Die Frage nach den intelligentesten und den vermeintlich „dümmsten" Hunderassen ist ein komplexes Thema, das tief in die Psychologie des Hundes und die Geschichte der Zucht eintaucht. Lange Zeit wurde die Intelligenz von Hunden primär an ihrer Fähigkeit gemessen, menschlichen Befehle auszuführen. Doch diese Definition ist irreführend. Viele der Rassen, die in Rankings an den unteren Plätzen stehen, sind keineswegs unfähig, sondern zeichnen sich durch eine hohe Selbstständigkeit und einen ausgeprägten Eigenwillen aus. Dieser Eigenwille wird oft fälschlicherweise als Unintelligenz abgestempelt. In der wissenschaftlichen Betrachtung, wie sie unter anderem vom US-Psychologieprofessor Stanley Coren in seinem Werk „The Intelligence of Dogs" erarbeitet wurde, lässt sich die Intelligenz in drei Facetten unterteilen: instinktive Intelligenz, adaptive Intelligenz und Arbeits- und Gehorsamsintelligenz. Während die ersten beiden Facetten bei vielen als „dumm" eingestuften Rassen hervorragend ausgeprägt sind, fehlt ihnen oft die Bereitschaft, menschlichen Anweisungen blind zu folgen. Diese Diskrepanz führt zu Missverständnissen in der Hundeerziehung und erzeugt einen negativen Ruf, der der Realität dieser wunderbaren Tiere nicht gerecht wird.
Um die komplexe Dynamik zwischen Gehorsam und eigenständigem Denken zu verstehen, ist es notwendig, den Unterschied zwischen einem Hund, der Befehle blind befolgt, und einem, der Probleme selbstständig lösen kann, zu klären. Stanley Coren untersuchte in seiner umfassenden Liste mit insgesamt 79 Rassen, welche Hunderassen die schwierigsten im Bereich der Arbeits- und Gehorsamsintelligenz sind. Dabei zeigte sich, dass Hunde, die unter Platz 70 im Ranking stehen, oft bis zu 100 Trainingsdurchgänge benötigen, um ein neues Kommando zu erlernen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein neu gelerntes Kommando beim ersten Mal richtig ausgeführt wird, liegt bei diesen Rassen unter 20 Prozent. Dies führt zur Klassifizierung als „dumm", wenn man Intelligenz rein mit Befehlsgehorsam gleichsetzt. Doch die eigentliche Ursache liegt in der ursprünglichen Zuchtgeschichte dieser Tiere. Viele dieser Rassen wurden nicht gezüchtet, um dem Menschen zu gehorchen, sondern um unabhängig zu handeln und Probleme selbstständig zu lösen.
Ein besonders markantes Beispiel ist der Shih Tzu. Diese Rasse wurde einst in den Klöstern Tibets gezüchtet, wo sie zusammen mit großen Herdenschutzhunden zur Bewachung der Nutztiere auf den Weideflächen gehalten wurden. Aufgrund ihres hervorragenden Gehörs hörten die Shih Tzus verräterische Geräusche, wie etwa die eines Bären oder Wolfes. Wenn sie Alarm schlugen, witzelten sie die großen Herdenschutzhunde als Räumkommando auf. Der Shih Tzu hat den weltweiten Weg in die Gesellschaft als Haushund gefunden. Aufgrund dieses Ursprungs und seines eigenständigen Wesens erfüllt er im Durchschnitt nur rund 30 Prozent der ihm erteilten Befehle. Er gilt somit in Rankings als besonders „dumm", doch dies ist ein Missverständnis. Der Hund ist nicht unfähig zu lernen, er hat einfach gelernt, dass eigenständiges Handeln für das Überleben in seiner ursprünglichen Funktion entscheidend war. Heute überzeugen diese charmanten Vierbeiner mit Fröhlichkeit und Verspieltheit und werden in den USA und Großbritannien sogar erfolgreich als Therapiehunde eingesetzt, was ihre hohe emotionale Intelligenz und Empathie unterstreicht.
