Havaneser-Fellpflege: Vom Welpenfell zur Filzphase – Ein Leitfaden für Züchter und Besitzer

Der Havaneser ist eine Rasse, die durch ihr seidiges, langes Haarkleid besticht, aber gleichzeitig eine der anspruchsvollsten Pflegemaßnahmen erfordert, die in der Hundewelt zu finden sind. Die Vorstellung, dass dieses Fell im Winter friert, im Sommer filzt und bei Regen aufquillt wie ein Wattebausch, ist eine Realität, mit der sich jeder Besitzer auseinandersetzen muss. Dennoch ist der Charakter dieser Hunde so liebenswert, dass die meisten Besitzer die Herausforderungen der Fellpflege in Kauf nehmen. Der Schlüssel zum Erfolg liegt nicht nur in der Häufigkeit, sondern in der korrekten Technik, der Wahl der richtigen Utensilien und dem Verständnis für die verschiedenen Wachstumsphasen des Fells. Eine sorgfältige Pflege ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit, um die Gesundheit der Haut und des Fells zu erhalten und Verfilzungen zu verhindern, die im schlimmsten Fall nur noch mit der Schere entfernt werden können.

Die kritischen Phasen des Fellwechsels und das Welpenfell

Die Fellpflege beim Havaneser unterliegt keinen starren Regeln, sondern hängt stark vom Alter und der aktuellen Fellphase ab. Eine der schwierigsten Phasen ist der Übergang vom Welpenfell zum Erwachsenenfell, die sogenannte „Filzphase". In dieser Zeit, die oft im ersten Lebensjahr stattfindet, ist das Fell besonders anfällig für Knotenbildung. Besonders problematisch sind die Bereiche der Achseln und die Regionen hinter den Ohren, wo das Fell schnell verfilzt. Während dieser Phase reicht ein einmaliges Kämmen pro Woche oft nicht aus; viele Besitzer müssen ihren Hund täglich etwa zehn Minuten pflegen, um die entstehenden Knoten zu verhindern.

Sobald diese kritische Phase vorüber ist und der Hund sein endgültiges Erwachsenenfell ausgebildet hat – dies ist meist mit etwa 24 Monaten der Fall – reduziert sich der Pflegeaufwand signifikant. In diesem Stadium genügt ein gründliches Durchkämmen etwa zweimal pro Woche. Es ist wichtig zu verstehen, dass das Welpenfell zwar nicht permanent gebürstet werden muss, aber es ist essenziell, den Welpen von klein auf an die Pflegerituale zu gewöhnen. Das tägliche Bürsten für ein paar Minuten soll dem Welpen beibringen, dass Pflege das „Normalste der Welt" ist. Diese Gewöhnung ist entscheidend, da sie die Basis für eine lebenslange Akzeptanz der Fellpflege bildet.

Die Art des Fells kann variieren. Während einige Havaneser als pflegeleicht gelten, sind andere extrem pflegeintensiv. Ein Fallbeispiel zeigt, dass eine dauerhafte Einnahme von Kortison die Fellstruktur verändern kann, sodass sie sich „wattig" verhält und das Risiko für Verfilzung steigt. In solchen Fällen kann die Pflege so aufwendig werden, dass das Fell kurz geschoren werden muss, was eine drastische, aber manchmal notwendige Maßnahme ist. Es ist also ein gewisses Glücksspiel, wie pflegeintensiv ein einzelnes Tier wird, aber mit der richtigen Technik lässt sich der Aufwand meist kontrollieren.

Die richtige Technik: Vom Ansatz bis zum Ende des Fells

Die Technik des Kämmens ist genauso wichtig wie die Häufigkeit. Ein häufiger Fehler ist, dass man nicht bis zur Haut kämmt. Verfilzungen entstehen am häufigsten am Ansatz der Haare, wo das Fell am dichtesten ist. Die korrekte Vorgehensweise erfordert, dass man das Fell mit der Hand teilt, bis man auf die Haut blicken kann. Erst dann sollte man das Fell nach oben klappen und vorsichtig vom Ansatz bis zum Ende des Fells nach unten bürsten. Dabei ist es absolut entscheidend, die Haare am Ansatz mit der anderen Hand festzuhalten, damit der Hund nicht an den Wurzeln gezogen wird. Dies verhindert Schmerzen und macht das Kämmen für den Hund erträglicher.

