Der Fall Zoo Zajac und die Realität des Welpe-Einkaufs: Ein Bericht über die Schließung, Tierhaltung und die Zukunft der Vermittlung

Die Schließung des weltweit größten Zoofachhandels in Duisburg, des Zoo Zajac, markiert den Abschied einer Ära in der deutschen Tierhaltung. Das Geschäft, das über zwei Jahrzehnte unter der Führung von Norbert Zajac und nun unter Kathi Geven stand, muss zum 31. März 2025 seine Tore schließen. Dieses Ereignis wirft fundamentale Fragen auf: Was passiert mit den verbliebenen Tieren, wie funktioniert der Übergang zu tierschutzgerechten Haltungen und welche Rolle spielt der Online-Handel in dieser Zeit der Umbrüche? Der folgende Bericht untersucht die Umstände der Schließung, die Herausforderungen der Tiervermittlung und die Bedeutung eines verantwortungsvollen Umgangs mit Hunden, insbesondere bei der Anschaffung von Rassen wie dem Havaneser, im Kontext dieser großen Veränderung im Zoofachhandel.

Der Niedergang eines Riesen: Wirtschaftliche Gründe und Schließungsdatum

Die Entscheidung für den Verkauf der verbliebenen Tiere und die schrittweise Schließung des Geschäftsbetriebs wurde im Dezember 2024 getroffen. Die Gründe hierfür liegen in einer Kombination aus steigenden Betriebskosten und sinkenden Einnahmen. Strom-, Wasser- und Personalkosten haben den Einzelhandel stark unter Druck gesetzt. Kathi Geven, die Geschäftsführerin, konstatierte offen: "Der Einzelhandel hat es sehr schwer, das betrifft auch uns." Ein entscheidender Faktor war das Fehlen eines geeigneten Investors. Die Insolvenzverwalterin Sarah Wolf von der Kanzlei Anchor Rechtsanwälte gab bekannt, dass 120 potenzielle Interessenten angeschrieben wurden. Doch je näher sich diese mit dem Standort befassten, desto geringer wurde das Interesse, da sich eine Übernahme wirtschaftlich nicht mehr lohnte.

Das Enddatum für den Betrieb ist der 31. März 2025. Bis zu diesem Zeitpunkt läuft ein Großverkauf. Dieser Verkauf umfasst eine breite Palette an Produkten, jedoch explizit keine lebenden Tiere. Auf der offiziellen Website wird dies mit dem Slogan „Schlussverkauf: Alles außer Tiere, Pflanzen und Korallen" beworben. Dies ist eine deutliche Abkehr von früheren Praktiken, bei denen der Zoo Zajac auch als Verkäufer von lebenden Tieren wie Hunden, Katzen, Hamstern und anderen Kleintieren fungierte.

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten spiegeln einen breiteren Trend im deutschen Einzelhandel wider. Die steigenden Energiekosten und der Mangel an Neukunden haben dazu geführt, dass der Umsatz in den letzten Monaten stark eingebrochen ist. Die Schließung ist daher nicht nur ein lokales Ereignis, sondern ein Beispiel für die Verwundbarkeit des stationären Tierhandels gegenüber makroökonomischen Faktoren.

Die Frage nach dem Schicksal der Tiere: Vom Kauf zur Vermittlung

Eine der drängendsten Fragen im Zusammenhang mit der Schließung ist das Schicksal der Tiere, die noch im Geschäft sind. Der Zoo Zajac hatte über viele Jahre hinweg Hunderttausende Tiere beherbergt, darunter Hunde, Katzen, Nagetiere und Vögel, die sich auf einer Fläche von 13.000 Quadratmetern befanden. Die Vermittlung dieser Tiere ist ein komplexer Prozess, der über das reine Verkaufen hinausgeht.

