Die Royalen Begleiter: Ein tiefer Blick auf die Corgis und Dorgis von Königin Elisabeth II.

Die Verbindung zwischen Königin Elisabeth II. und ihren vierbeinigen Gefährten ist eines der am besten dokumentierten und gefeierten Kapitel der modernen britischen Monarchie. Kein anderer Monarch der Weltgeschichte war so untrennbar mit einer spezifischen Hunderasse verbunden wie sie mit dem Welsh Corgi. Für Elisabeth II. waren Hunde nicht nur Haustiere, sondern integrale Bestandteile ihres Lebensalltags, ihrer Familie und ihres öffentlichen Auftretens. Die Präferenz der Monarchin lag eindeutig auf dem Welsh Corgi Pembroke, einer Rasse, die ursprünglich aus Wales stammt und sich durch ein charakteristisches, kompustes Äußeres auszeichnet. Im Laufe ihres Lebens besaß die Queen mehr als 30 Corgis, von denen die meisten aus ihrer eigenen Zucht stammten. Diese Zuchttätigkeit erstreckte sich über mehr als 80 Jahre, was eine einzigartige Zuchthistorie darstellt, die bis ins hohe Alter der Monarchin fortgesetzt wurde.

Die Geschichte dieser Verbindung begann bereits früh. Im Jahr 1944, anlässlich ihres 18. Geburtstags, erhielt die damalige Prinzessin Elizabeth ihren ersten Corgi, der den Namen „Susan" erhielt. Diese Hündin begleitete die Queen fast 14 Jahre lang und diente als Grundlage für die spätere königliche Zucht. Aus Susan stammten direkt mehrere Nachkommen, und der letzte Abkömmling von Susan hieß Willow. Die Queen selbst war nicht nur Besitzerin, sondern aktive Züchterin, die die Rasse mit großer Hingabe pflegte. Ihre Liebe zu Tieren stand über allem anderen; ein Biograf notierte, dass Queen Elizabeth II. Hunde, Pferde, Männer und Frauen in genau dieser Reihenfolge bevorzugte. Diese Priorisierung führte zu einer tiefen emotionalen Bindung, die sich in ihrer Reaktion auf den Tod ihrer Tiere zeigte, etwa in einem emotionalen Brief, den sie nach dem Verlust eines Hundes verfasste.

Anatomie und Rassecharakteristika: Pembroke versus Cardigan

Um die Bedeutung der Corgis für die Queen vollständig zu verstehen, ist es notwendig, die rassespezifischen Merkmale zu analysieren. Es gibt zwei Varianten des Welsh Corgi: den Welsh Corgi Pembroke und den Welsh Corgi Cardigan. Obwohl beide Rassen aus Großbritannien stammen und zur Gruppe der Hütehunde und Treibhunde der FCI gehören, zeigen sie deutliche Unterschiede in Anatomie und Erscheinungsbild.

Der Pembroke, die bevorzugte Rasse der Queen, ist durch ein kürzeres Fell mit dichter Unterwolle gekennzeichnet. Typische Fellfarben sind einfarbig rot, sable oder gefärbte Varianten mit weißen Abzeichen an den Läufen, am Brustbein, am Hals, sowie teilweise am Kopf und am Fang. Ein markantes Merkmal des Pembrokes ist die Rute. Traditionell besaßen diese Hunde eine kurze Rute, die oft als Gendefekt oder als Ergebnis einer natürlichen Mutation interpretiert wurde. Der Pembroke ist in der Regel etwas kleiner als der Cardigan, mit einem Gewicht von etwa 10 bis 12 kg bei Rüden und 9 bis 11 kg bei Hündinnen. Die Widerristhöhe liegt bei beiden Geschlechtern zwischen 25 und 30 cm.

