Die Dänische Dogge, international als Great Dane bekannt und in Dänemark als Broholmer bezeichnet, stellt eine der faszinierendsten Hunderassen der Welt dar. Diese imposante Hunderasse mit einer Geschichte, die bis ins Mittelalter zurückreicht, vereint enorme physische Präsenz mit einem überraschend sanften, liebevollen Wesen. Obwohl sie aufgrund ihrer Größe als "sanfter Riese" gilt, ist der Broholmer ein Hund mit einer langen und einzigartigen Vergangenheit, die ihn von anderen Molossern abhebt. Seine Ursprünge reichen bis zu den assyrischen Kampfhunden zurück, von denen aus die modernen Doggenarten wie die Deutsche Dogge, die Englische Bulldogge, der Mastiff und die Bordeauxdogge abstammen. Die Bezeichnung "Broholmer" ehrt Graf Sehested von Broholm, der im 19. Jahrhundert maßgeblich zur Wiederbelebung der Rasse beitrug, nachdem diese zeitweise an einem seidenen Faden hing und fast ausgerottet war. Heute gilt die Dänische Dogge als eigene Zuchtrichtung, die besonders in Dänemark, den USA, Großbritannien und den skandinavischen Ländern geschätzt wird.
Die Entwicklung des Broholmers ist eng mit der Jagdgeschichte verbunden. In früherer Zeit diente er als begehrter Jagdhund, der speziell für die Hirsch- und Wildschweinjagd eingesetzt wurde. Später wurden diese Hunde an Fürstenhöfen als Kammerhunde mit vergoldetem Halsband neben dem Bett des Herrn gehalten, während andere Hunde als Leibhunde mit silbernem Halsband vor der Tür wachten. Die übrige Meute trug einfache eisenbeschlagene Halsbänder. Mit der Zeit veränderte sich der Zweck der Rasse: Von einem effizienten Jagdhund für die Jagd auf Wildschweine, Bären und Wölfe entwickelte sie sich zu einem Wachhund und repräsentativen Begleiter. Heute wird sie primär als Familienhund gehalten, der durch sein ruhiges Temperament und seine Loyalität besticht. Der Name "Dogge" leitet sich vom englischen Wort "dog" ab, was die englischen Wurzeln der Rasse unterstreicht, auch wenn sie als "Dänische Dogge" bekannt ist.
Ursprung und historische Entwicklung
Die Genealogie des Broholmers ist tief in der Geschichte der Menschheit verwurzelt. Bereits vor über 4000 Jahren besaßen die Assyrer große, schwerfällige, stumpfschnauzige, kurz behaarte Kampfhunde, die als Stammeltern der modernen Doggenrassen gelten. Wahrscheinlich waren es die Kelten, die diese Urahnen nach England und Irland brachten. Im 2. Jahrhundert kämpften diese "breitmäuligen Hunde Britanniens" in römischen Zirkuskämpfen und besiegten die bis dahin als unschlagbar bezeichneten Hunde von Molossis.
Lückenlos und eindeutig lässt sich die Geschichte der Rasse ab dem Beginn des 16. Jahrhunderts verfolgen. Damals wurden starke, hochläufige Doggen aus England eingeführt, die aus Kreuzungen des breiten Mastiffs mit dem großen irischen Wolfshund stammten. Obwohl man seit Anfang des 17. Jahrhunderts die Zucht in Deutschland selbständig betrieb, hielt sich der Name "Englischer Hund" bis ins 19. Jahrhundert hinein. Der ursprüngliche Typus wurde bereits in der Antike gezüchtet, was auf alten Steintafeln eindeutig zu sehen ist. Auf dem ganzen europäischen Festland wurden im Laufe der Jahre immer wieder die so genannten Bullerbeißer-Schläge mit Windhunden und großen Jagdhunden gepaart, um noch effizientere Jagdhunde für die Jagd auf Wildschweine, Bären und Wölfe hervorzubringen.
Ein entscheidender Moment in der Geschichte des Broholmers war die fastige Auslöschung der Rasse nach dem Zweiten Weltkrieg. Die dänische Dogge galt nach diesem Konflikt als ausgestorben. Erst im Jahr 1974 wurde sie von Hundediebhabern wiederentdeckt und neu gezüchtet. Graf Sehested von Broholm machte sich bereits im 19. Jahrhundert verdient um die Rettung der dänischen Doggenlinie. Der Name "Broholmer" geht zurück auf Schloss Broholm auf Fünen, einer der dänischen Hauptinseln. Die Rasse hing zeitweise an einem seidenen Faden, da die größere Deutsche Dogge ihr in der Beliebtheit den Rang ablief. In allen anderen Disziplinen kann der Broholmer der Deutschen Dogge jedoch das Wasser reichen. Heute ist sie nach dem FCI-Standard Nr. 315 der Gruppe 2, Sektion 2.1 zugeordnet, obwohl einige Quellen sie auch in Gruppe 1 (Pinscher und Schnauzer - Molosser - Schweizer Sennenhunde) einordnen. Dies zeigt die komplexe Klassifizierung in verschiedenen Zuchtvereinen.
