Der Berner Sennenhund, ein Symbol der Schweiz und der Arbeit im Bauernhof, ist eine Rasse, die durch ihre anhängliche Natur und ihre tiefe Bindung an das menschliche Rudel geprägt ist. Gerade diese Eigenschaft macht die Situation eines Berner Sennenhundes in Not besonders tragisch, da der Hund oft nicht selbst Schuld an seiner Lage ist, sondern Opfer der Umstände seiner Menschen wurde. Die Gründe für eine solche Notlage sind vielschichtig: Von unerwarteten Allergien der Besitzer über familiäre Trennungen und berufliche Veränderungen bis hin zu gesundheitlichen Problemen. Ein Berner, der aufgrund einer später entwickelten Tierhaarallergie abgegeben wird, oder ein Tier, dessen Besitzer krank wurde, steht oft allein da, obwohl er eigentlich nur ein neues, dauerhaftes Zuhause sucht, in dem er seine typische Anhänglichkeit ausleben kann.
Es ist ein weitverbreitetes Missverständnis, dass ein „Notfall" bei einem Hund immer das Ergebnis eines fehlerhaften Verhaltens des Tieres ist. Bei der Rasse des Berner Sennenhundes ist dies jedoch selten der Fall. Viel häufiger sind es die Begleitumstände der Menschen, die den Hund zum Notfall machen. Da der Berner ein sehr anhänglicher Hund ist, der auf seine Familie fixiert ist, braucht er dieses menschliche Rudel, um rundum glücklich zu sein. Wenn dieses Rudel zerfällt, gerät der Hund in Not. Daher ist es von größter Bedeutung, dass ein solches Tier schnell wieder eine liebevolle Familie findet, die ihm ein sicheres Heim schenkt.
Die häufigen Ursachen für Notfälle und die Rolle der Menschen
Um einen Berner Sennenhund in Not erfolgreich zu adoptieren, muss man die Hintergründe verstehen, die zum Verlust des ursprünglichen Heims führten. Oft sind es Umstände, die der Besitzer nicht vorhersehen konnte. Ein klassisches Beispiel ist die plötzliche Entwicklung einer Allergie gegen Tierhaare. Zwar ist es ratsam, sich vor dem Kauf auf eine Allergie testen zu lassen, doch kann es passieren, dass sich diese erst im Laufe der Zeit entwickelt. Der Besitzer, der vorher nie Probleme hatte, entwickelt nun Symptome und muss den Hund abgeben. Ein Desensibilisierungsverfahren beim Hautarzt wäre eine Lösung, ist aber extrem zeitintensiv und zeigt nicht immer die gewünschte Wirkung. In solchen Fällen wird der Hund zum Opfer der Umstände.
Auch familiäre Trennungen oder berufliche Veränderungen sind häufige Gründe, warum ältere Tiere abgegeben werden müssen. Manchmal ist der Hund auch gesundheitlich belastet, etwa durch Flöhe oder andere Parasiten, oder er hat sich durch die Trennung von seinem vorherigen Rudel verängstigt oder verhaltensgestört entwickelt. Diese Zustände sind oft „hausgemacht", also durch mangelnde Erziehung oder Sozialisation im vorherigen Leben entstanden. Es ist wichtig zu verstehen, dass es nicht immer der Hund ist, der die „Unarten" verursacht, sondern dass diese durch das Fehlen von Training und Konsequenz der früheren Besitzer entstanden sind. Ein solcher Hund benötigt dann viel Arbeit, Geduld und manchmal professionelle Hilfe, um wieder ins soziale Leben zurückzufinden.
Ein weiterer Aspekt ist die finanzielle Last. Sehr kranke Berner Sennenhunde können zu einer finanziellen Belastung für die alten Besitzer werden. Wenn die Kosten für die Behandlung zu hoch sind, wird das Tier als „Notfall" eingestuft und sucht ein neues Zuhause. Hier kommt die Rolle von spezialisierten Organisationen wie dem Schweizer Sennenhund-Verein (SSV) oder dem Verein „Berner Sennenhunde Nothilfe e.V." ins Spiel. Diese Einrichtungen übernehmen die Verantwortung, sich um Hunde zu kümmern, die in Not geraten sind, sei es als reinrassige Hunde oder auch als Mischlinge. Sie fungieren als Brücke zwischen dem aufgegebenen Tier und der neuen Familie.