Ein Pressesprecher der Stadt Duisburg gab bekannt, dass Zoo Zajac Kontakte zu Händlern, Züchtern und zoologischen Gärten aufgenommen hat. Das erklärte Ziel ist die Abgabe der verbliebenen Tiere in tierschutzgerechte Haltungen. Ein Teil der Tiere wurde bereits vermittelt. Es wird betont, dass das Veterinäramt der Stadt Duisburg weiterhin in engem Kontakt mit dem Zoo Zajac und dem hauseigenen Tierarzt steht, um den Prozess zu überwachen.

Joachim Hinderfeld, der hauseigene Tierarzt, bestärkte, dass viele Tiere bereits ein neues Zuhause gefunden haben. Er betonte, dass es auch für die restlichen Tiere potenzielle Abnehmer in der Hinterhand gibt. Ein wichtiges Prinzip, das in dieser Zeit der Auflösung besonders hervorgehoben wurde, ist, dass kein Tier leichtfertig verkauft wird. Es gibt ein Netzwerk aus Zoos und Tierparks in ganz Deutschland, über das die Vermittlung erfolgt. Dies deutet darauf hin, dass der Fokus von einem reinen Einzelhandel auf eine koordinierte Tierrettung und Weitervergabe in professionelle Umgebungen verschoben wurde.

Die Geschichte der Kritik: Zwischen Begeisterung und Tierschutzbedenken

Der Zoo Zajac war über Jahre hinweg ein Magnet für Tierfreunde und gleichzeitig ein Objekt starker Kritik. Während das Unternehmen über ein breites Sortiment an Zubehör und Futter verfügte, stand die Haltung der Tiere oft im Zentrum der Diskussion. Tierschutzorganisationen wie PETA kritisierten die Bedingungen der Tierhaltung. Eine häufige Kritikpunkt war die Haltung von Kleintieren. Es wurde festgestellt, dass bei dieser Art von Gehegen Atemwegsbeschwerden vorprogrammiert waren, da Ammoniak im Urin von Kleintieren sich ansammelt und in niedrigeren Bereichen konzentriert wird.

Trotz dieser Kritik war der Zoo Zajac ein Ort der Begeisterung für viele Kunden. Menschen, die schon als Kinder mit ihren Eltern oder Großeltern den Laden besuchten, erinnerten sich an die riesige Auswahl an Produkten. Kunden wie Ian Schröder aus Essen, der zu Hause Katzen und Aquaristik betreibt, lobten das Sortiment. Andere wie Sarah Bernardini aus Bochum, die extra Zeit freigeklärt hatte, um am Verkauf teilzunehmen, zeigten die emotionale Bindung der Kunden an diesen Ort.

Die Schließung bedeutet jedoch auch das Ende der Tierverkäufe. Der Verkaufsprozess ist nun auf Waren beschränkt. Dies wird von vielen Tierschützern als positive Entwicklung begrüßt, da die Haltungsbedingungen im Zoofachhandel oft als nicht artgerecht galten. Der Übergang von einem Verkäufer von Tieren zu einem reinen Händler von Tierbedarf und die anschließende Abgabe der Tiere an spezialisierte Einrichtungen markiert einen Wendepunkt in der Wahrnehmung des Tierhandels.

Der Online-Shop als Alternative: Sortiment und Logistik

Parallel zur Schließung des stationären Geschäfts spielt der Zoo Zajac Online-Shop eine zentrale Rolle für Tierbesitzer, die weiterhin Bedarf an Produkten haben. Der Online-Shop bietet eine breite Palette an Kategorien, die alle Bedürfnisse abdecken, von Hundefutter über Kleintierbedarf bis hin zu Aquaristik und Terraristik.