Körperbau, Maßer und Erscheinungsbild
Der Broholmer ist für seine enorme Größe und kraftvolle Erscheinung bekannt, die eine natürliche Erhabenheit und Würde ausstrahlt. Die körperlichen Daten variieren je nach Quelle leicht, was auf unterschiedliche Zuchtziele oder Messstandards hindeutet.
| Merkmal | Rüden | Hündinnen |
|---|---|---|
| Gewicht | 50 – 70 kg | 40 – 60 kg |
| Rückentafel | 65 – 75 cm | 65 – 75 cm |
| Lebenserwartung | 7 - 10 Jahre | 7 - 10 Jahre |
Einige Quellen geben jedoch andere Werte an, wie ein Gewicht von 55 bis 90 kg und eine Größe von 85 cm bei Rüden und 75 cm bei Hündinnen. Diese Diskrepanzen könnten auf unterschiedliche Maßstäbe oder spezifische Zuchtlinien hinweisen. Die Rasse wird auch als "Great Dane" (Großer Däne) bezeichnet, was international weit verbreitet ist.
Das Fell des Broholmers ist kurz, dicht anliegend und pflegeleicht. Zur Fellpflege genügt es, den Hund mehrfach pro Woche mit einer mittelharten Kurzhaarbürste zu pflegen. Dies trägt zur Gesundheit der Haut und des Fells bei. Die Farben der Dänischen Dogge sind vielfältig und umfassen Gelb, Rot, Schwarz, Blau, Schwarz-Weiß und Gestromt. Spezifisch für den Broholmer sind die Farben Gelb, Rot und Schwarz, wobei einige Quellen auch Blau-Merle und Rot-Merle erwähnen. Die optische Kennzeichnung durch kurzes Fell und die spezifischen Farben macht die Rasse leicht erkennbar. Je nach Zuchtlinie kann es Variationen geben, wie gelb mit schwarzer Maske, Gold-Rot oder reines Schwarz.
Charakter und Temperament
Das Wesen des Broholmers ist das, was diese Rasse so besonders macht. Sein Gemüt ist fromm wie ein Lamm. Es gibt kaum etwas, das diesen starken Vierbeiner aus der Fassung bringen könnte. In der Zucht wird größter Wert auf das Verhalten gelegt. Ein Broholmer soll ruhig, gutartig, freundlich, dennoch wachsam sein. Er muss sehr großes Selbstvertrauen zeigen, was er auch besitzt. Mit etwas Konsequenz erzogen, ist er ein sehr unkomplizierter Hund.
Als Familienmitglied zeigt sich der Broholmer ausgesprochen liebenswert. Er sucht die Nähe zu seinen Menschen und ist ihnen ein verlässlicher Beschützer. Sein ruhiges, gelassenes Temperament macht ihn für Kinder zu einem treuen Gefährten, der alles verzeiht. Mit anderen Haustieren verträgt er sich problemlos. Fremden gegenüber ist er zunächst abwartend; er muss sie erst einmal beobachten und prüfen, ehe er sie akzeptiert.
Der Broholmer ist freundlich, sensibel und liebevoll. Er ist jedoch nur im direkten Familienanschluss haltbar und für eine Zwingerhaltung absolut ungeeignet. Er ist ein stilles Dominanzwesen, das eine innere Ruhe ausstrahlt, aber gleichzeitig zeigt, dass man sich nicht mit ihm anlegen sollte. Er ist kinderlieb, freundlich, charmant, anhänglich, wachsam und unternehmungsfreudig. Seine hohe Reizschwelle ermöglicht ihm, auch in stressigen Situationen ruhig zu bleiben. Die Rasse ist aufgrund ihrer Größe nicht für Anfänger geeignet, da sie eine erfahrene Hand und konsequente Erziehung erfordert, um ihr volles Potenzial als Begleithund zu entfalten.
Haltung, Pflege und Gesundheit
Die Haltung des Broholmers erfordert Platz und eine sorgfältige Überwachung der Gesundheit. Aufgrund der Größe ist er nicht für Wohnungen geeignet, sondern benötigt ein Haus mit Garten oder viel Bewegungsmöglichkeit. Er braucht regelmäßige Bewegung und geistige Anregung, um gesund und glücklich zu bleiben.
