Havaneser-Fellpflege: Vom Welpenfell zum Erwachsenenhaar – Ein Leitfaden für Züchter und Halter

Die Haltung eines Havanesers stellt eine besondere Herausforderung dar, die weit über das reine Füttern und Spazierengehen hinausgeht. Obwohl diese Rasse oft als „Anfängerhund“ deklariert wird, was sich auf die Trainierbarkeit und Anpassungsfähigkeit bezieht, gilt dies nicht uneingeschränkt für die Fellpflege. Das Haarkleid des Havanesers durchläuft signifikante Veränderungen, die von den Besitzern verstanden und aktiv gemanagt werden müssen, um Verfilzungen und gesundheitliche Probleme zu vermeiden. Die Pflege des langen, seidigen Fells erfordert nicht nur die richtigen Werkzeuge, sondern vor allem Zeit, Geduld und ein tiefes Verständnis für die biologischen Phasen des Hundefells.

Die biologische Entwicklung des Haarkleides und die kritische „Filzphase"

Ein zentraler Aspekt der Havaneser-Pflege liegt in der Umstellung des Fells. Welpen geboren werden mit einem fluffigen Fell, das keine Unterwolle besitzt und daher als pflegeleicht gilt. Mit Beginn der Pubertät entwickelt sich jedoch die Unterwolle, was das Fell dichter und anfälliger für Verfilzungen macht. Diese Phase, die oft als „Filzphase" bezeichnet wird, ist kritisch. In dieser Zeit, in der das Welpenfell in das glänzende, lange Erwachsenenfell übergeht, neigt das Haarkleid verstärkt zur Bildung von Knoten.

Die Anfälligkeit für Verfilzungen ist in dieser Übergangszeit am höchsten. Besonders problematisch sind Bereiche wie die Achseln, der Bereich hinter den Ohren, der Hals und der Bauch. In diesen Regionen bilden sich schnell Knötchen, die ohne tägliche Pflege zu echten Filzplatten werden können. Ein erfahrener Halter weiß, dass in dieser Phase eine tägliche Pflege von ca. 10 Minuten oder länger unumgänglich ist. Sobald die Filzphase vorbei ist und das Erwachsenenfell vollständig ausgebildet ist, kann sich der Pflegeaufwand auf ein bis zwei Mal pro Woche reduzieren, wobei die Häufigkeit stark vom individuellen Fellzustand abhängt.

Es ist wichtig zu verstehen, dass das lange Haarkleid des Havanesers nicht sehr kälteresistent ist. Im Winter friert das Tier schneller, und im Sommer kann das Fell filzen oder bei Regen wie ein Wattebausch quellen. Diese physikalischen Eigenschaften erfordern eine angepasste Pflegestrategie, die sowohl den Schutz vor Witterung als auch die Vermeidung von Verfilzungen im Auge behält.

Die Basisausstattung: Werkzeuge für eine professionelle Fellpflege

Eine effektive Pflege beginnt mit der richtigen Ausrüstung. Die Auswahl der Werkzeuge sollte nicht starr sein, sondern sich an die individuelle Fellstruktur des jeweiligen Hundes anpassen. Ein erfahrener Halter findet nach einiger Zeit heraus, welche Utensilien am besten funktionieren. Die folgende Liste stellt die grundlegende Ausstattung dar, die für eine umfassende Pflege notwendig ist:

  • Mittlerer Kamm zum Durchkämmen des kompletten Fells bis auf die Haut und zum Entwirren von Knötchen und Verfilzungen (z.B. Entwirrungskamm mit rotierenden Borsten)
  • Feiner Kamm für Bart und Gesicht
  • Zupfbürsten zum einfachen und schnellen Herauskämmen von Verfilzungen
  • Abgerundete Schere für die Pfotenpflege und zur Entfernung von Verfilzung
  • Abgerundete Pinzette für die Ohrenpflege
  • Effilierschere, die rausgeschnittene Verfilzungskanten kaschiert und das Fell ausdünnt, ohne unschöne Schneidkanten zu verursachen
  • Flohkamm zum Auffinden und Entfernen lästiger „Untermieter"
  • Krallenzange, falls die Krallen sich auf natürliche Weise zu wenig abwetzen
  • Zahnbürste und Hundezahnpasta für die Maulhygiene
  • Zeckenzange für den Schutz vor Parasiten
  • Fusselfreie Tücher und Waschlappen/Handtücher
  • Fettcreme zur Ballenpflege (z.B. Vaseline)
  • Naturhaarbürste für Extraglanz

