Anatomische Verformung und chronisches Leiden: Die medizinische Realität der Mops-Zucht

Die Zucht von Hunderassen mit extremen körperlichen Merkmalen hat in den letzten Jahrzehnten zu einer massiven Zunahme von gesundheitlichen Problemen geführt, die oft direkt auf den Zuchtauswahlprozess zurückzuführen sind. Beim Mops zeigt sich dies in besonderer Deutlichkeit. Was als ästhetisches Ideal – das flache Gesicht und der klobige Körperbau – beworben wird, entpuppt sich für die Tiere als Quelle chronischer Schmerzen und Einschränkungen. Die wissenschaftliche Literatur und tierrechtliche Urteile belegen, dass die Zucht von Möpsen oft unter den Tatbestand der Qualzucht fällt, da sie gezielt Merkmale fördert, die das Wohlbefinden und die Lebenserwartung der Tiere erheblich beeinträchtigen.

Ein zentraler Aspekt der Problematik ist das Brachyzephalische Obstruktive Atemwegssyndrom (BOAS). Diese chronische Erkrankung basiert auf züchterisch bedingten anatomischen Veränderungen, die die oberen Atemwege verengen. Beim Mops führt die extreme Verkürzung des Schädels, insbesondere der Schnauze, zu einer Komprimierung der Nasengänge und einer veränderten Rachenanatomie. Im Vergleich zu mesocephalen Hunden (Hunde mit normaler Kopflänge) fällt auf, dass der Gesichtsschädel des Mopses selbst im Vergleich mit anderen brachycephalen Rassen extrem verkürzt ist. Durch diese Verkürzung werden die intranasalen Strukturen verformt. Aberrante, stenosierte Conchae (Nasenmuschelstrukturen) sind häufig nur gering verzweigt und können sowohl die rostralen Nasengänge als auch die Choanen verlegen. Dies führt zu einer massiven Einschränkung der Luftleitenden Wege.

Die Konsequenzen dieser anatomischen Fehlbildungen sind gravierend. Betroffene Hunde weisen einen deutlich erhöhten Atemwiderstand auf, gegen den sie bei jeder Einatmung arbeiten müssen. Der intraluminale Druck ist während der Inspiration erhöht. Dieser Druckanstieg ist die primäre Ursache für sekundäre Entzündungen, für das Herumstülpen der Kehlkopftaschen (Eversion) und kann langfristig zu einem Kollaps des Kehlkopfs oder der Luftröhre führen. Die Symptome umfassen schnaufende, laute Atmung, die oft von Tierbesitzern zunächst als normal für die Rasse akzeptiert wird. Zusätzlich zu den Atemproblemen leiden die Tiere an ständiger Überhitzung, Schlafstörungen und sind anfällig für Ohnmachtsanfälle, Erbrechen und Herzprobleme. In extremen Fällen führt die Atemnot zu tödlichen Komplikationen, was dazu führt, dass Tiere manchmal eingeschläfert werden müssen, um sie von ihrem Leid zu erlösen.

Die rechtliche Einordnung dieser Situation ist in Deutschland durch das Tierschutzgesetz (TierSchG) und das Tierschutzhundeverordnungs (TierSchHuV) geregelt. Ein Urteil des Verwaltungsgerichts Hamburg vom 4. April 2018 (11 E 1067/18) stellt fest, dass das Fehlen von Körperteilen, wie hier die funktionierende Nase, regelmäßig als Schaden bewertet wird. Die Zucht von Möpsen erfüllt demnach den Tatbestand der Qualzucht, wenn sie einzelne oder mehrere der nachfolgend aufgeführten Schäden verursacht. Es handelt sich um eine bewusste Förderung einer Optik, die das Tier zu leiden bringt, ohne dass dies im Interesse des Tieres wäre.

Die Pathologie der Brachycephalie und ihre systemischen Folgen

Die Brachycephalie beschreibt im weitesten Sinne die Verkürzung des Kopfes, einschließlich der Schnauze. Beim Mops ist dies das definierende Merkmal, das nicht nur das Aussehen prägt, sondern die gesamte Physiologie des Tieres verändert. Die spezielle Anatomie der oberen Atemwege bei diesen Hunden führt zu einer Obstruktion. Im Vergleich zu anderen Rassen haben brachycephale Hunde einen verkürzten Schädel, der zu einer Komprimierung der Nasengänge führt. Die CT-Bilder zeigen, dass der Gesichtsschädel des Mopses extrem klein ist. Die intranasalen Fehlbildungen führen dazu, dass die Choanen (die Öffnung vom Nasenrachenraum zum Rachen) verlegt werden können.

