Die Zucht des Islandhundes, einer der seltensten und charakterstärksten nordischen Hunderassen, stellt eine besondere Verantwortung dar. Die folgenden Ausführungen basieren auf einer fundierten Analyse etablierter Zuchtstätten in Mitteleuropa. Der Islandhund, auch bekannt als Íslenskur Fjárhundur oder Isländischer Schäferhund, ist mehr als nur ein Begleithund; er ist ein Teil der Familie, ein ländlicher Helfer und ein Sportpartner. Die Qualität eines Züchters zeigt sich nicht allein in den Blutlinien, sondern in der Art und Weise, wie die Hunde in den Alltag der Aufzucht integriert werden und welche ethischen Standards bei der Abgabe eingehalten werden.
Die geografische Verteilung seriöser Züchter ist ein entscheidender Faktor für potentielle Welpenkäufer. Während in vielen deutschen Bundesländern wie Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, dem Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen keine spezifischen Züchterlisten vorliegen, konzentriert sich die aktive Zucht vor allem in Baden-Württemberg, Bayern und angrenzenden Regionen, sowie in Österreich und der Schweiz. Diese regionale Verteilung hat Auswirkungen auf die Verfügbarkeit von Welpen und erfordert oft eine überregionale Suche. Die Existenz einer strukturierten Zuchtszene in Baden-Württemberg und der Schweiz zeigt, dass die Zucht nicht zufällig erfolgt, sondern auf einer festen Basis von Gesundheitsprüfungen und rasse-spezifischen Eigenschaften basiert.
Die Zuchtphilosophie und Integration in den Familienhaushalt
Ein seriöser Züchter versteht den Islandhund nicht als Ware, sondern als lebendiges Wesen, das tief in den familiären Gefüge integriert ist. Bei der Familie Güntert-Pauli in der Schweiz ist die Zucht aus der Liebe zur Rasse erwachsen. Seit 2005, als die erste Islandhündin in die Familie kam, haben sich vier Islandhunde etabliert. Das Ziel dieser Zucht ist klar definiert: Die Aufzucht von widerstandsfähigen Hunden, die kinderlieb und sozial verträglich sind sowie für Hundesport geeignet. Diese Philosophie spiegelt sich in der täglichen Praxis wider.
Die Integration in den Haushalt geht oft über das bloße Zusammenleben hinaus. Bei der Zucht "Islandhunde vom Duttental" in Baden-Württemberg sind die Hunde voll in den Familienalltag eingebunden. Ein herausragendes Beispiel für soziale Kompetenz ist der regelmäßige Besuch der Hunde in einem Seniorenheim der Großmutter der Züchterfamilie. Dort sind sie gerne gesehene Gäste. Diese Praxis fördert nicht nur den sozialen Reichtum des Hundes, sondern demonstriert auch die Fähigkeit der Rasse, unterschiedliche Altersgruppen zu begleiten.
Ähnlich eng ist die Verknüpfung mit der Umgebung bei der Zucht "Islandhunde vom Sturmwald" im Nordschwarzwald. Hier leben die Hunde nicht isoliert in einer Hütte, sondern in einer idyllischen Umgebung mit anderen Tieren wie Kühen, Ziegen, Katzen, Gänsen und Islandhühnern. Diese gemischte Tierhaltung ist entscheidend für die Sozialisation der Welpen. Der Islandhund ist von Natur aus ein Herdentier, das gelernt hat, mit anderen Spezies zu interagieren. Die Nähe zur Ostsee bei einigen Züchtern bietet zudem optimale Bedingungen für körperliche Aktivität und mentale Stimulation durch das maritime Klima und die Ausflüge.
Strukturierte Übersicht: Bekannte Zuchtstätten und ihre Merkmale
Um die Vielfalt der Zucht zu erfassen, bietet sich eine tabellarische Gegenüberstellung der wichtigsten Parameter an. Die folgende Tabelle fasst die gesammelten Daten zu ausgewählten, als seriös eingestuften Züchtern zusammen, wobei der Fokus auf Mitgliedschaften, Gesundheitsscreenings und spezifischen Zuchtschwerpunkten liegt.