Zusätzlich zur Grundausstattung gibt es weitere Hilfsmittel, die die Pflege erleichtern. Ein Entfilzungsspray hilft bei kleinen Knötchen und verbessert die Kämmbarkeit. Ein spezielles Hundeschampoo und eine Pflegespülung (Conditioner) sind notwendig, um das Haar geschmeidig zu machen. Die Spülung wird nach dem Waschen eingearbeitet und hilft, das Fell glatt und glänzend zu halten.

Die richtige Waschroutine und Trocknungstechniken

Das Baden eines Havanesers ist ein wichtiger Schritt, darf aber nicht zu häufig erfolgen, um das natürliche Hautfett nicht zu zerstören. Eine optimale Frequenz liegt bei allen 3 bis 4 Wochen. Bei einem schlammigen Waldspaziergang kann eine sogenannte „Unterbodenwäsche" ausreichen, bei der nur die unteren Beinbereiche und der Bauch gewaschen werden. Dies ist schnell erledigt und erfordert oft kein vollständiges Föhnen.

Der Ablauf einer kompletten Waschroutine sieht wie folgt aus: 1. Das Fell wird zunächst gründlich durchgekämmt, um Verfilzungen vor dem Waschen zu entfernen. 2. Der Hund wird in der Wanne mit warmem Wasser benetzt. 3. Hundeschampoo wird aufgetragen und einmassiert. 4. Nach dem Abspülen kann optional eine Pflegespülung oder eine Kur eingearbeitet werden, um das Fell geschmeidig zu machen. 5. Der Hund wird aus der Wanne geholt und auf ein vorbereitetes Handtuch gesetzt. 6. Mit einem weiteren Handtuch wird das Wasser aus dem Fell gedrückt. Es ist wichtig, nicht zu rubbeln oder zu stark zu reiben, da dies zu neuen Verwirrungen und Knötchen führt. 7. Viele Havaneser mögen es sehr trocken gefönt zu werden. Das Föhnen muss jedoch mit Vorsicht geschehen, da das lange Fell sehr empfindlich auf Hitze reagiert.

Besonders wichtig ist der Hinweis auf die Kälteempfindlichkeit. Obwohl das lange Haarkleid anders vermuten lässt, ist es nicht sehr kälteresistent. Zugluft sollte vermieden werden. Der Hund darf erst wieder nach draußen gelassen werden, wenn er komplett trocken ist, um Erkältungen zu vermeiden.

Die Herausforderung der Filzphase und die Notwendigkeit der Schere

Die „Filzphase" während der Pubertät ist eine kritische Zeit, in der das Fell schnell zu großen Filzplatten neigt. Oft lauern diese an den Ohren, am Hals, an den Achseln oder am Bauch. Hartnäckige Stellen sollten zunächst mit den Fingern vorsichtig entwirrt und geöffnet werden, bevor sie behutsam ausgekämmt werden.

Bei starken Verfilzungen reicht das Kämmen oft nicht aus. In solchen Fällen ist der Einsatz einer abgerundeten Schere manchmal die einzige Möglichkeit, große Filzplatten aus dem Fell zu entfernen. Bei besonders großflächigen Filzplatten muss eventuell ein Profi im Hundesalon ran und Abhilfe schaffen. Wer mag, kann sich bestimmte Handgriffe vom Fachmann zeigen lassen und bei der Profipflege erst mal zuschauen. Dies ist besonders empfehlenswert, um die Handhabung von Pflegeutensilien zu erlernen.