Auch der Basset Hound fällt in diese Kategorie. Der Basset stammt von einer alten, französischen Hunderasse ab und verfügt über einen außerordentlich guten Geruchssinn. Ursprünglich zum Aufstöbern von Niederwild und zum Fährtenlesen gezüchtet, ist der Basset bei seiner Arbeit als Spürhund nicht schnell, aber ausdauernd über lange Zeit und lange Strecken. Hat er eine Fährte in der Nase, ist er mehr oder weniger nicht mehr abrufbar und macht sein eigenes Ding. Als Jagdhunde reagieren sie sehr sensibel auf Gerüche und lassen sich dadurch leicht ablenken. Hieraus ergeben sich schlechte Voraussetzungen für eine stressfreie Erziehung im Sinne eines Gehorsamstrainings, das auf schnelles Reagieren setzt. Der Basset gilt als langsam und phlegmatisch, doch dies ist keine Unintelligenz, sondern ein Ergebnis seiner spezifischen Arbeitsaufgabe: Die Fähigkeit, einer Fährte über Tage hinweg zu folgen, erfordert eine hohe Konzentration und Unabhängigkeit, die dem Gehorsamstraining im Wege steht.
Der Mastiff zeigt ein ähnliches Muster. Diese Hunde können sehr entspannt sein – manchmal auch ein wenig zu entspannt. Ihre Reaktionszeit lässt deshalb sehr zu wünschen übrig. In einigen Bundesländern steht der Mastiff wegen seiner erhöhten Reizbarkeit auf der Rasseliste problematischer Hunderassen und sollte ausschließlich von erfahrenen Hundehaltern gehalten werden. Weshalb er in Statistiken als dumm klassifiziert wird, erschließt sich jedoch nicht immer sofort, da die Rasse ursprünglich als Jagd- und Wachhund sowie als Kampfhund eingesetzt wurde. Die Größe, Stärke und Ausdauer spielten eine Rolle, nicht der Gehorsam.
Der Beagle, der oft zusammen mit dem Basset genannt wird, teilt diese Eigenschaft. Beagles gelten als starrköpfig, leicht abzulenken und deshalb als schwierig zu erziehen. Sie sind hervorragende Jagdhunde, bei denen der Geruchssinn die Dominanz gegenüber menschlichen Befehlen hat. Wenn ein Hund eine Fährte erschnüffelt, folgt er ihr auch noch nach mehreren Tagen. Sein starker Trieb, diesen zu folgen, erfordert einen erfahrenen Hundeführer. Bei entsprechender Haltung wird sich der Bloodhound (der oft in ähnlichen Kontexten genannt wird, aber auch als eigenständige Rasse gilt) seinen Besitzern gegenüber als empfindsam und treu erweisen.
Der Afghanische Windhund, oft Platz 1 der „dümmsten" in Rankings, ist mit seinem langen, fließenden Fell eine wahre Augenweide. Ein markantes Merkmal ist sein ausgeprägter Jagdtrieb. Der niederländische Verhaltensforscher Frans de Waal hält den eigenständig denkenden Vierbeiner beispielsweise schlichtweg für zu intelligent, als dass er die Befehle des Menschen ausführen würde. Dies verdeutlicht den Kern des Missverständnisses: Der Afghanische Windhund ist ein Sichtjäger. Der Barsoi, wie alle Windhundrassen, ist ein Sichtjäger. Gerade Rüden dieser Hunderasse können ein starkes Selbstbewusstsein ausbilden. Geschätzt wird er heutzutage als ruhiger und treuer Begleithund mit einem liebenswürdigen Wesen. Der Barsoi genießt den Ruf als „dummer" Hund aufgrund seines starken Jagdtriebes, der ihn mitunter unberechenbar macht und ihn beim gemeinsamen Spaziergang unvermittelt und ganz überraschend zur Hetzjagd aufbrechen lässt. Dies ist keine Dummheit, sondern die Auslebung eines tief verankerten Instinkts.