| Zuchtname | Standort | Zuchtverbände | Besondere Merkmale / Philosophie |
|---|---|---|---|
| Steinunn's Kennel | Deutschland (Osnabrück) | VDH, FCI, DCK | Zertifiziert nach § 11 Tierschutzgesetz; Fokus auf Fröhlichkeit und Wegbegleitung. |
| Islandhunde vom Duttental | Baden-Württemberg (Tuttlingen) | VDH, DCNH | Vollständige Familienintegration; regelmäßige Besuche im Seniorenheim. |
| Islandhunde vom Sturmwald | Baden-Württemberg (Dennach) | DCNH, VDH, FCI | Leben im Nordschwarzwald mit anderen Tieren; verpflichtende HD-Röntgenprüfung mit 1 Jahr. |
| Gantroppas Islandhund- und Pudelzucht | Schweiz (Wattenwil) | SGK, FCI | Seit 2006 aktiv; Zucht von Islandhunden und Pudeln; Nähe zu Thun. |
| Islandhunde vom Rötifels | Schweiz (Mumpf) | DCNH, VDH, FCI | Familie Güntert-Pauli; Ziel: widerstandsfähige, kinderliebe Hunde für Sport. |
| Fra vin Islandingum | Österreich (Wien) | ÖKV, FCI | Einhaltung der Regeln des ÖKV und internationaler Empfehlungen. |
Die Tabelle verdeutlicht, dass fast alle aufgeführten Züchter Mitglied in großen, anerkannten Verbänden wie der FCI, VDH oder SGK sind. Dies ist ein wesentlicher Indikator für Seriosität. Die Mitgliedschaft garantiert, dass die Zucht nach festgelegten Regeln erfolgt und dass die Hunde den gesundheitlichen Mindestanforderungen entsprechen.
Gesundheitsvorsorge und züchterische Verpflichtungen
Ein entscheidendes Kriterium für die Qualität der Zucht ist die Gesundheitsvorsorge. Beim Islandhund stehen insbesondere Hüftgelenksdysplasie (HD) und Augenkrankheiten im Fokus. Bei der Zucht "Islandhunde vom Sturmwald" wurde ein strenger Standard etabliert: Jeder Käufer ist verpflichtet, die HD-Röntgenuntersuchung bei dem Hund im Alter von einem Jahr durchführen zu lassen. Dies stellt sicher, dass genetische Defekte frühzeitig erkannt werden können.
Ein weiterer ethischer Aspekt, der bei der Abgabe eines Welpen von dieser Zucht gefordert wird, ist das Absehen von einer Kastration, die nicht medizinisch notwendig ist. Diese Regel zielt darauf ab, die natürliche Reproduktionsfähigkeit und das körperliche Wohlbefinden des Hundes zu erhalten, solange keine gesundheitlichen Gründe vorliegen. Solche Klauseln sind ein Zeichen für ein tiefes Verständnis der Tierbedürfnisse und widersprechen der Praxis, Hunde rein zu kosmetischen oder verhaltensbezogenen Gründen zu kastrieren.
Die Zertifizierung nach dem Tierschutzgesetz, wie bei "Steinunn's Kennel", ist ein weiteres Indiz für Seriosität. Eine Zertifizierung nach § 11 Abs. 1 Nr. 8 a des Tierschutzgesetzes durch den Veterinärdienst für Stadt und Landkreis Osnabrück zeigt, dass die Haltung die gesetzlichen Mindestanforderungen erfüllt oder sogar übertreff. Dies umfasst Platzierung, Hygiene und artgerechte Haltung.
Der Islandhund als Familienmitglied und Sportpartner
Die Charaktereigenschaften des Islandhundes machen ihn zu einem einzigartigen Begleiter. Die Referenzdaten heben hervor, dass Islandhunde sich leicht verschiedenen Umgebungen anpassen und sowohl in der Stadt als auch auf dem Land glücklich sind. Ihre anhängliche Art sorgt dafür, dass sich die Menschen, die mit ihnen zusammenleben, geliebt und begleitet fühlen. Dies ist keine leere Phrase, sondern wird durch die Tatsache untermauert, dass diese Hunde "die besten, fröhlichsten Weggefährten" sind.
Ein besonderer Aspekt ist die Eignung für Hundesport. Bei der Familie Güntert-Pauli ist dies ein explizites Zuchtziel. Die Hunde sollen nicht nur Begleiter sein, sondern auch im Sport glänzen. Dies zeigt sich am Beispiel von "Steinunn´s Brími", einem Hund, der bereits mit 3 Jahren oft nach dem BOB (Best of Breed) im Ehrenring mit allen nordischen Rassen wie Huskys, Malamuten, Samojeden, Grönlandhunden, Lapphunden und Finnspitzen zu den besten 5 der nordischen Rassen gehört hat. Seine Präsenz im Ehrenring macht ihn zu einem "Superstar" und unterstreicht das hohe Potenzial der Rasse bei offiziellen Veranstaltungen.
