herausfordernd genannt. Der Bernhardiner gilt als schwerste Hunderasse der Welt mit einer Widerristhöhe von bis zu 90 cm und einem Gewicht von bis zu 120 kg. Trotz seiner imposanten Erscheinung kann er in der Erziehung schwierig sein.

Warum gelten diese Hunde als schwer erziehbar?

Die Ursache für das als „ungehorsam" bezeichnete Verhalten liegt fast ausschließlich in der Zuchtgeschichte. Hunde, die als Jagdhunde gezüchtet wurden, mussten fernab vom Menschen eigenständig jagen. Ein Dackel muss unter der Erde entscheiden, ob er den Dachs jagt oder flieht. Ein Beagle muss ohne Hilfe des Menschen eine Spur aufnehmen und verfolgen. Diese Fähigkeiten sind genetisch verankert und machen es für den modernen Halter schwierig, dem Hund einen direkten Befehl zu geben, wenn er gerade seinem Instinkt folgt.

Hütehunde wie der Collie oder der Collie-Rasse wurden dafür gezüchtet, Herden eigenständig zu bewachen. Sie müssen eigene Entscheidungen treffen, um die Tiere zu lenken. Diese Fähigkeit zur Selbstständigkeit führt dazu, dass sie im Alltag oft ihren eigenen Willen durchsetzen.

Es ist wichtig zu verstehen, dass diese Eigenschaften nicht negativ sind. Ein starker Wille und Selbstständigkeit sind wertvolle Merkmale, die dem Hund in seinem ursprünglichen Job halfen. Im modernen Haushund-Leben werden sie jedoch oft als Problem wahrgenommen. Viele Menschen beharren auf die Anschaffung bestimmter Rassehunde, ohne die damit verbundenen Anforderungen zu erkennen. Oft wird übersehen, dass auch in Tierheimen temperamentvolle, aber liebenswerte Fellnasen warten, die aufgrund ihres starken Charakters herausfordernd sein können, aber mit der richtigen Pflege und Erziehung wunderbare Begleiter werden.

Strategien zur erfolgreichen Erziehung

Die Erziehung dieser Rassen erfordert ein Umdenken im Ansatz. Es geht nicht darum, den Hund zu unterdrücken, sondern seine Natur zu respektieren und kanalisieren.

  • Verstehe den Ursprung: Bevor man sich eine Rasse anschafft, sollte man genau über die Rasse Bescheid wissen und ihren Neigungen und Instinkten mit Respekt begegnen.
  • Geduld und Konsequenz: Diese Hunde benötigen konsequente, geduldige Erziehung. Ein Mangel an Konsequenz führt bei eigenwilligen Rassen oft zu noch mehr Ungehorsam.
  • Positive Verstärkung: Viele dieser intelligenten Hunde reagieren besser auf positive Anreize als auf Zwang.
  • Sinnvolle Beschäftigung: Nasenarbeit, Jagdspiele oder gezielte Aufgaben nutzen die natürlichen Fähigkeiten des Hundes, anstatt sie zu unterdrücken.
  • Bindung: Eine enge Bindung zwischen Mensch und Hund ist entscheidend. Mit viel investierter Zeit und einer engen Bindung können viele negative Eigenschaften gemildert werden.

Ein Vergleich der Anforderungen zeigt, dass die Erziehung dieser Hunde oft aufwendiger ist als bei Rassen wie dem Golden Retriever, Pudel, Papillon, Bichon Frisé, Havaneser oder Labrador, die oft als einfacher zu erziehen gelten.

Zusammenfassung der Rassenmerkmale

Die folgenden Tabellen fassen die wichtigsten Merkmale der als schwer erziehbar eingestuften Rassen zusammen. Dies hilft potenziellen Haltern, eine realistische Einschätzung vorzunehmen.

Rasse Hauptursache für „Ungehorsam" Spezifische Anforderung
Dackel Selbstständigkeit durch Jagd unter der Erde Nasenarbeit, Geduld
Beagle Extrem starker Jagdinstinkt (Geruch) Viel Bewegung, Gesellschaft
Shiba Inu Kühne, unabhängige Persönlichkeit Klare Führung, Konsistenz
Basenji Unabhängigkeit, starker Jagdtrieb Mentale Beschäftigung
Shar Pei Eigensinn als territorialer Wachhund Respektvoller Freiraum
Collie Selbstständige Entscheidungen als Hütehund Klare Kommunikation
Chihuahua Eigenwilligkeit trotz kleiner Größe Geduld, Konsequenz
Bloodhound Untrügliches Geruchssinn, Sturheit Verständnis für Jagdinstinkt
Bernhardiner Körperliche Größe und Gewicht Physische Kontrolle, Geduld
Jack Russell Terrier Hoher Energielevel, Jagdtrieb Viel Aktivität, Auslauf

Es ist entscheidend, dass man den Vierbeiner nicht entgegen seiner Natur erzieht. Wenn man den Hund nicht seinen rassetypischen Verhaltensweisen komplett überlässt, aber auch nicht Verhaltensweisen fördert, die das Tier und seine Umwelt belasten. Wer im Alltag keine Zeit hat, bei Bedarf ein spezielles Hundetraining zu absolvieren, sollte sich am besten eine unkomplizierte Hunderasse anschaffen. Ein Blick in die Liste der besonders ungehorsamen Rassen hilft dabei, die eigenen Fähigkeiten realistisch einzuschätzen.

Fazit

Die Bezeichnung „ungehorsam" ist oft ein Missverständnis, das den natürlichen Charakterzügen einer Rasse nicht gerecht wird. Hunde wie der Dackel, der Beagle oder der Shiba Inu sind nicht böswillig, sondern besitzen einen tief verwurzelten Eigenwillen, der historisch notwendig für ihre ursprüngliche Funktion war. Die Erziehung dieser Rassen erfordert von einem Halter nicht nur Geduld und Konsequenz, sondern vor allem das Verständnis für die genetische Veranlagung. Wer bereit ist, die Natur des Hundes zu respektieren und ihm sinnvolle Beschäftigung zu bieten, kann auch mit diesen herausfordernden Rassen eine harmonische Beziehung aufbauen. Der Schlüssel liegt darin, nicht gegen den Hund zu kämpfen, sondern mit seinen Instinkten zu arbeiten. Ein falsches Vorgehen führt schnell zur Überforderung, während das richtige Vorgehen den Hund zu einem wunderbaren Begleiter macht.

Quellen

  1. Die 15 ungehorsamsten Hunderassen - Tipps zur Erziehung
  2. Das sind die 6 ungehorsamsten Hunderassen mit Bildern
  3. Das sind die 28 ungehorsamsten Hunderassen
  4. FAQ: Welche Hunde sind ungehorsam
  5. 5 schwer erziehbare Hunderassen
  6. Diese Hunderassen lassen sich nur schwer erziehen

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