Der Pekinese, der zusammen mit dem Shih Tzu und dem Lhasa-Apso zu den sogenannten „Löwenhunden" zählt, hat eine ebenso spannende Geschichte. Einer Legende zufolge wurde Budda stets von gedrungenen Löwenhündchen begleitet, die sich in echte Löwen verwandeln konnten, wenn Gefahr in der Luft lag. Wie der Shih Tzu und der Lhasa-Apso zählt der Pekinese zu den sogenannten „Löwenhunden", die früher ausschließlich dem chinesischen Kaiserhaus als Palasthunde vorbehalten waren. Die Rasse gelangte im 19. Jahrhundert über Großbritannien zu uns als Gesellschaftshund. Der Pekinese zählt zu den sogenannten „Löwenhunden". Der Pekinese gilt wohl als „dumm", weil er nicht gleich jedem Mensch seine Zuneigung schenkt. Er ist selbstbewusst und kann störrisch und eigen sein. Dennoch ist er seinem Herrchen gegenüber liebevoll, anhänglich und verschmust. Wie der Shih Tzu wird der Pekinese vermutlich deshalb als dumm bezeichnet, weil er Fremde nicht sofort an sich heranlässt. Auch Befehle lässt er sich lieber zweimal durch den haarigen Kopf gehen. Obwohl er als störrisch und eigensinnig gilt, erweist er sich seinem Besitzer gegenüber als loyal und liebevoll.
Die Englische Bulldogge hat ihren Ursprung in der Zucht als Kampfhund. Ursprünglich als Kampfhunde gezüchtet, mussten die sogenannten Bullenbeißer gegen Bullen antreten. Dies erfordert eine Rasse, die nicht auf Anweisungen wartet, sondern selbstständig handelt.
Um die Unterschiede zwischen den Rassen besser zu verstehen, kann man sie nach ihren spezifischen Merkmalen und dem Grund für ihre Einstufung als „dumm" vergleichen. Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Punkte der am häufigsten genannten Rassen zusammen, basierend auf den bereitgestellten Fakten.
| Hunderasse | Intelligenz-Ranking (Coren) | Hauptgrund für Einstufung als „dumm" | Ursprünglicher Zweck |
|---|---|---|---|
| Afghanischer Windhund | 1 (als „dümmster") | Zu eigenständig / starker Jagdtrieb | Sichtjäger, Hetzjagd |
| Shih Tzu | 70 | Eigensinnig, starrköpfig, nur 30% Befehlsausführung | Tempelhund, Wache (Tibet) |
| Basset Hound | 71 | Phlegmatisch, leicht ablenkbar durch Geruch | Spürhund (Niederwild, Fährtenlesen) |
| Mastiff | 72 | Sehr entspannt, langsame Reaktionszeit | Jagd-, Wach- und Kampfhund |
| Beagle | 72 | Starrköpfig, leicht abzulenken | Jagdhund (Fährten) |
| Pekinese | - | Störrisch, gibt Zuneigung nicht jedem | Gesellschaftshund (Palasthund) |
| Englische Bulldogge | - | Starker Jagdtrieb (ursprünglich) | Kampfhund (Bullenhetze) |
Die Analyse zeigt, dass das Wort „dumm" in diesem Kontext ein Unwort ist, das vielmehr auf das Fehlen von Gehorsamsintelligenz verweist, während die adaptive Intelligenz und das Instinktive Denken dieser Tiere oft überlegen sind. Immerhin werden eigensinnige und selbstständige Hunde auf diese Weise schnell als vermeintliche Kleinhirne abgestempelt. Auffällig ist, dass sich unter den zehn Schlusslichtern drei hervorragende Jagdhunde befinden. Dies unterstreicht, dass ihre „Ungehorsamkeit" ein direktes Ergebnis ihrer Zuchtgeschichte ist.
Es gibt Fellnasen, die benötigen an die 100 Wiederholungen, um etwas Neues zu erlernen. Selbst dann befolgen sie Befehle auch nur dann, wenn ihnen gerade danach ist. Wenn du glaubst, dass Hunde nicht zählen könnten, stecke dir drei Leckerlis in die Tasche und gib deinem Hund nur zwei davon. Dies zeigt, dass die Fähigkeit zum Zählen oder Problemlösen bei diesen Rassen oft vorhanden ist, sie aber nicht unbedingt mit Gehorsamstraining einhergeht. Der Verhaltensforscher Frans de Waal argumentiert, dass diese Hunde schlichtweg zu intelligent sind, als dass sie die Befehle des Menschen ausführen würden. Diese Sichtweise verschiebt die Perspektive: Es geht nicht um Unfähigkeit, sondern um eine andere Form von Intelligenz, die auf Unabhängigkeit basiert.