Der Welsh Corgi Cardigan unterscheidet sich durch ein längeres, hartes und wetterfestes Fell mit guter Unterwolle. Die Fellfarben sind hier viel vielschichtiger; erlaubte Varianten umfassen Blue Merle, gestromt, rot und zobelgefärbte Varianten, ebenfalls mit oder ohne weiße Abzeichen. Im Gegensatz zum Pembroke besitzt der Cardigan eine lange, natürliche Rute. Auch die Körperbauweise zeigt Unterschiede; der Cardigan ist etwas größer, mit einer Widerristhöhe von ca. 30 cm. Das Gewicht und die Proportionen variieren geringfügig, wobei der Cardigan oft eine robustere Statur aufweist.

Die folgende Tabelle fasst die technischen Spezifikationen beider Rassen zusammen, basierend auf den FCI-Standardnummern 38 (Cardigan) und 39 (Pembroke):

Merkmal Welsh Corgi Pembroke Welsh Corgi Cardigan
FCI Standardnummer 39 38
Gewicht Rüde ca. 10–12 kg ca. 10–14 kg (ca.)
Gewicht Hündin ca. 9–11 kg ca. 9–13 kg (ca.)
Widerristhöhe ca. 25–30 cm ca. 30 cm
Fellbeschaffenheit Mittellang, gerade, dichte Unterwolle Kurz/mittellang, hart, wetterfest, gute Unterwolle
Fellfarbe Rot, Sable, mit weiß Blue Merle, gestromt, rot, zobel, mit weiß
Rute Kurz (oft kupiert oder genetisch kurz) Lang, natürlich
Ursprung Großbritannien (Wales) Großbritannien (Wales)

Ein besonderes Phänomen innerhalb der königlichen Hundehaltung war die Existenz von „Dorgis". Ein Dorgi ist ein Mischling, der aus der Kreuzung eines Dackels und eines Corgi hervorgeht. Diese Kreuzungen entstanden oft, um den Wunsch der Queen nach neuen Gefährten zu erfüllen. Bekannte Beispiele sind die Hunde mit den Namen „Candy" und „Vulcan". Diese Mischlinge kombinierten die Eigenschaften beider Rassen und waren ein fester Bestandteil des königlichen Hausrates.

Namentradition und emotionale Bindung

Die Queen zeichnete sich durch eine enorme Kreativität bei der Namensgebung ihrer Hunde aus. Die Namen waren meist kurz und prägnant, oft angelehnt an Getränke, Süßigkeiten oder andere Assoziationen. Zu den bekannten Namen der königlichen Hunde gehörten: Dookie (der erste Corgi), Whisky, Sherry, Cider, Berry, Sugar, Honey, Candy, Emma, Monty, Heather, Gryffindor, Harris, Brandy, Swift, Vulcan, Phoenix sowie Muick und Sandy. Diese Namenswahl spiegelt eine persönliche Beziehung wider, die über das rein Funktionale hinausging. Jeder Name trug eine eigene Geschichte. So war „Dookie" der erste Corgi der Queen, während „Susan" als Mutter der meisten Nachkommen gilt. Der Hund „Willow" war der letzte Abkömmling von Susan.

Die emotionale Tiefe dieser Bindung wird durch das Verhalten der Queen verdeutlicht. Ein Biograf vermerkte, dass die Queen Hunde an erster Stelle ihrer Präferenzen platzierte. Diese Priorisierung führte zu einer extremen Fürsorge. Als einer ihrer Hunde verstarb, verfasste die Queen einen emotionalen Brief, der die Tiefe ihres Schmerzes offenbarte. Nach dem Tod der Monarchin am 8. September 2022, blieben zwei ihrer Corgis, Muick und Sandy, als treue Begleiter bekannt. Sie warteten bei der Trauerfeier am 19. September 2022 auf das Eintreffen der Trauerprozession und erwiesen der Queen die letzte Ehre.