Die Wahl zwischen Welpen und erwachsenen Hunden in Not
Viele potenzielle Besitzer träumen von einem flauschigen, kleinen Berner Welpen. Diese Welpenphase ist zugegebenermaßen hinreißend, doch der haarige Schweizer wächst verdammt schnell. Die putzige Phase hält nicht ewig, und bald steht ein großer, kräftiger Hund da. Dies führt oft dazu, dass vor allem erwachsene Hunde in Tierheimen oder auf Pflegestellen sitzen und auf ein neues Zuhause hoffen. Wer möchte schon die ausgewachsene Version, wenn es eine niedliche Mini-Ausgabe beim Züchter gibt? Hier liegt jedoch eine Fehleinschätzung vor.
Erwachsene Berner Sennenhunde bieten gegenüber jüngeren Artgenossen entscheidende Vorteile, die oft übersehen werden. Mit etwas Glück ist der erwachsene Berner bereits stubenrein und leinenführig. Er weiß, dass er keine Möbel oder Schuhe zerlegen sollte. Zudem hat er in seinen bisherigen Lebensjahren einige Erfahrungen gesammelt und Grundkommandos erlernt. Wer einem solchen Hund in Not eine Chance gibt, spart sich einen Batzen an Erziehungsarbeit und Nerven. Ein erwachsener Hund hat bereits eine gewisse Stabilität erreicht, die bei einem Welpen noch fehlt.
Es gibt jedoch auch Notfälle, die noch gar nichts von den Grundlagen des Zusammenlebens wissen, obwohl sie bereits ausgewachsen sind. Es gibt verängstigte, aggressive oder anderweitig verhaltensgestörte Hunde, die viel Hundeerfahrung, Geduld und professionelle Hilfe brauchen. Auch sehr kranke Berner können zum Notfall werden. Ein solches Tier ist nicht für jeden geeignet und erfordert einen erfahrenen Halter. Es ist wichtig, die individuellen Bedürfnisse und den Gesundheitszustand jedes einzelnen Tieres genau zu prüfen, bevor man sich entscheidet. Ein Tierheim oder eine Pflegestelle sollte als letzter Ausweg gelten, da die Notwendigkeit der Adoption von erwachsenen Tieren oft mit dem Risiko einhergeht, dass der Hund noch keine Regeln kennt.
Erziehungsstrategien und die Herausforderungen erwachsener Hunde
Wenn ein erwachsener Berner Sennenhund ins neue Zuhause kommt, stellt sich oft die Frage, wie viel Arbeit noch auf den neuen Besitzer wartet. Bei einem Welpen muss man viel Grundlegliches beibringen: Stubenreinheit, Leinenführigkeit, das Nicht-Zerlegen von Möbeln und das korrekte Fressverhalten. Ein erwachsener Hund, der in Not geriet, hat oft bereits diese Fähigkeiten erlernt, wenn er in einer vorherigen Familie gut erzogen war. Er kennt die Regeln des Zusammenlebens und muss diese nur noch im neuen Umfeld verfestigen.
Allerdings kann es sein, dass der neue Besitzer mit einem Tier konfrontiert wird, das noch keine Regeln kennt. Dies liegt daran, dass die Vorbesitzer den Hund vielleicht „vorschwärmten", während in Wahrheit Unarten vorhanden waren. Solche Probleme sind oft hausgemacht durch wenig Erziehung. Sie lassen sich korrigieren, was aber mit einigem Aufwand verbunden ist. Der neue Besitzer muss sich darauf einstellen, viel Konsequenz und Training zu investieren.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die körperliche Verfassung. Ein trauernder Vierbeiner muss zunächst aufgepäppelt werden. Der Hund könnte auch gesundheitliche Probleme haben, wie zum Beispiel eine Befall durch Flöhe oder andere Parasiten. Daher ist eine gründliche tierärztliche Untersuchung unumgänglich. Die Adoption eines solchen Hundes ist also nicht nur eine emotionale Entscheidung, sondern erfordert eine klare Strategie für die Nachsorge und die Wiederherstellung des Vertrauens.