Für den Menschen, der sich mit diesen Rassen beschäftigt, ist es entscheidend, diese Unterscheidung zu verstehen. Ein Hund, der eine Fährte verfolgt, muss nicht auf jedes Wort des Halters hören, sondern muss dem Geruch folgen. Ein Hund, der als Tempelhund Alarm geschlagen hat, muss eigenständig entscheiden. Diese historischen Aufgaben prägen das Verhalten bis heute. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein neu gelerntes Kommando beim ersten Mal richtig ausgeführt wird, liegt bei diesen Rassen unter 20 Prozent. Dies bedeutet nicht, dass der Hund nichts versteht, sondern dass er den Befehl nicht als bindend empfindet.
Der Shih Tzu und der Pekinese sind Beispiele für Hunde, die als Gesellschaftshunde gezüchtet wurden, aber trotzdem nicht jedem Befehl blind folgen. Der Shih Tzu wurde zusammen mit großen Herdenschutzhunden gehalten. Hörten die Shih Tzus verräterische Geräusche, schlugen sie Alarm und wiegelten die großen Herdenschutzhunde als Räumkommando auf. Dieser Instinkt bleibt erhalten. Der Pekinese, der früher dem chinesischen Kaiserhaus vorbehalten war, gilt als störrisch und eigensinnig, erweist sich aber seinem Besitzer gegenüber als loyal und liebevoll. Die Legende von den Löwenhunden, die sich bei Gefahr in echte Löwen verwandeln, spiegelt den Schutzinstinkt wider, der auch heute noch in ihrem Wesen spürbar ist.
Der Basset und der Beagle sind Jagdhunde, bei denen der Geruchssinn alles andere in den Schatten stellt. Der Basset ist bei seiner Arbeit als Spürhund nicht schnell, aber Ausdauernd über lange Zeit und lange Strecken. Hat er eine Fährte in der Nase, ist er mehr oder weniger nicht mehr abrufbar. Der Beagle gilt als starrköpfig, leicht abzulenken und deshalb als schwierig zu erziehen. Diese Eigenschaften sind keine Mängel, sondern die Voraussetzung für ihre Arbeit als Spürhunde. Der Mastiff hingegen ist sehr entspannt, was seine Reaktionszeit beeinträchtigt. In manchen Bundesländern steht der Mastiff wegen seiner erhöhten Reizbarkeit auf der Rasseliste problematischer Hunderassen. Dies macht die Haltung anspruchsvoll für unerfahrene Besitzer.
Der Afghanische Windhund ist ein perfektes Beispiel für einen Hund, der zu intelligent ist, um Gehorsam zu zeigen. Der Barsoi (Afghanischer Windhund) ist ein Sichtjäger. Der Jagdtrieb kann ihn unberechenbar machen und unvermittelt zur Hetzjagd aufbrechen lassen. Dies ist keine Dummheit, sondern die Auslebung eines tief verankerten Instinkts.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Klassifizierung von Hunderassen als „dumm" oft ein Missverständnis ist. Die Intelligenz von Hunden liegt in den Augen des Betrachters. Für manche ist es seine besondere Sensibilität, die einen Hund intelligent macht. Für andere ist es das schnelle Erlernen von Befehlen. Hunderassen, die eigenständig denken, werden deshalb oft – gemeinerweise – als „dumme" Hunderassen bezeichnet. Es gibt Fellnasen, die benötigen an die 100 Wiederholungen, um etwas Neues zu erlernen. Selbst dann befolgen sie Befehle auch nur dann, wenn ihnen gerade danach ist. Dies unterstreicht, dass die Intelligenz eines Hundes nicht nur im Befehlsgehorsam liegt, sondern auch im eigenständigen Problemlösen und der Fähigkeit, auf seine Sinne zu hören.