Einige Halter entscheiden sich für einen regelmäßigen Gang zum Hundefrisör. Dies ist eine gute Wahl, falls der Pflegeaufwand zu viel wird oder keine ausreichende Zeit vorhanden ist. Ein guter Hundefrisör, der sich mit Havanesern auskennt, kann bei der Entfernung von Verfilzungen helfen und das Fell pflegen.

Spezialisierte Pflegebereiche: Ohren, Augen, Genitalbereich und Pfoten

Die ganzheitliche Pflege eines Havanesers umfasst mehr als nur das Kämmen der Haare. Augen, Ohren, Maul und Pfoten benötigen regelmäßige Aufmerksamkeit.

Ohrenpflege: Die Haare im Gehörgang sollten mit einer abgerundeten Pinzette entfernt werden. Dies kann auch mit den Fingern geschehen. Damit die Haare besser gegriffen werden können, hilft Babypuder, der auf den Fingern verteilt wird. Ist der Gehörgang frei, sollte die Ohrmuschel mit einem feuchten Tuch ausgewischt werden, um Dreck oder Ohrenschmalz zu entfernen. Ein frisches Tuch sollte für jedes Ohr verwendet werden. Auf keinen Fall sollten Wattestäbchen zum Einsatz kommen, da hier das Verletzungsrisiko einfach zu groß ist. Bei viel Schmalz hilft eine spezielle Ohrlotion, die ins Ohr eingeträufelt und gut einmassiert wird. Danach schüttelt sich der Hund ausgiebig und befördert die Lotion inklusive Dreck heraus. Ein gesundes Ohr eines Havanesers riecht recht neutral. Stinkende oder unangenehm riechende Ohren deuten immer auf ein Problem hin. Sollte der Geruch nach der Pflege nicht verschwinden, ist ein Tierarzt aufzusuchen.

Augenpflege: Um unschöne Verfärbungen durch Tränenfluss zu verhindern, sollten die Augen einmal täglich gereinigt werden. Dazu reicht ein fusselfreies und eventuell angefeuchtetes Tuch. Gewischt wird von außen nach innen. Dies verhindert, dass Schmutz in das Auge getragen wird.

Genital- und Afterbereich: Das lange Haarkleid birgt hier besondere Probleme. Im langen Fell um die Afterregion bleiben manchmal Kotreste kleben. Durch die eingeschränkte Belüftung im Genitalbereich kommt es bei einigen Hunden zu einem unangenehmen Geruch und teilweise auch Juckreiz. Darum sollten die Haare in diesen Regionen mit einer abgerundeten Schere etwas geschnitten werden. Es ist wichtig, auf Sauberkeit zu achten und den Bereich regelmäßig mit einem Waschlappen oder in der Badewanne mit klarem Wasser abzuwaschen. Shampoo ist dafür nicht nötig.

Pfotenpflege: Die Pfoten benötigen eine spezielle Pflege. Eine Fettcreme, wie Vaseline, dient der Ballenpflege und verhindert, dass die Ballen aufreißen. Die Krallen sollten regelmäßig kontrolliert werden. Falls sie sich auf natürliche Weise zu wenig abwetzen, ist eine Krallenzange notwendig.

Strategien für verschiedene Jahreszeiten und Felllängen

Die Pflegeintensität und -methode variieren stark je nach Jahreszeit und dem gewünschten Styling.

Jahreszeit Pflegefokus Empfohlene Maßnahmen
Winter Wärmeschutz Das Fell darf länger wachsen, um den Hund vor Kälte zu schützen. Nur an neuralgischen Stellen (Bauch, Beine, Gesicht) wird geschnitten. Richtiges Föhnen ist entscheidend, da das Fell nicht kälteresistent ist.
Sommer Hitzeschutz & Hygiene Im Hochsommer kann das Fell runterscheren, um Überhitzung zu vermeiden. Das Fell kann im Sommer richtig kurz geschnitten werden.
Frühjahr/Herbst Übergangsphase Das Fell wird etwas länger gelassen. Die Häufigkeit der Pflege richtet sich nach dem Fellzustand.