Die Vielseitigkeit des Islandhundes zeigt sich auch in den verschiedenen Bezeichnungen, die in unterschiedlichen Sprachen verwendet werden. Neben dem deutschen Namen "Islandhund" gibt es internationale Bezeichnungen wie "Íslenskur Fjárhundur" (islandisch), "Berger d'Islande" (französisch), "Icelandic Sheepdog" (englisch) und "IJslandse Hond" (niederländisch). Diese Vielfalt an Namen spiegelt die internationale Verbreitung und Anerkennung der Rasse wider, obwohl sie in Mitteleuropa noch als seltene Rasse gilt.
Regionale Verfügbarkeit und Lücken in der Zuchtkarte
Die Suche nach einem Islandhundwelpen in Deutschland ist eine Herausforderung, da die Züchterverteilung ungleichmäßig ist. Die Daten zeigen deutlich, dass in zehn deutschen Bundesländern aktuell keine Züchter gefunden wurden. Diese Liste umfasst Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.
Diese Lücken bedeuten nicht, dass die Rasse dort unbekannt ist, sondern dass es derzeit keine registrierten, als seriös eingestuften Züchter in diesen Gebieten gibt. Für potentielle Welpenkäufer bedeutet dies oft, dass sie bereit sein müssen, weite Strecken zurückzulegen, um einen Welpen bei einem qualifizierten Züchter in Baden-Württemberg oder der Schweiz abzuholen. Dies unterstreicht die Seltenheit der Rasse und den Wert eines ausgereiften Welpen von einem seriösen Züchter.
In Österreich und der Schweiz hingegen gibt es etablierte Zuchten. In Wien, "Fra vin Islandingum" ist Mitglied im ÖKV und FCI und richtet sich nach den Empfehlungen der internationalen Islandhundeorganisation. In der Schweiz sind Zuchten wie "Gantroppas" und "Rötifels" aktiv, die seit über 15 Jahren erfolgreich arbeiten. Diese Langlebigkeit ist ein weiterer Indikator für Seriosität.
Sozialisation und das Zusammenleben mit anderen Tieren
Ein zentrales Merkmal seriöser Zuchten ist die bewusste Sozialisation der Welpen durch das Zusammenleben mit anderen Tierarten. Die Zucht "Islandhunde vom Sturmwald" bietet ein ideales Umfeld: Im Nordschwarzwald leben die Hunde gemeinsam mit Kühen, Ziegen, Katzen, Gänsen und Islandhühnern. Dieses Umfeld simuliert die ursprüngliche Umgebung des Islandhundes als Schäferhund, der traditionell mit der Viehwirtschaft verbunden war.
Die Integration in den Alltag wird auch bei anderen Züchtern deutlich. Bei der Familie Wummel leben drei Islandhunde, eine Katze, ein Kater und Hühner sowie ein Hahn harmonisch zusammen. Nur zehn Autominuten von der Ostsee entfernt bietet sich zudem ein ideales Umfeld für Ausflüge. Diese natürliche Umgebung trägt maßgeblich zur geistigen und körperlichen Gesundheit der Hunde bei.
Bei "Steinunn's Kennel" wird die soziale Kompetenz durch das Zusammenleben mit vielen anderen Tieren und durch regelmäßige soziale Interaktionen gestärkt. Die Hunde sind nicht isoliert gehalten, sondern leben in einem "Rudel" aus verschiedenen Spezies. Diese Praxis verhindert Aggressivität und fördert die Anpassungsfähigkeit der Hunde in verschiedenen Umgebungen.
Fazit
Die Zucht des Islandhundes ist in Mitteleuropa eine Angelegenheit weniger, spezialierter Züchter, die hohe ethische und gesundheitliche Standards anstreben. Die vorgestellten Beispiele aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zeigen ein klares Bild: Ein seriöser Züchter integriert die Hunde voll in das Familienleben, sorgt für umfassende Gesundheitsüberprüfungen wie die HD-Röntgenuntersuchung und setzt sich für ein Leben mit anderen Tieren ein. Die geografische Konzentration in Baden-Württemberg und das Fehlen von Züchtern in den meisten ostdeutschen Bundesländern machen die Suche nach einem Welpen zu einer speziellen Herausforderung. Doch die Qualitäten, die diese Züchter bei den Nachkommen fördern – Widerstandsfähigkeit, Kinderliebe, soziale Verträglichkeit und Sportfähigkeit – machen den Aufwand lohnend. Der Islandhund ist nicht nur ein Hund, sondern ein fröhlicher Weggefährte, der durch sein Verhalten und seine Anpassungsfähigkeit im täglichen Leben besticht. Die Zusammenarbeit mit großen Verbänden wie VDH, FCI und ÖKV sowie die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben wie dem Tierschutzgesetz sichern den Wert dieser seltenen Rasse.