Fütterung und Gesundheitsvorsorge

Die Ernährungspraxis der Queen für ihre Corgis wich signifikant von den Empfehlungen moderner Tierärzte ab. Die Monarchin war bekannt dafür, ihren Lieblingen traditionelle englische Rosinenbrötchen mit Sahne und Erdbeermarmelade zu servieren. Diese Praxis war bei offiziellen Banketten üblich, wobei Essensreste unter dem Tisch verschwanden. Die Queen gönnte ihren Hunden diese ungesunden Leckereien trotz der offensichtlichen gesundheitlichen Risiken. Tierärzte sehen solches Füttern ungern, doch gegen den Willen der Monarchin waren sie machtlos. Eine solch hohe Kalorienzufuhr durch verarbeitete Kohlenhydrate und Zucker kann bei kleinen Hunderassen zu Übergewicht und anderen Gesundheitsproblemen führen.

Die Queen sorgte aber auch für die notwendigen tierärztlichen Vorsorgemaßnahmen. Ein umfassendes Buch mit großartigen Bildern, betitelt „All The Queen's Corgis" von Penny Junor, dokumentiert das Leben der Hunde. Darin werden auch Aspekte der Gesundheitsvorsorge angesprochen, obwohl die spezifischen Impfungstermine oder Futterpläne nicht detailliert in den vorliegenden Fakten stehen. Es ist bekannt, dass die Queen ihre Hunde auch auf Staatsbesuche mitnahm, was hohe Anforderungen an die Fitness und den Auslauf der Hunde stellte. Corgis benötigen viel Auslauf und Bewegung, was die Queen durch regelmäßige Spaziergänge und Aktivitäten sicherte.

Ein weiterer Aspekt der Fürsorge betrifft die Rutenform des Pembrokes. Historisch wurde die kurze Rute oft als Zeichen der Rasse gelobt. Allerdings wurde die Forderung nach Kurzschwänzigkeit offiziell gelockert, da der zugrundeliegende Gendefekt schwere gesundheitliche Folgen haben kann. Aus Tierschutzgründen ist die Kupierung der Rute heute in vielen Ländern verboten oder eingeschränkt. Bei der Zucht der Queen spielte diese Thematik eine Rolle, da sie selbst über 80 Jahre lang gezüchtet hat.

Das Schicksal der Hunde nach dem Tod der Queen

Nach dem Tod von Queen Elizabeth II. wurde das weitere Schicksal ihrer Hunde, insbesondere der verbleibenden Corgis Muick und Sandy, öffentlich diskutiert. Ursprünglich lebten die Hunde bei Prinz Andrew Mountbatten-Windsor und seiner Ex-Frau Sarah Ferguson auf der Royal Lodge. Nach dem erzwungenen Auszug des Paares aus der Royal Lodge war unklar, wohin die Hunde verbracht werden würden.

Es stellte sich heraus, dass Sandy und Muick bei Prinz Andrew verblieben. Der Buckingham-Palast bestätigte, dass die Corgis weiterhin in der Obhut von Andrew und Ferguson blieben. Später wurden die beiden Hunde auf dem Sandringham-Anwesen in Norfolk fotografiert, wo sie sich in der Nähe von Wood Farm aufhielten. Dieses Anwesen dient als vorübergehende Unterkunft für Andrew nach seinem Auszug aus der Royal Lodge. Die Hunde wurden dabei von einem Mitglied des Personenschutzes von Andrew ausgeführt. Dies verdeutlicht, dass trotz der turbulenten Entwicklungen im familiären Umfeld der Königin, die Kontinuität der Fürsorge für die Tiere gewahrt blieb.

Neben den Corgis besaß die Queen auch andere Hunderassen. Zu den weiteren Tieren gehörten ein Beagle und ein Labrador, die bei Prinz Harry und Herzogin Meghan lebten. Prinz William und Prinzessin Kate haben sich für einen Cocker Spaniel namens Lupo entschieden. Auch Prinzessin Beatrice und ihr Mann haben Hunde, doch die Queen selbst konzentrierte sich auf die Corgis. Die Präferenz war klar: Welsh Corgi Pembroke.