Die klinischen Ausprägungen sind vielfältig und oft schwerwiegend. Zu den typischen Merkmalen gehören stenotische Nasenlöcher, ein verlängerter weicher Gaumen, evertierte Kehlkopftaschen sowie eine hypoplastische (unterentwickelte) Luftröhre. Ein betroffener Hund kann eine beliebige Kombination dieser Defekte aufweisen, meist drei bis vier, die zu unterschiedlich starken Beeinträchtigungen der oberen Atemwege führen. Nasale Mukosa-Kontaktpunkte, die den Lufttransport einschränken, können die Atemprobleme weiter verstärken.

Neben den Atemwegen sind weitere Organsysteme betroffen. Die Zuchtbedingten anatomischen Veränderungen führen zu Schäden an der Wirbelsäule, was zu chronischen Schmerzen führt. Auch Hüftdysplasien sind eine häufige Begleiterscheinung, die das Laufen und den Bewegungsapparat belastet. Die Augenerkrankungen, die mit Schmerzen, Leiden und Schäden einhergehen, sind beim Mops besonders kritisch. Die großen, rund geformten Augen liegen oft ungeschützt vor, was Verletzungen und Infektionen begünstigt. Im extremen Fall können bei heftigen Ringkämpfen mit Artgenossen die Augäpfel aus der Höhle treten (Protrusion der Augen), was eine dringende chirurgische Intervention erfordert.

Zusätzlich zu den physischen Leiden gibt es psychische und verhaltensbezogene Folgen. Durch die Atemnot verursachte Angstzustände sind häufig zu beobachten. Die eingeschränkte Kommunikationsfähigkeit durch die fehlende Gesichtsmimik ist ein weiterer Aspekt des Leidensbegriffs. Tiere, die nicht in der Lage sind, ihre Emotionen natürlich auszudrücken, leiden unter einer Einschränkung ihrer arteigenen Verhaltensabläufe. In der juristischen Betrachtung wird dies als nicht unwesentliche Beeinträchtigung gewertet. Die Unfähigkeit, auf natürliche Weise Nachkommen zu gebären, ist ein weiteres Kriterium für Qualzucht, da der enge Geburtskanal und die Körperverformung die natürliche Geburt oft unmöglich machen, was zu Zäsuren zwingt.

Die Thermoregulation ist bei Möpsen erheblich beeinträchtigt. Durch die verengten Atemwege können sie Hitze nicht effektiv über das Atmen (Pusten) abbauen. Dies führt zu schneller Überhitzung im Sommer und bei Belastung. Die Kombination aus Atemnot und Überhitzung führt zu chronischem Stress und Angstzuständen.

Risikoprofile und epidemiologische Daten zu Atemwegserkrankungen

Die wissenschaftliche Forschung hat in jüngster Zeit neue Daten zur Verbreitung des Brachyzephalischen Obstruktiven Atemwegssyndroms (BOAS) in verschiedenen Rassen vorgelegt. Eine Studie, die im Fachjournal "PLOS One" veröffentlicht wurde, beleuchtet das Ausmaß der Problematik. Während Mops, Französische Bulldogge und Bulldogge als stark betroffen bekannt sind, zeigten Pekinesen und Japan Chins ein ähnlich hohes Risiko. Die Forschenden um Francesca Tomlinson von der University of Cambridge ermittelten, dass fast 90 Prozent der Pekinesen und mehr als 80 Prozent der Japan Chins von BOAS betroffen sind. Damit ist die Erkrankung bei diesen Rassen ähnlich häufig wie bei den klassischen Brachycephalen.

Auch beim Mops ist das Risiko extrem hoch. Studien aus England zeigen eine Prävalenz für BOAS zwischen 6,5 und 59,8 Prozent, abhängig von der genauen Stichprobe. Der Mops weist ein bis zu 50-fach erhöhtes Risiko für BOAS im Vergleich zu anderen Rassen auf. In einer australischen Studie wurden Möpse bereits im Alter von etwa zwei Jahren wegen BOAS-Symptomen in der Praxis vorgestellt. Mit einem Anteil von 26 Prozent waren sie die am häufigsten wegen dieser Symptome operierte brachycephale Rasse. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass die tatsächliche Prävalenz in der Praxis vermutlich noch höher liegt, da viele Betroffene nicht vorstellig werden, weil die Symptome von Besitzern oft als „normal" für die Rasse akzeptiert werden.