| Merkmal | Junges Tier (Welpe) | Erwachsener Hund (in Not) |
|---|---|---|
| Stubenreinheit | Muss noch erlernt werden | Oft bereits vorhanden |
| Leinenführigkeit | Muss noch erlernt werden | Oft bereits vorhanden |
| Sozialisierung | Muss intensiv betrieben werden | Teilweise vorhanden, ggf. defizitär |
| Gesundheitszustand | Normalerweise stabil, muss geimpft sein | Können Parasiten oder Krankheiten vorliegen |
| Zeitbedarf | Sehr hoch (Welpenphase, Erziehung) | Variabel (abhängig vom Vorbesitzer) |
| Bindung | Noch nicht gefestigt | Oft sehr stark an alte Besitzer gebunden (Trennungsschmerz) |
Die Rolle von Tierschutzorganisationen und Züchtern
Im Ökosystem des Tierschutzes spielen verschiedene Akteure eine entscheidende Rolle. Der Schweizer Sennenhund-Verein (SSV) hat es zu seiner selbstverständlichen Aufgabe gemacht, sich um Hunde zu kümmern, die in Not geraten sind. Der Verein vermittelt nicht nur im SSV/FCI gezüchtete Sennenhunde, sondern auch Mischlinge, die aus den verschiedensten Gründen in einem Tierheim oder einer Pflegestelle Aufnahme gefunden haben. Genaue Informationen über die Hunde erhalten potenzielle Adoptanten über die Besitzer, die sich von ihrem Sennenhund trennen müssen, oder direkt über die angegebenen Tierheime und Pflegestellen. Es ist wichtig zu betonen, dass alle Angaben über die Hunde unter Vorbehalt stehen, was die Transparenz und den Ernst der Lage unterstreicht.
Ein weiterer wichtiger Akteur ist der Verein „Berner Sennenhunde Nothilfe e.V.", gegründet am 05.03.2011 in Rinteln. Dieser Kreis von Berner Sennenhundliebhabern und -besitzern engagiert sich aktiv im Tierschutz. Der Vorstand besteht aus der 1. Vorsitzenden Bärbel Waldfried, der 2. Vorsitzenden Vanessa Meier und dem Schatzmeister Herbert Meier. Solche Organisationen sind oft auf Spenden angewiesen, da Tierheime und andere Organisationen sich hauptsächlich durch Spenden finanzieren. Zudem sind viele freiwillige Helfer involviert, die ehrenamtlich und aus reiner Tierliebe mit anpacken. Damit diese wichtige Arbeit weiterhin verrichtet werden kann, werden Notfälle immer mit einer Schutzgebühr abgegeben.
Auch Züchter spielen eine wichtige Rolle. Ein mittlerweile erwachsener Berner, der als Welpe nicht vermittelt wurde, oder ausgediente Zuchthunde suchen ebenfalls hin und wieder eine neue Bleibe. Züchter nehmen oft erwachsene, in Not geratene Hunde auf, bis sie vermittelt sind, und die Nachfrage ist recht groß. Berner mit Papieren sollten immer erst vom Züchter oder Zuchtverband weitervermittelt werden. Auf den Seiten von DCBS und SSV gibt es die Möglichkeit dazu. Das Tierheim sollte besonders für Berner die allerletzte Möglichkeit darstellen. Dies unterstreicht, dass die Rückkehr in die Zuchtstruktur oder eine private Vermeidung der Tierheime priorisiert wird, um den Tieren das bestmögliche Zuhause zu sichern.
Finanzen und Unterstützung im Tierschutz
Die Finanzierung von Tierschutz ist ein kritischer Aspekt, der oft übersehen wird. Da jeder Hund eine Familie braucht, müssen die Organisationen, die diese Vermittlung ermöglichen, finanziell abgesichert sein. Viele Notfälle werden mit einer Schutzgebühr abgegeben, um die laufenden Kosten zu decken. Aber auch Spenden sind unverzichtbar. Der Verein „Berner Sennenhunde Nothilfe e.V." ruft explizit zu Spenden auf, da jeder Euro hilft. Spenden können über einen Link oder per Überweisung auf das Spendenkonto geleistet werden: Sparkasse Schaumburg, IBAN: DE56 2555 1480 0313 1610 69.