Bei der Entfernung von Knoten sollte man diese immer wieder überbürsten, bis sie sich lösen. Für besonders hartnäckige Stellen gibt es spezielle Zupfbürsten aus Draht, die helfen können. Sollte das Fell zu stark verfilzt sein, kann es notwendig sein, zunächst ein Entfilzungsspray aufzusprühen. Dies hat den Vorteil, dass es nicht nur das Lösen erleichtert, sondern auch vorbeugend wirkt, sodass sich beim häufigeren Gebrauch weniger Haare verfilzen.

Die Reihenfolge der Pflege ist ebenfalls von Bedeutung. Man beginnt am besten an einer Stelle, sprüht ein und legt mit der Bürste los. Das Verfahren sollte systematisch von der Schnauze bis zum Schwanz auf der einen Körperseite durchgeführt werden. Anschließend folgt die andere Längsseite. Kopf, Beine und Schwanz werden später bearbeitet. Viele Hunde empfinden es als angenehmsten, wenn sie während der Fellpflege auf der Seite liegen. Diese Position ermöglicht den Zugang zu allen Stellen und lässt den Hund entspannt liegen. Allerdings machen nicht alle Rassevertreter diese Geduldsprobe mit, daher muss der Besitzer flexibel sein.

Für bestimmte Bereiche wie Kopf, Hals, Brust und Rute ist es oft einfacher, den Hund stehen oder sitzen zu lassen. Der Bart ist eine besondere Zone, die im Gegensatz zum Rest des Hundes unbedingt täglich gekämmt und gereinigt werden muss, da sich hier gern Futterreste und Schmutz ansammeln. Dies verhindert Entzündungen und unangenehmen Geruch. Abschließend sollte der gesamte Hund noch einmal mit einem Kamm durchgekämmt werden. So lässt sich am ehesten feststellen, wo eventuell noch Verfilzungen und Knötchen lauern, die oft an den Ohren, am Hals, den Achseln oder am Bauch versteckt sind.

Utensilien und Hilfsmittel für eine effektive Pflege

Die Wahl der richtigen Bürste ist entscheidend, da sie unbedingt der Beschaffenheit des Fells entsprechen muss. Um hier keinen Fehlgriff zu tätigen, empfiehlt es sich, mit dem Hund zum Fachhändler zu gehen, um die passende Bürste auszuwählen. Wird die Pflege ernsthaft, sollte man zunächst an einer Stelle des Fells einsprühen und dann mit der Bürste loslegen. Als Hilfsmittel stehen verschiedene Optionen zur Verfügung. Neben speziellen Entfilzungssprays kann auch eine einfache Sprühflasche für Blumen verwendet werden, um das Fell kurz anzufeuchten. Dies macht das Fell rutschiger und erleichtert das Durchkämmen.

Ein wichtiger Punkt bei der Anwendung von Sprays ist die Sicherheit. Es wird darauf hingewiesen, dass Hunde die aufgesprühten Mittel unter Umständen abschlecken. Ob dies schädlich ist, ist nicht sicher bekannt, aber Vorsicht ist geboten. Man sollte darauf achten, dass keine giftigen Stoffe verwendet werden. Ein Vergleich mit der Pferdepflege zeigt, dass man dort kein giftiges Zeug aufsprüht; dieselbe Logik sollte auch beim Hund gelten.

Zusätzlich zu den Sprays gibt es spezielle Zupfbürsten aus Draht, die bei der Entfernung von Knoten helfen. Wenn das Fell nach einem Bad trocken geföhnt wird, kann dies den Prozess des Kämmens erleichtern. Allerdings ist Vorsicht geboten: Viele Hunde mögen es, trocken geföhnt zu werden, aber es ist wichtig, Zugluft zu vermeiden. Da das lange Haarkleid nicht sehr kälteresistent ist, sollte der Hund bei kühlen Temperaturen erst wieder hinausgelassen werden, wenn er komplett trocken ist.