Einige Halter wählen eine Strategie, bei der das Fell im Sommer kurz und im Winter länger gehalten wird. Die Rute wird oft begradigt, damit sie nicht wie ein Wischmopp aussieht. Bei einem Mix-Havaneser kann die Pflege erstaunlich unaufwändig sein, wenn das Fell regelmäßig geschnitten wird. Sichtbarer Dreck rieselt weitgehend aus dem Fell heraus.

Die Rolle des Hundefrisörs und die Selbstpflege

Die Frage, ob man mit dem Havaneser zum Hundefrisör gehen muss, lässt sich nicht mit einem einfachen „Ja" oder „Nein" beantworten. Die gesamte Pflege des Vierbeiners kann natürlich auch selbst übernommen werden. Dies erfordert jedoch Ausdauer und einiges an Mühe, besonders in den ersten zwei Lebensjahren. Wer jedoch am Ball bleibt und täglich Kamm und Bürste schwingt, wird mit einem schönen und rundum gepflegtem Havaneser belohnt.

Falls der Pflegeaufwand jedoch zu viel wird oder nicht ausreichend Zeit dafür vorhanden ist, wäre ein guter Hundefrisör, der sich mit Havanesern auskennt, eine gute Wahl. Ein Besuch beim Friseur alle 8-12 Wochen ist oft sinnvoll. Beim Friseur kann man sich bestimmte Handgriffe zeigen lassen und bei der Profipflege zuschauen. Ebenso ist eine Beratung hinsichtlich Zubehör sehr empfehlenswert.

Einige Halter berichten, dass ihr Hund das Kämmen gut findet und freudig kommt, wenn die Pflegeutensilien herausgeholt werden. Das Baden hingegen wird oft nicht toll gefunden, aber stoisch ertragen. Bei einer Unterbodenwäsche scheint der Hund es nicht mehr so schlimm zu finden und kann sich sogar selbstständig in die Badewanne begeben.

Ernährung und Fellgesundheit

Die Ernährung spielt eine entscheidende Rolle für den Zustand des Fells. Ein schlechter Ernährungszustand kann zu stumpfem Fell und erhöhter Anfälligkeit für Verfilzungen führen. Ein Futtercheck kann helfen, das richtige Futter zu finden. Viele Halter berichten, dass die Suche nach dem richtigen Futter sich gelohnt hat und der Hund sein neues Futter liebt. Es ist wichtig, auf eine ausgewogene Ernährung zu achten, die die Haut- und Fellgesundheit unterstützt.

Einige Halter nutzen kostenlose Futterchecks, um zu sehen, welches Futter andere Hundehalter mit derselben Rasse bevorzugen und gute Erfahrungen gemacht haben. Dies kann helfen, die richtige Entscheidung zu treffen.

Fazit

Die Pflege eines Havanesers ist eine anspruchsvolle Aufgabe, die über das reine Kämmen hinausgeht. Sie erfordert ein tiefes Verständnis für die biologischen Phasen des Fells, insbesondere die kritische Filzphase während der Pubertät. Die richtige Ausstattung mit spezialisierten Werkzeugen wie Entwirrungskämmen, Scheren und Pinzetten ist unumgänglich. Die Pflege umfasst zudem die Reinigung von Ohren, Augen, Genitalbereich und Pfoten.

Während einige Halter die Pflege vollständig selbst übernehmen und täglich Zeit investieren, entscheiden sich andere für eine Kombination aus Selbstpflege und professioneller Unterstützung durch einen Hundefrisör. Entscheidend ist, dass der Hund gesund und das Fell frei von Verfilzungen bleibt. Mit der richtigen Strategie, den passenden Werkzeugen und einer angepassten Ernährung kann jeder Havaneserbesitzer einen glänzenden, gesunden Begleiter haben. Die Investition in Zeit und Geduld wird mit einem gesunden, gepflegten Hund belohnt.

Quellen

  1. Havaneser Pflege Leitfaden
  2. Diskussion: Wie aufwendig ist die Fellpflege wirklich?

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