Das Sortiment des Online-Shops umfasst:

  • Hundefutter: Verschiedene Trockenfutter, Nassfutter und Snacks
  • Katzefutter: Nassfutter, Trockenfutter und Snacks
  • Kleintierbedarf: Futter, Einstreu und Käfige für Nagetiere
  • Vogelbedarf: Käfige, Futtermischungen und Snacks
  • Pferdebedarf: Futter, Pflegeprodukte und Zubehör
  • Aquaristikbedarf: Futter, Technik und Dekorationen
  • Terraristikbedarf: Terrarien, Futter und Wärmequellen

Besonders hervorzuheben ist das große Angebot an Bio-Produkten und hochwertigem Futter, bei dem auf Qualität geachtet wird. Die Bestellung erfolgt einfach über den Warenkorb, wobei die Lieferzeit meist innerhalb von 2-3 Werktagen liegt. Ab einem Bestellwert von 49 Euro ist der Versand kostenlos, bei niedrigerem Wert betragen die Versandkosten 4,90 Euro. Der Kundenservice steht per Mail und Telefon zur Verfügung und hilft bei Fragen zu Produkten, Lieferung oder Retouren.

Dieser Online-Shop stellt eine wichtige Säule dar, die es Kunden ermöglicht, weiterhin auf die breiten Ressourcen des ehemaligen Großhandels zugreifen zu können, auch wenn das physische Geschäft schließt. Er dient als Bindeglied zwischen den Bedürfnissen der Tierbesitzer und der Verfügbarkeit von Produkten in dieser Übergangsphase.

Der Prozess der Tiervermittlung: Von der Hatz zur Verantwortung

Die Vermittlung der verbliebenen Tiere ist ein Prozess, der weit über den reinen Verkauf hinausgeht. Es ist ein Prozess der Verantwortung, der sicherstellt, dass Tiere nicht einfach "verkauft" werden, sondern in geeignete Hände übergehen. Der Fokus liegt auf der Suche nach tierschutzgerechten Haltungen. Dies umfasst die Koordination mit Züchtern, Zoos und Tierparks.

Der Prozess der Vermittlung ist komplex und erfordert die Zusammenarbeit mehrerer Akteure. Das Veterinäramt der Stadt Duisburg überwacht den Prozess, um sicherzustellen, dass die Tiere in sichere Umgebungen kommen. Die Geschwindigkeit ist hierbei ein entscheidender Faktor, da viel Zeit bleibt, um die restlichen Tiere zu vermitteln. Ein Teil der Tiere, wie die drei Faultiere, hat bereits ein neues Zuhause gefunden.

Die emotionale Komponente dieses Prozesses ist nicht zu unterschätzen. Kathi Geven berichtete von vielen emotionalen Momenten, besonders beim Abschied von Tieren, die eine lange Geschichte mit dem Geschäft teilen. Dies zeigt, dass die Schließung nicht nur ein wirtschaftliches Ende, sondern ein emotionaler Abschied von den Tieren ist.

Vergleich der Haltungsbedingungen: Vom Zoofachhandel zur professionellen Einrichtung

Ein kritischer Aspekt bei der Diskussion um den Zoo Zajac ist der Vergleich der Haltungsbedingungen zwischen dem Zoofachhandel und professionellen Einrichtungen wie Zoos oder Tierheimen. Im Zoofachhandel wurden oft viele Tiere auf engem Raum gehalten, was zu gesundheitlichen Problemen wie Atemwegsbeschwerden führte. In professionellen Einrichtungen hingegen liegt der Fokus auf artgerechter Haltung, größerem Platz und besserer Gesundheitsversorgung.

Die folgende Tabelle verdeutlicht die Unterschiede in der Haltung und den daraus resultierenden Gesundheitsrisiken:

Merkmal Zoofachhandel (z.B. Zoo Zajac) Professionelle Einrichtung (Zoo/Tierheim)
Raumangebot Eingeschränkt, oft überfüllt Ausreichend, artgerecht dimensioniert
Luftqualität Problematisch (Ammoniak-Anreicherung) Geregelt, gute Belüftung
Gesundheitsrisiko Erhöhtes Risiko für Atemwegsbeschwerden Geringeres Risiko, medizinische Überwachung
Sozialisation Begrenzt durch hohe Tierdichte Gezielt, artentsprechende Gruppengrößen
Zweck Verkauf als Ware Schutz, Rehabilitation, Aufzucht

Diese Unterschiede verdeutlichen, warum die Übergabe der Tiere an professionelle Einrichtungen als notwendig erachtet wird. Der Zoofachhandel diente primär dem Verkauf, während professionelle Einrichtungen den Schutz und das Wohlbefinden der Tiere in den Mittelpunkt stellen. Die Schließung des Zoo Zajac bietet somit eine Chance, die verbliebenen Tiere in Umgebungen zu bringen, die diesen Ansprüchen entsprechen.