Badeprozedur und Trocknung

Das Baden des Havanesers erfolgt in der Regel alle 3 bis 4 Wochen, kann aber je nach Bedarf auch öfter notwendig sein. Die Prozedur beginnt mit dem Einsprühen des Fells, gefolgt vom Kämmen. Nach dem Waschen mit Shampoo und Conditioner ist das Fell leichter kämmbar. Die Dauer des Fönens kann variieren, je nachdem wie lang und dicht das Fell gerade ist. Nach einem schlammigen Waldspaziergang kann eine Unterbodenwäsche notwendig sein, die schnell erledigt ist und bei der das Föhnen im Normalfall entfällt.

Nach dem Waschen wird der Hund aus der Wanne geholt und auf ein zuvor ausgelegtes Handtuch gesetzt. Mit einem weiteren Handtuch wird das Wasser aus dem Fell gedrückt. Es ist wichtig, zu vermeiden, das Fell zu rubbeln oder zu stark zu reiben, da dies zu Verwirrungen und Knötchen führt und unnötige Arbeit beim abschließenden Kämmen schafft. Viele Hunde mögen es, trocken geföhnt zu werden. Wichtig ist dabei, den Hund warm zu halten. Obwohl das lange Haarkleid anderes vermuten lässt, ist es nicht sehr kälteresistent. Daher muss auf Zugluft verzichtet werden und der Hund sollte erst wieder hinausgelassen werden, wenn er komplett trocken ist.

Bei starken Verfilzungen, die sich nicht lösen lassen, kann der Einsatz der Schere notwendig sein. Dies ist jedoch eine letzte Maßnahme. Oft helfen spezielle Zupfbürsten oder das Öffnen von Knoten mit den Fingern, bevor sie behutsam ausgekämmt werden.

Saisonale Herausforderungen und Pfotenpflege

Die Jahreszeiten stellen spezifische Anforderungen an die Pflege des Havanesers. Im Winter friert das Fell, und im Sommer filzt es. Bei Regen quillt das Fell auf wie ein Wattebausch. Wenn der Hund durch den Schnee flitzt, ist es wichtig, zwischendurch festgesetzte Schneeklumpen aus dem Fell zu klopfen, ehe diese zu Eis verhärten. Dies verhindert, dass das Fell schwer und unangenehm wird.

Gerade im Winter ist die Pfotenpflege besonders wichtig, da Salz und Kälte die Pfotenballen angreifen. Daher sollten die Pfoten regelmäßig kontrolliert werden. Nach dem Spaziergang sollte der Hund gut abgetrocknet werden, wobei die Ohren nicht vergessen werden dürfen. Die tägliche Pflege umfasst das Kämmen des Barts und das Abwischen mit einem feuchten Waschlappen bei Bedarf. Auch die Entfernung von Tränenflüssigkeit an den Augen gehört zu den täglichen Aufgaben.

Pflegetabelle: Tägliche, wöchentliche und monatliche Aufgaben

Um den Überblick über den Pflegeaufwand zu behalten, ist eine strukturierte Einteilung hilfreich. Die folgende Tabelle fasst die empfohlenen Maßnahmen zusammen, basierend auf den unterschiedlichen Altersstadien und Bedürfnissen des Havanesers.

Häufigkeit Maßnahme Details und Hinweise
Täglich Bart pflegen Bart kämmen und bei Bedarf mit feuchtem Waschlappen abwischen.
Täglich Augen Tränenflüssigkeit an den Augen entfernen.
Täglich Fell (Welpe/Junghund) Bürsten des Welpen und Junghundes bis zum endgültigen Erwachsenenfell (spätestens mit 24 Monaten). Tägliches Kämmen ist in der Filzphase essenziell.
Täglich Zähne Zähne putzen oder Kausnacks/Zahnpflegespielzeug anbieten.
Wöchentlich Ohren Bei Bedarf die Ohren reinigen und gegebenenfalls zupfen.
Wöchentlich Pfoten Pfoten kontrollieren und Krallen kürzen wenn nötig.
Wöchentlich Fell (Erwachsener) Etwa zweimal die Woche den erwachsenen Havi gründlich durchkämmen.
Monatlich Baden Alle 4–8 Wochen den Havaneser baden (bei Bedarf auch öfter).