Neben den hochgefährdeten Rassen gibt es eine Gruppe von mäßig gefährdeten Hunden. Dazu zählen King Charles Spaniel, Shih Tzu, Brüsseler Griffon, Boston Terrier und Bordeauxdogge. Bei diesen Rassen waren jeweils die Hälfte bis drei Viertel der untersuchten Hunde betroffen. Bei Staffordshire Bullterrier, Cavalier King Charles Spaniel, Chihuahua, Boxer und Affenpinscher wiesen zwar die Hälfte der Hunde gewisse Atemgeräusche auf, jedoch waren nur wenige Tiere klinisch relevant erkrankt. Dies deutet darauf hin, dass nicht jedes Atemgeräusch sofort eine lebensqualitätsmindernde Erkrankung bedeutet, obwohl es ein Warnsignal ist.

Die folgende Tabelle fasst die Risikokategorien und die jeweiligen Prävalenzraten zusammen, basierend auf den vorliegenden Studien.

Rasse Risikokategorie für BOAS Geschätzte Prävalenz (Studien) Hauptmerkmal der Pathologie
Mops Extrem hoch 6,5 % - 59,8 % (England) Extreme Brachycephalie, Stenose
Französische Bulldogge Extrem hoch Ähnlich wie Mops Atemnot, Überhitzung
Bulldogge Extrem hoch Ähnlich wie Mops Atemnot, Überhitzung
Pekinese Extrem hoch ~90 % Schwere Atemwegsobstruktion
Japan Chin Extrem hoch >80 % Schwere Atemwegsobstruktion
King Charles Spaniel Mäßig gefährdet 50 % - 75 % Atemgeräusche, leichter bis mittlerer Grad
Shih Tzu Mäßig gefährdet 50 % - 75 % Atemwegsobstruktion
Brüsseler Griffon Mäßig gefährdet 50 % - 75 % Atemwegsobstruktion
Boston Terrier Mäßig gefährdet 50 % - 75 % Atemwegsobstruktion
Bordeauxdogge Mäßig gefährdet 50 % - 75 % Atemwegsobstruktion
Staffordshire Bullterrier Gering ~50 % (Atemgeräusche) Nur wenige klinisch relevant erkrankt
Boxer Gering ~50 % (Atemgeräusche) Nur wenige klinisch relevant erkrankt
Affenpinscher Gering ~50 % (Atemgeräusche) Nur wenige klinisch relevant erkrankt

Die Daten zeigen eindeutig, dass die anatomischen Veränderungen, die für das „süße" Aussehen sorgen, direkt mit der Krankheitshäufigkeit korrelieren. Je extremer die Verkürzung der Schnauze, desto höher das Risiko für BOAS. Die Studie unterstreicht, dass es sich bei diesen Problemen nicht um Zufälle handelt, sondern um direkte Konsequenzen der Zuchtauswahl.

Der Mops als Fallbeispiel für züchterische Defekte und rechtliche Bewertung

Der Mops zählt zu den besonders betroffenen Rassen und erfüllt nach Ansicht des Verwaltungsgerichts Hamburg den Tatbestand der Qualzucht. Die rechtliche Bewertung stützt sich auf die Feststellung, dass das Fehlen von Körperteilen (wie einer funktionstüchtigen Nase) als Schaden einzustufen ist. Die Zucht von Möpsen wird daher dann als Qualzucht eingestuft, wenn sie einzelne oder mehrere der nachfolgend gelisteten Schäden verursacht:

  • Brachycephalie und damit verbundene Leiden, Schmerzen und Schäden
  • Schäden an der Wirbelsäule und damit verbundene Schmerzen
  • Schäden an den Hüftgelenken (Hüftdysplasien) und damit verbundene Schmerzen
  • Augenerkrankungen und damit verbundene Schmerzen, Leiden und Schäden
  • Hauterkrankungen und damit verbundene Schmerzen, Schäden und Leiden
  • Ohrenerkrankungen und damit verbundene Schmerzen, Schäden und Leiden
  • Unfähigkeit, auf natürliche Weise Nachkommen zu gebären
  • Beeinträchtigung der Thermoregulation und damit verbundenes Leiden
  • Durch Atemnot verursachte Angstzustände
  • Leiden durch eingeschränkte Kommunikationsfähigkeit der Gesichtsmimik
  • Erfüllung des Leidensbegriffs wegen durch züchterische Maßnahmen hervorgebrachter körperlicher Veränderungen, die zu einer nicht unwesentlichen Beeinträchtigung der arteigenen Verhaltensabläufe und ggf. Nicht-Belastbarkeit der Tiere führen