Die Bedeutung der verschiedenen Intelligenzformen wurde von Stanley Coren untersucht, der drei Aspekte betrachtete: Instinktive Intelligenz, angepasste Intelligenz und Arbeits- und Gehorsamsintelligenz. Instinktive Intelligenz bezieht sich auf die Fähigkeit, die Aufgaben zu erfüllen, für die der Hund gezüchtet wurde. Adaptive Intelligenz befassst sich mit dem Vermögen des Tieres, Probleme selbständig zu lösen. Arbeits- und Gehorsamsintelligenz behandelt die Fähigkeit, von Menschen zu lernen. Anhand dieser Kriterien erstellte er eine Liste von 79 Rassen.
Für potenzielle Besitzer dieser Rassen ist es wichtig zu verstehen, dass diese Hunde oft nicht „dumm" sind, sondern eine andere Form von Intelligenz besitzen. Ein Hund, der seine Aufgaben selbstständig erfüllt, ist für die Erziehung eine Herausforderung, die Geduld und Erfahrung erfordert. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein neu gelerntes Kommando beim ersten Mal richtig ausgeführt wird, liegt bei diesen Rassen unter 20 Prozent. Dies bedeutet, dass das Training mehr Zeit benötigt und dass der Halter den Hund als Partner und nicht als Diener betrachten muss.
In der Praxis zeigt sich, dass diese Hunde oft sehr empfindsam und treu ihren Besitzern gegenüber sind, sofern sie respektvoll behandelt werden. Der Shih Tzu wird in den USA und Großbritannien erfolgreich als Therapiehund eingesetzt, was seine emotionale Intelligenz bestätigt. Der Pekinese erweist sich seinem Herrn gegenüber als loyal und liebevoll, obwohl er Fremde nicht sofort annimmt. Der Basset ist bei entsprechender Haltung ein treuer Begleiter, der jedoch eine erfahrene Führung braucht.
Abschließend lässt sich festhalten, dass die Bezeichnung „dumm" für diese Rassen irreführend ist. Sie sind nicht unfähig, sondern eigenständig. Ihre Intelligenz manifestiert sich in der Fähigkeit, Probleme zu lösen und ihren Instinkten zu folgen, nicht im blinden Gehorsam. Wer diese Hunde halten möchte, sollte sich auf eine partnerschaftliche Haltung einstellen, bei der der Hund nicht als Untergebener, sondern als gleichberechtigter Partner gesehen wird. Nur so wird das volle Potenzial dieser besonderen Rassen ausgeschöpft.
Fazit
Die Debatte über die „dümmsten" Hunderassen offenbart weniger die Grenzen der Hundeintelligenz als vielmehr das Missverständnis menschlicher Erwartungshaltungen. Die Rassen, die in Rankings an den unteren Plätzen stehen, sind keineswegs unfähig oder dumm. Vielmehr besitzen sie eine hohe adaptive und instinktive Intelligenz, die jedoch nicht im klassischen Gehorsamstraining zum Tragen kommt. Der Shih Tzu, der Basset, der Beagle, der Mastiff, der Pekinese, die Englische Bulldogge und der Afghanische Windhund sind Beispiele für Hunde, die aufgrund ihrer Zuchtgeschichte – ob als Spürhund, Kampfhund, Tempelhund oder Sichtjäger – eigenständig handeln mussten und dies auch heute noch tun.
Die Forschung von Stanley Coren zeigt, dass diese Hunde oft über 100 Wiederholungen benötigen, um Befehle zu erlernen und nur rund 30 Prozent der Kommandos befolgen. Doch dies liegt nicht an kognitiven Defiziten, sondern an der Tatsache, dass sie „zu intelligent" sind, um den Befehlen des Menschen blind zu folgen. Sie priorisieren ihre eigenen Sinne und Instinkte. Für den Halter bedeutet dies: Eine erfolgreiche Beziehung zu diesen Hunden erfordert Geduld, Verständnis für ihre spezifischen Stärken und eine Erziehungsweise, die ihre Eigenständigkeit respektiert. Statt sie als „dumm" zu stigmatisieren, sollten wir ihre besondere Form von Intelligenz anerkennen und wertschätzen. Ein Hund, der eine Fährte tagelang verfolgt oder einen Wolf ortet, besitzt eine Intelligenz, die für das Überleben und die Arbeit unverzichtbar ist. Die wahre Intelligenz liegt nicht im Gehorsam, sondern in der Fähigkeit, Probleme selbstständig zu lösen und auf seine Sinne zu vertrauen.