Der Umgang mit dem Tier während der Pflege

Der Umgang mit dem Havaneser während der Pflege ist entscheidend für den Erfolg. Es ist empfehlenswert, den Hund auf einem Tisch zu platzieren, da dies rückenschonend für den Besitzer ist. Allerdings muss aufpassen, dass der Hund von dort nicht herunterspringen kann. Alternativ kann der Hund auf dem Boden gepflegt werden oder auf den Schoß genommen werden, was jedoch rückenschonend für den Besitzer weniger vorteilhaft ist.

Während der Prozedur sollte der Hund gelobt werden, insbesondere wenn er unruhig wird. Es ist wichtig, nicht nachzugeben, falls der Hund die Prozedur beenden will. Man wartet ab, bis er sich wieder beruhigt hat, belohnt ihn mit Worten oder einem Leckerbissen und lässt ihn erst dann ziehen. Dies fördert die Geduld und das Vertrauen des Tieres.

Vor dem eigentlichen Kämmen sollte das Fell auf kleine Fremdkörper untersucht werden, die sich auf Spaziergängen darin verfangen können. Sind Kletten, kleine Stöckchen und Ähnliches beseitigt, kann mit der Pflege begonnen werden. Die optimale Position ist, wenn der Hund auf der Seite liegt, da man so an alle Stellen kommt und der Hund entspannt liegt. Allerdings machen nicht alle Rassevertreter diese Geduldsprobe mit, daher muss flexibel vorgegangen werden.

Professionelle Hilfe und Selbstständigkeit

Muss man mit dem Havaneser zum Hundefrisör? Nein, grundsätzlich kann die gesamte Pflege des Vierbeiners selbst übernommen werden. Falls der Pflegeaufwand jedoch zu viel wird oder keine ausreichende Zeit vorhanden ist, ist ein guter Hundefrisör, der sich mit Havanesern auskennt, eine gute Wahl. Wer möchte, kann sich bestimmte Handgriffe vom Fachmann zeigen lassen und bei der Profipflege erst mal zuschauen. Ebenso ist eine Beratung hinsichtlich Zubehör sehr empfehlenswert. Dies ermöglicht es, sich für den Heimgebrauch einiges abzuschauen und bei der Handhabung von Pflegeutensilien zu lernen, wie es geht.

Einige Besitzer haben gemischte Erfahrungen gemacht. Ein Beispiel zeigt, dass ein Havaneser-Mix nach der Filzphase recht problemlos war, wobei einmaliges wöchentliches Kämmen reichte. Später änderte sich dies durch medizinische Faktoren (Kortison), was zu einer „wattigen" Struktur führte und eine Schur notwendig machte. Dies zeigt, dass die Pflegeintensität von Tier zu Tier variieren kann und manchmal externe Faktoren eine Rolle spielen.

Fazit

Die Fellpflege beim Havaneser ist eine Kunst, die Geduld, die richtigen Utensilien und ein tiefes Verständnis für die Bedürfnisse des Tieres erfordert. Vom täglichen Kämmen im Welpenalter über die kritische Filzphase bis zur wöchentlichen Pflege des Erwachsenen ist eine konsequente Routine entscheidend. Durch die richtige Technik – vom Festhalten des Ansatzes bis zum systematischen Durchkämmen – lassen sich Verfilzungen vermeiden. Während einige Besitzer die Pflege selbst übernehmen, können andere in Ausnahmefällen einen Profifriseur hinzuziehen, um von dessen Expertise zu profitieren. Letztendlich ist der Aufwand, der mit dem langen Fell verbunden ist, eine Investition in das Wohlbefinden des Hundes, der durch seine liebenswerte Persönlichkeit den Aufwand mehr als wettmacht.

Quellen

  1. DogForum Diskussionsbeitrag
  2. Havaneser Zeidlerhof Pflegeanleitung
  3. Manus Havaneser Pflegeleitfaden

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