Die Zucht von Tieren, bei denen bestimmte Merkmale bewusst gefördert werden, obwohl sie das Wohlbefinden und die Lebenserwartung erheblich beeinträchtigen, ist das definierende Merkmal der Qualzucht. Beim Mops ist dies besonders offensichtlich. Die bewusste Förderung einer Optik, die viel Leid verursacht, steht im direkten Widerspruch zum Tierschutzrecht.

Anatomische Merkmale und Rassestandard des Mops

Gemäß dem Rassestandard ist der Mops ein „multum in parvo" – viel Muskeln in wenig Raum. Dies erklärt die kompakte, klobige und quadratische Gestalt des Tieres. Charakteristisch für die Rasse ist ein leichtes Rollen der Hinterhand beim Gehen. Die Rute ist hoch angesetzt, wobei ein doppelter Kringel (double curl) erwünscht ist. Der Kopf ist relativ groß und rund, die Falten auf der Stirn sind klar definiert. Die Schnauze ist relativ kurz, stumpf und quadratisch. Der Kiefer ist leicht unterständig (Unterbiss). Der Unterkiefer ist breit, und die Schneidezähne stehen fast in gerader Linie. Die Augen sind groß und rund. Der Hals ist leicht gewölbt, um einem Kamm zu ähneln, außerdem kräftig und dick.

Diese Merkmale, die im Zuchtstandard gefordert werden, sind gleichzeitig die Ursache der pathologischen Zustände. Der extrem kurze Schädel führt zur Komprimierung der Nasengänge. Die Rassestandards und Zuchtordnungen haben im Gegensatz zum Tierschutzgesetz und der Tierschutzhundeverordnung keine rechtliche Bindungswirkung, sie dienen lediglich als Richtlinie für die Züchter. Dennoch sind es genau diese ästhetischen Vorgaben, die die gesundheitlichen Probleme verursachen.

Fazit

Die Analyse der wissenschaftlichen Daten und der rechtlichen Urteile führt zu einem klaren Schluss: Die Zucht von Hunden wie dem Mops, bei der extreme anatomische Merkmale bewusst gefördert werden, stellt eine Qualzucht dar. Die durch die Brachycephalie verursachten Atemwegsobstruktionen (BOAS) sind nicht nur ein medizinisches Problem, sondern ein ethisches und rechtliches Dilemma. Die Prävalenz von Atemwegserkrankungen ist bei Rassen wie Mops, Pekinesen und Japan Chins extrem hoch, was direkt auf die Zuchtauswahl zurückzuführen ist.

Die gesundheitlichen Folgen sind weitreichend. Neben den offensichtlichen Atemproblemen leiden die Tiere unter Wirbelsäulenschäden, Hüftdysplasien, Augenerkrankungen und Hautproblemen. Die Beeinträchtigung der Thermoregulation führt zu schneller Überhitzung und Lebensqualität-einschränkender Angst. Die Unfähigkeit zur natürlichen Geburt und die eingeschränkte Kommunikationsfähigkeit durch das flache Gesicht vervollständigen das Bild eines Tieres, das durch den Menschen in eine Leiden verursachende Form gezwungen wurde.

Die rechtliche Lage ist eindeutig: Wenn die Zucht zu diesen Schäden führt, erfüllt sie den Tatbestand der Qualzucht. Das Fehlen von Körperteilen, wie einer funktionierenden Nase, wird vom Gericht als Schaden bewertet. Es liegt in der Verantwortung der Zuchtverbände und der Gesetzgeber, die Rassestandards so anzupassen, dass sie mit dem Tierschutzgesetz vereinbar sind. Solange jedoch das ästhetische Ideal des flachen Gesichts bewahrt wird, bleibt das Leiden der Tiere unverändert hoch. Die medizinische Realität zeigt, dass die bewusste Förderung dieser Merkmale eine direkte Bedrohung für das Wohlbefinden und die Lebenserwartung der Tiere darstellt.

Quellen

  1. Qualzucht von Haustieren: Was kommt nach dem Mops?
  2. Merkblatt: Hund, Rasse Mops (Pug)
  3. Leiden durch Qualzucht - diese Hunderassen trifft es

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