Der emotionale Abschied: Erinnerungen und Nostalgie

Die Schließung des Zoo Zajac weckt bei vielen Kunden starke emotionale Reaktionen. Der Laden war für viele ein Ort der Kindheit, ein Platz der Begeisterung für Tiere. Kunden wie Ian Schröder erinnerten sich daran, wie sie schon mit ihrem Großvater den Laden besuchten. Die Atmosphäre des Geschäfts, die Geräuschkulisse der Tiere und die riesige Auswahl an Produkten schufen eine einprägsame Erfahrung.

Sarah Bernardini berichtete, dass sie extra Zeit freigeklärt hatte, um den Schlussverkauf zu besuchen. Ihr Einkaufswagen war voll mit Korkbrücken und Zubehör für Kleintiere. Diese Erinnerungen zeigen, dass der Zoo Zajac mehr war als nur ein Geschäft; er war ein Ort der Begeisterung, der für viele Generationen Bedeutung hatte. Der Abschied von den Tieren, die dort gehalten wurden, ist daher auch ein Abschied von einer Epoche der Tierhaltung.

Die emotionale Belastung der Geschäftsführerin Kathi Geven ist ebenfalls spürbar. Sie beschreibt den Abschied von den Tieren als schwer, besonders von den Faultieren, die bereits ein neues Zuhause gefunden haben. Dieser emotionale Aspekt unterstreicht die menschliche Komponente der Schließung: Es geht nicht nur um Wirtschaftlichkeit, sondern um das Schicksal der Lebewesen und die Erinnerungen der Menschen.

Fazit

Die Schließung des Zoo Zajac in Duisburg ist ein einschneidendes Ereignis für den deutschen Tiermarkt. Es markiert das Ende des weltweit größten Zoofachhandels und wirft wichtige Fragen auf zur Tierhaltung, zum Verkauf von Tieren und zur Zukunft des Tierhandels. Die wirtschaftlichen Gründe für die Schließung sind klar: Steigende Kosten und sinkender Umsatz haben das Geschäft unwirtschaftlich gemacht.

Das Schicksal der Tiere steht im Zentrum der Diskussion. Der Prozess der Vermittlung zeigt, dass der Fokus von einem reinen Verkauf auf eine tierschutzgerechte Abgabe verschoben wurde. Die Zusammenarbeit mit Zoos, Tierheimen und dem Veterinäramt ist entscheidend, um sicherzustellen, dass die Tiere in geeignete Haltungen übergehen. Die Kritik an den Haltungsbedingungen im Zoofachhandel, insbesondere bei Kleintieren, hat zur Notwendigkeit dieser Umstrukturierung beigetragen.

Der Online-Shop des Zoo Zajac bleibt eine wichtige Ressource für Tierbesitzer, die weiterhin Bedarf an Produkten haben. Die Schließung des stationären Geschäfts ist somit nicht das Ende der Existenz des Unternehmens, sondern eine Umwandlung in einen reinen Online-Händler und einen Akteur in der Tierrettung. Die emotionale Bindung der Kunden an diesen Ort zeigt, dass der Zoo Zajac mehr als nur ein Geschäft war; er war ein Ort der Begeisterung und der Erinnerung. Der Abschied von den Tieren und die Vermittlung in neue, artgerechte Umgebungen markieren einen wichtigen Schritt in der Entwicklung des Tierhandels hin zu einer verantwortungsvolleren Haltung.

Quellen

  1. Zoo Zajac Online Shop - Alles für tierische Lieblinge
  2. Zoo Zajac Duisburg: Schlussverkauf und Tiervermittlung
  3. WDR: Zoo Zajac schließt – Was passiert mit den Tieren?

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