Ein positives Beispiel für erfolgreichen Tierschutz ist die Plattform Gooding. In den letzten Monaten sind mehr als 310.000 € an Unterstützung für Tierschutzvereine zusammengekommen. Nachdem die Einkaufsprämien überwiesen wurden, ist die Freude riesig bei den Tierschutzvereinen. Solche Initiativen zeigen, dass die Gesellschaft bereit ist, den Notfällen zur Hilfe zu kommen. Dies stärkt die Arbeitsfähigkeit der Vereine und ermöglicht es ihnen, sich noch effektiver um die Gesundheit und das Wohlbefinden der Tiere zu kümmern.
Die Suche nach einem neuen Zuhause: Tipps für Adoptanten
Für alle, die nicht mehr warten wollen und einen tierischen Gefährten suchen, gibt es verschiedene Wege. Man kann reinrassige Berner Sennenhund-Welpen vom Züchter in der näheren Umgebung kaufen. Doch wer einen erwachsenen Hund sucht, sollte auch den Weg über Tierschutzorganisationen und Privatpersonen nutzen. Privatpersonen bieten immer wieder Babys und erwachsene Tiere an. Vielleicht hat man bereits eine Vorstellung, ob es ein Männchen oder Weibchen werden soll? Die Anzeigen in Online-Tiermärkten wie „DeineTierwelt" verschaffen einen guten Überblick über die Preise für junge und ausgewachsene Berner Sennenhunde.
Ein wichtiger Tipp lautet: Lass Dich nicht von zu günstigen Angeboten blenden. Schließlich möchte man ein Tier, das geimpft wurde, hochwertiges Futter bekommen hat und nicht zu früh von seiner Mutter getrennt wurde. Berner Sennenhunde zu züchten und aufzuziehen hat seinen Preis, und ein günstiges Angebot kann auf mangelnde Qualität hindeuten. Ein ausführliches Inserat wirkt vertrauenserweckend und hilft potenziellen Käufern herauszufinden, ob die Hunde zu ihren Wünschen passen.
Wenn Kinder im Haushalt sind, ist ein Berner Sennenhund eine bedenklose Wahl, da die Rasse als kinderlieb, freundlich und anfängergeeignet gilt. Allerdings sollte dem Nachwuchs direkt beigebracht werden, respektvoll mit dem Tier umzugehen. Dies ist besonders wichtig bei Hunden in Not, die vielleicht verängstigt oder sensibel sind. Die Bindung zwischen Kind und Hund muss mit Geduld und Anleitung aufgebaut werden.
Fazit
Die Situation eines Berner Sennenhundes in Not ist oft das Resultat von menschlichen Umständen und nicht vom Verhalten des Hundes selbst. Der anhängliche Natur dieser Rasse steht eine Notlage gegenüber, die viel Empathie, Zeit und manchmal auch finanzielle Ressourcen erfordert. Während viele sich für einen Welpen entscheiden, bieten erwachsene Hunde in Not oft den Vorteil von bereits erlernten Fähigkeiten und einer stabilen Persönlichkeit. Die Zusammenarbeit zwischen Züchtern, Tierschutzvereinen wie dem SSV und der „Berner Sennenhunde Nothilfe e.V." sowie das Engagement von Freiwilligen und Spendern bildet das Rückgrat, der diesen Tieren ein neues Leben ermöglicht. Die Adoption eines solchen Hundes ist eine verantwortungsvolle Entscheidung, die mit der Bereitschaft einhergeht, Unarten zu korrigieren, Gesundheit wiederherzustellen und dem Tier eine Chance auf ein dauerhaftes, liebevolles Zuhause zu geben. Jeder Euro, jede Stunde der Zeit und jede Geduldsprobe zählt dazu, dass der haarige Schweizer wieder glücklich werden kann.