Gesundheitlich ist die Rasse anfällig für bestimmte Beschwerden. Die wichtigsten Gesundheitsrisiken umfassen Augenkrankheiten, Gelenkprobleme, Atemprobleme und ein hohes Risiko für Herzerkrankungen. Dies ist bei großen Hunden typisch, insbesondere aufgrund ihrer kurzen Schnauze und ihres breiten Oberkörpers. Die Taubheit ist bei weißen Hunden, wie beim Dogo Argentino, weit verbreitet, was auch für die dänische Dogge relevant sein kann. Die Lebenserwartung liegt zwischen 7 und 10 Jahren, was für eine so große Rasse als durchschnittlich bis gut gilt.
Die Ernährung spielt eine entscheidende Rolle. Da der Broholmer sehr groß und schwer ist, muss die Ernährung auf seine spezifischen Bedürfnisse abgestimmt sein, um Gelenkproblemen vorzubeugen. Eine ausgewogene Ernährung ist essentiell für das Wohlbefinden. Die Fellpflege ist aufgrund des kurzen Fells relativ einfach, erfordert aber regelmäßiges Bürsten, um die Haut gesund zu halten.
Zucht, Verfügbarkeit und Kosten
Der Broholmer ist eine seltene Rasse. Nach dem Zweiten Weltkrieg galt sie als ausgestorben, bis sie 1974 wiederentdeckt wurde. Die meisten Züchter finden sich in Dänemark, aber auch in Deutschland lohnt sich eine Anfrage bei Züchtern, die möglicherweise einen Welpen anbieten. Die Seltenheit macht den Kauf schwierig, da Welpen nicht leicht zu bekommen sind.
Der Preis für diese Hunderasse ist aufgrund der Seltenheit schwer zu beziffern. Er dürfte sich im mittleren dreistelligen Bereich bewegen, je nach Züchter kann er aber auch vierstellig sein. Der Kauf eines Welpen erfordert Geduld und die Suche nach seriösen Züchtern, die den Zuchtstandards folgen. Die Zuchtvereine, wie der Club der "Deutschen Dogge", der 1888 gegründet wurde, spielen eine zentrale Rolle bei der Bewahrung der Rasse.
Vergleich mit anderen Rassen
Um den Broholmer besser einzuordnen, ist ein Vergleich mit verwandten Rassen hilfreich. Während der Broholmer und die Deutsche Dogge verwandt sind, gibt es signifikante Unterschiede in Größe und Charakter.
| Merkmal | Broholmer (Dänische Dogge) | Englische Bulldogge |
|---|---|---|
| Herkunft | Dänemark | England |
| Größe | Groß (65-85 cm) | Mittel (ca. 30-40 cm) |
| Charakter | Sanft, wachsam, loyal | Sanftmütig, faul, liebevoll |
| Gesundheit | Gelenkprobleme, Herz | Atemprobleme, Gelenke |
| Verwendung | Familienhund, Wächter | Begleithund, Schauhund |
Der Broholmer ist deutlich größer und sportlicher als die Englische Bulldogge, die eher als "Teddybär" beschrieben wird und wenig Bewegung will. Der Broholmer hingegen braucht viel Auslauf und geistige Beschäftigung. Auch im Vergleich zum Argentinischen Dogge (Dogo Argentino) gibt es Unterschiede: Der Dogo Argentino hat einen starken Jagd- und Schutztrieb, ist sehr sportlich und fordert viel Bewegung. Der Broholmer ist zwar ebenfalls wachsam, aber ruhiger und eher ein Familienhund als ein Arbeits- oder Kampfhund.
Fazit
Der Broholmer, auch Dänische Dogge genannt, ist ein beeindruckendes Wesen, das durch seine Größe und sein sanftes Herz besticht. Mit einer Geschichte, die vom assyrischen Urahn bis zum modernen Familienhund reicht, ist diese Rasse ein Beispiel für die Evolution der Molosser. Trotz seiner imposanten Erscheinung ist er ein sanfter Riese, der als treuer Begleiter und Beschützer dient. Seine Haltung erfordert Erfahrung, da er ein großer Hund ist, der nicht für Zwinger oder kleine Wohnungen geeignet ist. Die Zucht wird von wenigen, aber engagierten Züchtern in Dänemark und Deutschland fortgeführt. Für Liebhaber großer Hunde, die ein ruhiges, loyales Tier suchen, ist der Broholmer eine hervorragende Wahl, solange die spezifischen Bedürfnisse an Bewegung und Pflege erfüllt werden.