Historische Einordnung und kulturelle Bedeutung

Die Hunderasse Corgi ist seit 1933 ein fester Bestandteil der königlichen Familie. Die Geschichte der Rasse selbst reicht weit zurück, mit schriftlichen Aufzeichnungen bereits aus dem 14. Jahrhundert. Der Welsh Corgi ist ein walisischer Arbeitshund mit zahlreichen Aufgaben, ursprünglich als Hütehund und Treiber für Vieh verwendet. Die Rasse ist in Großbritannien beheimatet und hat sich als einer der bekanntesten Vertreter der kleinen Hütehunde etabliert.

Die Verbindung zwischen der Queen und ihren Corgis war nicht nur familiär, sondern auch politisch und kulturell bedeutsam. Bilder der Queen mit ihren Corgis gingen um die Welt und prägten das Image der Monarchin. Eine solche Kombination aus einem kleinen, wendigen Hund und der größten Monarchin des Landes schuf ein unverwechselbares visuelles Symbol.

Ein interessanter Aspekt ist die Zuchtpraxis. Die Queen hat ihre eigene Zucht von Welsh Corgi Pembrokes erst hochbetagt altersbedingt beendet. Dies zeigt eine jahrzehntelange Hingabe. Die Zuchtproduktionszahlen und die Anzahl der Welpen pro Jahr sind nicht detailliert bekannt, aber die Tatsache, dass über 30 Hunde im Laufe ihres Lebens bei ihr lebten, belegt eine intensive Zuchttätigkeit. Die meisten dieser Hunde stammten aus ihrer eigenen Zucht, was die Queen als aktive Züchterin ausweist.

Auch die Namen der Hunde spiegeln eine persönliche Bindung wider. Während „Boy" der Lieblingshund von Königin Victoria war, war „Susan" der erste Hund der Queen Elisabeth II. Die Kontinuität der Tierliebe im Königshaus ist also ein alterer Brauch, der von Generation zu Generation weitergegeben wurde.

Fazit

Die Beziehung zwischen Queen Elisabeth II. und ihren Hunden, insbesondere den Welsh Corgis, repräsentiert mehr als nur eine tierische Begleitung; sie ist ein Symbol für Hingabe, Tradition und persönliche Vorlieben. Die Queen hat über 80 Jahre lang diese Rasse nicht nur gehalten, sondern aktiv gezüchtet und gepflegt. Ihre Vorliebe für Corgis war so stark, dass sie traditionelle, ungesunde Futtermittel wie Rosinenbrötchen mit Sahne und Marmelade servierte, was die Grenzen zwischen Fürsorge und Verwöhnung aufzeigte.

Nach ihrem Tod blieben die verbleibenden Hunde, Muick und Sandy, bei Prinz Andrew, was die Kontinuität der Obhut sicherte. Die Corgis bleiben ein Symbol der königlichen Familie, das über die Person der Queen hinaus wirkt. Die Rasse selbst, mit ihren zwei Varianten Pembroke und Cardigan, zeigt eine faszinierende biologische Vielfalt, die die Queen schätzte. Die Geschichte der Corgis der Queen ist ein Zeugnis dafür, wie tief ein Monarch an seinen Tieren hängen kann und wie diese Bindung das öffentliche Bild einer gesamten Nation prägt.

Quellen

  1. Die Hunde der Queen - Die englische Königin liebt Welsh Corgi Pembrokes
  2. Die Hunde Queen Elisabeth II. und ihre Corgis
  3. Corgis der Queen: Die Hunde der Königin im Überblick
  4. Rassekunde: Welsh Corgi
  5. Hunderasse Corgi: Lieblingshunde Queen Elisabeth II.
  6. Corgis von Queen Elisabeth II: Wo leben die Hunde nach dem Umzug von Andrew Mountbatten-Windsor

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